Nicht ganz dicht.

Herzige ältere Kundin in der Apotheke sagt ganz schüchtern zu mir:

„Wissen Sie, ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen müsste, aber …. Ich bin nicht mehr ganz dicht …“

und während ich noch am überlegen bin, wie sie das jetzt meint – „nicht ganz dicht“ ist bei uns ein Ausdruck, der auf einen verminderten Geisteszustand hindeutet oder ob sie meint „unten“ …

„und jetzt ist es etwas gereizt … hätten sie mir da etwas dagegen?“

Ah, sie meint damit sie sei inkontinent. :-)

Pharmama: „Aber natürlich!“

Klagetelefon

Unsere Nicht-Kundin ruft einmal wieder an. „Nicht-Kundin“, denn wir haben mit ihr die Abmachung, dass sie alles in der anderen Apotheke holen soll – das, nachdem sie angefangen hat uns und den Arzt gegeneinander auszuspielen.

Sie braucht unbedingt immer die Apothekerin am Telefon. Heute bin ich das. Seufz.

Nicht-Kundin: „Wenn sie vom Arzt ein Rezept gefaxt bekommen, würden sie dem Kunden dann anrufen?“

Ich werfe einen Blick auf Bestellregal und Fax (in dem Moment beide im Sichtfeld) und sage: „Ah, wir haben nichts gefaxt bekommen …“

Nicht-Kundin: „Aber die andere Apotheke – und die haben nicht mal angerufen!“

Pharmama: „Nun, ich würde sagen, es kommt auf ein paar Dinge an. Zum Beispiel ob die Medikamente auf dem Rezept Dauer-Medikamente sind – dann eher nicht, oder für den Notfall – dann eher schon.“

Nicht-Kundin: „Es war etwas Neues, für einen Notfall“ (Ist es bei ihr aber immer) „Dann war das nicht sehr nett von der Apotheke, oder?“

Pharmama (die absolut keine Lust hat, andere Apotheken anzuschwärzen): „Naja, wie gesagt, es hängt auch davon ab, ob man weiss, dass die Kundin es normalerweise selber holt …“

– und ausserdem: bei der Frau weiss man, dass sie anruft, garantiert.

Als sie das nächste Mal angerufen hat – wieder nur, um sich über die Apotheke zu beklagen, habe ich ihr dann gesagt, dass es gar nichts bringt, wenn sie uns das sagt – besser, sie meldet das bei der anderen Apotheke direkt.

Was ist schon Allgemeinwissen?

Junger, männlicher Kunde mit Freundin im Schlepptau kommt in die Apotheke.

Kunde (angenervt): „Echt, der Ausschlag geht nicht weg, er ist immer noch da!“

Pharmama: „Haben sie etwas dagegen gemacht?“

Kunde: „Ja, ich habe die Salbe, die ich in einer anderen Apotheke bekommen habe aufgetragen, aber es ist immer noch da!“

Pharmama: „Wie lange haben sie sie jetzt angewendet?“

Kunde: „Gestern abend.“

Pharmama: „… ?“

Kunde (der Groschen fällt): „Oh, ich muss das mehr als einmal auftragen? Das wurde nie erwähnt!“

Freundin: „Lieber, jeder weiss doch, dass man Salben mehr als nur einmal auftragen muss… ich denke, wir versuchen es noch ein paar Tage. Danke vielmals!“

Abgang.

Validierung, Abfrage, Nachweis.

Abends nach 6 Uhr kommt ein Kunde in die Apotheke mit einem Rezept für ein Schmerzmittel.

Wir sind voll beschäftigt und die Kollegin übernimmt ihn. Beim Eingeben in den Computer sieht sie, dass er schon einmal da war, aber sie kann seine Krankenkasse nicht validieren (geht normalerweise mit ein paar Knopfdrücken via Internet) – der Grund ist schnell klar: er war seit 2008 nicht mehr hier und inzwischen hat die Nummer gewechselt.

Pharmaassistentin (PA): „Ich bräuchte noch ihre aktuelle Krankenkassenkarte“
Kunde: „Sie haben meine Info im Computer“
PA: „Die Info ist nicht mehr aktuell.“
Kunde: „Dann fragen sie halt bei der Krankenkasse nach.“

(Grumpf. Nicht: „Könnten sie nicht bei der …“)

PA: „Es ist zu spät heute, die haben schon zu. Ich kann noch versuchen die manuelle Abfrage via Internet zu machen – wenn das aber nicht klappt, müssen sie das Medikament selbst bezahlen.“

Die Abfrage war mit der Nummer von 2008 nicht möglich.

