Neue Spitzentechnologie (aus Amerika!)

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Diese hochwertige neu-Entwicklung wurde uns letztens in der Apotheke angeboten. Ja, das ist so ein Streifen, der mittels Farbänderung angibt, wie die Temperatur ist. Den hält man an die Stirn.

Kommentar meiner Pharmaassistentin: „Oh, gibt’s die wieder?“

Echt jetzt: das ist weder neu (erinnert sich jemand hier an die Stimmungs-anzeigenden Medaillons aus den 80ern?) noch ist das eine Spitzentechnologie und von Qualitätsinstrument würde ich bei etwas, das in halb-Grad-Schritten anzeigt (bis 40 Grad!) auch nicht reden. Übrigens: auch normale Thermometer sind wiederverwendbar und nutzen nicht ab und sind sehr schnell … Der einzige Vorteil, den ich hier sehen würde ist der geringe Preis. Allerdings kann man bei der Messgenauigkeit und etwas Übung auch auf die Methode „Hand auf die Haut legen“ zurückgreifen …

Die Freundin hat’s empfohlen

Der Lehrling kommt fragen, weil eine Kundin ein Produkt bestellen will, dass sie nicht im Computer findet.

Ich kenne den Namen (es ist dasselbe, wie dies hier) – am liebsten würde ich selber nach vorne kommen, aber ich bin beschäftigt – ich warte am Telefon auf die Antwort des Arztes und lasse mich mit Wartezimmer-Musik berieseln.

Deshalb informiere ich sie telegrammässig über das Produkt:

„Mittel aus China, bekommt man nur via Internet – Warte! (bevor sie wegläuft) „wenn ich mich recht erinnere, ist das Mittel sogar verboten.“

Ich höre immer noch Wartemusik, also googel ich es schnell nebendran und : „Ja, das ist immer noch so. Das Zeug zum abnehmen ist nicht pflanzlich, wie angegeben, es enthält einen Stoff, den sie vor ein paar Jahren wegen übler Nebenwirkungen aufs Herz ausser Handel genommen haben. Der Vertrieb ist verboten.“

Der Lehrling geht.

Nach dem Telefon sehe ich sie wieder. Sie grinst etwas.

„Ich habe ihr gesagt, dass ich das Mittel nicht bestellen kann und ob ich ihr etwas anderes anbieten darf.

Sie meinte, ihre Freundin hat es ihr empfohlen und sie will versuchen es woanders zu bekommen.

Dann habe ich ihr das gesagt mit dem gefährlichen Wirkstoff und dass es darum illegal sei, das zu importieren oder zu verkaufen. Darauf war sie wirklich entsetzt und meinte : ‚oh, na dann ist das wirklich nichts für mich… und das hat sie mir empfohlen? Also … so gut kenne ich sie auch wieder nicht …’ „

Vor Blutdruckgeräten wird gewarnt

Wir haben letztes Jahr einer älteren Kundin auf anraten ihres Arztes ein Blutdruckmessgerät für den Oberarm verkauft, damit sie in der Lage ist, ihren etwas zu hohen Blutdruck auch zu Hause im Auge zu behalten.

Der etwa 90jährigen Dame wurde das Gerät montiert (die Batterien eingelegt) und demonstriert wie es funktioniert, dann hat sie es gekauft.

Am nächsten Tag bekommen wir in die Apotheke einen Anruf von ihr, denn sie hat … (nein, nicht die Packungsbeilage) die Bedienungsanleitung dazu gelesen! (Frauen machen so was)

Und nach der Lektüre hatte sie Angst das Gerät überhaupt selber anzuwenden.

Ich kann es ihr nicht mal verdenken. Das liest sich schon sehr … gfürchig:
bdwarnung

Wichtige Sicherheitsinformationen

Warnung: Zeigt eine möglicherweise gefährliche Situation an, die, wenn sie nicht vermieden wird zum Tod oder zu sehr schweren Verletzungen führen kann.

(Allgemeine Verwendung)

… und dann folgen die Situationen, wo man ein Blutdruckmessgerät nicht unbedingt selber verwenden sollte. Alles eigentlich logische Sachen und keine davon trifft bei der alten Dame zu – sie ist weder Schwanger, noch Verletzt, noch im Spital noch hat sie kleine Kinder im Haus, Aber … Nein, nach der ausdrücklichen Warnung vor Tod und Verderben wollte sie nicht mehr und liess sich auch trotz unserer Beruhigungsversuche nicht davon überzeugen.

Wir haben das Blutdruckmessgerät dann zurück genommen.

Blöterliwasser macht (ist) sauer?

Frau in der Apotheke: „Haben Sie Teststäbchen um den PH von Mineralwasser zu messen?“

Pharmama: „Ich habe welche für den Urin – die können Sie auch dafür verwenden, aber … weshalb wollen Sie das messen?“

Frau: „Zum schauen, ob sie basisch oder sauer sind. Mir ist empfohlen worden basisches zu trinken und ich weiss nicht, welche das sind.“

Pharmama: „Hmm. Dann können Sie alle mit Bläschen schon mal ausschliessen.“

Frau: „Was? Weshalb?“

Pharmama: „Die sind sicher sauer. Die Bläschen – das ist Kohlensäure.“

Frau: „Oh .- Das ist logisch, ja.“

(Sie schien etwas enttäuscht, dann darf sie ja jetzt nur noch stilles Wasser trinken).

