Lebendes Duftbäumchen

2008 Es ist im Abendverkauf, wo normalerweise nicht sehr viel läuft, so dass  man Gelegenheit hat, ein bisschen mit den Kunden zu schwätzen. Eine liebe alte Kundin kommt vorbei mit einem Rezept. Wir unterhalten uns, dabei komme ich nicht umhin (oder besser meine Nase) dass  sie ziemlich nach abgestandenem Urin riecht. Das kann vorkommen, selbst mit den besten Binden – v.a., aber wenn man den ganzen Tag dieselbe anhat.

Ich kann ihr schlecht sagen, dass sie riecht. Genausowenig kann ich einfach auf Abstand gehen – ist gerade so unhöflich, also versuche ich es zu ignorieren.

Ich führe das Rezept aus und wir unterhalten uns ein wenig über dies und das. Nach ein paar Minuten merke ich, wie sich die Kollegin, die mit mir Abendverkauf hat, neben mich stellt. Ziemlich dicht. Erst bin ich etwas irritiert – will sie mich etwas fragen? Aber nein, sie hat keinen Kunden und scheint sich einfach mit dem Computer zu beschäftigen. Als ich sie fragend anschaue, schüttelt sie nur lächelnd den Kopf und bleibt einfach dort.

Da merke ich, dass sich in den Uringeruch Parfumduft mischt. Zuerst denke ich das kommt von meiner Kundin. Gar nicht mal übel das Parfum, denke ich.

Als die Kundin gegangen ist, bleibt der Duft aber.

Fragend schaue ich meine Kollegin an: Wieso stehst Du eigentlich so nahe bei mir? Kann ich dir bei etwas helfen?“

„Nein nein,“ sagt sie „– hast Du es nicht bemerkt?“

„Was denn?“

„Ich bin dein lebendes Duftbäumchen!“  :-)

Sie hat bemerkt wie streng die Kundin riecht und sich gedacht, sie hilft mir etwas: indem sie sich mit dem neusten Parfumduft besprüht und sozusagen ein Gegengewicht bildet.

Es hat funktioniert!

Missverständnis intern

Die Kundin fragt bei mir: „Haben Sie das neue Frauen-Parfum von Armani?“.

Nicht gerade meine Spezialität, aber wir haben ja kompetente Mitarbeiter:

„Moment – ich hole ihnen meine Kollegin, die kann ihnen das als Drogistin besser zeigen.“

Also gehe ich zu Sabine und sage: „Die Kundin fragt nach dem neuen Parfum von Armani“

Sabine: „Sie!“

Ich (leicht irritiert): „Ja, Sie fragt danach.“

Sabine: „Ja – sie.“

Ich: „Äh, ja- für Frauen.“

Sabine: „Nein, schau, das heisst so:“

si

Ach sooooo ….

Französisch duschen

Französisch duschen nennt man das, wenn jemand statt zu duschen oder zu baden sich lieber mit Parfüm einsprüht um den Körpergeruch zu überdecken.

Wir haben da einen … Kunden kann ich nicht wirklich sagen, denn der hat noch nie etwas gekauft. Dafür kommt er ein, zweimal die Woche (manchmal auch öfter), geht in die Parfümerieabteilung und sprüht sich mit den Testern ein. Mit mehreren … und ausgiebig.

Das ist besonders eklig, weil er dabei Parfüms mischt und die süssesten aussucht, die er finden kann … dementsprechend nicht nur Männerparfüms.

Wenn er den Laden wieder verlässt, leiden wir (und die Kunden) noch eine gute halbe Stunde an den entstandenen Duftwolken. Als „Dank“ wirft er dafür etwa 10 Rappen in die Trinkgeldkasse.

Hmpf.

Jedenfalls haben wir schon ein paar Anläufe genommen das Verhalten einzuschränken und / oder zu unterbinden. Aber weder direkt daneben stehen, noch Hinweise darauf, dass die Tester für Kunden (Betonung!) gedacht sind haben bisher geholfen.

Letzte Mitarbeitersitzung haben wir das auch wieder thematisiert und sind übereingekommen, dass er das nächste Mal  wenn er kommt, höflich aber bestimmt darauf hingewiesen wird doch bitte nur 1 Tester nimmt und bitte nur 1 x sprüht. „Das reicht zum schauen, wie es riecht.“

Falls er das nicht macht, ist eine Verwarnung auszusprechen.

Und wenn er sich dann immer noch nicht daran hält, dann bekommt er Hausverbot.

Im Moment sind wir bei Stufe 1. Er hat zwar reklamiert und gesagt, er habe eine „Abmachung“, dass das ok sei, wenn er nachher etwas ins Trinkgeldkässeli wirft. Nein, hat er nicht und nein, es ist auch nicht ok!

Fortsetzung folgt?