Einmal alles, bitte.

Man ist sich schon bewusst, dass manche Leute eine ganze Menge Medikamente nehmen müssen. Aber wie viel, merkt man nur, wenn man mal wirklich alles vor sich hat. Der Arzt hat von uns eine Aufstellung von allem was die Patientin im letzten Jahr so hatte verlangt, weil er ein neues Dauerrezept ausstellen wollte. Das hat er dann auch:

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Das ist viel. Auch wenn nicht alles Medikamente sind. Da hat es Inkontinenzeinlagen drauf (zuunterst) und auch Hautpflege, ursprünglich vom Hautarzt verschrieben. Ein ziemlich extremes Beispiel – und vielleicht braucht sie auch nicht wirklich alles, und das Vita Merfen (eine Wund-Heilsalbe) gibt es gar nicht mehr. Magenschutz sind gleich zwei verschiedene drauf: Antra und Pantoprazol, diverse Blutdruck- und Herz-Medikamente und auch gegen Depression.

Man muss sich bei derartigen Listen bewusst sein, dass da zwischen den verschiedenen Medikamenten Wechselwirkungen stattfinden – eine ausgesprochen relevante sehe ich auf den ersten Blick: Euthyrox (Schilddrüsenmedikament) und Magnesiocard (Magnesium) beides am Morgen verordnet. So eingenommen wird das Schilddrüsenmedikament praktisch wirkungslos. 2 Medikamente können wir vergleichen, ab 3 Medikamenten wird das mit den Wechselwirkungen übrigens so komplex, dass da praktisch das Chaos herrscht und nicht mehr wirklich vorhersehbar ist, was herauskommt.

Eine Medikamentenliste wie die oben stellt nicht nur den Patienten, sondern auch den Arzt und Apotheker vor diverse Probleme – und eine gute Kommunikation ist hier wichtig. Vielleicht könnte man das sogar optimieren, damit man nicht mehr so viel nehmen muss.

Auf Wieder-sehen

Ich würde Ihre Reklamation, dass sie jetzt zurückkommen müssen, weil wir das Medikament bestellen müssen und Sie „keine Zeit haben ständig hin und zurück zu laufen“ viel ernster nehmen, wenn ich nicht wüsste, dass Sie gerade mal eine Strasse weiter wohnen und sowieso täglich im Lebensmittelgeschäft nebenan einkaufen gehen. Manchmal sogar mehrmals.

Für den Käse zum Abendessen können Sie also problemlos nochmals einkaufen gehen, aber das Blutdruckmedikament in der Dreimonatspackung ist das nicht wert?

Aber natürlich schicke ich Ihnen extra den Lehrling heute mittag vorbei, das bringen. Mit einem Lächeln.

Sind Sie dann auch zu Hause?

Wer zahlt?

Um die Mittagszeit (zu der wir – da eine der wenigen, die offen haben- immer sehr beschäftigt sind) kommt eine Stammkundin mit einem Rezept. Frau Slozny*. Ich sage jetzt Stammkundin, auch wenn ich sie tatsächlich seit längerer Zeit nicht mehr gesehen habe. Sie ist eher der komplizierte Typ und wir mussten schon diverse Male etwas abklären für sie oder spezielle Bestellungen direkt (nicht von unserem Grossisten) kommen lassen. Machen wir nach Möglichkeit alles. Ich denke nur manchmal ist den Leuten nicht ganz bewusst, wenn sie Extrawünsche haben, was da alles dahintersteckt.

Jetzt bringt sie also ein neues Rezept, ein Dauerrezept und hüpft schon ungeduldig von einem Bein zum anderen, während ich die Medikamente zusammensuche und anschreibe. Dabei fällt mir auf, dass wir ein Medikament nicht hier haben und dass ihre Krankenkassendaten, nicht mehr aktuell sind. Sie war seit Ende letztem Jahr nicht mehr hier …

„Haben Sie mir noch ihre neue Krankenkassenkarte?“ frage ich sie deshalb.

Frau Slozny: „Oh … ich habe im Moment keine Krankenkasse …“

Das ist sehr seltsam, denn in der Schweiz ist es obligatorisch, dass man zumindest eine Grundversicherung hat. Und mit obligatorisch meine ich: gesetzlich vorgeschrieben. Dafür kann auch jeder und jede sich versichern lassen (sogar wenn man illegal hier wäre).

