Sie muss denken ich lüge

Gelegentlich bekommen wir auch Rezepte gefaxt, oder wir müssen etwas bestellen und bereiten dann die Medikamente auf Wunsch alle für den nächsten Tag vor. Jedenfalls war das so ein Fall und die Patientin rief an, um zu fragen, ob ihr Rezept fertig ist.

Pharmama: „XY Apotheke, Pharmama am Apparat.“

Kundin: „Ja, ich möchte wissen, ob meine Medikamente bereit sind. Der Name ist Jane Doe.“

Pharmama: Ja, ich habe die Medikamente alle hier. Es liegt alles bereit, Sie können sie abholen.“

Kundin: „Wirklich? Sie sind bereit?“

Pharmama: „Ja, sie sind bereit.“

Kundin:Dann kann ich sie jederzeit abholen kommen?“

Pharmama: „Sicher, kommen sie einfach vorbei.“

Kundin: „Wann schliessen sie?“

Pharmama: „Um 7 Uhr.“

Kundin: „Dann kann ich sie heute Abend um 6.30 Uhr holen?“

Pharmama: „Ja, sie sind jetzt schon bereit, aber sie werden um halb 7 auch noch hier sein.“

Kundin: „Kann ich gleich jetzt vorbeikommen?“

Pharmama: „Ja, das können sie.“

Kundin: „Kann ich auch meinen Mann schicken?“

Pharmama: „Ja, sie können schicken wen sie wollen.“

Kundin: „Und sie werden sie ihm geben?“

Pharmama: (denkt: Oh, Mann, wie lange geht das Telefon noch?) „Ja, wir geben ihm die Medikamente.“

Kundin: „Ok, dann schicke ich ihn vorbei … solange sie nur bereit sind.“

Pharmama: „Ja, das sind sie.“

Klick.

(Jetzt brauche ich was zu trinken)

Bestellt

Kundin kommt und fragt nach einem Medikament, das sie bestellt hat.

Wir gehen durch die Bestellungen, finden aber nichts.

Drogistin: „Haben sie denn einen Bestellzettel bekommen?“

(Manchmal hören die Leute nicht zu und verstehen „Man kann es bestellen“ als „Wir bestellen es ihnen“. Schon darum geben wir Bestellzettel ab)

Kundin: „Nein. Ich habe es telefonisch bestellt.“

Drogistin: „Ok. Ich kann leider nichts finden bei unseren Bestellungen und auch nichts in den Bestellformularen, wann genau haben sie es denn bestellt? Wissen sie noch, wen sie am Telefon hatten?“

Kundin:  „Was? Es war irgendwann letzte Woche. Ich kann mich nicht erinnern, wer am Telefon war. Können sie es mir nicht einfach geben?“

Drogistin: „Tut mir leid, aber es ist nicht hier. Ich habe auch keine Unterlagen, dass sie es bei uns bestellt haben. Wenn sie einen Moment warten möchten, kann ich im Computer schauen, wann es das letzte Mal bestellt wurde und was damit ist.“

Kundin:  „Dafür habe ich keine Zeit !!“

Sie läuft laut schreiend und fluchend aus dem Laden

Später am Tag. Telefon.

„Hallo. Ich war heute früher hier wegen dem Medikament das ich bestellt habe. Ich habe es tatsächlich bei einem anderen Laden bestellt. Ich bin erstaunt, dass sie das nicht wussten!“

Klar. Wir sind ja nicht das einige Geschäft in der Umgebung und ich bin für ihre Bestellung in einem anderen Laden zuständig?

Freundschaftsdienst

Junger Mann kommt in die Apotheke: „Ich muss für meine Freundin die Pillen abholen, die sie bestellt hat.“

Pharmaassistentin: „Ok. Wie heisst sie?“

Junger Mann:  „Claudia.“

Pharmaassistentin: „Und der Nachname?“

Junger Mann: „Ich weiss nicht… “

Pharmaassistentin: „Vielleicht das Geburtsdatum?“

Junger Mann: „keine Ahnung.“

Pharmaassistentin: „Und die Adresse?“

Junger Mann: „Ah, weiss ich auch nicht, aber ihre Nummer ist in den Top 5 auf meinem Telefon. Schauen sie!“

Und das ist (unter anderem) der Grund, warum wir den Kunden Abholzettel mitgeben …

Fremde Medikamente

Kann mir mal jemand erklären, warum man im Spital ein tschechisches (oder deutsches, oder österreicherisches) Medikament auf’s Rezept schreibt, statt etwas zu suchen, was es in der Schweiz auch gibt? Die meisten Medikamente existieren nämlich in der Schweiz – oder es gibt eine Variante, die ich nehmen kann.

