Jetzt mit Extra Eisen!

Ihr kennt die Angaben auf Nahrungsmitteln – und Nahrungsergänzungsmitteln: zum Beispiel die einfache Packung Cornflakes. Sie enthält laut den Angaben darauf 100% des täglichen Bedarfs an Eisen. Gesund! Beeindruckend! Braucht ja jeder – speziell Kinder in der Entwicklung …

Deshalb dürfen auch auf Nahrungsmitteln mit Eisenzusatz und Nahrungsergänzungsmitteln diese Anpreisungen draufstehen:
Eisen trägt zur normalen kognitiven Entwicklung von Kindern bei, Eisen trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei, Eisen trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei, Eisen trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei …

Aber – ist da auch drin, was draufsteht? Sollte eigentlich. Wobei … Nahrungsergänzungsmittel und auch Nahrungsmitteln unterliegen bei weitem nicht so strengen Kontrollen wie Medikamente und zugelassene Mittel.

Und das kann dann zu so was führen:

Ihr müsst nicht den ganzen Film schauen … die beeindruckendste Szene ist hier dargestellt:

Was da am Magneten hängt – und aus der Cornflakes-Wasser-Mischung extrahiert wurde ist Eisen.  Na toll, denkt man – da ist wirklich drin, was drauf steht!

Nur dass das elementares Eisen ist. Eisen0 wie in Nägeln vorhanden. Deshalb wird es vom Magneten angezogen. Das können wir aber nicht aufnehmen. Was wir brauchen ist Fe2+, dass der Körper auch aus Fe3+ mittels Säure (Vitamin C) umwandeln kann. Aus elementaren Eisen bekommt man mittels Salzsäure nur einen sehr kleinen Teil heraus … das meiste davon wird einfach wieder ausgeschieden werden.

Aber Hauptsache, man kann es auf sein Produkt draufschreiben. Und darf es dann mit Aussagen anpreisen, die sehr … gesundheitsbezogen sind.

Der Film ist schon älter, hat mich aber beeindruckt.

Von Spinat und Rüebli – und von unbeabsichtigter und absichtlicher Misinformation

Im Spinat ist gar nicht so viel Eisen drin, wie früher angenommen wurde – das ist inzwischen bekannt. Aber wie kam man eigentlich darauf?

Angeblich wurde bei der Analyse und der anschliessenden Berechnung des Eisengehalts um 1870 von Dr. E. Wolf ein Dezimalfehler gemacht (er setzte einen Punkt falsch) wodurch dem Spinat ein zehnmal höherer Eisengehalt als tatsächlich vorhanden zugeschrieben wurde. Eine zweite Version erzählt davon, dass getrockneter Spinat von einem Von Bunge auf den Eisengehalt untersucht wurde und der Fehler darauf beruht, dass er den Gehalt nicht auf das frische Gemüse zurückrechnete.

Um 1940 kam man dem Fehler in Deutschland auf die Spur, aber die Missinformation hält sich hartnäckig.

Aber Rüebli – Karotten sind gut für die Augen, oder? Auch das habe ich früher öfters gehört. „Iss deine Rübchen, dann siehst du besser und du brauchst keine Brille“. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das funktioniert nicht. Meine Mama hat, als sie mit mir schwanger war viel Karotten gegessen. Soviel, dass es Fotos von mir gibt gleich nach der Geburt, auf denen ich einen deutlichen Orangestich habe – der nicht ein Film-fehler ist. Rüebli waren auch für die Schweiz klassischerweise das erste Gemüse (in Breiform natürlich), das ich bekam. Trotzdem habe ich heute eine Brille.

Aber woher kommt diese Aussage eigentlich?

Im zweiten Weltkrieg wurde diese Aussage von Englands Luftabwehr bewusst in die Welt gesetzt um zu erklären, warum sie auf einmal einen derartigen Erfolg hatten Nachts Nazi Bomber schon von weitem anfliegen zu sehen.

Speziell ein Flight Lieutnant John Cunningham wurde dafür verantwortlich gemacht. Man nannte ihn „Cat Eyes“ aufgrund seiner ausserordentlichen Nachtsicht, die er auf seine Vorliebe für Karotten zurückführte. Man forderte andere Soldaten auf, möglichst viel von diesem Gemüse zu essen, um denselben Effekt  zu erreichen.

Die Fehlinformation war so erfolgreich, dass auch viele in der Bevölkerung anfingen Karotten zu essen – es konnte ja nur helfen, wenn mal wieder ein Stromausfall war oder die Lichter absichtlich nicht eingeschaltet werden durften wegen Angriffsgefahr.

Die Wahrheit hinter dem Erfolg der Luftabwehr waren aber nicht die durch Karotten verbesserte Nachtsicht der Soldaten sondern ganz profan der neu und im geheimen entwickelte Airborn Interception Radar. -Die Täuschung war erfolgreich – und die Nachwirkungen „spüren“ wir bis heute.

Lustigerweise ist aber zumindest ein Körnchen Wahrheit an der Geschichte mit den Karotten und den Augen:
Karotten sind eine gute Quelle von  Beta-Carotin, das ein Vorläufer von Vitamin A ist- einem Vitamin, das wichtig ist für ein gesundes Augenlicht, die Haut, Wachstum und Widerstandskraft gegen Infektionen. Trotzdem verbessert das Essen der Karotten das Sehen an sich nicht.

Wer an Nachtblindheit (nyctanopia) leidet, also wer schlecht sieht bei wenig Licht, dem kann zumindest ein bisschen geholfen werden, wenn er Karotten zu seinem Essen hinzufügt, denn er leidet wahrscheinlich an Vitamin A Mangel.

Das Beta Carotin kann auch helfen das Risiko von grauem Star und Makuladegeneration (Augenkrankheiten, die die Sicht behindern) einschränken. Allerdings sind Studien, die auf eine solche Verbindung deuten mit viel höheren Dosen gemacht worden, als man durch normales Karottenessen aufnehmen kann. Es ist aber auch keine gute Idee zuviel zu essen – grosse Dosen Vitamin A können giftig sein – wie alles, was man zuviel nimmt. Vitamin A als fettlösliches Vitamin sammelt sich im Körper an. Und zuviel Betacarotin gibt carotenemie – eben das von mir erfahrene gelb-orange werden der Haut. Das ist zumindest reversibel.

Im übrigen: Spinat enthält einiges mehr Betacarotin als Rüebli, wegen der grünen Farbe sieht man das Orange einfach nicht – und ist darum ein besserer Vitamin A Lieferant. Und das war auch der Grund, warum Popeye Spinat isst – nicht wegen dem Eisen – sondern wegen dem Vitamin A –Gehalt.

Quellen: http://www.snopes.com/food/ingredient/carrots.asp
Internetjournalofcrimonology (Das ist mal ein interessanter Artikel)