Das kann ja nichts nützen!

Dafalgan auf Rezept und eine sehr entsetzte Frau:

„So ein Medikament kann ja nichts nützen! Keine Firma stellt ein gutes Medikament her für nur 3 Franken!“

Merke: teure Medikamente wirken besser – hat man schon mit Placebo bewiesen

Und nein: nur darum ersetze ich das nicht mit dem teureren Originalprodukt.

Lassen Sie mich das wiederholen … (3)

Lassen sie mich das noch mal wiederholen:

Sie haben also dieses spottgünstige Medikament gegen ihre Beschwerden verschrieben bekommen und ihre Versicherung übernimmt das nicht, also müssen sie es selber zahlen. Unglücklicherweise können sie sich das nicht leisten, weil ‚es einfach zu teuer ist‘ – und während sie mir das sagen, ziehen sie ihr brandneues touchscreen Telefon aus der italienischen Designer Handtasche in der auch der Schlüssel für den neuen BMW klingelt?

Oooookeee

Medikamente gratis?

Oder: die Apotheke im Spannungsfeld zwischen Gesundheitssystem und Wirtschaft.

Es wird für eine Kundin ein Rezept in die Apotheke gefaxt. Ich suche die Medikamente darauf heraus: Schlafmittel, ein Blutdruckmedikament, Magenmittel, Beruhigungsmittel … als ich die Krankenkasse kontrolliere, kommt die Meldung: „Krankenkassenkarte gesperrt. Keine Deckung.“
Weil es die XY Krankenkasse ist, bitte ich die Pharmaassistentin doch rasch telefonisch nachzufragen, denn die XY hatte in letzter Zeit Probleme mit der Internetabfrage.
„Nein,“ sagt die PADas ist so, da muss ich gar nicht anfragen.“

„Wieso?“ frage ich – worauf sie ein paar Rezepte aus dem Fach „Krankenkasse zu kontrollieren“ zieht: „Diese Kundin hat im Februar schon Medikamente auf Rezept bezogen und die Krankenkasse weigert sich, sie zu übernehmen, weil sie ihre Prämien nicht zahlt.“
Es handelt sich bisher um Medikamente im Wert von 600 Franken (!)– und mit dem neuen Rezept kämen noch mal 400 Franken dazu.
Ich rufe also der Patientin an und erkläre ihr, dass sie die Rezepte bezahlen muss und darum beim abholen Geld mitnehmen soll.

Es kommt die Tochter und will das Rezept einlösen.
Sie sagt: „Ich habe nicht genug Geld, kann ich es nicht auf Rechnung nehmen?“
Ich erkläre ihr, dass schon 600 Franken von vorher offen sind und dass ich das darum nicht mache.
Sie: Was soll ich denn machen? Die Mutter braucht die Medikamente!“
Ich biete ihr an, die Packungen, die sie braucht einzeln dann zu beziehen, wann sie sie braucht, dann verteilt sich das auch etwas.
Offenbar hat sie aber nicht mal Geld für die eine Packung – ich biete ihr an halt kleine Packungen zu nehmen – das will sie auch nicht. Ich biete an, mit dem Arzt Kontakt aufzunehmen – abgelehnt.
„Im übrigen“ sagt sie, „ist es ihre Pflicht als Medizinalperson, mir die Medikamente, die ich brauche auch ohne Bezahlung abzugeben, das ist sonst eine Verletzung der Sorgfaltspflicht.“ – Sie wisse das, sie studiere Jura!

Hmmmm. Doppelhmmmm.

Ich soll ihr also alle ihre Medikamente gratis geben? Wenn das wirklich so wäre, könnte ja keine Apotheke mehr überleben. Wie will ich denn da meinen Mitarbeitern die Löhne zahlen? Oder die Miete? Oder die Medikamente überhaupt?
Ich sage ihr, dass ich für die korrekte Medikamentenabgabe und Beratung zuständig bin, sie aber für ihre finanzielle Situation. Wenn sie die Prämien nicht mehr zahlen kann und allgemein so Probleme hat, dass sie sich nicht einmal eine kleine Packung des Medikaments leisten kann, kann sie sich an den Sozialdienst der Gemeinde wenden, ich könne ihr dabei helfen.
Will sie auch nicht. Sie geht.

Es beschäftigt mich aber dann doch, darum mache ich ein paar Telefone.
Das ist das Ergebnis:
Ich bin tatsächlich verpflichtet in Notfällen Medikamente auch mal ohne Bezahlung abzugeben … jedenfalls eine kleine Packung, einmalig.
Das macht auch Sinn

Nur: was ist genau ein Notfall?

