Das Leben ist manchmal wirklich unfair

Da haben wir dieses alte Pärchen – beide Kunden bei uns, wobei ich die Frau wohl noch nie gesehen habe. Ihr Mann holt immer alle ihre Medikamente und kümmert sich rührend um sie.

Sie hat Alzheimer und er pflegt sie zu Hause. Wer einen Verwandten hat mit Alzheimer, weiss wie schwierig und emotional anstrengend das ist.

Er beklagt sich nie. Er ist zu uns immer freundlich, egal unter was für Stress er sonst stehen mag. Für mich ist er ein echter Held.

Und jetzt … hat man bei ihm Krebs entdeckt. Grad an 2 Orten.

Und seine grösste Sorge ist dass er sich nicht mehr lange um seine Frau kümmern kann.

Ich könnte weinen.

Bonuspunkte für Ehrlichkeit

Es ist Nachmittag. Ein jüngerer Mann kommt in die Apotheke.

„Ich bräuchte eine Packung davon“  (zeigt mir ein Mittel gegen Schizophrenie).

Pharmama: „Haben Sie ein Rezept?“

Mann: „Nein, leider nicht mehr. Und ich habe heute die letzte Tablette genommen.“

Pharmama: „Waren Sie schon einmal bei uns?“

Mann: „Ja, aber nicht wegen dem.“

Das stimmt. Der Computer zeigt aber auch, dass das schon ein paar Jahre her ist.

Pharmama: „Haben Sie in einer anderen Apotheke ein Dauer-Rezept dafür?“

Mann: „Ich hatte – aber denen schulde ich auch noch ein Rezept. Ausserdem bin ich umgezogen. Ich wohne jetzt (hier in der Nähe).“

Oha. Das ist eigentlich keine gute Voraussetzung für einen Vorbezug. Aber zumindest ist er ehrlich. Das gibt bei mir Bonuspunkte.

Pharmama: „Wer ist denn ihr Arzt?“

Er gibt mir eine Terminkarte vom Arzt. Der nächste Termin ist in ein paar Tagen. Das ist zumindest gut.

Ich versuche mal den Arzt anzurufen.

Der Arzt ist tatsächlich erreichbar und er faxt mir auch gleich ein Rezept.

Und da der Mann auch seine Krankenkassenkarte dabei hat, steht nun einer Abgabe nichts mehr im Weg.

Aber eigentlich … in dem Fall hätte er es von mir trotzdem auch dann als Vorbezug bekommen, wenn ich den Arzt nicht gleich erreicht hätte. Das Mittel muss man regelmässig nehmen. Er hat zeigen können, dass er unter regelmässiger Kontrolle beim Arzt ist (Vorbezug in anderer Apotheke hin oder her) und er hatte eine alte Packung dabei, so dass sicher ist, dass er das richtige bekommt.

Inzwischen kommt er regelmässig zu uns – und auch die „Schulden“ in der anderen Apotheke hat er beglichen.

Arme Praxisassistentin!

Praxisassistentin: (hört sich leicht verzweifelt an):

„Ich kann den Arzt nicht schon wieder stören. Ich musste schon Zwei Mal bei der Patientin, an der er gerade ist, reinlaufen, weil Apotheken telefoniert haben! Das kann ich jetzt nicht noch ein Drittes Mal. Das wäre doch sehr .. unhöflich. Bitte rufen Sie in einer Viertelstunde nochmals an.“

Und ich denke: ‚Wenn die Apotheken so oft telefonieren müssen um etwas nachzufragen, muss er vielleicht etwas daran ändern, wie er die Rezepte ausstellt?‘

Ja, auch bei mir war etwas unklar. Und auch wenn das unhöflich ist für die Patientin bei ihm, die Patientin bei mir muss jetzt auch nochmals warten, bis ich das abklären konnte. Finde ich auch nicht so nett.

Die Grenzen der deutschen Sprache

Patient: "Ich brauche meine Tabletten vom Dauerrezept."

Pharmama: "Okay, wie heissen Sie?"

Patient: "Es sind diejenigen, die ich für meinen hohen Blutdruck nehme."

Pharmama: "Und wie ist Ihr Name?"

Patient: "Es fängt mit L.. an. L…isino…irgendsowas."

Pharmama: "Ja, aber ich brauche erst Ihren eigenen Namen damit ich im Computer in ihrem Dossier nachschauen kann."

Patient: "Oh, entschuldigen Sie. Ich heisse Meister."

Kostenvoranschlag vom Arzt?

Der Arzt hat auf Rezept eine Salbe zum herstellen aufgeschrieben.

"Wieviel kostet das?" will der Patient wissen – und ich gebe ihm eine grobe Schätzung anhand Inhaltsstoffe und Arbeit: Ca. 40 Franken.

"Was? Aber der Arzt hat gesagt, das soll nur um die 20 Franken kosten!"

Ich gebe ihm das Rezept zurück: "Dann lassen Sie das doch den Arzt herstellen."

Patient etwas bescheidener: "Ich glaube das kann er nicht."

Pharmama: "Ja – das liegt nicht in seiner Kompetenz … und er kann auch nicht sagen, wieviel das kostet. Ich gehe ja auch nicht hin und sage: 'Mit ihrer Blasenentzündung sollten sie zum Arzt gehen, die Untersuchung, Diagnose und das Ausstellen des Rezeptes sollte nicht mehr als 20 Franken kosten'."

Oder?

Ich durfte die Salbe dann herstellen.