Frau Slozny: „… Aber Sie können das über die Unfallversicherung nehmen: ich brauche das, weil ich ein wiederauftretendes Problem habe, das stammt noch von dem Unfall von 2012.“

Ich schaue im PC und sehe, dass da ein Kommentar ist von wegen der Unfallversicherung: der Unfall von 2012 gilt laut letzter Auskunft vor einem Jahr als abgeschlossen. Das haben sie uns das letzte Mal mitgeteilt, als wir etwas darüber abrechnen wollten, weshalb ich das dann über die Krankenkasse machen musste.

Pharmama: „Das kann ich versuchen- aber dann brauche ich vorher einen neuen Unfallschein von Ihnen dafür. Und das eine Medikament, das nicht von der Grundversicherung übernommen wird, wird auch nicht von der Unfallversicherung übernommen, das müssen sie sowieso selber bezahlen. Ich würde vorschlagen, Sie bezahlen das im Moment alles zusammen und können dann nachher in Ruhe abklären, wie das aussieht wegen der Versicherung.“

Damit ist Frau Slozny widerstrebend einverstanden. Sie hat aber nicht genug Geld dabei und bezahlt und nimmt erst mal nur einen Teil mit– sie will morgen vorbeikommen und den Rest beziehen, respektive alles zahlen.

Am nächsten Tag macht sie das Ganze noch etwas komplizierter, indem sie meine Kollegin überredet, dass wir das jetzt schon über die Unfallkasse abrechnen sollen (ohne die dafür nötigen Unterlagen zu haben). Meine Kollegin gibt dann den bestellten Teil tatsächlich ab, ohne dass die Frau bezahlt… und darf dafür grad auf ein neues Rezept noch ein paar Katheter bestellen.

Aus kaufmännischer Sicht bin ich nicht erfreut.

 

Als sie die Katheter abholen kommt habe ich sie wieder (oder sie mich) … und ich poche auf die Bezahlung der Produkte … auch der schon abgegebenen. Wie gesagt: Damit ich das einer Versicherung abrechnen kann brauche ich den Nachweis der Versicherungsdeckung. Und es liegt in ihrer Verantwortung mir das zu bringen.

Sie bezahlt das bisher bezogene eher widerstrebend.

Frau Slozny: „Ich brauche aber noch mehr vom Rezept. Könnten Sie nicht schauen, dass sie für die neuen Sachen von der SUVA die Bestätigung bekommen? Ich habe das schon angemeldet, sie sagen da ganz sicher zu.“

Pharmama: „Ich kann nachfragen – (für Stammkunden machen wir wirklich viel). Haben Sie mir noch ein paar Angaben? Wie ist das genaue Unfalldatum? Ihre Adresse stimmt noch mit Wollaustrasse 12?“

Frau Slozny: „Ah, nein. Da wohne ich nicht mehr. Und ich gehe in einer Woche für ein paar Monate nach Moskau. Ein Sprachaufenthalt.“

(Nun – das könnte die Erklärung sein für die fehlende Krankenkasse: sie hat sich abgemeldet. Das kann man bei längerem Auslandaufenthalt … es stellt sich nur die Frage, wie viel Sinn das macht, vor allem wenn man sie dann doch braucht, wie nun offensichtlich.)

Pharmama: „Oookay – wie sind Sie erreichbar?“

Frau Slozny: „Ich habe auch keinen Telefonanschluss mehr. Aber sie können mich via mail erreichen.“

Nachforschungen der Pharmaassistentin ergeben später: Bei der SUVA wurde der Fall tatsächlich neu angemeldet, aber … das ist auch das Problem: das dauert etwas, bis der Fall bearbeitet wird und dann bestätigt. Das geht länger als die eine Woche.

Also Rekapitulation: Die Frau hat keine Krankenkasse (mehr). Die Unfallkasse hat den Fall eben erst (wieder) neu bekommen und stellt noch keine Bestätigung aus. Ab nächste Woche ist die Frau nicht mehr in der Schweiz – und auch sonst ist sie schwer erreichbar.

Ja, tut mir leid, aber da gibt es nur eins: es wird auch weiterhin bis zur Bestätigung alles gleich in der Apotheke bezahlt, sonst gebe ich nichts ab. Rechtlich ist das auch so: der Patient muss mir den Nachweis seiner Versicherung bringen – ich muss das nicht gratis abgeben. Was gut ist, denn mit den Kathetern wären das fast 500 Franken.

