Wohin mit alten Medikamenten?

Die Kurzfassung ist: Nie in die Toilette! Medikamente = Sonderabfall.

In der Schweiz kann man alte oder nicht mehr gebrauchte Medikamente in die Apotheke (oder Drogerie) zur fachgerechten Entsorgung zurückbringen. Der Service ist meist gratis, auch wenn wir dafür zahlen und die Pharmafirmen nichts dazu geben. Wir sortieren auch vor: Spritzen und andere biohazard Abfälle, Quecksilberhaltiges, Zytostatika, normale Medikamente. Chemikalien, Säuren, Basen, Öle …

Grössere Mengen Abfall (was nicht „haushaltsüblich“ ist) muss man in die Sondermüll-Sammelstellen bringen. Info dazu findet sich auf Abfall.ch

In Deutschland gibt es keine einheitliche Regelung.  Seit 2009 sind Apotheken in Deutschland nicht mehr verpflichtet, Medikamente und Arzneimittel zurück zu nehmen. Ein Teil der Apotheken bietet die Rücknahme von Medikamenten auf freiwilliger Basis an.

Es gibt seit neuem aber eine Website, auf der man nachschauen kann, wie man seine Arzneimittel und Medikamente am besten entsorgen kann: Arzneimittelentsorgung Deutschland

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Was man aber nie, NIE (!) machen sollte: seine Medikamente via Toilette entsorgen.

Das ist leider immer noch gang und gäbe und schadet der Umwelt enorm! Das geht danach direkt ins Grundwasser und von da wieder in unsere Nahrung. Don’t do it!

Der Hausabfall und die Verbrennungsanlage ist dort eine Option, wo das hochtemperaturig genug verbrannt wird, wie es für Sondermüll nötig ist. (Siehe websites).

Krankenkassen-Wahrheiten für die Patienten

(von der Apothekerin)

Es ist anscheinend nie Ihre Verantwortung über ihre Deckung Bescheid zu wissen. Und jetzt sind Sie sauer auf mich (statt auf sich) wenn ich Ihnen sage, dass Sie nach ihrem Krankenkassenwechsel jetzt eine Krankenkasse haben, wo Sie in der Apotheke direkt bezahlen müssen.

Je besser versichert Sie sind, desto mehr ärgern Sie Sich darüber, wenn ich Ihnen sage, dass etwas nicht von der Krankenkasse bezahlt wird.

Ein Spital-Zusatz bei der Versicherung bedeutet nicht, dass auch Medikamente übernommen werden, die über die Zusatzversicherung für Medikamente gehen.

Denken Sie nicht, dass ich weniger Prämie bezahle, nur weil ich in der Apotheke arbeite.

Nein, ich bezahle auch nicht weniger, wenn ich Apothekerin bin.

Ja, auch meine Prämien sind wieder gestiegen.

Nein, an den „Apothekerpreisen“ liegt das nicht*, sondern an den Mehrausgaben für Spitalaufenthalte und Pflege zu Hause – und ich bin sicher, dass die Verwaltungskosten der Krankenkassen da auch mit reinschlagen.

Auch wenn ich das Gefühl habe, dass ich da in der Apotheke einen Grossteil mit übernehme – siehe oben.

 

*(siehe http://issuu.com/interpharma/docs/gws_2015_d_web_final/1?e=6980957/11248296 S. 42/43 und S. 60 … es wird tatsächlich durchschnittlich weniger für Medikamente ausgegeben im Haushalt als für das Telefon.)

Explosive Medikamente

Die Artikel kommen aus der Zeit, als es noch kaum Fertig-Spezialitäten gab und die Medikamente nach Vorschrift des Arztes in der Apotheke gemischt wurden.

Was für teils bedenkliche Wirkstoffe da verwendet wurden, habe ich schon ein paar Mal erwähnt (spezifisch in den „Wie stelle ich ein Rezept aus- Anno 1936“ Postings). Aber manchmal sind es nicht nur die einzelnen Wirkstoffe – gelegentlich macht auch die Kombination etwas wirklich gefährlich.

