Woher kommen unsere Medikamente? Beispiel Marcoumar

Der Blutverdünner Marcoumar hat auch eine hochinteressante Entwicklungsgeschichte.

A cow
Image via Wikipedia

Es fing alles um 1920 mit einem Haufen toter Kühe an.

Die Kühe waren plötzlich verendet, ohne dass man eine äussere Ursache finden konnte. Man obduzierte darum ein paar – immerhin könnte es sich ja auch um eine neue Krankheit handeln.

Bei der Obduktion stellte man fest, dass ihr Blut nicht gerann. Sie starben an inneren Blutungen. Im Magen der Kühe fand man Heu, das viel Klee enthielt. Das Klee alleine war aber nicht die Ursache, ansonsten wären schon früher Tiere gestorben und viel mehr.

Man fand dann, dass das Heu, das die jetzt toten Tiere gefressen hatten von einer Stelle stammte, wo das Dach des Vorratsstalles leck war. Das Heu wurde feucht und hat geschimmelt. Das Heu von dieser Stelle wurde untersucht und schliesslich fand man, dass der Schimmel einen Inhaltstoff vom Klee – das Coumarin – so verändert hatte, dass ein Wirkstoff entstand, der eben die Blutgerinnung verhinderte: das Dicoumarol.

Ab 1949 wurde das Dicoumarol dann therapeutisch eingesetzt zur gezielten Hemmung der Blutgerinnung. Der Wirkstoff wurde dann weiterentwickelt zum Phenprocoumon – das ist das Marcoumar heute und Warfarin – das hauptsächlich in Amerika eingesetzt wird.

Die Coumarin-Derivate werden eingesetzt zur Thrombose-Prophylaxe, also um Blutgerinsel vorzubeugen z.B. nach Herzoperationen, bei Herzrhythmusstörungen etc.
Die Dosierung muss dabei anhand der Wirkung auf die Gerinnung individuell und vorsichtig angepasst werden –sonst wirkt es entweder nicht genügend oder aber zuviel – und dann passiert im schlimmsten Fall dasselbe wie bei den Kühen.

Das „Gegengift“ von Marcoumar ist übrigens Vitamin K.

Die Überdosierung wird auch ausgenutzt, allerdings nicht in der Medizin: man benutzt Cumarinderivate auch als Rattengift. Die Ratten fressen das und nach einiger Zeit verbluten sie innerlich. Eigentlich ziemlich grausam, aber schneller wirkendes Gift kann man nicht nehmen, sonst verenden die Tiere neben dem Fressköder und dann fassen die anderen Ratten das nicht mehr an – das sind ziemlich schlaue Tiere.

Nachtrag: es hat aus irgendeinem Grund eine frühere Version des Artikels veröffentlicht – das hier ist jetzt die Version, die ich wollte.

Woher kommen unsere Medikamente? Bsp. Aspirin

Golden Weeping Willow - Salix alba 'Tristis'
Image by Barbyr via Flickr

Woher kommen eigentlich unsere Medikamente?

Ich habe es schon immer interessant gefunden, zu sehen, wie es zu den heutigen Errungenschaften gekommen ist. Das ist auch im Fall der Medikamente ein sehr spannendes Thema.

Da wäre z.B. das allbekannte Aspirin. Da hat man vielleicht schon einmal gehört, dass der Grundstoff dafür ursprünglich natürlich ist. Er kommt von der Weidenrinde. Die Weide (Salix) ist ein Baum, den man heute noch oft in der Nähe von Gewässern sehen kann. Tee aus der Rinde war schon seit Urzeiten ein Schmerzlinderndes Mittel.
Der Inhaltstoff der Weide ist das Salicin. Eingenommen macht unser Körper daraus Salicylsäure.

1763 wurden die medizinischen Eigenschaften der Weidenrinde von Pastor Edward Stone in England festgehalten. Er schrieb darüber einen ersten Bericht für die Royal Society.

1828 extrahierte Henri Leroux, ein französischer Apotheker erstmals das Salicin, den Wirkstoff aus Weidenrinde in kristalliner Form. Ein Italienischer Apotheker, Raffalee Piria war dann erfolgreich die Substanz in Reinform zu separieren.

