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Was soll ich tun? Beratung am Telefon.

Am Samstag morgen bekomme ich ein Telefon von einer besorgten Mutter. So was ist immer am Samstag – dann ist der Arzt natürlich nicht erreichbar, was auch kleinere Probleme ziemlich verschärfen kann. Ihr Problem würde ich dabei nicht einmal als so klein einschätzen. Sie fragt mich, ob die Magenprobleme, Muskel- und Gelenkschmerzen von den Tabletten sein können, die ihr Sohn (im Schulalter) gestern genommen hat. Es handelt sich dabei um Methotrexat.

Das Medikament ist nicht ganz ohne – ein Chemotherapeutikum. Unter anderem ist es berüchtigt dafür, dass bei nicht korrekter Einnahme schon Todesfälle wegen Überdosierung aufgetreten sind. Ihr Sohn gehört zu denen, die das einmal wöchentlich nehmen müssen. Mehr hat er aber nicht genommen (gut!), tatsächlich war es das erste Mal, dass er sie nehmen musste.

Ich frage, ob er sonst noch etwas genommen hat oder was sie schon probiert haben. Nur das Folsäurepräparat, das man auch zum Auffangen gewisser Nebenwirkungen gibt (erst 24 Stunden nach der Einnahme des Methotrexates, um dessen Wirkung nicht zu beeinträchtigen) hat sie ihm inzwischen auch gegeben (gut).

Trotzdem klagt er über Beschwerden – und sie will von mir wissen, ob das von dem Medikament selber kommen könnte oder ob er vielleicht sonst krank wird. Es ist Erkältungs- und Noroviruszeit und es könnte auch das sein.

Ich frage sie noch ein bisschen aus. Anscheinend hatte er anfangs Woche eine Infusionstherapie. Was genau da verabreicht wurde, weiss sie jedoch nicht. Das finde ich jetzt etwas beunruhigend. Wenn das dasselbe Medikament war (das gelegentlich auch gespritzt wird) könnte es doch eine Überdosierung sein. Sie meint aber, dass derselbe Arzt das gemacht hat, der auch die Tabletten verschrieben hat und der hat gesagt, sie soll am Freitag beginnen.

In der Packungsbeilage stehen unter den Nebenwirkungen die beschriebenen Beschwerden. Und im Netz finden sich auch Fallbeschreibungen von Leuten, denen es ähnlich ging. Trotzdem gefällt mir das nicht wirklich.

Das Problem ist, dass die Nebenwirkungen zwar relativ häufig sind, sie aber auch den Symptomen der Überdosierung entsprechen. Ich weise sie auf die typischen Symptome hin, die bei Überdosierung auftreten: Kopfschmerzen, Übelkeit und auf Ulzera an der Mundschleimhaut (wie Aphten) soll sie achten. Falls das kommt, oder es nicht besser wird, soll sie zum Arzt. Bei Kindern bin ich lieber übervorsichtig.

Abends um halb 5 Uhr ruft die Mutter wieder an. Sie erzählt mir, dass ihr Sohn sehr abgeschlagen war und geschlafen hat bis kurz vorher. Jetzt ist er wach, erbricht aber.

Ich schicke sie ins Spital.

Das Wochenende über hirne ich, ob ich zu lange gewartet habe. Man will ja nicht übervorsichtig sein, die Beschwerden waren sehr allgemein, aber trotzdem … sowas beschäftigt einen doch sehr, auch wenn ich sonst nicht gerade jemand bin, der „Arbeit mit nach Hause nimmt“.

In der nächsten Woche rufe ich an, um nachzufragen.

Ein bisschen seltsam war das schon, denn einerseits bin ich zwar involviert in die Behandlung (immerhin hat er die Tabletten von uns und ich habe sie am Wochenende beraten), aber sie muss mir keine Auskunft geben. Ich hoffe trotzdem, dass sie es tut. Und natürlich, dass das nicht schlimm war …

Die Mutter erzählt mir bereitwillig, wie es gegangen ist. Der Arzt hat bestätigt, dass es die richtige Reaktion war, ins Spital zu gehen. Eine Überdosierung war es aber nicht – zum Glück. Es stellte sich dann als Beginn einer normalen Magen-Darm-Grippe heraus.

Unangenehm, aber bei weitem nicht so problematisch.