Ausschnitt aus der wöchentlichen Zeitung Lancet Medicine and Surgery von 1886

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 Explosive  Medikamente

– es ist wohlbekannt, dass die Handhabung bestimmter pharmazeutischer Heilmittel oder ihrer Präparate, sei es durch Unwissen oder Unvorsichtigkeit zu Explosionen führen kann, welche, wenn schon nichts anderes, dazu bestimmt sind, den Hersteller dazu zu bringen, ernsthaft in Betracht zu ziehen, seinen Beruf zu wechseln. Die Liste ist ziemlich umfangreich und wir könnten hier einen guten Service bieten, indem wir ein paar von diesen dem Berufsstand aufzeigen, dessen Mitglieder schon mehr als genug Sorgen selber haben sie zu vertreiben auch ohne zusätzliche unnötige und vermeidbare Quellen der Aufregung.
Ohne weiter einzugehen auf die elementaren Vorsichtsmassnahmen, die in der Herstellung und Umgang mit Nitro-Glycerin zu tun haben – dem nun, dank Dr. Murrell beliebten Heilmittel – möchten wir aufmerksam machen auf die Gefährlichkeit von Mischungen von Kaliumchlorat und Schwefel das auf Erschütterung und Reibung Explodiert. Dies ist ein konstant wiederauftretender Unfall und doch etwas, das jeder Schuljunge kennen sollte.

Kaliumchlorat und Phosphor ist auch der Bestandteil von Knallerbsen – vielleicht deshalb die Anspielung auf den Schuljungen? Nitroglycerin stellen wir heute nicht mehr selber her in der Apotheke (zum Glück!), das gibt’s aber noch als Kapseln und Pflaster für das Herz oder in Salbe für Analfissuren.

Weiter, von einer Mischung von Kaliumchlorat und Kautschuk ist bekannt, dass es explodiert, wenn es als Zahnpulver benutzt wird. Noch nicht so lange her hat der Fall einer Flasche mit Lycopodium in einer Apotheke in Strasburg zu einer Explosion geführt, als das hochentzündliche Pulver an einer Gasflaschenflamme sich entzündet hat.

Bärlappsamen ist ein feines, mehlartiges Pulver, das in Zusammenhang mit offener Flamme sich entzündet und explosionsartig abbrennt. Bäckereien müssen sich heute vor solchen Staubexplosionen hüten und wirklich sauber arbeiten.

Andernorts wurde ein Apotheker, der dabei war etwas Calciumhypophosphit über einem Sandbad zu trocknen, von der Explosion getötet. Oxalat und Calciumcitrat sind ebenfalls verantwortlich dafür bei hohen Temperaturen zu explodieren. Kaliumpermanganat in Verbindung mit jeglicher organischer Substanz explodiert spontan und eine Mischung aus Kaliumchlorat, Eisenchlorid und Glycerin ist schon in der Tasche eines Patienten, der das mit sich herumgetragen hat explodiert.
Ein Apotheker in Paris hat Ozon präpariert zusammen mit Pulver bestehend aus gleichen Teilen Manganperoxid und pulverisierter Oxalsäure. Jede Vorsichtsmassnahme wurde gemacht, aber die Pulver waren noch nicht lange gemischt, da hat es die Flasche, die sie enthielt in ihre Atome zerblasen.

Es gab tatsächlich einige Mischungen, die bekannt dafür waren, dass sie explosiv sein konnten. Für die Herstellung wurde in so einem Fall geraten, die Ingredienzien erst einzeln in Porzellanschalen zu pulverisieren, auf die Reihenfolge zu achten (erst mit nicht-oxidierbarem mischen), bei der Mischung einen Holzstab oder Federfahne zu nehmen und allgemein sehr vorsichtig zu sein. Bei der Abgabe sollte daran erinnert werden, sie von Feuerfunken, brennendem Licht, Druck fernzuhalten und auch nicht dort aufzubewahren, wo sie heiss wird (in der Ofenröhre …) ! Beruhigend. Nicht.

Erst kürzlich hat ein Mediziner einen klagenden Brief geschrieben an einen Kollegen, in dem er von seiner Erfahrung erzählt, die er gemacht hat, als er versucht hat Terebene herzustellen indem er Terpentinöl mit reiner Schwefelsäure reagieren liess. Eine Explosion folgte, und obwohl dank der Tatsache, dass er die Flasche vorsichtigerweise in ein Tuch gewickelt hat, nichts schlimmeres passiert ist als ernsthafter Schaden an einem neuen Paar Hosen, hat er gedacht, es sei seine Pflicht andere vor diesem Experiment zu warnen.
Iod, mit Ammoniak behandelt formt wenn es trocknet eine Verbindung, die gewaltige Detonationsfähigkeit aufweist, was sich schon verschiedene Male als fatal erwiesen hat.

