Wenn Ärzte Mittel verkaufen …

Wenn Ärzte Mittel verkaufen … ich meine jetzt nicht mal Medikamente in den Kantonen wo die Selbstdispensation erlaubt ist, sondern von etwas, das bei manchen Ärztegruppen offenbar auch in der Schweiz seit neuerem eingesetzt wird, um ihr Einkommen aufzubessern.

Ich komme darauf, das zu schreiben, weil ich grad gestern eine Kundin hatte, die mir von ihrem letzten Arztbesuch berichtet hat. Sie ist sicher nicht die einfachste Patientin, hat sie doch eine Menge dokumentierter Allergien – tatsächlich hat sie sich von mir eine Liste zusammenstellen lassen, damit der neue Hautarzt den sie besucht die Info auch hat. Ihr momentan akutes Problem ist eine schlecht heilende Wunde, die ihr letzter Hautarzt bei der Entfernung eines möglichen weissen Hautkrebses im Gesicht hinterlassen hat. Deshalb wollte sie nicht mehr zu dem und hat sich einen neuen gesucht, der auch die verschiedenen sonstigen Probleme (sie ist sehr sensibel und hat auch gelegentlich juckende Ausschläge) wieder einmal anschauen sollte. Nun … das hat er nicht wirklich. Sie war wohl bei ihm und hat ihm die Probleme geschildert, aber angeschaut hat er nichts. Ihre Hautausschläge hat er als normales Problem wegen trockener Haut abgetan und ihr ein rückfettendes Duschmittel und Bodylotion aufgeschrieben – beides mit Polidocanol als juckreizstillendem Mittel drin. Nun, zumindest für einmal nicht Cortison … das wäre sonst die Standardverschreibung vom Hautarzt. Auf der Kopfhaut hat sie auch immer wieder Ausschläge, was er auf dasselbe zurückgeführt hat, obwohl sie rasch fettiges Haar und auch fettige Schuppen hat (wie gesagt, angeschaut hat er nichts) – für das hat er aber nichts aufgeschrieben, sondern ihr in der Praxis ein Shampoo von Eucerin verkauft. Sie war nach 7 Minuten wieder draussen – und das bei einem Erstbesuch. Sie meinte auch, dass die Praxis gut besucht war und die Patienten vor ihr auch nicht länger hatten.

Meine Kundin / Patientin war also ziemlich irritiert vom Arztbesuch … und hat sich beim Eucerin gefragt, ob sie das eventuell schon mal hatte, da ihr der Name bekannt vorkam. Nun, wir haben die Produkte ja auch hier, kein Wunder kommt ihr die Marke bekannt vor. Als sie mich aber gefragt hat, weshalb er ihr nichts verschrieben hat, da … habe ich sie darüber aufgeklärt, dass man das Shampoo auch ohne Rezept bekommt – tatsächlich hat das keine „Listung“, das bedeutet es ist freiverkäuflich eigentlich überall … also auch beim Arzt.

Sie fand das nicht so toll, denn wenn sie das gewusst hätte, hätte sie das kaum beim Arzt bezogen. Immerhin hatte sie auch keine Möglichkeit zu überlegen, ob sie das wirklich will.

So etwas kommt aber immer häufiger vor, gerade Hautärzte nehmen  bei sich ein Zusatzsortiment auf von Hautpflegenden Medizinalprodukten, die sie dann selber an die Patienten verkaufen  (dürfen).

Die andere Ärztegruppe, bei denen ich das sehe, sind die Augenärzte. Mein Mann war letztens beim Augenarzt mal wieder den Augendruck messen – und hat dabei wieder eine Packung befeuchtende Augentropfen einfach in die Hand gedrückt bekommen. Er habe trockene Augen. (Wer nicht?). Die Packung des OTC Produktes, das auch nur eine Zulassung als Medizinalprodukt hat (und satte 21 Franken kostet)  musste er nicht gerade dort bezahlen, aber sie fand sich dann in der Abrechnung des Arztes, die wir zugeschickt bekommen separat wieder.

Damit bin ich auch nicht wirklich glücklich. Die (oder ähnliche) hätte er via mich sogar günstiger bekommen … und so wie ich ihn kenne, benutzt er die sowieso nicht. Also habe ich ihm dringend geraten, beim nächsten Mal zu sagen, dass er die nicht will.

