Ich hatte sie schon einmal!

Die ältere Frau in der Apotheke zu mir: "Ich hätte gerne Augentropfen."

Pharmama: "Gerne – und wie heissen die?"

Frau: "Ich weiss nicht. Aber ich hatte sie schon einmal."

Pharmama: "Für was für Augenprobleme waren sie denn?"

Frau: "Das weiss ich auch nicht mehr – aber sie waren so in einer Schachtel."

Pharmama: "Hmmm. Wie hat die Schachtel ausgesehen?"

Frau: "Sie war so eher flach. Und drinnen waren so Plastikdinger!"

Pharmama: "Ah, dann waren es also Einzeldosen. Brauchen sie die Augentropfen denn gegen Allergien? Oder gegen trockene Augen?"

Frau: "Ich weiss nicht mehr, aber die Tropfen haben geholfen. Das waren so Plastikröhrchen in einer Schachtel."

Das schränkt das natürlich enorm ein … auf nur noch so etwa 20, die ich da habe oder so /Ironie aus.

Ich ziehe nach Zufall eine Schachtel mit Augentropfen Monodosen aus der Schublade.

Pharmama: "Waren es die?"

Frau: "Nein, die waren es nicht. Die Schachtel sah anders aus."

Pharmama: "Wie anders? Was waren die Farben darauf?"

und denke: Bitte sag nicht 'blau' – 90% der Augentropfen sind in irgendwie blauen Packungen ….

Frau: "Das weiss ich nicht mehr. Aber ich hatte sie schon einmal von hier."

Ich versuche was anderes und hole von den Similasan Augentropfen.

Frau: "Ja, solche waren es. Genau!"

Jetzt ist es aber noch nicht ganz ausgestanden, denn …

Pharmama: "Davon gibt es aber auch verschiedene Sorten. Gegen Trockene Augen, gegen Allergien, gegen Augenreizungen … welche waren es denn?"

Frau: "Ich weiss nicht mehr. Sehen die alle gleich aus?"

Pharmama: "Ähnlich."

… am Schluss hat sie die gegen trockene Augen genommen. 

Das war dann hoffentlich das, was sie auch schon einmal hatte …

Servicewüste wahrscheinlich

Gelegenheitskundin in der Apotheke:

"Könnten Sie ein paar Ärzten in der Gegend anrufen und die fragen, ob sie mir eine Packung (Schlafmittel) verschreiben würden?"

Nö.

Nein, ernsthaft. Ihre Gesundheit, Ihr Wunsch, Ihre Verantwortung. Ja, auch wenn ihr Arzt gerade in den Ferien ist – der hat eine Vertretung angegeben. Und der Arzt will sie sicher entweder sehen oder ein paar Sachen fragen. 

Blaue Salbe?

Eine Anfrage von einer Kundin – sie habe das im Internet gelesen und hätte das gerne:

"Blaue Salbe"

Ich muss passen. Im Internet finde ich zwar ein paar Hinweise, die darauf deuten, dass das etwas ist, das in der Apotheke zusammengemischt wird – wahrscheinlich in Deutschland oder Österreich, aber mehr finde ich dazu nicht.

Kennt das jemand?

Weiss jemand, wie das zusammengesetzt ist – und könnte mir das schicken?

Wenn der Computer „versagt“ und das Kompendium nicht die ganze Info hat …

Der Arzt hat der Patientin Cosaar 12.5 verschrieben

In unserem (teuren) Computersystem – das fast täglich upgedatet wird und das eigentlich so ziemlich alle im Handel befindlichen Produkte (jedenfalls der in Apotheken und Drogerien erhältlichen) anzeigt, findet man trotz laaaangem Suchen nichts.

Das Mittel Cosaar natürlich schon, aber nur mit 50 und 25 mg. Nichts mit 12.5mg

Auch keine Generika in der Dosierung 12.5 mg

Und die Patientin besteht darauf, dass sie genau das will. Sie habe es auch schon gehabt. Nein, keine halben Tabletten – GANZE!