Terebene ist eine obsolte Medizin, die aus verschiedenen Zubereitungen bestand, die Hauptsächlich Terpene enthielten, die von Kampfer oder Terpentin extrahiert wurden Es wurde eingesetzt als schleimlösendes Mittel oder als Antiseptikum zum desinfizieren. Dass das heute so nicht mehr gebraucht wird, wundert mich bei der Extraktionsmethode wenig (bäh!).

Aus dem Medical and Surgical Reporter (wöchentliches Journal) vom July-December 1870

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Explosive Mischungen

Zwei Vorfälle wurden uns letztens zugetragen, die die Notwendigkeit illustrieren grosse Vorsicht walten zu lassen, wenn man Medikamente und chemische Mischungen herstellt. Ein englischer Arzt schrieb das folgende Rezept, welches Resultate zeigte, die nicht erwartet waren:
Argenti oxidi gr. Xiviik
Morph. Muriat. Gr j
Ext. Gentianae g.s.
Make 24 pills and silver them
Die Pillen wurden gemischt, hergestellt und in eine normale Pillendose übergegeben und die Lady für dessen „gute Gesundheit“ sie verschrieben wurden hat sie an ihrem Busen getragen. Der Lagerort erwies sich als zu warm für die anfällige Natur der Mischung und das Resultat war eine Explosion nach einer dreiviertelstunde, die ihre Unterwäsche in Asche verwandelte, die rechte Brust stark verbrannte und dem Chirurgen zusätzlich noch eine Brandwunde am Bauch zum Verbinden gab. Aber stellen Sie sich vor, die Explosion hätte sich im Bauch zugetragen!

Interessant: Pillen (nicht Kapseln oder Tabletten), die von Hand in der Apotheke hergestellt wurden. Überzogen mit Silber! Das hat man gemacht mit Blattsilber, das auf die Pillen aufgetragen wurde. Man machte das bei Pillen, die schlecht schmecken (dürften die oben mit dem Enzianextrakt, der ist sehr bitter), zur optischen Aufbesserung (die sahen sicher toll aus) und vielleicht schon damit die Wirkstoffe nicht so schnell freigegeben werden und länger wirken. Das überziehen mit Silber hatte aber den Effekt, dass manchmal gar kein Wirkstoff mehr rauskam …
Der Problematische Wirkstoff hier ist das Silbernitrat – das kombiniert mit etwas oxidierbarem (organischem) in der Pillen-grundsubstanz … und schon hat man ein potentielles Problem.

Ein weiterer trauriger Fall hat sich kürzlich ereignet, der die Wichtigkeit zeigt, kompetentes Personal arbeiten zu lassen in Apotheken.
Mr. Whitesman, ein Angestellter bei den Warenlagern von Mandel Bros. Ind Chicago, Illinois wurde gesandt um eine Mischung zu holen, die sich zusammensetzte aus Salpetersäure und Quecksilber. Er ging in die Apotheke von B.A. Leavenworth und fragte danach. Es war ein Angestellter im Laden, der wusste wo die Schwefelsäure war und auch wo das Quecksilber war und es brauchte nicht viel chemisches Wissen die beiden in eine Flasche zu schütten und dicht mit einem Korken zu schliessen.
Das war was er tat, aber er scheint nicht gewusst zu haben, was für einen Effekt diese beiden starken Mittel aufeinander haben oder wie man sie in anständigen und harmlosen Proportionen mischt. Die traurige Konsequenz war, dass der nichts ahnende junge Mann die Flasche nahm – die kaum weniger zerstörerisch und gefährlich ist als ein Torpedo –und seines Weges ging. Er kam nicht weit, bevor die Mischung explodiert ist, dabei sein Gesicht und seinen Körper schrecklich verbrannt hat und, am schlimmsten von allem, sein Augenlicht für immer genommen hat. Er wurde zu sich nach Hause gebracht und Dr. Walker und andere wurden zu seiner Hilfe gerufen. Sie haben alles gemacht, was Kunst und Wissenschaft konnte um sein Leiden zu mildern, aber es war jenseits der Macht der Menschen seinen verdunkelten Augen wieder Licht zu geben.

Was der Angestellte da unabsichtlich produziert hat ist Knallquecksilber. Das ist entzündlich durch einen leichten Stoss. Aber für was die Mischung normal gebraucht wurde … keine Ahnung. Ziemlich hässlich ist das jedenfalls.