Aber ich sehe schon das Problem: Wer „getraut“ sich schon beim Arzt (immer noch dem Halbgott in weiss) zu sagen, wenn der einem etwas „empfiehlt“ (was das Verkaufen ja auch ist, egal ob direkt oder auf Rechnung): „Nein, damit warte ich noch.“ Oder vielleicht: „Gibt es da nicht etwas, das von der Krankenkasse übernommen wird?“ Oder: „Das hole ich lieber in der Apotheke, wenn ich es brauche?“

Ein bisschen ist das ausnützen der Situation.

Und das kommt immer mehr. Offenbar verdienen die Ärzte zu wenig. Wird das jetzt noch schlimmer, mit der neuen Tarmed?

 

Füllhöhe technisch bedingt …

Kundenreklamation:

„Die Augentropfflasche ist nicht voll. Da kann nicht die ganze Dosis drin sein! Geben sie mir eine andere!“

Die sind alle nur halb gefüllt, wie ich ihm zeigen konnte. Offenbar müssen die Pharmafirmen da nächstens auch eine Warnung draufschreiben, wie sie schon auf Lebensmitteln wie zum Beispiel Müesli draufsteht: Füllhöhe technisch bedingt ...

 

Die Augentropfen-Sonata (Stück in 4 Akten)

Akt 1: Samstag kurz vor 12 Uhr. Der Patient muss die vom Arzt verschriebenen Augentropfen selber zahlen, weil es nicht von der Krankenkasse übernommen wird.

Er war noch nie bei uns. Er hat nur Grundversicherung. In dem Fall macht das nicht einmal einen so grossen Unterschied, da es bei den befeuchtenden Augentropfen so ist, dass inzwischen die meisten auch von der Zusatzversicherung nicht übernommen werden. Die sind dann auch nicht „gelistet“ sondern nur als Medizinprodukt zugelassen. Das scheint für die Firmen günstiger zu sein. Die Augen-Ärzte schreiben hier herum inzwischen auch häufig nicht mehr nur ein Produkt auf, sondern gleich diverse – dann muss sich der Patient durchprobieren und nimmt dann einfach das für ihn beste weiter – wobei er es eben bezahlen muss … dafür aber auch kein Rezept benötigt (eben: nicht gelistet bedeutet neben „wird kaum bezahlt“ auch ganz sicher: nicht rezeptpflichtig).

In dem Fall haben wir aber nur eine Art (befeuchtende) Augentropfen auf dem Rezept.

Patient: „Ich musste noch nie etwas selber zahlen.“

Pharmama: „Dann wurden Ihnen vielleicht bisher nur Sachen aufgeschrieben, die die Grundversicherung übernimmt.“

(Ich kenne momentan nur eine Vriante befeuchtende Augentropfen, die bezahlt wird. Und die sind rezeptpflichtig. Die stehen nicht auf diesem Rezept.)

Patient: „Und warum hat der Arzt das diesmal nicht gemacht?“

Pharmama: „Das weiss ich auch nicht.“ (Woher auch)

Patient: „Können Sie den Arzt anrufen, ob er etwas aufschreibt, das übernommen wird.“

Kann ich. Dienstbereit, wie ich bin.

Er ist allerdings nicht erreichbar. Kein Wunder am Samstag.

Patient: „Ich brauche das aber jetzt – in der Kreuz Apotheke bekomme ich immer alles ohne zu bezahlen.“

Pharmama: „Vielleicht stellen die ihnen eine Rechnung?“

Patient: „Nein. …Dann gehe ich es dort holen.“

Okay.  Er geht.

Akt 2: Er kommt nach einer Weile zurück.

Patient: „Sie haben es nicht und sie schliessen gleich. Dann kaufe ich es halt hier.“

Aber sicher.

Patient: „Kann ich nur einen Teil der Packung kaufen?“

(Es sind Monodosen … aber auch nicht soo teuer)

Pharmama: „Nein. Ich kann die Packungen nicht angebrochen für andere verwenden.“

Patient: „Kann ich, wenn ich nicht alles brauche es zurück bringen und sie geben mir einen Teil des Geldes zurück?“

Pharmama: „Äh, nein.“

Patient: „Oder ich zahle es erst am Montag?“

Pharmama: „Nein.“

Patient: „Ich gehe rasch mein Portemonnaie holen.“

Akt 3: Ich dachte, ich sehe ihn nicht mehr, aber … doch. Als er zurückkommt:

Patient: „Ich habe noch meinen Arzt angerufen… (wie? aufs Privattelefon?) … und er hat mir noch diese hier genannt:“ (alles Produkte, die noch teurer sind als das ursprünglich aufgeschriebene … und ebenfalls nicht bezahlt werden.)