1897 schaffte es Felix Hoffman (oder war es sein Chef Arthur Eichengrün?) eine etwas veränderte Version vom Salicin herzustellen, die weniger Magenprobleme machte als die reine Salicylsäure. Das neue Medikament, die Acetyl-salicylsäure wurde von Hoffmans Arbeitgeben Bayer „Aspirin“ benannt: Der Name setzt sich zusammen aus ‚A‘ (für die Acetylgruppe), -’spirin‘ (für den Inhaltsstoff der Spire, dem Mädesüss, einer ebenfalls Salicinhaltigen Rosengewächs).
Es war der erste Wirkstoff einer sehr wichtigen Klasse Medikamente, die heute unter dem Namen NSAID – Nicht-Steroidale Anti-Inflammatorische Medikamente bekannt ist. Interessanterweise vermarktete Bayer  jedoch zuerst den elf Tage später von Hoffmann entwickelten Hustenstiller, das als Heroin bekannt gewordene Diacetylmorphin stärker, da man nach Versuchen an Menschen davon ausging, dass Aspirin zu viele Nebenwirkungen habe. …

Obwohl man das Aspirin schon so lange „kennt“ und anwendet, findet man heute immer noch neues. Es wird nicht mehr nur als entzündungshemmendes Schmerzmittel verwendet, sondern auch als Blutverdünner. Weitere Anwendungen (wie z.B. im Bereich Krebsprophylaxe) werden diskutiert.

Ein neueres Rheumamittel enthält auch wieder den Trockenextrakt der Weidenrinde, etwa 60mg Salicin pro Tablette … zurück zu den Wurzeln könnte man sagen.

Wenn Euch der Artikel gefallen hat … ich könnte noch ein paar interessante Beispiele bringen. Penicillin, Marcoumar, Minoxidil, Viagra …

Und falls jemand noch mehr interessante Entwicklungsgeschichten kennt: Bitte melden!

„Was ist das eigentlich?“

… ist im Moment die von Junior meist gestellte Frage.

Man hat als Nicht-Eltern keine Ahnung in was für Erklärungsnöte so eine einfache Frage einen stürzen kann. Da fängt man an über Sachen nachzudenken, worüber man sich vorher keine Gedanken gemacht hat – weil man es einfach als selbstverständlich angeschaut hat.

Manchmal kommt man auch zu erstaunlichen Ergebnissen. Letztens wollte Junior wissen, was ich da gerade zum Essen mache.

Pharmama: „Das ist ein Poulet.“

„Was ist das eigentlich?“

„Ein Poulet, das ist ein Huhn, Du weisst schon, dieser Vogel der macht „Putt putt putt“ „ (Wir haben ein paar in der Gegend)

„Aber das is Fleisch!“ (Ja, so sieht ein ungebratenes Hühnchen auch aus).

„Ja, das ist Fleisch.“

„Dann isch das ein Fleischvogel!

… darauf kann ich nun wirklich nichts mehr sagen, weil ich erst mal lachen muss.

ich: Versuchskaninchen

Apotheker sind Pharmazeuten – und als solche auch an der Entwicklung von Medikamenten beteiligt – nicht nur am Verkauf und Vertrieb. Ein Grund mehr, die Forschung und Entwicklung ein bisschen zu unterstützen – und gleichzeitig etwas über die Prozesse zu erfahren, indem man sich als Versuchskaninchen für neue Medikamente oder Grundlagenforschung zur Entwicklung stellt.

Ich habe das bisher einige Male gemacht.

Das erste Mal der Vergleich von pflanzlichen Schlaftabletten gegenüber Placebo und Rohypnol (starkes Schlafmittel).

Dabei wurde geschaut, ob es beim pflanzlichen Schlafmittel auch einen Overhang gibt am nächsten Morgen, also ob man dann immer noch müde und reaktionslangsamer ist wegen dem Medikament. Die Studie war doppelblind und placebokontrolliert – also wusste weder Prüfer noch Proband (ich), was man bekommt. Ich musste am abend vorher einen Reaktionstest ablegen (etwas mit blinkenden Lichtern und Zahlen, sowie eine Fahrprüfung am Monitor) dann 2 Kapseln schlucken nachts um 1 Uhr – da war ich schon müde, weil ich da normalerweise tief schlafe, also kann ich nicht sagen, ob die Kapseln etwas gebracht haben. Dann am Morgen noch einmal derselbe Reaktionstest und Fahrprüfung. Ich schnitt besser ab als am Abend vorher – typisch Lerneffekt. Die spätere Auswertung zeigte dann auch, dass ich das Placebo hatte.

Ein paar Tage später ein Anwendungstest zur Entwicklung von einem pflanzlichen Schlafsirup. Das kann man schlecht gegen Placebo testen, denn der enthält Baldrian, das wirklich einen typischen Geruch hat und man nicht verstecken kann. Da musste ich wieder einen Fahr- und Reaktionstest machen, ausserdem Seitenweise p’s, d’s, q’s und b’s anstreichen. Dann den Sirup nehmen, eine halbe Stunde warten und das Ganze nochmals. Dann war ich entlassen. Dazu kann ich nur sagen: der Sirup wirkt: auf dem Nachhauseweg bin ich um ein Haar mitten in der Stadt auf dem Bus eingeschlafen.

