Verstehe ich nicht

Wenn ich ein Rezept gefaxt bekomme für einen unserer Patienten, den ich bereits im Computer habe, dann bereite ich die Medikamente darauf im Normalfall vor – damit es parat ist, wenn der Patient es abholen kommt.

Wenn er dann nach 1 Woche – in der es nicht abgeholt wurde- von uns ein Telefon bekommt, dass etwas für ihn bereit ist, dann ist er ärgerlich, weil wir ihn nicht vorher informiert haben.

Ich versteh’s nur nicht ganz.

Man sollte denken, der Arzt sagt ihm das, wenn er ein Rezept ausstellt – und immerhin musste er ja noch angeben, dass und wo er es hingefaxt haben will.

Also denkt man, man macht etwas gutes und beim nächsten Fax vom Arzt ruft man am Tag darauf den Patienten an

… und der ist ärgerlich über die Störung – schliesslich weiss er ja, dass er Medikamente bestellt hat.

Wie man’s macht…

Getestet und für „sehr gut“ befunden

In der Schweiz gibt es das Magazin K-Tipp, in dem auch immer Tests (und die Ergebnisse) zu verschiedensten Produkten drin sind.

Obwohl ich die Tests eigentlich noch gerne lese und sinnvoll finde, möchte ich an der Stelle jetzt doch einmal etwas Kritik anbringen.

Was bringt es dem Schweizer Leser, wenn sie Produkte zitieren, die nicht in der Schweiz erhältlich sind? Denn die Tests sind oft 1:1 aus dem deutschen Magazin „Öko-Test“ übernommen – was wohl im Text steht, aber von vielen Kunden nicht wahrgenommen wird. Und gelegentlich finden sich wirklich Sachen, die nur in Deutschland zu bekommen sind.

Oder aber: was bringt es, wenn sie Produkte hervorheben, die praktisch nicht zu bekommen sind?

Beispiel gefällig?

Im K-Tipp vom Oktober zum Beispiel über Körperlotionen.
Prominent dargestellt im Bild: Logona Bio Daily Care Sensitive Bodylotion
Steht im Text: … Sechs der „sehr guten“ Körperlotionen sind auch in der Schweiz erhältlich.
Naja. theoretisch ….

Kommt letztens die Kundin und will genau dieses Produkt.
An Lager haben wir es nicht, ich kenne es nicht, aber ich schaue mal.
Oh, gut! Es ist im GalDat Stamm unseres Computers.
Nur: Keiner der Grossisten (also der Zulieferer der Apotheken und Drogerien) hat das.

Ich verspreche der Kundin abzuklären, ob ich das bekomme – bei der Firma oder anderswo, mit dem „Cave“, dass es eventuell zusätzlich Porto und eventuell Einzelhandelszuschlag kostet. Sie will es trotzdem, also mache ich mich an die Arbeit.

Telefon an den Lieferanten von Logona: „Tut mir leid, Bestellungen sind erst ab einem Warenwert von 250 Franken möglich.“
Sie gibt mir aber eine Internetadresse und 2 Läden in der relativen Nähe, die Logona Produkte führen.

Laden Nr. 1 hat nur die Haarpflege und Babysachen von Logona,
Laden Nr. 2 hat es nicht an Lager „Könnte es aber bestellen“, die nächste Lieferung ist in einer Woche…

Im Internet finde ich es schliesslich. Es ist auch bestellbar, aber natürlich mit 7 Franken Porto (für ein ca. 11 Franken teures Produkt) und nur mit Vorauszahlung oder gegen Kreditkarte bei einem Kauf unter 50 Franken.

Der Kundin war das dann auch zuviel Aufwand (Internet hatte sie übrigens selbst nicht).

Das Produkt mag ja gut sein, aber … vielleicht wäre es besser, die Produkte zu nennen in den Tests, die man auch (einfacher) bekommen kann?

Grrrrrr!

Kundin kommt abends mit Rezept für ein Schmerzmittel in die Apotheke.
Das Medikament gibt es schon eine Zeitlang, aber ich habe es bisher noch nie gebraucht und darum auch nicht an Lager.
Als ich ihr erkläre, dass ich es bestellen muss, reisst sie mir das Rezept aus der Hand und keift mich an: „Ihr lernt es nie! Genau darum lassen immer mehr Leute ihr Rezept von der Apotheke zur Rose* kommen. Es gibt Leute die haben Rheuma, wisst ihr?“

Sage ich: „Nun … das Medikament haben wir in den letzten Jahren NIE gebraucht und ich kann es auf morgen früh bestellen – … kann die Versandapotheke das auch so schnell?
Aber da ist sie schon aus der Apotheke gestürmt.

Grrrrrr! Solche Leute ärgern mich elend.

Klar, sie hat Schmerzen, aber andere haben das auch und reagieren nicht so.
Darum möchte ich an der Stelle mal an alle „Danke“ sagen, die nicht so sind. Ehrlich, ich schätze jeden einzelnen von Euch, die Ihr nett und freundlich und vielleicht sogar fröhlich seid und Verständnis habt, wenn man von den paar Tausend Medikamenten mal eines nicht an Lager hat.

*Versandapotheke

So, so.

Wenn wir etwas bestellen müssen, bekommt der Kunde einen Abholzettel. Speziell bei Rezeptpflichtigen Sachen müssen wir diesen Zettel beim abholen wieder haben – das oder einen Ausweis (und eine Unterschrift). Der Grund ist, dass die Person nicht später mit dem (wiedergefundenen) Zettel kommt und es – noch einmal abholen will. Und damit verhindern wir auch einen gewissen Missbrauch – da könnte ja jeder kommen …

Genug der Vorrede.