Am Schluss hat er die verschriebenen Augentropfen dann genommen. Und bezahlt.

Finale: (Oder Nachsatz:) Mein Mann war vor ein paar Wochen auch beim Augenarzt. Nach der Untersuchung hat der Arzt ihm dann auch solche befeuchtende Augentropfen „mitgegeben“.

Ich habe ihm dann erklärt, dass der Arzt da grad einen netten Zusatzverkauf von 20 Franken gemacht hat. Das konnte er auch in einem nicht-SD Kanton, da die Tropfen ja nicht ein Medikament sind sondern unter Medizinprodukt fallen.

Das erschien dann auch auf der Arztrechnung, die er später bekommen hat. Die Tropfen hätte er auch ohne Rezept in jeder Apotheke bekommen, inklusive meiner (und da für ihn günstiger, da ich da Rabatt drauf bekomme, wenn ich das kaufe … wie gesagt: kein Medikament).

Aber es ist halt selbst für ihn schwer da beim Arzt zu sagen: Das will ich lieber nicht (hier) bekommen. Ich gehe da in die Apotheke.

Dafür hat der Arzt dann auch nicht so Diskussionen wie ich oben, weil der Preis dafür erst später ersichtlich ist. :-(

Buchhaltung

Eine gutaussehende Frau um die 50 mit blauen Haaren (ihr kennt das: gefärbt, um eventuellen Gelbstich in den sonst weissen Haaren zu verbergen) kommt zur Theke. Sie hat deutlich eine bakterielle Augenentzündung und sie braucht ganz klar mehr als die freiverkäuflichen Augentropfen, die wir ihr bieten können.

Sie fängt an mit mir zu diskutieren, dass sie genau dasselbe will, was sie 1994 gehabt hat – was ohne Rezept erhältlich war. Was auch immer das war (damals habe ich noch nicht praktiziert): die letzten frei verkäuflichen antibiotischen Augentropfen wurden vor Jahren ausser Handel genommen.

Ich sage ihr, es gibt nichts, was ich ihr geben könnte und dass sie SOFORT zum Arzt geht für antibiotische Augentropfen. (Ich will, dass der sich ihre Augen anschaut, genau.)

Während unserer Unterhaltung bekommt sie irgendwie die Idee, dass ich ihr erzähle, sie brauche ein Antibiotikum zum einnehmen.

Ich korrigiere sie: Nein, sie braucht etwas für in die Augen. Es gibt Augentropfen, die muss aber der Arzt ihr verschreiben.

Sie fragt mich, ob die Tropfen ihr Magenprobleme machen werden und noch einmal – sie denkt, ich empfehle ihr Tropfen zum einnehmen. Das habe ich nicht. Endlich versteht sie und geht.

Am nächsten Tag arbeite ich am Mittag und die Pharmaassistentin erzählt mir von einer Frau mit blauen Haaren, die am Morgen hier war mit einem Rezept für Maxitrol Augensalbe und dass sie aufgebracht war, weil ich zu ihr gesagt habe, sie müsse zum Arzt wegen „Tropfen“ für die Augen und nicht Salbe und sie frage sich, ob ich ihr die richtige Info gegeben habe. Meine Apothekerin-Kollegin hat ihr dann versichert, dass die Salbe grad so gut sei wie Tropfen und dass das beides richtig sei.

Ich denke, damit ist das vorbei …

Aber …

Später am Tag sehe ich, wie sie wieder in die Apotheke kommt und direkt auf mich zusteuert. Dieses Mal hat sie verschiedene Mäppchen in ihren Händen

… Ich hätte flüchten sollen. Aber ich blieb freundlich lächelnd wo ich war. Am Ende wäre sie sowieso wieder bei mir gelandet.

Sie öffnet die Mäppchen auf der Theke und nimmt ihre handgeschriebenen Notizen heraus … über ihre Augenprobleme von 1994!

Nein, ich scherze nicht.

Sie erzählt mir von 8 verschiedenen Medikamenten, die sie wegen ihren Augen 1994 genommen hat – und wie jedes davon ihr irgendeine Nebenwirkung oder sonst ein Problem gemacht hat. Sie war dann bei 3 verschiedenen Ärzten und am Schluss hat ihr ein Hautarzt gesagt, dass sie Rosacea im Auge habe.

