Altes Rezept

Das erste Rezept am Morgen ist ein Rezept für Itinerol B6 Zäpfchen, ausgestellt vom Kinderspital. Erst, als ich es mir näher ansehe – weil ich dafür das Alter des Kindes brauche, fällt mir auf, dass das Rezept von vor über einem Jahr ist (!)

Es ist allerdings in Top-Kondition, wäre das Datum nicht, hätte ich das nie gemerkt.

Pharmama: „Das Rezept ist von 2011 … brauchen Sie das wirklich noch?“

Mutter: „Ja, mein Kind hat heute die ganze Nacht gekotzt – und da habe ich das Rezept wieder ausgegraben. Ich weiss, dass da etwas gegen Übelkeit draufsteht.“

Erstaunliche Buchhaltung :-). Nur habe ich jetzt Zwei Probleme: Das Rezept ist nicht mehr gültig und die Itinerol Zäpfchen für Kinder sind rezeptpflichtig.

Nach einem ausführlichen Beratungsgespräch mit ihr habe ich die Itinerol Zäpfchen dann trotzdem abgegeben – zusammen mit einer Elektrolytmischung. Aber nicht auf Rezept. Die Mutter weis, wie sie die Mittel anzuwenden hat … und auch in was für einem Fall sie zum Arzt muss mit dem Kind.

Klatsch.

Ich gebe der Mutter den zubereiteten Antibiotikasirup für ihr Kind.

Sie reicht ihn dem Mädchen.

Pharmama (zur Mutter): „Das ist eine Glasflasche, bitte seien Sie vorsichtig damit.“

Die Mutter reagiert darauf gar nicht.

Das Kind lässt die Tasche prompt beim herausgehen fallen. *Klatsch* :-(

– ihm mache ich keine Vorwürfe – Kindern fehlt es teilweise noch an manchen Fähigkeiten, Gleichgewicht und Taktiles wollen geübt werden, aber die Mutter … hätte es besser wissen sollen.

Jedenfalls kommt sie – mit Sirup-tropfender Tasche – zu mir zurückgelaufen, stellt die Tasche auf den Tisch und sagt:

„Geben Sie mir eine andere, die hier ist kaputt!“

… während der Sirup anfängt sich auszubreiten.

Pharmama: „Ja, jetzt ist sie das. Sie bekommen eine neue Flasche von mir – die wird aber auch berechnet. Und bitte tragen Sie sie jetzt selber.“

Ich gebe Junior auch Sachen zum helfen und tragen, wenn wir unterwegs sind – aber möglichst nichts allzu zerbrechliches. Ich weiss warum.

Unausstehliche Nebenwirkung

Mutter in der Apotheke: „Ich habe da eine Frage. Sind sie die Apothekerin?“

Pharmama: „Ja.“

Mutter: „Also, mein 7 Jahre alter Sohn hat eine Halsentzündung – Streptokokken … und er muss zuhause bleiben. Im Moment ist er wirklich anstrengend und unausstehlich …. Ich denke, das liegt daran, dass der Arzt das Antibiotikum falsch dosiert hat.“

Pharmama: „Ich bin ziemlich sicher, es liegt daran, dass er krank ist, dass er gereizter reagiert.“

Mutter: „Denken sie?“

Pharmama: „Ja. … macht meiner auch, wenn er krank ist.“

Mutter: „Oh, gut. Danke vielmals.“

… Tatsächlich kann ich mich erinnern, dass ich selber auch so war. Ich weiss nicht mehr, was ich hatte … ziemlich sicher etwas mit Fieber, das hatte bei mir den Effekt, dass ich einfach gar nichts mehr machen wollte ausser rumzuhängen und schlecht gelaunt zu sein. Und dann gibt es so Momente, da hat man als Kranke/r zum Beispiel etwas im Kopf, das man will (noch einen Film anschauen, etwas spezielles zu trinken, dass Mama nicht jetzt gerade rausgeht zum Einkaufen). Und das will man dann nicht nur, das WILL man, Muss man haben. Jetzt. Gleich. … und wenn man in einem klarerem Moment zurückblickt, denkt man: „Das war jetzt irgendwie total unrational und übertrieben so zu reagieren.“

Also .. verstehe ich den Jungen.

Nicht alles ist ein Problem von den Medikamenten.

Der ewig lebende Hamster

Eine Mutter mit einem um die 8 Jahre alten Mädchen kommt in die Apotheke. Meine Pharmaassistentin übernimmt das Rezept der Mutter.