Er konnte dann eine Woche später mit dem Medikament normal weiterfahren .. und hatte auch keine solchen Nebenwirkungen mehr.

Puh.

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Mein Kind hat die Maul- und Klauen-seuche!?

Junger Vater kommt in die Apotheke: „Das Tagesheim von meiner Tochter hat gerade angerufen. Sie hat so kleine Bläschen an den Händen und den Füssen … und die hat irgendetwas gesagt von Maul und Klauenseuche!“

Ich muss mich halten, nicht zu laut zu lachen. Er ist wirklich ziemlich beunruhigt.

Pharmama: „Sie meint wohl die Hand-Fuss-Mund-Krankheit. Ihre Tochter ist ja kein Tier. Und ganz so schlimm ist das meist auch nicht.“

Zur Erläuterung: Das ist eine durch Viren übertragene Krankheit, sie gehört zu den typischen Kinderkrankheiten (auch wenn Erwachsene das ebenfalls bekommen können) und ist ziemlich ansteckend, gerade in Heimen und Schulen gibt es immer wieder kleine Epidemien. Bei vielen Kindern verläuft das ohne irgendwelche Beschwerdenden. Wer Symptome zeigt, hat grippeähnliche Beschwerden: also Fieber, Halsschmerzen, Kopfschmerzen, allgemeines Krankheitsgefühl und eventuell Husten, oft gefolgt von einem roten, juckenden Hautauschlag um den Mund herum. Danach erscheint der Ausschlag an den Händen und Füssen (vor allem an den Innenflächen und den Sohlen). Die Bläschen mit schmalem Roten Rand und die Aphten im Mund sind virushaltig und hoch ansteckend.

Machen kann man nicht viel. Antibiotika sind gegen die Viren nutzlos, eine Impfung gibt es nicht. Man behandelt die Beschwerden wie das Fieber und die Schmerzen mit Paracetamol oder Ibuprofen (Nicht Aspirin!) und gegen die Bläschen im Mund, die das Essen stark stören können helfen auch die Zahnungsgels, die lokal betäubend wirken. Glace ist übrigens auch eine gute Idee. Meistens geht das komplikationslos vorbei, aber bei hohem Fieber, Mittelohrentzündung, Atembeschwerden, blutigem Schleim oder Nackensteifheit muss zum Arzt gegangen werden. Ebenfalls sollte man aufpassen, dass das Kind genug trinkt – auch wenn das schmerzen mag.

Der Spuk ist nach etwa einer Woche bis 10 Tagen vorbei, ansteckend kann man aber noch länger sein. Man darf wieder in Gemeinschaftseinrichtungen (wie Schule etc.) wenn das Fieber vorbei und der Ausschlag abgeklungen ist

pädiatrische Intimpflege?

Ich weiss nicht, wie ihr das seht, aber für das neue Produkt, das mir in der Apotheke letztens vorgestellt wurde, würde ich am liebsten eine neue Blogsparte eröffnen: Unsinnprodukt der Woche (oder des Monats):

girlwash.jpg

Echt jetzt? Intimwaschlotion für Mädchen ab 3 Jahren? Ja. Laut Vertreter ist das „vom Markt gewünscht!“

Kann ich so nicht bestätigen. Tatsächlich hatte ich das gerade einmal in all den Jahren: (das habe ich hier beschrieben) … und fand das damals schon … fraglich. Ist das wirklich nötig? Und: hinterlässt das bei anderen auch so einen … äh …seltsamen Nachgeschmack? (Vielleicht liegt das auch nur am Pfirsich-Geruch, den das auch noch hat … es kommt übrigens im Girly-Rosa Spender).

Circle of life

Interessant. Ich arbeite jetzt schon lange genug an diesem Ort, dass ich manche Patienten tatsächlich aufwachsen sehen kann. Von der Abgabe klassischer Kinder- Medikamente, über Akne-Mittel, über Kondome (bei Jungen) oder die Pille (bei Mädchen) … und mitzubekommen, wie die dann selber schwanger werden – viel zu früh in meinen Augen, aber … es liegt nicht an mir das zu entscheiden … und jetzt wieder: Kinder Medikamente. Für dieselbe Familie sozusagen.

Sollte ich mich jetzt schon alt fühlen?

Nichts für Kinder

Keine Sorge, der Inhalt ist absolut jugendfrei.