Wer hätte gedacht, dass unsere Arbeit so brandgefährlich war? Denkt ihr Mitapotheker an so etwas, wenn ihr für eine Herstellung eine Risikoanalyse macht?

Originalartikel hier:  http://lateralscience.blogspot.co.uk/2012/08/explosive-drugs.html Mit bestem Dank an Alwin für’s drauf aufmerksam machen.

Hier findet man noch mehr Info zu z.Bsp. explosiven Mischungen: (s. 125) http://archive.org/stream/technikderpharm00hagegoog/technikderpharm00hagegoog_djvu.txt

Und als Disclaimer: Sprengmittel und derartiges werden in zahlreichen Internetdarstellungen beschrieben. Die Instabilität der angegebenen Mischungen birgt große Verletzungsgefahren, von Verbrennungen bis zum Wegreißen von Gliedmaßen bei größeren Mengen der Sprengstoffe. Ein Nachmachen ist nicht empfohlen!

Warum Tabletten abfüllen NICHT besser ist

Immer wieder gelesen in Kommentaren zu Sachen, die auch nur annähernd mit den Apotheken hier zu tun haben: Leute, die verlangen, dass nicht mehr ganze Packungen abgegeben werden, sondern Tabletten entsprechend der Behandlungsdauer abgefüllt werden.

Ich meine: das hört sich doch echt gut und praktisch an: Der Arzt verschreibt einfach genau die Anzahl Tabletten, die für eine Behandlung gebraucht werden – und der Apotheker füllt die ab und gibt sie ab. Statt bei einer 1 Wöchigen Behandlung mit einem Antibiotikum, das 2 x täglich zu nehmen ist und bei dem es nur 20er Packungen gibt, dann 6 Tabletten zu entsorgen, die man nicht gebraucht hat …

Vorteil: Preisersparnis, weniger Abfall.

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Ich sag mal, das ist die Theorie. Die Praxis hält einige Nachteile parat … und Dank den USA, wo das üblich ist, kennen wir auch die Nachteile:

  • Es dauert wesentlich länger, bis zur Abgabe. Die Medikamente werden aus der Originalverpackung abgezählt und dann in Dosen abgefüllt. Bei 20 Tabletten geht das noch – bei 100 und mehr wird die Zeit signifikant länger. In Amerika gibt es deshalb Wartezeiten nach der Abgabe des Rezeptes mit einem Medikament … von 5 Minuten bis … (je nach Andrang) 2 Stunden (und mehr). Wenn nicht genug Tabletten an Lager sind, gibt es partielle Abfüllungen und die Kunden müssen danach trotzdem zusätzlich zurückkommen.
  • die Fehlerquote erhöht sich: Nach dem Ab- und Umfüllen müssen sie vor der Abgabe zusätzlich kontrolliert werden. Also nicht nur, was aussen auf der Packung steht, sondern ob der Inhalt mit damit übereinstimmt. Dafür braucht es den Vergleich mit einer Datenbank, die die Tabletten/Kapseln auch optisch zeigt. Die Patienten selber sehen so noch weniger, ob das, was sie bekommen, auch das richtige ist. Die Packungen sehen aussen immer gleich aus … und innen können die Kapseln im Aussehen wechseln, selbst wenn derselbe Wirkstoff verschrieben wurde. (Siehe Generika).
  • Der Abfall wird nicht geringer: Zusätzlich zu den kleinen Dosen, in die das dann abgefüllt wird, muss jedes Mal eine Packungsbeilage ausgedruckt und mitgegeben werden. Die wird zwar ziemlich sicher (da ausserhalb der Packung mit einem Gummiband oder so befestigt) bald entsorgt. Das verringert das Abfallproblem (bis auf die Tabletten selber) nicht wesentlich.
  • Es ist einiges Unhygienischer: Pillendosen in die man reinfasst, sind einiges unhygienischer als die Blisterpackungen. Die Tabletten sind so auch mehr der Luftfeuchtigkeit ausgesetzt und gehen schneller kaputt. Dass es zum Beispiel in Amerika durchaus üblich ist, beim abfüllen heruntergefallene Tabletten trotzdem abzupacken und das ganze (ausser bei gefährlicheren Wirkstoffen) üblicherweise nicht mit Handschuhen passiert, will ich hier nicht allzu breit treten. Immerhin gibt es für feste Arzneiformen wie Tabletten und Kapseln keine Vorschriften, dass die annähernd steril sein müssen …
  • Verfall wird kürzer: Die Tabletten in den abgepackten Blistern haben nicht annähernd das selbe Verfalldatum, wie die geöffneten Originalpackungen – sie dürfen nicht. Verfall von wenigen Monaten ist dann üblich. Klar, wenn man die Tabletten akut braucht und abgibt/nimmt, dann braucht es das auch nicht. Bei Dauermedikation (die dann aber auch so abgefüllt wird) schon eher.
  • Lagerhaltung wird mühsamer: Statt der lange haltbaren einzelnen Packungen, kann man nur noch Grosspackungen bestellen. Die nach dem Öffnen dann nur begrenzt haltbar sind. Das wird bei wenig gebrauchten Sachen sehr rasch unrentabel, weshalb man das noch weniger (gerne) an Lager hält. Das muss extra bestellt werden … und läuft danach im Regal halb oder nur teilweise angebraucht) dann ab. Und darf entsorgt werden. = Lagerverlust.
  • Von der Kontrolle bei den Betäubungsmitteln will ich hier nicht mal anfangen (einzeln täglich Tabletten nachzählen??)
  • Die Auswahl nimmt ab. Bei den Generika konzentriert man sich dann wirklich nur noch auf sehr wenige (ein einziges?), möglichst günstig eingekaufte Generika … das demnach auch häufiger mal wechseln kann. Je nachdem, welches aktuell das günstigste ist.
  • Ist das wirklich eine Preisersparnis? Zumindest in Amerika ist es trotz dem abfüllen nicht so, dass die Medikamente wesentlich weniger kosten … teils sind sie sogar einiges teurer als hier. Das hängt natürlich noch von mehr als dem ab, die haben ja ein ganz anderes Gesundheitssystem als wir. Allerdings sollte man bedenken, dass das hier dann auch angepasst werden müsste, denn bis jetzt ist das Abfüllen von Packungen so nicht erlaubt / gewünscht vom Gesetzgeber.
  • Die Arbeit des Apothekers verändert sich dadurch sehr – meiner Meinung nach nicht zum besseren. Statt vorne für die Patienten und ihre Fragen da zu sein, wird es zur Hauptaufgabe des Apothekers hinten zu kontrollieren, ob die Tabletten / Kapseln richtig abgefüllt wurden. Die Kontrolle machen wir heute auch schon, aber in einer Form, die uns genug Zeit lässt für die Patienten selber.