Definition: Ein Notfall ist ein akut aufgetretener, potenziell lebensbedrohlicher Zustand.
Also z.B. Glucagon für eine Unterzuckerung beim Diabetiker
Bronchodilatator beim Asthmaanfall
Antiallergika bei akutem anaphylaktischem Schock
Bluthochdruck Medikamente bei akuter hypertensiver Krise (aber dauernder hoher Blutdruck fällt da nicht drunter: ist weder akut noch lebensgefährlich)
Nitroglycerin bei Herzinfarkt
Antidote bei Vergiftungen
Konakion bei akuter Blutung unter Marcoumar

Die Medikamente auf ihrem Rezept fallen da nicht drunter: Schlafmittel, Mittel gegen zuviel Magensäure, Blutdruckmedikament, Beruhigungsmittel. Und Geldmangel ist auch kein medizinischer Notfall.

Bei der Kundin hatte ich stark den Eindruck sie denkt sie habe grundsätzlich einen Anspruch auf alle Medikamente gratis.
So funktioniert es aber nicht!

Inzwischen konnten wir die Situation zusammen mit dem Sozialamt und Krankenkasse lösen – sie bekommt wieder ihre Medikamente und wir unsere Entlöhnung.

Trickbetrug in der Apotheke

Diese Warnung kam letzthin per Fax über eine Trickbetrügerin:

Eine Frau bezahlte etwas für ca. Fr. 5.00 mit einer 200er Note. Nachdem Sie das Retourgeld erhielt, äusserte sie noch zwei neue Wünsche und verwickelte die Mitarbeiterin in ein Gespräch, so dass diese vergass, die 200er Note in der Kasse zu versorgen. Als die Mitarbeiterin die Kasse verliess, um das gewünschte Medikament zu holen, lag die 200er Note immer noch bei der Kasse, unter der Tastatur eingeklemmt. Die Kundin entwendete darauf die 200er Note über die Theke hinweg und verliess sofort die Apotheke.

Ich lege die gefaxte Info für unsere Mitarbeiter zum lesen auf – damit sie in Zukunft auch vorsichtig sind. Sagt der eine Lehrling zu mir: „Und der ganze Aufwand für 5 Franken?“
Sage ich: „Nein, nicht 5 Franken. 195 Franken: Sie hat ja das Rückgeld UND ihren eigenen Schein wieder mitgenommen!“

Das erinnert mich an einen Fall, den wir bei uns einmal hatten. Einer Stammkundin kommt beim Bezahlen an der Kasse in den Sinn, dass sie noch etwas aus der Kosmetik möchte. Sie und die Drogistin gehen zu dem Steller, die Kundin lässt ihre Geldnote bei der Kasse liegen – es wurde erst ein Teil getippt und noch nichts einkassiert.

In der Zwischenzeit kommt ein anderer Kunde an die Kasse und eine andere Mitarbeiterin kommt zum einkassieren. Der Kunde nimmt einfach die Note (unbemerkt von der Mitarbeiterin) und bezahlt damit! Als die Stammkundin mit der Drogistin an die Kasse zurückkommt ist die Note dementsprechend weg.
Es folgt eine kurze Diskussion darüber, ob das jetzt wohl ein Diebstahl an uns oder an der Kundin war. Die Kundin ist der Meinung, dass sie uns die Note ja gegeben hätte (eigentlich nicht, sie hat sie einfach liegenlassen) und darum sollten wir das als bezahlt anschauen. Angesichts der Tatsache, dass sie eine Stammkundin ist liessen wir das durchgehen. Halt ein Verlust für uns.

Aber von da an weisen wir die Kunden in ähnlichen Situationen darauf hin, dass sie auf IHR Geld aufpassen müssen – es gibt da auch welche, die gleich das Portmonne liegenlassen. Ja, auch in Läden wird gestohlen – weniger von den Mitarbeitern vielleicht als von den Kunden, wenn sie unaufmerksam sind!