Und wenn es sich dabei um Phytomenadion -Vitamin K1 handelt, also etwas, das gegen eine zu Hohe Blutungsneigung unter Marcoumar Therapie eingesetzt wird, macht es noch weniger Sinn, wenn ich das erst aus dem Ausland bestellen muss – das dauert nämlich ein paar Tage – und die Patientin braucht das jetzt gleich.

Es ist mir schon klar, dass es Konakion in der Schweiz nur noch als Ampullen gibt – aber die kann man auch einnehmen!

Ich bin mir nicht ganz sicher, was der Arzt sich beim Rezeptausstellen gedacht hat (ich glaube inzwischen, das war ein neu angestellter ausländischer Arzt), jedenfalls war er dankbar für die Info.

Übrigens: Es gibt durchaus Medikamente, die in der Schweiz nicht erhältlich sind. Das sind meist sogenannte „Orphan Drugs“, Medikamente für sehr seltene Krankheiten. Wenn es sich nicht lohnt (weil zu wenige Menschen das haben), werden sie halt nicht in der Schweiz vertrieben. Dann muss man sie im Ausland besorgen. Das geht. – Ob die Kasse sie auch zahlt ist ein anderes Problem.

Was bedeutet …? (2)

hier, wie versprochen der 2. Teil der häufig benutzten Begriffe:

Dauerrezept:

Ein Rezept, das zu mehr als einem Bezug des Medikamentes berechtigt. Ein Dauerrezept ist im Normalfall 6 Monate nach Austellungsdatum gültig – während dieser Zeit kann man die Menge Medikamente beziehen, die man braucht. In Ausnahmefällen kann ein Dauerrezept auch kürzer (ein paar Wochen) oder länger (bis maximal ein Jahr) sein, aber dann muss der Arzt das explizit angeben. Manchmal gibt er auch nur die Anzahl Packungen an, die man beziehen darf – so z.B. bei Pillenrezepten.

Betäubungsmittelrezept:

Gewisse Medikamente, die ein Suchtpotential haben, dürfen nur mit speziellen Formularen verschrieben werden. Das Betäubungsmittelrezept besteht aus 3 Teilen: ein gelber Teil, der beim Arzt bleibt, ein weisser Teil, der in der Apotheke bleibt und ein rosa Teil, das an die Krankenkasse geht (oder den Patienten selbst, wenn es Selbstzahler ist). Der Grund ist, dass die Medikamente auf diesem Rezept streng kontrolliert werden. Jede Bewegung eines solchen Betäubungsmittels wird mehrfach protokolliert und wir müssen Ende Jahr jeweils Rechenschaft ablegen über jedes einzelne Medikament.

Ein Betäubungsmittelrezept darf auch nur ein Medikament darauf stehen haben (aber ev. In verschiedenen Dosierungen, z.B. Durogesic 50, Durogesic 100). Dauerrezepte gelten für 1 Monat, nur in Ausnahmefällen für 3 Monate.

Zahnarztrezepte:

Zahnärzte dürfen zwar Rezepte ausstellen, sie werden aber normalerweise nicht von der Krankenkasse übernommen. Ausnahme: wenn der Arzt nicht nur Zahnarzt (Dr. dent.), sondern gleichzeitig noch Arzt ist (Dr. med.). Manche Krankenkassen sind den eigenen Kunden gegenüber etwas kulanter als der Apotheke gegenüber, darum lohnt es sich manchmal, sie trotzdem selbst einzuschicken.

Selbstzahler:

das ist genau das, nach was es sich anhört. Jemand, der sein Rezept selbst in der Apotheke bezahlt – im Gegensatz zu jemandem, der sein Rezept via die Apotheker direkt der Krankenkasse abrechnen lässt. Selbstzahler ist man aus verschiedenen Gründen: Man weiss schon im Voraus, dass man die Franchise nicht erreichen wird, darum nimmt man den direkten Weg und zahlt. Man will unbedingt die Kontrolle über alle Rechnungen behalten (kann von Vorteil sein, denn von manchen Krankenkassen bekommt man nur so eine Art Sammelrechnung, wo nicht detailliert aufgelistet ist, was jetzt wie viel gekostet hat. Oder man ist Kunde bei der Assura oder Supra, die keinen Vertrag mit den Apotheken abgeschlossen haben was die Abrechnung betrifft. Das bedeutet, diese müssen immer gleich selbst bezahlen. Meine Meinung darüber findet man hier.