Apothekerin: „Wenn ich ihnen das abgeben soll, muss ich von ihnen einen Ausweis haben. Haben sie eine Krankenkassenkarte?“

Kunde: „Nein.“

Apothekerin: „Einen Führerschein?“

Kunde: „Nein.“

Apothekerin: „Einen Pass vielleicht?“

Kunde: „Habe ich im Auto liegenlassen …. „

So, so.

Aufdringliche Kunden

Es ist wieder soweit, wir haben einen dieser …. aufdringlichen Kunden. Lange hatten wir relative Ruhe – damit scheint es jetzt aber vorbei zu sein.

Dieser Typ Kunde ist meist weiblich, älter, häufig alleine lebend (wobei hier die Ausnahmen die Regel bestätigen) und geht kaum aus dem Haus. Das machen sie damit wett, indem sie telefonieren – und zwar an die Ärzte, die Apotheke, die Spitex … vielleicht auch an Freunde und Verwandte, das weiss ich nicht, aber uns beehren sie dann täglich und oft noch mehrmals mit ihren Anrufen. Dass sie dabei unbedingt immer mit der Apothekerin reden will, verschärft das ganze noch.

So auch diese Kundin. Wir haben sie von einer Nachbarapotheke geerbt, wobei ich nicht weiss, ob ich da dankbar sein soll. Nach heute bin ich eher der Meinung, dass ich auf sie verzichten könnte.

12.45 Uhr. Telefon.  Frau: „Meine Nase läuft wie ein Wasserfall, aber ich bin gar nicht sehr erkältet, was könnte das sein? Haben sie da etwas dagegen? Könnten sie es vorbeibringen?“

Pharmama: „Ja kann ich, aber erst nach der Mittagspause.“

Langes Lamento darüber, dass sie jetzt leidet und unbedingt gerade sofort etwas braucht.

Pharmama: „Nein, es geht nicht. Wir kommen zwischen 2 und 3 Uhr vorbei, das ist der frühstmögliche Moment.“

13.30 Uhr Telefon: Frau: „Sie brauchen es doch nicht zu bringen. Ich habe noch etwas zuhause gefunden.“

14.15 Uhr Telefon:  Frau: „Die Nase läuft immer noch, ist aber besser. Was würden Sie denn empfehlen? Kann man das doch noch vorbeibringen?“ Nein, sonst braucht sie nichts. Ich mache sie darauf aufmerksam, dass morgen Samstag ist und da nichts gebracht werden kann.

16 Uhr der Lehrling bringt ihr das Medikament auf seiner Auslieferungstour vorbei. Sie drückt ihm das Geld in die Hand und zieht die Türe vor der Nase zu – ziemlich unhöflich ist der Tenor des Lehrlings.

16.45 Uhr Telefon: Frau: „Ich habe noch etwas vergessen! Und die Person, die das Medikament gebracht hat, war so schnell weg, dass ich nicht fragen konnte! Ich habe seit einer Woche so Bauchschmerzen und kann nicht richtig essen. Haben sie mir da etwas dagegen? Den Arzt habe ich auch schon gefragt, aber er wollte mir nichts aufschreiben … Nein, das habe ich schon, das wirkt nicht. … Nein, das habe ich auch schon mal probiert, da wird mir schlecht davon … Nein, ich habe auch nichts sonst zuhause – könnten sie es mir nicht bringen? Das ist ein Notfall! Ich leide! Was ‚Nein’ – wollen sie mich sterben lassen?“

Meine Ansicht nach ist schon, dass diese Leute ein Problem haben. Unter anderem viel zu viel Zeit sich mit sich selbst zu beschäftigen. Da wird jede Unannehmlichkeit oder Missempfindung zum richtigen Problem …. manchmal aufgebauscht, manchmal wirklich. Dazu kommt, dass sie wohl nicht viele Leute (und nicht viele Themen) haben, mit denen sie reden können, also machen sie das ausführlich über ihre Beschwerden mit dem Arzt und dem Apotheker.

Und ganz schlecht ist es, diese Personen zu fragen, ob sie Symptom XY haben. Wenn sie es vorher nicht hatten … jetzt (wo mans sagt) haben sie’s!

Kommunikationsprobleme

Telefon.

Frau: „Mein Name ist Mayer mit ‚A‘. Mein Mann kommt heute Mittag vorbei und holt eine Packung Aspirin. Könnten Sie das bereitlegen und dann noch eine Packung Pulmex dazulegen?“

PharmaAssistentin: „Ja, natürlich.“

Die PharmaAssistentin legt die beiden Sachen auf die Seite, angeschrieben mit dem Namen und informiert die anderen Mitarbeiter.

Spätnachmittags. Telefon. Gleiche Frau wie am Morgen (aber sauer): „WARUM HABEN SIE MEINEM MANN DAS PULMEX NICHT MITGEGEBEN?“

PharmaAssistentin: „OH, er war hier? Die beiden Sachen liegen immer noch auf der Seite bereit.“

Stellt sich heraus, dass sie dem Mann nicht gesagt hat, dass etwas bereitliegt, sondern nur, dass er eine Packung Aspirin kaufen soll.

Das hat er dann getan.

Da wir nicht jeden der ein Aspirin kauft  (einige) fragen können, ob er vielleicht der Herr Mayer (mit ‚a‘ ) sei, ist das Pulmex halt nicht mitgekommen. Und etwas gesagt hat der Mann auch nicht.

Tja. Vielleicht sollten die beiden noch etwas an der Kommunikation arbeiten?