Dann eine Studie zu PMS – das ist das Prämenstruelle Syndrom. Den Frauen dürfte das Problem bekannt sein: vor und mit Beginn der Periode auftretende Probleme wie Kopfschmerzen, Migräne, Brustspannen, Bauchkrämpfe, sehr schmerzhafte Blutungen, Stimmungsschwankungen … ja, ja, macht ihr Männer nur Witze wie Hormongesteuert wir Frauen sind. Das war auch ein Ziel der Untersuchung: zu schauen, ob die Probleme eventuell von einem phasenweise erhöhten Prolactinspiegel herstammen können … und ob ein pflanzliches Medikament mit Vitex agnus castus (Mönschspfeffer) einen Einfluss auf Hormonspiegel und Beschwerden hat. Dazu gehörte eine einige Monate lange tägliche Einnahme des Medis, Fragebogen und regelmässige Blutentnahmen. Auch da kann ich sagen: Das Medikament wirkt .. es braucht etwas Anlaufzeit (3 Wochen mindestens) und man muss es täglich nehmen. Wenn man es absetzt ist auch die Wirkung bald w … nun ja. Ich habe zum Glück nur mässig PMS, was sich mit Schmerztabletten im Zaun halten lässt.

Und zuletzt noch eine Studie zu Malariamedikamenten. Da haben meine Eltern auch mitgemacht, als wir zusammen in Südafrika waren. Jeder von uns bekam eigene Kapseln mit, zu nehmen jeweils 1 abends, anzufangen 1 Woche vor bis 2 Wochen nach dem Malariagebiet. Was wir bekamen wussten wir nicht, wir mussten nur unsere Erfahrungen festhalten. Da weiss ich bis heute nicht, was es war – aber es ist ein Medikament, das ich nicht speziell gut vertragen habe – es machte mir Kreislaufprobleme und Übelkeit. Lariam hatte ich inzwischen auch schon, das vertrage ich – es macht nur eine Menge seltsame Träume. Malarone hatte ich auch schon – und keinerlei Probleme damit.

Ich sage nicht, dass man sich unbedacht als Versuchskaninchen zur Verfügung stellen soll, aber es kann eine interessante Erfahrung sein, nutzt der Forschung und gelegentlich gibt es sogar etwas Geld.

Hat jemand von Euch auch schon so etwas gemacht?

Sprachentwicklung

Nachdem unser Junior eher zögerlich angefangen hat zu sprechen, holt er jetzt kräftig nach.

Unterwegs kommentiert er mit viel Freude, was ihm gerade auffällt: „Auto aabe“ (Ja, das Auto fährt in die Tiefgarage), „Dööt Wasser“ (im Brunnen nämlich), „Drämmli chunnt“ (Das Tram fährt vorbei), „Tüütaaa Papa“ (wenn Kuschelbär mit dem Feuerwehrauto unterwegs ist) und so weiter.

Auch oft: „Wasischdas?“ wenn er etwas sieht, wo er noch keinen Namen dafür hat.

Aber manchmal gibt er den Dingen auch gleich selber Namen.

So wie letzte Woche, als Kuschelbär für unseren neugemachten Balkon gleich 2 Schirme gekauft hat: einen grossen und einen kleinen. Als ich nach Hause kam, nimmt mich Junior an der Hand und sagt: „Chumm mit!“

Er bringt mich auf den Balkon und zeigt auf den installierten grossen Schirm und verkündet: „Baum!“

Ich muss lachen, sage: „Es sieht etwas aus wie ein Baum, gell Junior? Aber das nennt sich Schirm!“

Worauf er kurz rausgeht, dann mühsam den kleinen Schirm anschleppt und sagt: „Baby-Baum !!“

Ich musste mich setzen, ich hab so gelacht.

Nein, nein, nein!

Junior entdeckt das „Nein“.

Nachdem lange Zeit nur das „Ja“ angesagt war (hat wohl mit seiner Sprachentwicklung zu tun: „Mama“, „Papa“, „Da“ ist einfach näher an „Ja“ ) kommen jetzt nach „Stei(n)“, „Ei“  halt das „Nei(n).“ – und Kopfschütteln natürlich, ausführliches Kopfschütteln.

„Willst Du noch etwas Mandarinli?“ –  „Neineinein“

– aber die Hälfte der Zeit nimmt er es nachher dann doch.

Gut, bei manchen Sachen hat er nicht unbedingt ein Mitspracherecht. Z.B.: „Du gehst jetzt ins Bett, Du bist ja schon ganz müde.“ „Neineinein!“

Doch, doch.