Ist die Apothekerin da?

Telefon.

„…Apotheke, Pharmama am Apparat.“

Kundin: „Ist das die Apotheke?“

Pharmama: „Ja, da sind sie richtig.“

Kundin: „Sind Sie die Apothekerin?“

Pharmama: „Ja, bin ich.“

Kundin: „Ok, gut. Haben sie Supradyn gerade als Aktion?“ ...

….

„Ich muss unbedingt mit dem Apotheker sprechen.“ sagt die Kundin zur Drogistin. Die verweist sie an mich.

Ich: „Um was geht es denn?“

Kundin: Wie bekomme ich einen Lippenstiftfleck aus meiner Handtasche wieder raus?“

Ich: Ummm, entschuldigen Sie, aber da muss ich die Drogistin fragen, die kennt sich mit Fleckenentfernung besser aus.“

….

Drogistin holt mich zu einem Kunden:

Kunde: „Ist der Inhaber da?“

Ich: Nein, tut mir leid, aber der kommt nur sehr selten vorbei. Kann ich Ihnen vielleicht helfen?“

Kunde: „Eigentlich wollte ich ihn fragen, ob ich ein Sonnencreme-muster für den Rucksack haben kann.“

….

Das sind nur 3 Situationen, die wir letzhin hatten. Für keine der 3 hätte es die Apothekerin oder den Chef allgemein gebraucht. Trotzdem fragen die Leute oft direkt danach.

Ich bin noch so glücklich wenn ich über medizinische oder Krankenkassen-betreffende Fragen Auskunft geben kann, aber derartiges wie oben empfinde ich irgendwie als Leerlauf.

Lehrlinge unter Drogen

Dieser Artikel in der 20 Minuten hat mich ein bisschen erstaunt. Darin steht: …

hat sich der Anteil der 15-Jährigen, die schon Heroin und Kokain konsumierten, seit 2003 nämlich verdoppelt.

Willst Du einen Lehrling, der Drogenabhängig ist?
Was haltest Du von einem drogenabhängigen Lehrling in einer Apotheke?

Vor ein paar Jahren stellte der Betriebsleiter der Drogerie einen Lehrling zur Ausbildung als Drogist ein. Ein männlicher Lehrling ist an sich schon etwas ungewöhnlich, wie bei den Pharmaassistentinnen und den Apothekerinnen sind die meisten Drogisten inzwischen weiblich – das fängt schon bei der Ausbildung an.

Jedenfalls fängt dieser Lehrling – nennen wir ihn Urs – mit der Ausbildung bei uns an. Schon bald fällt mir auf, wie nervös dieser Junge ist. Wahnsinnig nervös. Schweissnass manchmal. Nun gut, zu Anfang muss er sowieso erst die Arbeiten im Hintergrund lernen. Dinge wie Wareneingang, Lagerbewirtschaftung, Computer bedienen, Labor reinigen und so weiter. Vielleicht fängt er sich noch, denke ich, aber so kann man ihn auf keinen Kunden loslassen, nicht mal unter Aufsicht.
Er braucht manchmal lange, bis er etwas begriffen hat. Es reicht offenbar nicht, wenn man es ihm 3 x erklärt und zeigt, auch nicht, wenn es verschiedene Personen tun.
Wenn er im Keller ist, dauert es ewig, bis er wieder auftaucht. So lange, dass wir manchmal einen anderen zum Nachschauen schicken müssen, ob er noch da ist.
Dann fange ich an Rückmeldungen von den anderen Lehrlingen zu bekommen. Der einen hat er anvertraut, dass er Probleme hat mit dem Methadonprogramm … eigentlich wollte er damit fertig sein, wenn die Lehre anfängt.
Ich bin milde geschockt. Das erklärt die Nervosität und das Schwitzen: er hat Entzugssymptome!
Als nächstes sagt mir ein anderer Lehrling dass sie, als sie im Keller war, um nach ihm zu schauen, auf dem Tisch dort ein offenes Taschenmesser liegen gesehen hat – mit Pulver daneben. Mein Verdacht: Cocain, v.a. wenn ich an sein aufgedrehtes Verhalten denke, als er die letzten Male wieder aus dem Keller gekommen ist.