An der Kasse und auch beim Abfüllen stehen in Amerika hauptsächlich „Techs“ … faktisch Pharmaassistenten, aber mit wesentlich geringerer Ausbildung als hierzulande. Das liegt daran, dass man eine Menge Leute braucht, um alle Medikamente abzufüllen. Da nimmt man dann eher die „günstigeren“.

Also: Nein, ich hoffe, das kommt so nicht zu uns. Da steht Aufwand in keinem Nutzen zum Vorteil.

So – und nach diesem kurzen Ausflug in andere Systeme, mache ich wieder etwas Pause. Ich hoffe, ihr seid alle gesund und gut durch die Feiertage gekommen!

Medikamentensterben im OTC Bereich: Euceta, Vita Merfen (und Hemeran?)

Nach Migräne Kranit letzten Monat erreichte uns vor ein paar Tagen auch in der Apotheke überraschend die Nachricht, dass gleich zwei weitere, sehr bekannte Marken vom Markt verschwinden. Und auch hier: praktisch per sofort.

Die OTC Sparte der Novartis scheint momentan ein bisschen Probleme zu haben – ob das ganze mit der Übernahme durch die Glaxo diesen Frühling zusammenhängt ist zu vermuten. Grosse Internationale Firma übernimmt auch den lokalen Markt und … wahrscheinlich wird da ein bisschen … ausgemistet, wobei ich bei diesen beiden Produkten nicht von „Mist“ reden kann. Im Gegenteil. Das sind alles alte, wohlbekannte und sehr gut verkaufte Produkte – was erklärt, wieso das hier so durch die Presse geht.

Woran liegt es? An unterschiedlichen Gründen.