Ausser Handel:

es kommt vor, dass ein Medikament nicht mehr hergestellt wird. Dann können auch wir das nicht mehr bestellen. Möglicherweise gibt es aber noch ein Generikum, oder es gibt ein Ersatzprodukt derselben Firma.

Nicht an Lager:

das Medikament ist gerade nicht in der Apotheke vorrätig. In den meisten Fällen kann es aber bestellt werden. Bis 12 Uhr auf die Nachmittagsbestellung, bis 18.30 auf den nächsten Morgen. Ausser Samstags, wo es keine Nachmittagsbestellung gibt, die Bestellung bis 16 Uhr kommt dann am Montag morgen. Mehr zum Thema Bestellungen hier.

Ich bin sicher, es gäbe noch mehr. Falls  ich etwas ausgelassen habe oder jemand noch eine Frage hat, kann man mir auch einen Kommentar hinterlassen und ich beantworte das dann.

Bestellbar: heute, morgen, gar nicht

Da, wo ich arbeite haben wir über 10’000 Artikel an Lager (laut letzter Inventur) und was nicht da ist kann im Normalfall bestellt werden und zwar innerhalb eines halben Tages. Das bedeutet, ich bestelle vor 12 Uhr und es ist spätestens um 4 Uhr Nachmittags hier. Ich bestelle vor 7 Uhr abends und es ist am nächsten Morgen hier.*

Ich finde das wirklich erstaunlich und eine sehr gute Dienstleistung für die Kunden. Ehrlich: wo sonst ist das auch so? Nirgends, oder?

Trotzdem gibt es Leute denen das offensichtlich nicht reicht.

Besonders liebe ich dazu folgende Aussagen:

„WAS? Sie haben es nicht da? Immer, wenn ich komme und etwas brauche, müssen Sie es bestellen!“ – Ja, wenn Ihr Arzt natürlich irgendwelche seltenst gebrauchten Medikamente aufschreibt und Sie auch noch darauf bestehen genau das zu nehmen und nicht etwa das Generikum, das wir an Lager haben. Und „immer“ heisst also alle 2 Jahre einmal?….

„Aber ich gehe heute Mittag in die Ferien / fliege morgen früh … und ich brauche es sofort!“ – Sie wissen wie lange, dass Sie in die Ferien gehen und Medikamente brauchen und das Rezept ist über eine Woche alt? Hmmpf. Viel Glück bei der Suche nach einer Apotheke, die die Medikamente an Lager hat! (Wobei ich dann noch nett – oder blöd- genug bin, anzubieten ein paar Apotheken anzurufen und anzufragen).

„Oh, Sie haben dieses … (irgendeinobskureswundermittelchen)…… also nicht hier und können es auch nicht bestellen….“

Doch, ich kann ihnen dieses Wundermittel, das Sie in einer Illustrierte gefunden haben schon bestellen, aber so wie ich den Hersteller kenne wird er neben dem Porto noch einen Einzelstückzuschlag daraufhauen. Ausserdem ist es kein Medikament, sie könnten auch selbst anfragen, dass sie es zu ihnen schicken. Die Adresse steht auch im Heft, samt der (gebührenpflichtigen) Telefonnummer.

„Sie haben das nicht im Computer? Aber ich habe es im Fernsehen gesehen!“ Ja, mag gut sein – Es war nicht zufällig auf dem ZDF, ARD, Pro7 oder Sat1? Das sind Deutsche Sender, also ist es wahrscheinlich ein deutsches Produkt. Im Computer habe ich nur die Schweizer Produkte. Doch, ich kann es ihnen aus Deutschland besorgen, aber das wird teurer. Es gibt in der Schweiz wahrscheinlich auch Produkte wo dasselbe drin ist (jetzt muss ich nur noch herausfinden was darin ist …)

*kleiner Disklaimer: Samstags gibt es keine Nachmittagslieferung (auch der Grossist macht Wochenende) und gewisse obskure oder seltene Dinge können nur direkt vom Hersteller bestellt werden, was ein paar Tage dauern kann.