Ich unterrede mich mit dem Betriebsleiter der Drogerie. Wusste er von dem Methadonprogramm? Nein! Was hat er das Gefühl, wie sich der Lehrling macht? Nicht gut. Ernsthafte Lernprobleme auch in der Schule. Zunehmend seltsames Verhalten bei uns.
Ich erkläre ihm auch, dass ich ernsthafte Bedenken habe was sein Aufenthalt bei uns angeht, eben weil wir ausser der Drogerie auch eine Apotheke sind. Ich habe eine Menge Medikamente in Lager, die auf der Gasse gern verkauft werden – und dass er Freunde in der Drogenszene hat, haben wir schon gesehen – an der überschwänglichen Art, wie Urs ein paar unserer Spritzenholenden Kunden begrüsste.
Ich finde das ungut. Ich will nicht ständig misstrauisch sein müssen und jeden Tag die Lagerbestände diverser Medikamente nachzählen müssen. Und dann ist da noch das Cocain und Morphium das ich im Betäubungsmittelschrank habe. …. Nein, gar nicht gut!

Am Ende entscheiden wir uns, das Lehrverhältnis aufzulösen. In einer Besprechung mit Urs und seinem Vater erklären wir warum. Das Beste: Sein Vater weiss von seiner Drogensucht, war bei der Vertragsunterzeichnung dabei, wusste also, dass wir auch eine Apotheke sind und hat kein Wort gesagt damals. Er dachte, wir würden uns schon um ihn kümmern. Na Danke!

Ich habe Urs später noch ein paar Mal gesehen, meist aus dem Bus heraus, vor einem der Gassenzimmer. Er tut mir leid, aber ich denke wenn er wirklich aus dem Drogenmilieu herauskommen will, muss er weg davon – auch örtlich. Solange er seine Freunde nur dort hat, wird er immer wieder zurückgezogen.

Bestellbar: heute, morgen, gar nicht

Da, wo ich arbeite haben wir über 10’000 Artikel an Lager (laut letzter Inventur) und was nicht da ist kann im Normalfall bestellt werden und zwar innerhalb eines halben Tages. Das bedeutet, ich bestelle vor 12 Uhr und es ist spätestens um 4 Uhr Nachmittags hier. Ich bestelle vor 7 Uhr abends und es ist am nächsten Morgen hier.*

Ich finde das wirklich erstaunlich und eine sehr gute Dienstleistung für die Kunden. Ehrlich: wo sonst ist das auch so? Nirgends, oder?

Trotzdem gibt es Leute denen das offensichtlich nicht reicht.

Besonders liebe ich dazu folgende Aussagen:

„WAS? Sie haben es nicht da? Immer, wenn ich komme und etwas brauche, müssen Sie es bestellen!“ – Ja, wenn Ihr Arzt natürlich irgendwelche seltenst gebrauchten Medikamente aufschreibt und Sie auch noch darauf bestehen genau das zu nehmen und nicht etwa das Generikum, das wir an Lager haben. Und „immer“ heisst also alle 2 Jahre einmal?….

„Aber ich gehe heute Mittag in die Ferien / fliege morgen früh … und ich brauche es sofort!“ – Sie wissen wie lange, dass Sie in die Ferien gehen und Medikamente brauchen und das Rezept ist über eine Woche alt? Hmmpf. Viel Glück bei der Suche nach einer Apotheke, die die Medikamente an Lager hat! (Wobei ich dann noch nett – oder blöd- genug bin, anzubieten ein paar Apotheken anzurufen und anzufragen).

„Oh, Sie haben dieses … (irgendeinobskureswundermittelchen)…… also nicht hier und können es auch nicht bestellen….“

Doch, ich kann ihnen dieses Wundermittel, das Sie in einer Illustrierte gefunden haben schon bestellen, aber so wie ich den Hersteller kenne wird er neben dem Porto noch einen Einzelstückzuschlag daraufhauen. Ausserdem ist es kein Medikament, sie könnten auch selbst anfragen, dass sie es zu ihnen schicken. Die Adresse steht auch im Heft, samt der (gebührenpflichtigen) Telefonnummer.

„Sie haben das nicht im Computer? Aber ich habe es im Fernsehen gesehen!“ Ja, mag gut sein – Es war nicht zufällig auf dem ZDF, ARD, Pro7 oder Sat1? Das sind Deutsche Sender, also ist es wahrscheinlich ein deutsches Produkt. Im Computer habe ich nur die Schweizer Produkte. Doch, ich kann es ihnen aus Deutschland besorgen, aber das wird teurer. Es gibt in der Schweiz wahrscheinlich auch Produkte wo dasselbe drin ist (jetzt muss ich nur noch herausfinden was darin ist …)

*kleiner Disklaimer: Samstags gibt es keine Nachmittagslieferung (auch der Grossist macht Wochenende) und gewisse obskure oder seltene Dinge können nur direkt vom Hersteller bestellt werden, was ein paar Tage dauern kann.