Das habt ihr auch?

Kundin kommt mit einer Packung Tena (das sind Inkontinenzeinlagen) zur Kasse und der Bemerkung: „Toll, jetzt haben Sie die richtig eingeräumt, jetzt finde ich auch gleich die richtigen!“

Oookay … ich habe die Kundin vorher noch nicht gesehen, aber jetzt, wie sie das sagt, weiss ich wer das ist. Sabine hat mir von ihr berichtet, dass sie reklamiert hat, dass unsere Tena nicht logisch eingeräumt seien. Meine Kollegin hat sich das angeschaut und beschlossen, dass sie eigentlich recht hat … und sie danach umgeräumt. Ja – wir sind nicht so stur, wir sind lernfähig :-) Wenn etwas Sinn macht, dann ändern wir auch althergebrachtes.

Jedenfalls kauft die Frau die Tena, wendet sich zum gehen, bleibt aber nahe vom Ausgang bei unseren Putzmitteln stehen und meint: „Füllen Sie die auch auf?“

Ich bejahe, worauf sie mir aus der Tasche, die sie dabei hat, eine leere Flasche hinstreckt und meint: „Dann können sie mir das mit Geschirrspülmittel füllen – da brauche ich ja nicht in die andere Drogerie zu gehen.“

„Natürlich!“ Sage ich … und verschwinde hinten um es aufzufüllen.

Wieder zurück am HVTisch und wir sind am Abschliessen, da bemerkt sie, wie Donna nebendran einer anderen Kundin Microlax verkauft. Das ist ein Mittel (kleines Klistier) gegen Verstopfung.

Kundin: „Oh, das haben sie auch?“

Pharmama: „Ja – wir sind auch eine Apotheke.“

Kundin: „Haben Sie auch die grossen? Ich brauche die für meine Mutter.“

Pharmama: „Ja.“

Und so durfte ich das auch noch verkaufen.

Die Kundin war schon häufiger bei uns … und entdeckt offenbar immer noch etwas neues …

Nur dass sie nicht gemerkt hat, dass wir Drogerie und Apotheke sind, stimmt mich etwas … nachdenklich.

die aufgeflogene Nicht-Kundin

„Das ist sie wieder!“ raunt mir Donna zu – sie ist gerade gekommen und noch in den Strassenkleidern … sie fängt erst in ein paar Minuten an zu arbeiten.

„Wer?“ Frage ich

„Na, diese Frau neben Sabine – die kommt hier immer rein, fragt etwas zu einem Kosmetikprodukt von der …Linie und dann nimmt sie an Mustern was sie kann und geht wieder. Die hat noch nie NIE hier etwas gekauft! Und die hat das schon mit allen gemacht hier.“

Ich linse zu Sabine und ihrer Kundin. Ja, die hatte ich tatsächlich auch schon. Sie ist eher der unauffällige Mäuschen-typ, fragt freundlich und geht, nachdem sie ihre Muster hat. Momentan fragt sie gerade Sabine, die (wie immer) mit Enthusiasmus dabei ist, sie zu beraten, obwohl ich sicher bin, dass Sabine die auch schon hatte. Mit dem gleichen.

„Jetzt aber!“ macht Donna und steuert direkt auf die beiden zu.

„Oh, hallo!“ macht Donna zur Frau freundlich lächelnd… „da sind sie ja wieder … wie hat das denn funktioniert mit dem Muster von der CC Creme?“

Das ist ganz offensichtlich auch die Creme, die Sabine gerade in der Hand hält und über die sie die Frau berät …

Die Frau ist … arg überrascht ob der Direktheit und stottert etwas von: „Oh, ja … doch, das ging gut damit ..“

Worauf Sabine, die jetzt genau erkannt hat, worum es geht einhakt: „Oh, dann konnten sie das schon probieren? Dann wäre es nicht schlecht, wenn sie jetzt eine grössere Packung nehmen würden, dann könnten sie sie nämlich länger anwenden, dann wirkt es auch richtig!“

„Ähm, ja die Creme ist gut … aber ich … habe gerade kein Geld dabei und … ich muss gleich weiter. Wiedersehen!“

Und sie geht. Diesmal ohne Muster.

Die beiden kommen fast prustend vor Lachen aus der Kosmetikabteilung.

Ob die wohl wieder kommt?

Ich habe danach ein bisschen herumgefragt. Das Spiel treibt die Frau seit Monaten. Sie sucht sich verschiedene Mitarbeiter aus, fragt nach einer bestimmten Creme, fragt, ob sie die ausprobieren kann und lässt sich Muster geben oder etwas abfüllen. Das reicht dann etwa 2 Wochen, dann kommt sie und macht es wieder. Damit hat sie inzwischen wohl eine Menge Creme abgestaubt, die gut einer Grosspackung entsprechen. Plus noch ein paar Muster von anderen. Da sie immer freundlich ist und nett fragt, hat sie das bisher auch bekommen … wobei es anfing aufzufallen. Jetzt … war es halt einmal zu viel.