Der Kunde stürmt aus der Apotheke ohne Medikament.

PA (nervös): „Hast Du das mitbekommen?“
Ich: „Ja. Du hast das richtig gemacht. Die Krankenkasse schreibt uns die sofortige Validierung der Versicherungsdeckung vor – ansonsten zahlen sie je nachdem nicht. Es kann ja einiges gewechselt haben. Dass wir auch noch seiner Kassendeckung her rennen, das ist reiner Goodwill von uns.“

Am nächsten Morgen kommt derselbe Kunde wieder in die Apotheke und erklärt:
„Ich habe die Krankenkassenkarte nirgends gefunden – ich zahle die Medikamente.“

Okay!

… Irgendwie habe ich das Gefühl, er hat die Kasse gewechselt und dann zuhause festgestellt, dass er bei der neuen sowieso selbst zahlen muss … ansonsten hätte er auch noch mit der aktuellen Krankenkassenabrechnung kommen können und ich hätte dann telefonisch nachgefragt.

Gute Apothekerin – Schlechte Apothekerin

Manchmal lasse ich den Tag und die Kundenbegegegnungen am Abend Revue passieren und überlege, ob ich heute wohl für die Kunden eine gute Apothekerin gewesen bin, oder eine schlechte.

Das kann dann so aussehen:

Für den Kunden eine Packung seines Medikaments abgegeben, weil das Dauerrezept abgelaufen ist, er aber erst in 2 Wochen einen Arzttermin hat. – gute Apothekerin.

Dem Stammkunden, dem der neue Arzt ein neues Medikament als was er bisher hatte aufgeschrieben hat, verweigert einfach ohne Rückfrage beim Arzt das alte Medikament abzugeben- schlechte Apothekerin

Der sozial eher schwachen Assura Kundin, die Krebsmedikamente bekommt (teuer) und die diese eigentlich erst selbst bezahlen muss eine Speziallösung gefunden und bei der Krankenkasse durchgedrückt, so dass ich jetzt direkt der Kasse abrechnen kann – gute Apothekerin

Für die Kundin, die noch nie bei uns war am Samstag Nachmittag den Arzt zuhause (sorry) angerufen, weil das wichtige Medikament, das er am Vortag aufgeschrieben hat nirgends vorrätig ist. Mit ihm zusammen einen Ersatz gesucht und gefunden den wir haben – gute Apothekerin

Derselben (!) Kundin am Montag darauf die Rückgabe eben jenes Medikaments verweigert – sie hat beschlossen, sie brauche das nicht und es trotz Erläuterungen, wie wichtig das ist (von Arzt und uns) nicht genommen – schlechte Apothekerin.

Dem Kunden mit dem Rezept vom Spital seine Medikamente so herausgesucht, dass er genug hat bis zum Hausarztbesuch in 10 Tagen und keine Medikamente doppelt – ein Teil hatte er schon vor dem Spital auf Dauerrezept und bezogen. Generika statt Original – und auf eine unangenehmere Wechselwirkung mit einem der neuen Medikamente aufmerksam gemacht – über letzteres war die Assistenzärztin, mit der der Kunde nachher Rücksprache genommen hat alles andere als erfreut, sein Hausarzt war allerdings meiner Meinung – gut oder schlecht? Urteil noch ausstehend

Und dann noch dutzende Rezepte mehr, die keine solche Probleme machten, ein paar, wo ich die Medikamente bestellen musste … soll ich dieses eine jetzt nicht vielleicht doch an Lager nehmen? …

„Sie haben da etwas“

Gestern Mittag kam ein Kunde in die Apotheke, dem dieser riesige Böög* aus der Nase hing. Während er redete (und atmete), windete es den Böög in und aus der Nase. Es war, als ob man einem Fähnchen zuschauen würde an einem windigen Tag.

Es war ziemlich schwierig ihn zu beraten – ich konnte kaum Augenkontakt halten.

Das ist ein bisschen so, wie wenn man versucht nicht hinzusehen, wenn man an einem Autounfall vorbeifährt.

Warum bringen sie einem im Studium nicht bei, wie man damit umgeht?

Am Schluss habe ich ihm ein Kleenex gereicht und ihm gesagt: „Sie … haben da etwas“ – *deut*

… erst nachher ist mir aufgefallen, dass ich dieselbe Worte gebraucht habe wie in dem Sketch von Loriot:

(leider mit portugiesischen Untertiteln – ohne habe ich das nicht gefunden)

dasselbe haben wir zu Hause auch immer am Tisch gesagt, wenn jemand etwas im Gesicht hatte :-)

 

* für meine deutschen Leser: das ist ein Popel