Wie schreibt sich das?

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Ein Computergeneriertes Rezept. Man sollte denken, dass da nicht viel falsch gehen kann. Werden die nicht mittels Listen, wo die Medikamente drauf sind und anklicken erstellt?

Und wie passiert dann so etwas?

Patient: „Ich brauche dann wieder das Metacerox“

Praxisassistentin: „Wie schreibt sich das? Ich finde das nicht?“

Patient: „Na, so wie es sich ausspricht! 50 Milligramm. Ich hatte das bisher immer.“

Praxisasssistentin denkt sich: „Ach, ich füge das einfach als neue Zeile ein – die Apothekerin wird schon wissen, was gemeint ist.“

Ja – ich weiss. Aber ob der Arzt der das so unterschrieben hat das auch weiss?

Bonuspunkte für den, der mir in den Kommentaren das richtige Medikament nennen kann.

Wie nehme ich das jetzt?

Der Lehrling reicht mir das Telefon weiter für eine „pharmazeutische Frage“.

Am Telefon eine der Stimme nach ältere Frau:

„Halloo? Ich habe gestern von Ihnen ein Antibiotikum bekommen. Jetzt bin ich nicht sicher, wie ich das nehmen muss?“

Pharmama: „Wie war noch einmal der Name? Ich schaue rasch bei Ihnen im Dossier.“

Sie nennt mir Ihre Daten und ich rufe ihr Dossier auf.

Pharmama: „Ah – das Co-Amoxicillin, richtig?“

Frau: „Ja. Da steht auf der Etikette: Je 1 Tablette morgens und abends kurz vor dem Essen einnehmen. Für 7 Tage.“

So habe ich es auch bei mir festgehalten. Das ist unsere Übersetzung der Angaben des Arztes, die etwa so aussehen: 1-0-1 7d … und stimmt mit der im Beipackzettel empfohlenen Dosierung überein.

Pharmama: „Okay??“

(Ich verstehe das Problem noch nicht ganz)

Frau: „Heisst das, ich muss die 2 Tabletten nehmen und dann 7 Tage Pause machen?“

Pharmama: „Nein, das heisst, Sie nehmen während 7 Tagen jeden Tag morgens und abends je 1 Tablette.“

Frau: „Warum schreiben Sie das denn nicht so drauf. Ich finde das ‚für‘ sehr irreführend!“

Oh. Und hier dachte ich, das wäre deutlich so. Gut, dass wir das klären konnten.

Hmmm, ich finde „während“ auch schöner, aber ist das wirklich so unverständlich?

Gratis Auskunft mit Grenzen

Jetzt – gegen Ende des Jahres – häufen sich bei uns wieder die Anfragen von Patienten, die ausgedruckt haben wollen, was sie bei uns bezogen haben. Häufiger, weil sie es nicht geschafft haben, da selber „Buch zu führen“ und weil sie das für die Krankenkasse (wenn sie da selber bezahlt haben) brauchen*. Gelegentlich aus reinem Interesse, oder weil sie etwas nicht nachvollziehen konnten, das die Krankenkasse ihnen geschickt hat (die müssen leider immer noch nicht genau auflisten, für was da jetzt etwas ist, nur wieviel und woher).

*Das kann ich – nur kann ich bei den Selbstzahlern keine Rezeptkopien ausdrucken, da die das Rezept ja selber wieder mitgenommen haben.

Dieser Service ist grundsätzlich gratis. Die Daten „gehören“ ja auch dem Patienten selber. Das fällt auch (bei Anfragen des Patienten selber) nicht unter das Patientengeheimnis und gilt ebenso beim Arzt.

So steht’s auch im Gesetz: (Quelle)

Was kostet die Auskunft über meine Patientendaten?

Die Auskunft ist grundsätzlich kostenlos. Eine Kostenbeteiligung darf nur in Ausnahmefällen verlangt werden, z. B. wenn ein besonders grosser Aufwand entsteht. Dieser Aufwand muss über das blosse Kopieren, Ausdrucken und Versenden hinausgehen. Die Kostenbeteiligung ist in jedem Fall auf maximal Fr. 300.- beschränkt. Wird eine Kostenbeteiligung verlangt, so muss diese begründet und dem Patienten vor Auskunftserteilung mitgeteilt werden, damit dieser sein Auskunftsgesuch allenfalls zurückziehen oder abändern kann (z.B. auf einen bestimmten Zeitraum oder auf bestimmte Dokumente beschränken).

… Ich würde jetzt mal behaupten, dass diese „Kostenbeteiligung im Ausnahmefall“ durchaus angebracht ist, wenn es sich dabei um 50 Scheine mit je etwa 4 Rezepten (also insgesamt etwa 150 Rezepte) handelt aus den Jahren 2006-2010, deren digitales Bild nur noch via direkte Anfrage einzeln angefordert aus den Archiven extrahiert werden kann und die dann noch einzeln ausgedruckt werden müssen.