Zum Aktionspreis

Kunde kommt und fragt (ohne Hallo, Guten Tag oder Grüetzi): „Wieviel kostet die Voltaren dolo Salbe?“

Ich sage es ihm: „23 Franken 10 für die grosse Tube“ (Ja, ich kann das auch ohne Begrüssung)

Kunde: „Das kann nicht sein, das letzte Mal habe ich nur etwa 19 Franken bezahlt.“

Pharmama: „Schon möglich. Wo und wann war das?“

meint er: „Hier, im November oder so.“

Pharmama: „Ja, das ist möglich, da hatten wir eine Aktion: Jetzt sind sie 23.10.-“

Kunde: „Ich kann sie also nicht für  19 Franken bekommen?“

Pharmama: „Doch.  ….bei unserer nächsten Aktion. Im Oktober oder so….“

Ich glaube ich erinnere mich sogar an ihn. Er hat damals grad einen Vorrat von 4 oder 5 Tuben gekauft. Damals habe ich ihn darauf hingewiesen, dass er bei längerer Anwendung vielleicht mal einen Arzt aufsuchen sollte.

Die Kasse

Dinge (und auch Medikamente und Drogerieartikel) kosten Geld. Und da die wenigsten Menschen grad den Betrag passend haben – oder aber keine Zeit zum Münz heraussuchen, haben wir natürlich eine Kasse. Eine mit einer Menge Münz darin und gegen Ende des Tages hoffentlich auch einigen Noten.

Die Kasse zu bedienen ist keine Kunst. Der Computer rechnet die eingescannten Produkte selbst zusammen, man kann Sachen sogar wieder rausnehmen und Gutscheine oder Rabatte anrechnen. Am Schluss hat man ein Total, das der Kunde dann irgendwie begleichen muss: Bar, Kreditkarte, Hosenknöpfe – ok, letzteres eher nicht, obwohl ich schon Münz in der Kasse gefunden habe, das etwa denselben Wert hat. Wieviel ist wohl 1 Zloty wert? Da hat wohl jemand nicht gut aufgepasst.

Nun gut. Meistens bekommen wir ja Noten und eventuell das ungerade in Münz.Dann gibt es Rückgeld: ich persönlich zähle das meist sogar laut heraus.

„Das macht 16 Franken 80“. Ich bekomme eine Fünfzigernote.

Also: Griff in die 20er: „auf 17“, Griff in den 1er: 18“, Griff in den 2er: „20“, Griff in den Noten-20er: „40“, Griff in den Noten-10er: „und auf 50. Danke vielmals. Brauchen sie eine Tasche?“

Da gibt es diesen einen Kunden, der hocherzürnt mit dem Kassabon zurückkam: „Das stimmt so nicht!“ ruft er aus

Was ist passiert? Habe ich ihm falsch herausgegeben?

Nein. Was für ihn nicht stimmte war der Bon. Da gibt es nämlich eine Zeile drauf, wo steht (direkt unter dem Total): Gegeben: CHF 16.80.-

Kunde: „Da müsste stehen CHF 50.-!, ich habe ihnen ja eine 50er Note gegeben!“

Oh ja. Ich entschuldige mich und erkläre ihm, dass das etwas ist, was man machen kann mit der Kasse: man gibt das erhaltene Geld ein und die Kasse berechnet dann auch das Rückgeld. Weil man dazu aber 4-5 Tasten mehr drücken muss, verzichte ich meist darauf. Das geht etwas schneller.

Der Kunde begreift das gar nicht. Er regt sich auf. „Das ist so nicht korrekt! Ich habe ihnen 50 Franken gegeben, nicht 16.80!“

„Entschuldigung“ sage ich: „habe ich ihnen falsch herausgegeben?“

Grummeliges Nein. „Aber die Kasse stimmt am Abend nicht!“ (Er meint sein Portmonnaie, nicht unsere).

Ich biete ihm an, einen neuen, ‚korrekten’ Bon herauszulassen. Es dauert etwas, weil ich den alten löschen muss und einen neuen Verkauf machen muss – man kann abgeschlossene Bons nicht einfach wieder öffnen. Er regt sich immer noch auf.

„Ich begreife einfach nicht, warum das nicht automatisch geht! Im Coop schaffen sie das jedesmal problemlos“ – ich verkneife mir die Bemerkung, dass im Coop 1., die Preise nicht auf den Waren stehen und es darum öfters vorkommt, dass dann der Bon nicht stimmt (nur merkt er das sicher nicht) und 2. dass ich dort schon häufiger falsch rausbekommen habe, ob da ein ‚gegeben’ draufsteht oder nicht.

Meine Mitarbeiter wissen seitdem alle, was sie bei ihm machen müssen. Interessant ist, dass sobald wir eine neue Mitarbeiterin (oder Lehrling) haben, er immer auf die zusteuert – damit er wieder dasselbe Theater abziehen kann.

Ich glaube er braucht das.