Man ruft den Arzt an. Der reagiert etwas erbost. „Ich habe das im Kompendium aber gefunden! Da ist es drin. Und sowieso: ich wollte das der Patientin gar nicht verschreiben, aber sie hat das im Spital bekommen und will unbedingt nur das weiterhin nehmen!“

Nun – wenn er so überzeugt ist … dann suchen wir halt weiter. Wir rufen beim Hersteller von Cosaar an.

„Ja, das haben wir. Es ist allerdings nur eine Initial-Packung, also zum Einstieg und zum aufdosieren. 7 Tabletten sind drin. Wenn sie mehr als eine Packung beziehen möchten, brauchen wir direkt vom Arzt ein Fax.“

Na der wird sich freuen.

Nachtrag: inzwischen nimmt sie Cosaar 25, die sie mit einem Tablettenteiler halbiert. Auch nicht ideal, aber ein Kompromiss, mit dem alle leben können.

Unnötige Telefonanrufe

Notiz vom Vortag: 'Der Arzt hat Coversum verschrieben. Haben Herrn Unsicher das Generikum angeboten. Der hat gesagt, wir sollen erst beim Arzt anrufen, ob das für ihn ok ist.'

 

Oh, *Seufz*. Ich darf als Apothekerin in der Schweiz Medikamente durch ihre Generika ersetzen. Dafür brauche ICH nicht die Einwilligung vom Arzt – nur das Einverständnis des Patienten. Der Arzt kann – wenn er einen Ersatz absolut ausschliessen möchte auf das Rezept schreiben: „Sic!“ oder „aus medizinischen Gründen nicht substituieren!“. Ich brauche ihm also deswegen nicht anzurufen. Aber … wenn der Patient das will …

„Hallo hier ist Pharmama aus der Apotheke. Ich habe eine Frage an den Arzt. Er hat Herrn … Coversum verschrieben. Herr Unsicher will wissen, ob das auch für den Arzt okay ist, dass wir das mit dem Generikum austauschen.“

Praxisassistentin: „Wirklich? Das wird ihn nerven.“

Pharmama: „Kann ich mir vorstellen. Es war der ausdrückliche Wunsch von Herrn Unsicher dass wir nachfragen.“

Praxisassistentin: „Na dann. Moment. …

Er sagt, sie dürfen das jederzeit austauschen. Nachfragen ist nicht nötig.“

Pharmama: „Ich weiss. Bitte Entschuldigen sie die Störung!“

Nun, zumindest wird der Arzt, falls der Patient auf die Idee kommt nachzufragen, ob sie wirklich von uns angefragt wurden positiv darauf antworten :-)

Zumindest in dem Sinn, dass wir angefragt haben …

Weshalb ich mich im Moment lieber im Hintergrund halte …

Diese Woche bin ich nicht so … kundenfreundlich wie sonst. Das merke ich selber: etwas gestresst, etwas zu wenig ausgeschlafen und deshalb überlasse ich im Moment die Front der Apotheke lieber meinen freundlichen Kolleginnen …

Mann am Thresen zu meiner Pharmaassistentin (PA): "Ich habe da eine etwas freche Frage …"

PA: "Ja?"

Mann: "Ich hatte vor einem Monat einen Magenbypass bekommen und die Ernährungsberaterin hat gesagt ich solle Vitamine nehmen."

PA: "Ja. Und?"

Mann: "Sie hat gesagt ich kann auch solche aus der Migros* nehmen. Welche soll ich da kaufen?"

Ich hinten habe das mitbekommen und kommentiere (zum Glück nur halblaut): "Dann versuchen Sie doch das mal in der Migros zu fragen!"

Ich habe wirklich keine Ahnung, was in deren Vitamin-Produkten drin ist. Und obwohl er weiss, dass es etwas frech ist, sich bei uns die Info zu holen, auf was er zu achten hat – und es dann woanders kaufen zu gehen … macht er das.

Im Moment hätte ich wahrscheinlich nicht die Geduld gehabt nach so einer Eröffnung ihn weiter anständig zu beraten. Nicht so meine Pharmaassistentin. Die schafft es sogar freundlich zu bleiben und ihm am Schluss noch etwas zu verkaufen (keine Vitamine allerdings …).

Hättet ihr auch so reagieren können?

*Migros = grosser Detailhändler der Schweiz.