Nein, ich weiss nicht, für was er diese Info benötigte.

Nach der Auskunft, dass ich für den Aufwand dann etwas verlangen müsste (das sind mehrere Stunden Arbeit!) war der Patient dann mit einem detaillierten Ausdruck Ihrer Bezüge ohne die Kopien der Originale der Rezepte zufrieden. Das war dafür dann kostenlos. (Und hat auch nur etwa 30 Minuten gedauert).

Was war da noch?

Die Frau drückt mir ein Rezept in die Hand – und dann sagt sie: „Wir sind dann auf Ihre Empfehlung hin übrigens zum Arzt ins Spital gegangen. Und das war gut so: sie haben uns grad da behalten!“

Ich lächle sie an, denn ich mag Rückmeldungen …. allerdings muss ich zu meiner Schande zugeben, dass ich im Moment keine Ahnung habe, wovon sie redet. Das Gesicht kommt mir noch halbwegs bekannt vor, aber … Was war das noch? Ich habe fast 200 Personen, die täglich in die Apotheke kommen. Ein Grossteil davon haben dann auch Kontakt mit mir – weil ich sie direkt bediene, weil eine Kollegin mich holt, wenn eine kompliziertere Frage auftaucht, wenn ich die Rezepte kontrolliere vor der Abgabe … leider ist es bei der Menge Leute schon so, dass ich, vor allem wenn es nicht Stammkunden sind, nachher gelegentlich nicht mehr genau weiss, worum es jetzt genau gegangen ist … und einen Anstoss brauche. Dazu kommt noch, dass ich furchtbar bin mit Namen und mir Gesichter und mir die vor allem zusammen mit Geschichten merken kann. Gut – Soo häufig schicke ich die Leute auch nicht weiter zum Arzt. Vielleicht hilft ein Blick auf das Rezept?

Das ist eines ausgestellt vom Spital für Insulinspritzen und Blutverdünner und Blutdrucktabletten … für einen Mann – Und Zack fällt mir wieder ein, um was das ging.

Das war nämlich so:

Die Frau und ihr Freund / Mann / Kollege? (beide um die 50 bis 60) sind zu mir in die Apotheke gekommen in der Mittagszeit, die bei uns eher … geschäftig sein kann. Zwischen 3 Rezepten holt mich die Kollegin, weil die beiden eine Frage hatten betreffend Blutzuckermessgerät.

„Wir wissen nicht genau, wie das bedienen. Mein Freund kommt aus Griechenland und hat ein bisschen Probleme damit“.

Aus ihrem mitgebrachtem Sack kommen 2 Blutzuckermessgeräte und Teststreifen.

Diabetiker offensichtlich. Da ist es schon noch wichtig, dass er weiss, wie das geht, vor allem, wenn es neu ist.

„Ich zeige ihnen gerne, wie das funktioniert. Das eine Testgerät können sie weg machen – das ist ein altes und die Teststreifen, die sie haben, funktionieren nur mit dem neuen.“

Die Frau übersetzt dem Mann was ich sage. Ich zeige es den beiden, wie es geht und messe ihm mit seinen mitgebrachten Lanzetten den Blutzucker.

Der ist zu hoch – viel zu hoch, wenn stimmt, dass er seit frühmorgens nichts mehr gegessen hat.

„Ihr Blutzucker ist ziemlich hoch.“

Die Frau übersetzt, der Mann antwortet etwas.

„Er fragt, ob er jetzt etwas spritzen soll und wieviel.“

Die Frage überascht mich etwas.

„Sie haben also Insulin zum spritzen?“

„Ja.“ Auch dieser Insulin-Pen taucht auf meiner Theke auf.

„Wieviel soll er spritzen?“ fragt er via die Frau.

„Oh. Das ist abhängig vom Blutzucker, den man gemessen hat und dann von dem, was man nachher essen möchte und natürlich von der Art des Insulins … das kann ich ihnen nicht so einfach sagen. Haben Sie denn gar keine Anweisungen vom Arzt dazu bekommen?“

(Zugegeben: das überfordert mich jetzt doch etwas).

Sie diskutieren etwas.

„Er sagt, er weiss nicht wie.“

„Das ist nicht gut. Es ist enorm wichtig, dass er weiss, was die Messwerte bedeuten und wie er anhand von denen zu spritzen hat. Das zu insturieren geht leider über das heraus, was ich hier in der Apotheke machen kann – am besten wäre es, wenn er eine richtige Einführung bekäme – von einem Diabetologen, oder er einen Kurs machen könnte dafür.“

„Sollte er dafür zum Arzt?“

„Ja.“

Der Mann sagt etwas.