Medikamente gehören nicht in Kinderhände – da sind wir uns wohl alle einig. Zu gefährlich, dass da etwas falsch angewendet wird – oder dass es überhaupt genommen / angewendet wird. Kinder sind nicht einfach kleine Erwachsene. Es gibt physiologische Unterschiede  und dann fehlt bei vielem noch das Verständnis.

Aber mir ist letzthin wieder aufgefallen, wie häufig das auf Produkten auch draufsteht.

Beispiel 1: Ein Medikament gegen Husten. Inhaltsstoff Codein. Leider auch noch gerne missbraucht – weshalb hier sogar auf der Packung steht: „Nicht für Kinder und Jugendliche geeignet.“ – Bedeutet: Abgabe erst ab 18 Jahren. Finde ich noch verständlich. Besser noch, als das sie es rezeptpflichtig machen.

hustensirup

Beispiel 2: Haarfärbemittel. Darüber habe ich schon berichtet. Das Problem hier: häufig Allergien, speziell die dunklen Farben. Abgabe: ab 16 Jahren – und bitte vorher auf allergische Reaktionen testen – wie oft steht das jetzt in unterschiedlicher Formulierung drauf?

haarfarbe

Beispiel 3: Duschmittel. Was? Duschmittel?!? Wiesoooo?  Keine Ahnung wieso, aber hier zum Beispiel auf dem neusten Produkt von Biotherm zu finden:

duschmittel

Was als nächstes?

Was ich nicht weiss …

Junior heute morgen beim Bereitmachen für den Kindergarten:

„Au, warte, ich muss noch diese Cola-Täfi mitnehmen. Einer von der anderen Gruppe hat gesagt ich soll das mal wieder machen!“

Pharmama: „Okay … aber … Nein, warte! Ich dachte, ihr dürft keine Süssigkeiten in den Kindergarten mitnehmen?“

(Das weiss ich, auch weil Junior selber mal protestierend zurückgekommen ist: „Du hättest mir keine Reiswaffeln mit Shoggi einpacken sollen!“ – Upps, habe ich vergessen )

Junior: „Ja … aber weisst Du, das essen wir im Garten, das merken sie nicht!“

… und dann zählt das auch nicht? Ich glaube ich erziehe einen Mini-verbrecher 🙂

Pharmama: „Sorry, auch dann geht das nicht.“

protestierend: „Oh, Mann!“

Im übrigen möchte ich hier mal anmerken, wie stolz ich auf unseren Junior bin, inzwischen läuft er alleine zurück vom Kindergarten – und hin bringen wir ihn nur noch über die erste Strasse (die etwas unangenehm ist). Und auch das können wir demnächst einstellen.

Piratenparty zum Geburtstag

Junior hatte Geburtstag und sich gewünscht, dass wir eine Piratenparty machen.

Das haben wir dann auch – und weil das organisieren ziemlich aufwendig war … dachte ich, dass ein paar von Euch meine Erkenntnisse auch brauchen könnten.

Eingeladen waren Kinder aus Kindergarten und Tagesheim (von 5-8 Jahren). Die Einladung war als Schatzkarte aufgemacht: cremefarbenes Papier mit abgebranntem Rand. Darauf viele Hinweise auf Piraten: Flagge, Schatztruhe, Karte …

Wir haben die Party nicht bei uns zuhause gemacht (zu wenig Platz, leider) sondern auswärts – in einem grösseren Raum. Im Sommer könnte man das aber auch draussen machen.

2000px-flag_of_edward_englandsvgPiratentaufe:

Benötigt: grosses, reissfestes Tuch, 2 starke Leute zum halten (und schütteln). Piratenhalstücher

„Piraten müssen Seefest sein – wisst ihr, was seefest bedeutet? … Es darf ihnen nicht schlecht werden, auch wenn das Meer noch so hohe Wellen hat. Hier haben wir kein Meer – aber wir können es simulieren. Dies hier (Tuch) ist unser Schiff – tatsächlich mehr eine Nusschale. Diese beiden hier (zeigen) sind die Wellenmacher.“

Jeder darf einmal in das Tuch und wird durchgeschüttelt – geschwungen.

Wer es überstanden hat, bekommt einen Piratennamen: Lies den Rest dieses Beitrags

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