Und jetzt fängt sie an, mich über die Augensalbe auszufragen und was für Nebenwirkungen sie davon bekommen wird. Ich berate sie, so gut ich kann, aber … es gibt einige Leute, die einfach … wie soll ich sagen … empfindlich auf so ziemlich alles sind oder zumindest denken, dass jedes Medikament ein Problem verursachen wird. Ich sage ihr, dass aufgrund ihrer Erfahrungen in der Vergangenheit, es gut möglich ist, dass sie Nebenwirkungen haben könnte, dass es aber nicht wirklich möglich ist, da eine Voraussage zu machen – und dass ich denke, dass der Arzt mit der Augensalbe die bestmögliche Medikation für ihr Problem herausgesucht hat.

Sie geht schliesslich, aber ich habe das Gefühl, dass da detaillierte Notizen zum Mäppchen 2014 dazu kommen. Welche mit meinem Namen drin.

Medikamente hamstern?

Frau um die 50 in der Apotheke: „Ich hatte letzte Woche Augentropfen auf Rezept, könnten Sie mal nachschauen? Ich brauche sie alle noch einmal.“

Ich schaue im Computer in ihrem Patientendossier nach. Das Rezept wurde vor etwa 10 Tagen eingelöst. Sie hatte 3 Sorten Augentropfen auf dem Rezept: Antiallergische, künstliche Tränen und Antibiotika-Augentropfen.

Pharmama: „Das ist nur ein Dauerrezept für die befeuchtenden Augentropfen. Weshalb brauchen Sie die anderen nochmals?“

Es könnte ja sein, dass sie immer noch Beschwerden hat und eine weiterführung der Therapie angesagt ist.

Frau (unbeeindruckt): „Die Antibiotika und die Antiallergischen finde ich nicht mehr.“

… Hmmm?

Pharmama: „Also, die befeuchtenden sind kein Problem, da haben sie ein Dauerrezept, die Antiallergischen kann ich als Ausnahme einmalig auf dem Rezept wiederholen, wenn sie die länger brauchen. Aber die Antibiotika sind Liste A, die darf ich nicht wiederholen. Außerdem… Das ist jetzt 10 Tage her … Brauchen Sie die wirklich noch?“

Frau: „Die habe ich bisher noch gar nicht angewendet.“

Ich schaue sie mir an. Sie sieht nicht nach akuter Augeninfektion aus. Und selbst wenn … für das sollte sie zum Arzt.

Pharmama: „Ah. Nun, dann macht es auch nichts, wenn das noch einen Tag länger geht, bis der Arzt ein neues Rp ausstellt. Bitte besorgen Sie dafür ein neues Rezept vom Arzt.“

Wie „lässig“ manche Leute mit ihren Medikamenten umgehen, werde ich nie verstehen. Dass ihr die befeuchtenden Augentropfen ausgegangen sind … okay – Einzeldosen sind nicht haltbar, wenn sie offen sind. Allerdings könnte sie selbst da noch welche haben – das sind 20er Packungen Aber bei den anderen beiden … habe ich bei ihr einfach das Gefühl, es kümmert sie nur insofern, als sie nochmals eine Packung zuhause haben will. Nur für den Fall. „Zahlt“ da ja auch die Krankenkasse.

Lies: Hamstern.

Es kam dann auch kein neues Rezept für sie. War wohl doch nicht „so“ wichtig.

Alles für die Katze – oder?

Seit ein paar Jahren (seit 2005) dürfen die Apotheken in der Schweiz auch Tiermedikamente abgeben. Vorher hatten die Tierärzte das Monopol. Das ging soweit, dass wir nicht einmal die rezeptfreien Tiermedikamente bestellen konnten. Die Hersteller-Firmen und die Grossisten weigerten sich, das zu liefern. Dann beschloss die Wettbewerbskommission WEKO, dass das Monopol illegal wäre und das Tier (oder besser der Halter) auch hier das Recht auf einen freien Leistungserbringer habe – lies: er darf seine Medikamente für das Tier auch woanders beziehen als beim Tierarzt.

Ein paar Apotheken haben sich anschliessend auch auf Tiere und ihre Medikamente spezialisiert, entsprechende Weiterbildungen absolviert und arbeiten auch mit Tierärzten zusammen und haben Tiermedikamente an Lager. Wir gehören nicht dazu. Nur gelegentlich sehe ich ein Rezept von einem Tierarzt – meist dann, wenn der das Mittel nicht selbst an Lager hat.