„Apropos Arzt – Er sagt, er habe schon einmal einen Herzinfarkt gehabt und im Moment habe er wieder etwas Brustschmerzen…“

„Was, jetzt?? Vorher hat nichts in diese Richtung gedeutet.

„Ja.“

„Dann würde ich ihnen empfehlen jetzt gleich zum Arzt zu gehen – das ist wichtig das abzuklären und vielleicht kann man dann auch gleich schauen wegen dem Blutzucker …“

Also sind sie ins Spital gegangen. Er hatte wohl keinen Herzinfarkt, aber einen Angina pectoris Anfall und sie haben ihn zum abklären dort behalten … worauf er (und sie) auch eine richtige Einführung in die Anwendung des Insulins bekommen haben.

Frau: „Ich habe eine Menge gelernt.“

„Das kann ich mir vorstellen“ sage ich und führe das neue Rezept aus.

Die beiden kommen jetzt regelmässig und ihm geht es gut.

Auf die Apotheke abwälzen (1)

Bei uns in der Schweiz ja total unbekannt (zum Glück!) in Deutschland aber gang und gäbe: Retaxationen. Das bedeutet, die Krankenkasse zahlt der Apotheke ein dem Patienten bereits abegegebenes (und verwendetes) Medikament nicht zurück – mit teils unglaublichen Begründungen wie kleinsten Formfehlern (der Arzt hat auf dem Rezept die Dosierung nicht ausgeschrieben, Kreuze nicht nochmal visiert, bei Gemeinschaftspraxen den verschreibenden Arzt nicht genau gekennzeichnet, die Nummer des Arztes nicht korrekt ist), oder wenn nicht genau das von der Kasse verlangte Rabattarzneimittel abgegeben wurde (auch dann wird auf Null retaxiert, also gar nichts zurück bezahlt, nicht nur die Differenz nicht).

Hier ein Aufruf an meine deutschen Apotheker – Leser (und -innen): Bitte schickt mir doch Eure Beispiele von Fällen wo die Kasse retaxiert hat, ich würde gerne einmal mehr über diese üble Praxis schreiben! : an Pharmama08(at)gmail.com

Jetzt haben die Kassen offenbar entdeckt, dass sie mit ähnlicher Methode auch bei den Patienten direkt Geld sparen können. Ein privat versicherter Patient (der die Medikamente erst zahlen muss und dann den Beleg einschicken um das Geld zurück zu erhalten) hat von seiner Krankenkasse den Brief bekommen, dass von seinem bezogenen Medikament nur X Euro übernommen werde – die restlichen 17 Euro Differenz zum bezahlten Betrag dürfe er aber in der Apotheke zurück fordern, da der Preis, den die Apotheke verlangt hat, widerrechtlich über dem von der Kasse festgelegten Verkaufspreis für das Produkt liege. Dass dieser Preis hier auf Basis des günstigsten Reimportes (!) festgelegt wurde und dass dieses zu dem Zeitpunkt nicht einmal lieferbar gewesen ist (!!), ist dabei nebensächlich.

Die Kasse lässt die Apotheken also so aussehen, als verlangen sie absichtlich zu viel für das Medikament.

Der erboste Patient erschien dann in der Apotheke, um das auszudiskutieren, verstand aber nach einer längeren Erklärung den Sachverhalt. Der wird jetzt auch mit der Krankenkasse abgeklärt, ob ihr Verhalten da rechtlich ist. (Quelle: Apotheke-adhoc)

 

Das mag jetzt für die deutschen Patienten überraschend sein, aber bei uns gibt es das schon länger, dass die Krankenkasse einen Preis für etwas festlegt, der Abgabepreis aber höher sein kann und der Patient dann die Differenz selber übernehmen muss. Das passiert bei uns häufiger bei Produkten der MiGeL (Mittel- und Gegenstände-Liste) wie Blutzuckerteststreifen, Nadeln, Verbandmaterial etc.

Je nachdem übernimmt das auch die Zusatzversicherung, aber wenn so etwas bei uns auftritt (das sehen wir beim Eingeben im Computer) kassieren wir das entweder grad ein oder informieren den Patienten, dass er eventuell eine Rechnung zu erwarten hat. Im Gegensatz zu Deutschland verlangt die Krankenkasse das dann aber nicht von der Apotheke zurück.

Das Verhalten der Krankenasse hier gegenüber Patienten und vor allem gegenüber der Apotheken finde ich frech – aber es geht noch besser.

Heute Mittag: wie man als selbstdispensierender Arzt Arbeit und Preisdiskussion auf die Apotheke abwälzt.