Als ich mit meiner Kundin fertig bin, frage ich das Mädchen, das bis dahin brav gewartet hat: „Willst Du ein Traubenzucker?“

Mädchen: „Au ja!“

Pharmama: „Das ist aber toll, dass Du Deine Mama begleitest.“

Kind: „Ja, wir sind beim Arzt gewesen, der hat uns etwas aufgeschrieben. Für Mama. Nicht für den Hamster.“

Pharmama: „Also geht es dem Hamster gut?“

Mädchen: „Ja, jetzt wieder. Eine Zeitlang war er gar nicht so fit, aber jetzt geht es wieder gut! Und morgen feiern wir seinen Siebten Geburtstag!“

Pharmama: „Sieben? Wow.“

Das überrascht mich jetzt doch sehr, ich selber hatte ja keinen Hamster sondern Meerschweinchen und später eine Katze, aber so ich weiss, werden normale Hamster vielleicht 3 bis 4 Jahre alt, Goldhamster etwas älter.

Also frage ich sie: „Ist das denn so ein grösserer Hamster?“

Mädchen: „Nein, der ist ganz klein – passt noch gut in meine Hand.“

Jetzt bin ich doch etwas irritiert, aber als ich den Mund öffne, um etwas zu sagen, sehe ich den Blick der Mutter auf mir, die gleichzeitig leicht den Kopf schüttelt.

Ich schliesse den Mund wieder, lächle und meine: „Dann sag’ ihm morgen auch meine besten Wünsche, ja?“

Die Mutter gibt mir ein stummes „Danke“ und die beiden gehen wieder.

Auch Haustiere sterben. Und häufig gehören diese Haustiere den Kindern der Familie – respektive, diese sind für sie verantwortlich. Umso stärker trifft es die dann.

Das gehört in meinen Augen zu den Lebenserfahrungen. Trotzdem verstehe ich natürlich auch die Eltern, die das den Kindern vielleicht nicht ganz so hart machen wollen.

Ich würde meinem Junior z.B. noch keinen Hamster geben – v.a. nachdem ich gehört habe, dass die übliche Lebenserwartung von denen bei 1-2 Jahren liegt … da weiss man schon, was kommt.

Aber wenn ich von Hamstern höre, die 5, 7, 10 Jahre gelebt haben … Ich weiss schon, was diese Eltern gemacht haben … das tote Tier unauffällig mit einem neuen ersetzt. Wer kann schon einen Hamster (oder Goldfische) vom anderen unterscheiden, wenn sie nicht gerade eine Auffälligkeit haben?

Aber: was, wenn die Kinder das dann einmal herausfinden?

Wobei … ich habe eine Kollegin, die hat auch so ein lang-lebendes Tier gehabt – und glaubt da nicht an Manipulation. Na – wer weiss? Methusalem-Tiere gibt es gelegentlich sicher auch …

(Nachtrag: habe zufällig das Bild gefunden und das alte ersetzt – ich finde das passt!)

Dann sorgst Du Dich um mich?

Ungewöhnlich, leicht schockierend, nachdenklich machend. Ziel erreicht, würde ich sagen.

Übersetzung:

Erwachsene wissen, dass rauchen schadet … aber sie erinnern sich selbst nicht daran.

Wie würden sie sich fühlen, wenn ein Kind raucht?

(Kind zu den Erwachsenen): „Bekomme ich Feuer?“

Die Reaktionen: „Wirklich?!“ – „Das gebe ich Dir nicht.“ „Rauchen ist schlecht, Du musst aufhören. Zigaretten enthalten Insektizide.“ „Du siehst alt aus, wenn Du rauchst.“

Jeder Erwachsene, den sie gefilmt haben, hat die Kinder daran erinnert, dass rauchen schlecht ist.

„Wenn Du rauchst, stirbst Du schneller. Willst Du nicht leben und spielen?“

„Du weisst, dass das schlecht ist, ja? Wenn Du rauchst, bekommst Du Lungenemphysema und Schlaganfälle“

Aber haben sie nicht selber etwas vergessen?

Kind: „Also warum rauchst Du?“

Zettel, die sie den Erwachsenen geben: „Sie sorgen sich um mich. Aber warum nicht um sich selber?

Fast jeder Erwachsene, der den Zettel bekommen hat, hat innegehalten und seine Zigarette weggeworfen. Keiner der Erwachsenen hat seinen Zettel weggeworfen.