Analog beim Menschen muss aber auch bei der Abgabe von Tierarzneimitteln einiges beachtet werden.

Wir müssen fragen:

  • für welches Tier ist es, wie alt? Welche Rasse? Gewicht?
  • Ist es ein Nutztier oder ein Heimtier? (Nutztiere unterliegen verschärften Bestimmungen, da Produkte von ihnen : Eier, Milch, Fleisch … als Lebensmittel verwendet werden).

Anhand dieser Angaben erstelle ich dem Tier ein Dossier mit seinen Informationen und den Medikamenten, die es bekommen hat.

Apotheker dürfen verschreibungspflichtige Arzneimittel für Tiere abgeben auf Rezept. – nur in begründeten Ausnahmefällen ohne (und als nicht-spezialisierte Apotheke mache ich das im Normalfall gar nicht).

Was rezeptpflichtig ist, kann sich aber von dem beim Menschen unterscheiden – das Wurmmittel Vermox zum Beispiel gibt es für den Mensch ohne Rezept, für das Tier aber nur mit. Impfungen und Impfstoffe gehen immer noch nur über den Tierarzt.

Humanarzneimittel sind nicht für Tiere bestimmt. Sie können in gewissen Fällen trotzdem angewandt werden, aber es muss erst abgeklärt werden, ob es kein Produkt gibt, das für das Tier zugelassen wurde, oder für eine andere Tierart …

Es gibt noch mehr Bestimmungen (speziell für Nutztiere) aber das lasse ich jetzt hier mal.

Soviel zur Theorie.

Jetzt zu dem, was das in der Praxis für Auswirkungen hat:

Es kommt in die Apotheke eine Frau mit 2 Kindern und will von mir Pred forte Augentropfen. Die sind Cortisonhaltig, Rezeptpflichtig. Liste A.

Frau: „Neiiin, das brauche ich nicht für mich, sondern für unsere Katze. Die hat einmal wieder eine Augenentzündung und das hilft im Normalfall sehr gut!“

Es ist (natürlich) Samstag und schlimmer noch – sie fahren morgen in die Ferien. Darum braucht sie das jetzt, damit die Nachbarin die Katze behandeln kann.

Pharmama: „Ich bräuchte dafür ein Rezept, auch wenn es für ein Tier ist.“

Frau: „Rezept? Nein, sowas habe ich nicht. Ich hatte es von der Tierärztin direkt …  Jetzt stellen Sie sich nicht so an, schliesslich ist das ja für die Katze und nicht für mich. Und ich kann ja nichts damit anstellen, oder? Woanders habe ich das schon problemlos ohne Rezept bekommen.“

Pharmama: „Ich bin aber nicht woanders. Ich halte mich an Vorschriften und rezeptpflichtig bleibt rezeptpflichtig. Aber … wenn ihr Tierarzt mir sagen kann, dass die Abgabe in Ordnung ist, dann bin ich bereit, ihnen das zu geben.“

Wiederwilligst rückt sie den Namen des Tierarztes heraus, den ich im Telefonbuch auch finde und anrufe. Er ist tatsächlich erreichbar und bestätigt mir auch, dass die Katze das von ihm schon einmal hatte – vor etwa 5 Jahren (!). Seitdem hat er sie nicht mehr gesehen. Von daher kann er nicht sagen, dass sie auch noch Kunde von ihm sind …

Das ist der Moment, wo ich das Telefon erst mal weiterreiche.

Nach kurzer Diskussion bekomme ich das Telefon wieder. Laut ihm darf ich das abgeben … mit der Auflage, dass die Frau und Katze nach den Ferien bei ihm vorbeikommen.

Die Frau nimmt das mehr schlecht als recht entgegen – O-Ton: „das kostet nur wieder Geld“ verspricht es mir aber gezwungenermassen. Ich kämpfe mich durch den Papierkram, danach bekommt sie es.

Übrigens: von wegen man kann „nichts anstellen“ mit den Augentropfen. Missbraucht werden sie schon nicht, aber Cortisonhaltige Tropfen falsch angewendet – zum Beispiel bei einer Augen-Infektion kann im schlimmsten Fall zur Erblindung führen. Aber es ist ja *nur* für die Katze.