Beim Euceta hatten sie schon eine Zeitlang wiederkehrende Probleme mit einem Inhaltsstoff. Das Alginat, das sie für den Gel brauchen haben sie vom alten Lieferanten nicht mehr bekommen. Der neue Lieferant hat welches geliefert, das … unregelmässige Resultate lieferte. Das entstandene Gel (Alginat ist ein Gel-Bildner) wurde klumpig. Das ist kein Sicherheitsproblem, sondern ein kosmetisches, aber es fällt den Kunden natürlich auf. Die mögen klumpige Gels nicht. Es kam dann zu einzelnen Reklamationen und zu einem Rückzug der betroffenen Charge. Die Vertreterin der Novartis hat uns gesagt, dass sie neues Alginat bekommen haben und dabei wären die Chargen noch mal zu testen, da sie nicht wollten, dass ein als minderwertig angesehenes Produkt in den Handel kommt. Das schadet dem Ruf. Nun, sieht so aus, als wäre auch diesmal das Alginat das Problem – und offenbar ist kein besseres zu bekommen, also … nehmen sie das Produkt gleich ganz aus dem Handel. Daneben … momentan ist das Aluminium ja so negativ in der Presse … und der Hauptwirkstoff von Euceta ist (neben Kamille und Arnika) Essigsaure Tonerde-Lösung, oder (lateinisch) Aluminii Acetatis Tartratis Solutio …
Möglicher Ersatz: Genau gleichwertiges gibt es nicht, aber zumindest macht die Phytopharma noch ein Gel mit Essigsaurer Tonerde-Lösung, das man nehmen kann.

Das Vita-Merfen … das begreife ich ehrlich gesagt auch nicht ganz gleich. Bewährtes Produkt, bisher kaum Probleme ersichtlich bezüglich Nachschub oder den Inhaltsstoffen – es ist wohl an Platz 2 der meist verkauften Wundcremen … und trotzdem kommt das weg? Die Wundsalbe enthält (oder besser: enthielt) als Desinfektionsmittel Chlorhexidin und Benzoxonium cl, zur Unterstützung der Haut in der Wundheilung Retinol palmitat (ein Vitamin A Derivat) und als Salbenbildner Wollfett und Wollwachsalkohole. Mit diesen als Grundlage war sie ziemlich fett – fetter als das Konkurrenzprodukt Bepanthen plus, was nicht bei allen Wunden von Vorteil ist. Vermutlich liegt das Problem auch hier beim Naturstoff Wollfett – aber das ist nicht bestätigt.
Möglicher Ersatz: Vita Hexin von Streuli, auch eine sehr fette Wundsalbe – enthält allerdings weniger Vitamin A, nur 1 Desinfektionsmittel und dafür zusätzlich zum Wollfett noch Lebertran.

So wie es aussieht, liegt grad auch noch ein drittes OTC Produkt der Novartis (neu GSK) in der Schwebe: Das Hemeran (Gel, Emulgel, Creme). Auch das ein sehr bekanntes Produkt – allerdings seit Monaten nicht mehr lieferbar. Beim Hemeran liegt das Problem am Wirkstoff Heparin. Noch ein Naturprodukt. Das ist seit einiger Zeit rar, respektive nicht in ausreichend guter Qualität zu erhalten – vor einiger Zeit gab es da sogar weltweit Rückrufe deswegen. Das Heparin, das auf dem Markt ist, das ist kontingentiert – und das bekommen erst mal die Firmen, die damit „richtige“ Medikamente herstellen (zum spritzen und anderes). Der Rest (wenn vorhanden) wird dann verteilt an die anderen, die damit Medizinprodukte herstellen – die Novartis steht mit dem Hemeran offenbar ziemlich unten auf der Liste. Ob und wie das wieder kommt ist also (leider) fraglich.
Möglicher Ersatz: die anderen Heparin-(und Heparinoide)-haltigen Salben wie Lyman, HepaGel, Hirudoid etc.

Die Novartis OTC Sparte in der Schweiz tut mir also momentan wirklich leid. Auf der amüsanten Seite: gestern hatte ich einen Kunden in der Apotheke, der sich spezifisch nach Euceta und Vita-Merfen erkundet hat und das noch kaufen wollte. Nun, vom Vita-Merfen konnte ich seinen Wunsch (noch) erfüllen, das Euceta nicht. Als ich ihm Ersatz anbot, meinte er: „Ach, nein. Wissen Sie, ich brauche das eigentlich gar nicht. Ich wollte die nur noch zu Hause haben.“
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Keine Ahnung für was? Aus sentimentalen Gründen? Oder landet das dann irgendwann auf E-bay mit einem 100fach teurerem Preis als Souvenir oder Erinnerungsstück für Sammler?
(Notiz an mich: vielleicht sollte ich den Preis vom restlichen Vita-Merfen … anpassen).