Nebenwirkungen: Melden, bitte!

kelef hat mich bei einem letzten Post darauf gebracht: die Meldung von Nebenwirkungen und wie wichtig sie ist.

Warum melden?

Die Meldung von Nebenwirkungen ist wichtig für die Überwachung eines zugelassenen Arzneimittels oder Medizinproduktes nach seiner Vermarktung. Auch wenn vor der Zulassung Studien gemacht wurden, können später Probleme auftreten, die eventuell bei der kleineren getesteten Menge Leute nicht aufgetreten sind.

Dies kann zu Risikoinformationen, Änderung der Packungsbeilage mit stärkerer Warnung vor Nebenwirkungen und in extremeren Fällen auch zum Rückzug des Medikamentes vom Markt führen.
Melden kann man nicht nur als Apotheker oder Arzt, sondern auch als Patient. Es ist wichtig dies auch zu nutzen.

Wann sollte man eine Nebenwirkung melden?

Nicht nur die Nebenwirkungen verschriebener Medikamente sollte man melden, sondern auch frei verkäuflicher und von Nahrungsergänzungsmitteln, pflanzlichen Produkten …

Als erstes sollte man einen Blick in die Packungsbeilage werfen (oder den Arzt oder Apotheker bitten, das zu tun), ob die Nebenwirkung eventuell schon bekannt ist.

Meldung machen, wenn:
– das aufgetretene Problem nicht in der Packungsbeilage beschrieben ist
– die aufgetretenen Probleme schlimm genug sind um auf den Alltag der betroffenen Person Einfluss zu haben
– auftreten, wenn man mehr als nur eine Medizin nimmt – dann könnte es sich nicht nur um eine Nebenwirkung sondern eine Wechselwirkung handeln.

Für das Gesundheitspersonal: Man sollte Nebenwirkungen auch melden, wenn sie schon in der Packungsbeilage beschrieben sind, aber als „ernst“ betrachtet werden.

Ernst bedeutet: die Nebenwirkung war tödlich, lebensbedrohlich, behindernd, in einen längeren Spitalaufenthalt mündeten, medizinisch signifikant, oder im Fall von Schädigungen des Erbguts.
Ausserdem: alle Nebenwirkungen die bei Kindern auftraten, denn die sind empfindlicher und viele Medikamente werden dort „off label“ angewendet.

Wo melden?:

In der Schweiz ist das Schweizerische Heilmittelinstitut, die Swissmedic zuständig. Man benutzt dazu das Formular „Meldung einer vermuteten unerwünschten Arzneimittelwirkung (UAW)“. Es kann hier heruntergeladen werden.

In Deutschland ist es das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) via „Meldebogen über unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW)“ PDF Datei hier herunterladen
Das BfArM nimmt in der Regel Berichte über beobachtete UAW nur von Angehörigen der Heilberufe entgegen, da zur Bewertung möglichst detaillierte medizinische Angaben benötigt werden. Also: via Arzt oder Apotheke ausfüllen lassen.

Österreich: Meldung an das Bundesamt für Sicherheit im Gesndheitswesen, Abteilung AGES PharmMed. Formular: „Nebenwirkung Arztmeldung Human“ – das muss allerdings vom Arzt bestätigt werden. Formular hier herunterladen.

Also: jeder kann mithelfen unser Gesundheitssystem ein bisschen sicherer zu machen für alle.

Bitte lassen sie den Hund nicht mehr Autofahren …

Auf der amerikanischen Tablettendose für den Hund:

Könnte Schläfrig machen. Alkohol könnte diesen Effekt verstärken. Seien Sie vorsichtig, wenn sie Auto fahren oder gefährliche Maschinen bedienen.

Umm, ja. :-)

Auf der anderen Seite: so eine Kurzfassung der wichtigsten Nebenwirkungen fände ich auch bei uns Sinnvoll. Sinnvoller als die monstergrossen, unlesbaren Packungsbeilagen.

Wirkung verschlafen

Pharmaassistentin: „Da ist ein Kunde, der jeden Morgen ein Fluctine nimmt und das macht ihn müde.“

Apothekerin: „Sag ihm, er soll das Medikament in dem Fall am Abend versuchen zu nehmen.“

Pharmaassistentin: „Oh, nein, dann würde er ja schlafen, wenn das Medikament wirkt“

…  Offenbar hat da jemand nicht aufgepasst, als das Prinzip vom steady state erklärt wurde.

Kleine Erklärung für den medizinischen Laien: Steady state nennt man in Medizin und Pharmazie das Erreichen eines konstanten Plasmaspiegels eines Wirkstoffs nach mehreren Gaben.  Dabei ist die Elimination des Wirkstoffes aus dem Körper etwa gleich wie das, was man neu zuführt. Das Medikament wirkt dementsprechend idealerweise auch durchgehend. Weil es aber trotzdem kleine Konzentrationsspitzen gibt, hilft es eventuell das Mittel statt am Morgen immer am Abend einzunehmen (oder umgekehrt).

Bitte belästigen Sie Ihren Arzt

Bei Dauermedikation sind wir dazu angehalten nachzufragen, wie es den Patienten damit geht. Also: keine Probleme mit der Einnahme, irgendwelche Nebenwirkungen?

Letzte Frage der Apothekerin an den Kunden, der eben Simvastatin – das er schon länger hat -auf neuem Rezept bezogen hat: „Kommen sie mit Ihren Medikamenten gut zurecht?“

Kunde: „Ja, aber wenn ich mein Simvastatin nehme, bekomme ich immer diese Muskelschmerzen.“

Uh, oh! Rote Lampe: „Haben sie das auch dem Arzt gesagt, bei dem sie eben waren?“

Kunde: „Nein, nein, ich wollte ihn nicht damit belästigen.“

Bitte liebe Kunden, das sind so Dinge, die der Arzt auch wissen muss. Auch bei längerem Gebrauch eines Medikamentes können noch Nebenwirkungen auftreten und auch der Arzt sollte das erfahren. Das ist nicht Belästigung, dabei geht es um ihre Therapie!

Simvastin ist ein Cholesterinsenker, der als Nebenwirkung gelegentlich Rhabdomyolyse und Myopathien macht. Für Nicht-Mediziner: der Muskel fängt sich an aufzulösen, was dann noch eventuell zur Verstopfung der Nieren führt. Äussern tut sich das eben durch so Muskelschmerzen – und wenn das auftritt, sollte man das sofort melden und das Medikament in Absprache mit dem Arzt absetzen.

Ähnliches hatten wir auch schon mit ACE-Hemmer und der klassischen Nebenwirkung von denen: Husten. Die Patientin beklagte sich, dass sie seit Jahren (!) schlecht schläft, weil sie immer Husten muss. Der Grund war rasch gefunden, schwieriger war in dem Fall den Arzt dazu zu bringen das Medikament zu wechseln. „Warum wechseln? Es geht doch, sie nimmt das ja schon lange. Das bisschen Husten…“

Insistieren und etwas probieren, bis wir einen geeigneten Ersatz gefunden hatten – dann war die Kundin glücklich – und seither Stammkundin bei uns (vorher war sie woanders).