Per mail – eine andere Kontaktmöglichkeit haben wir nicht von ihr – informieren wir sie darüber. Sie ist zwar nicht sehr erfreut, aber es bleibt ihr nicht viel übrig. Wenn sie noch die Krankenkasse hätte, würde ich das erst mal darüber machen, aber so kann ich das ja auch nicht. Wenn sie das zum Geld sparen gemacht hat, hat sich das jedenfalls nicht ausgezahlt.

(Wird fortgesetzt).

5 (gefährliche) Fehler, die Du vielleicht mit freiverkäuflichen Schmerzmitteln machst

Die meisten Leute benutzen freiverkäufliche Medikamente, wenn sie Schmerzen haben. Wendet man sie korrekt an, dann sind diese Medikamente im Normalfall sicher und effektiv – aber viele Leute sehen sie als harmlos an und lesen deshalb auch nicht die Packungsbeilage oder informieren sich bei einer Fachperson darüber. Das ist ein Fehler! Auch wenn heute propagiert wird, dass Schmerzmittel auch bei uns im Supermarkt oder gar am Kiosk zu kaufen sein sollten … das sind wirkliche Medikamente mit wirklichen Konsequenzen.

Hier sind 5 weitverbreitete Fehler, die man mit den Schmerzmitteln machen kann – und was dann passiert.

Schmerzmittel Fehler Nr. 1: Du nimmst zu viele Tabletten

Die allgemeine Ansicht ist immer noch: Viel hilft viel. Also: wenn ich mehr Tabletten nehme, ist auch die Schmerzstillung besser. Was aber passiert ist, dass man die Chance auf Nebenwirkungen erhöht … und man kann sich wirklich damit vergiften. Zu viele Leute lernen das nur auf die harte Tour. Zu viel Paracetamol (einem häufig verwendeten Schmerzmittel sowohl freiverkäuflich als auch in rezeptpflichtigen Medikamenten) ist eine der Hauptursachen für Vergiftungsfälle weltweit. Sie sind sicher (und effektiv) bei den in der Packungsbeilage angegebenen Dosierungen. Man muss unbedingt unter der Maximaldosierung bleiben – und die beträgt (nur) 4000mg (4g) pro Tag. Höhere Dosierungen und man riskiert nicht nur Übelkeit und Magenprobleme, sondern Nieren und vor allem Leberschäden.

Schmerzmittel Fehler Nr. 2: Du nimmst die Schmerzmittel zu häufig

Ausser auf Anweisung eines Arztes sollte man auch freiverkäufliche Tabletten nicht häufiger als ein bis zwei Tage pro Monat einnehmen. Wer ein Schmerzmittel länger braucht als die (eine freiverkäufliche) Packung enthält sollte einen Arzt aufsuchen. Paracetamol zum Beispiel täglich oder auch wöchentlich genommen kann das Risiko für Leberversagen und auch Tod erhöhen. Und auch wenn niedrigdosiertes Aspirin helfen kann, wenn man schon ein erhöhtes Risiko für Herzprobleme hat – kann es der Magenschleimhaut und dem Darm schaden. Magengeschwüre und ähnliches sind die Folge. Tatsächlich erhöht das täglich genommene Aspirin das Risiko von ernsten inneren Blutungen um 55%.

Wer also Schmerzmittel täglich oder wöchentlich nimmt, sei das für Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen oder andere chronische Beschwerden – sollte zum Arzt gehen um das Problem abklären zu lassen und um die beste Lösung zur Behandlung zu finden.

Wer Schmerzmittel während mehr als einer Woche pro Monat nimmt (auch verteilt), hat ausserdem das Risiko, dass er sogenannte Medikamenteninduzierte Kopfschmerzen auslöst: Also (Kopf)Schmerzen wegen der Schmerzmittel.

Schmerzmittel Fehler Nr. 3: Du denkst alle Schmerzmittel sind gleich

Der Wirkstoff von Dafalgan (Tylenol, Panadol etc) unterscheidet sich vom Wirkstoff in Saridon (Algifor …) oder von dem in Aleve oder Aspirin. Wenn man ein Schmerzmittel für sich aussucht, sollte man deren spezifische Wirkungen mit einbeziehen – besser, als einfach zu nehmen, was man gerade im Schrank hat.

Ibuprofen zum Beispiel wirkt entzündungshemmend, ist also besser für Arthritis und Schmerzen wegen Schwellungen. Paracetamol ist nicht entzündungshemmend kann aber besser sein bei Kopfschmerzen und macht keine zusätzlichen Magenprobleme.

Verschiedene Schmerzmittel können eben auch unterschiedliche Nebenwirkungen haben. Aufgrund der persönlichen medizinischen Vorgeschichte – wie zum Beispiel ob man einen hohen Blutdruck hat oder viel Alkohol trinkt – gilt es auch manche dieser Medikamente zu vermeiden.

Leute, die viel Alkohol trinken (oder getrunken haben) sollten kein Paracetamol nehmen, weil das ihr Risiko für Nieren- und Leberschäden noch mehr erhöht. Dagegen sollten Leute mit einem hohen Blutdruck in betracht ziehen, dass Naproxen (wie in Aleve) oder auch Ibuprofen das Risiko von einem Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen kann.

Schmerzmittel Fehler Nr. 4: Du nimmt freiverkäufliche Schmerzmittel zusammen mit rezeptpflichtigen Schmerzmitteln (oder anderen Medikamenten)

Fast die Hälfte der Leute die Schmerzmittel kaufen denken nicht daran, dass sie auch rezeptpflichtige Medikamente nehmen, die einen Einfluss haben könnten. (Studie der US Schmerzstiftung). Viele verschriebene Medikamente enthalten schon Paracetamol, zum Teil auch in Kombinationen (Zaldiar, Co-Dafalgan). Nimmt man die zusammen mit den frei verkäuflichen Mitteln mit Paracetamol, kann das rasch zu Problemen wegen Überdosierung führen.

Andere Medikamente wie Blutverdünner, Betablocker, Antidepressiva können, wenn sie zum Beispiel mit Ibuprofen oder Naproxen genommen werden das Risiko für Magengeschwüre, Nierenschäden, Herzinfarkt oder weitere schwerwiegende Gesundheitsprobleme verursachen.

Schmerzmittel Fehler Nr. 5: Du mischt verschiedene freiverkäufliche Medikamente

Bis 65% der Schmerzmittel-Verwender bedenken nicht, dass ihr Schmerzmittel auch mit anderen freiverkäuflichen Medikamenten interagieren kann. Aber auch viele von diesen enthalten denselben Wirkstoff wie die Schmerzmittel.

Zum Beispiel dieses Szenario: Ein Mann nimmt regelmässig sein vom Arzt verordnetes Aspirin Cardio (oder ein anderes ASS 100). Das ist Acetylsalicylsäure in niedriger Dosierung zur Vorbeugung von Herzproblemen. Jetzt wird er krank und kauft ein Erkältungsmittel – ohne nachzuschauen, ob das ebenfalls Acetylsalicylsäure enthält. Da gibt es einige. Dasselbe kann passieren, wenn man regelmässig Dafalgan 1g  (auf Rezept) erhält und dann ein „Grippemittel“ wie NeoCitran oder Pretuval dazu nimmt. Beides enthält Paracetamol.

Deshalb ist es wichtig und richtig, dass es diese Medikamente nicht im Supermarkt gibt – und auch bevor man sich das im Internet bestellt: Reden Sie am besten mit ihrem Arzt oder Apotheker darüber. Apotheken sind die besten Quellen was Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und die richtige Anwendung der Medikamente angeht.

Artikel inspiriert von: http://www.foxnews.com/health/2016/11/21/5-dangerous-mistakes-make-with-your-over-counter-painkillers.html

Ich mach‘ die Preise nicht.

Der Patient hat eine Versicherung, die uns das Medikament erstatten würde, weigert sich aber sie zu benutzen und will selber zahlen – darf er – dafür hält er uns (und die anderen Patienten) dann 5 Minuten mit der Diskussion auf, weshalb das Atorvastatin jetzt so teuer ist.

Ich mach die Preise der Medikamente nicht. Ganz speziell nicht die der rezeptpflichtigen Medikamente, die von der Grundversicherung übernommen werden. Die sind tatsächlich gesetzlich geregelt. Und die Checks die da drauf kommen, die sind für meine Arbeit, da verzichte ich nicht drauf (ganze maximal 7 Franken 30! Egal wie teuer die Packung sonst ist).

Tatsächlich bin ich der Meinung, die sind schon ziemlich gut heruntergekommen mit den Preisen – wären Sie mit dem Rezept gekommen, als es noch nur das Sortis gab, dann hätten Sie Grund zum motzen, aber so?

Zeitverschwendung!

Ich habe echt genug zu tun, ohne mit Ihnen über die Preise zu diskutieren. Hinter Ihnen fragen sich gerade 3 weitere Patienten, weshalb das so lange dauert.