Das, was der Arzt aufgeschrieben hat!

Ich finde es gut, wenn die Ärzte Generika aufschreiben.

Nicht so gut finde ich manchmal die Wahl des Generikums, das sie aufgeschrieben haben. Ich weiss nicht, ob das von ihrem Computerprogramm vorgeschlagen wird (die meisten, die das machen, haben auch Computergeschriebene Rezepte), aber … manchmal frage ich mich: nach was für Kriterien ist das?

Häufig ist es eines der oder das günstigste.

Für mich ist das ja nicht das einzige Kriterium. Wenn ich es nicht da habe (was bei denen dann häufiger vorkommt), versuche ich dem Patienten eines derjenigen, das ich da habe schmackhaft zu machen.

Wenn das nicht klappt (manche Patienten bestehen auf „dem, was der Arzt aufgeschrieben hat“), dann bestelle ich das halt.

Oder … versuche, es zu bestellen.

Denn in der letzten Zeit kommt es häufiger vor, dass genau die Generika dann nicht lieferbar sind, oder gar frisch ausser Handel, also gar nicht mehr erhältlich. Offenbar ist da einiges im Umbruch.

Gut nur, kann ich das selbst ersetzen durch solche, die es noch gibt.

Nur … gibt das dann halt noch mehr Diskussionen.

Mini-Urkundenfälschung

Ich bekomme von der Stammkundin ein Rezept von der Ärztin in der Nähe mit 3 verschiedenen Schriften drauf … von 3 verschiedenen Stiften: 2 blaue Kugelschreiber, 1 schwarzer.

Die eine Schrift ist die Praxisassistentin (die kenne ich gut) die zweite Schrift ist die Ärztin (habe ich auch schon gesehen), die dritte …. so wie ich die Kundin kenne, denke ich, das war sie selbst.

Sie hat wohl vergessen bei der Ärztin alle Vorbezüge anzugeben und gedacht, sie ergänzt das gleich selbst, weil sie wegen „dem Bisschen“ nicht noch einmal zurück will.

Ich frage sie darum höflich, ob es ihr das Wert ist, wegen einem Mittel gegen Magensäure eine Anzeige wegen Urkundenfälschung zu riskieren. Denn das ist es, wenn sie selbst etwas aufs Rezept schreibt.

Don’t do it!

(Nein, natürlich zeige ich sie nicht an, aber ein bisschen erschrecken tut der Kundin gut, dann weiss sie wenigstens, um was es geht).

Der Arzt bekommt von mir ein „F“ …

F wie Faul!

Warum?

Ortho Gynest Vaginalgel (ein Oestrogenhaltiges Gel) ist seit Monaten ausser Handel. Der Arzt verschreibt das trotzdem der Patientin neu.

Ich rufe ihn an um nach einem Ersatz zu fragen. Sagt er: „Orthogynest … man kann es noch importieren aus England- machen sie das doch, oder schicken sie die Patientin an eine internationale Apotheke.“

*Klick*

Grrrrrr.

Ich könnte das auch importieren, aber mal abgesehen vom teureren Preis bezahlt die Krankenkasse das dann nicht – vor allem da es ja gleichwertiges gibt in der Schweiz -das muss die Patientin das dann selber zahlen. Es sei denn, der Arzt holt von der Krankenkasse vorher die Bestätigung ein, dass es in diesem speziellen Fall trotzdem übernommen wird – was er kaum machen wird, so wie er reagiert hat. Es ist ja offenbar zuviel Aufwand, wenn er einen geeigneten Ersatz aus der Liste möglicher, die ich ihm habe heraussuchen muss.

Fauler Arzt.

Die Patientin wollte das dann nicht bestellen aus England. Ich kann es ihr nicht verübeln. Ich habe ihr die Liste mitgegeben von entsprechenden Produkten, dann kann sie, wenn sie will, nochmal den Arzt belästigen gehen.

Erwiderung gesucht

Ach ja, leidiges Thema Generika. Gestern mal ein neuer „Dreh'“ dazu, aber … ich glaube ich sollte als Erklärung erst mal etwas ausholen.

In der Schweiz dürfen wir Apotheker eigenständig Generika austauschen. Das bedeutet: Der Arzt schreibt ein Medikament auf (Original oder Generikum) und ich darf in Absprache mit dem Patienten ein geeignetes Generikum aussuchen und abgeben. Damit der Arzt aber weiss, dass „sein“ aufgeschriebenes Medikament ersetzt wurde – muss ich diese Substitution anschliessend an ihn melden. In der Praxis passiert diese Meldung durch unsere Abrechnungsstelle gesammelt einmal pro Woche oder so per Brief an den Arzt.

Da steht dann drauf:

Substitution von Generika vom xx.x.xx bis xx.x.xx

Sehr geehrter Herr Doktor,

Gemäss Artikel 52a des KVG informieren wir sie hiermit über die Substitution von Generika, die infolge Ihrer Verschreibungen durchgeführt wurden. Sie finden nachstehend eine Liste der betreffenden Patienten sowie genauere Angaben zur Substitution. Sofern Sie Fragen haben, bitten wir Sie mit der betreffenden Apotheke Kontakt aufzunehmen.

Name des Patienten/ Geburtsdatum / Apotheke / Datum der Substitution / Original / Generikum

Es gibt verschiedene Gründe dafür, ein Medikament durch ein anderes auszutauschen. Der Preis ist einer davon. Generika sind günstiger als Originale, aber auch bei den Generika selber gibt es Preisunterschiede. Ich habe nicht alle Generika von einem Medikament an Lager – das ist unmöglich (man denke mal an Antra, da stellen allein 9 Firmen dasselbe her – und es gibt jeweils verschiedene Dosierungen und Mengen). Ich habe auch nicht mehr alle Originalmedikamente an Lager. Die Auswahl, was ich an Lager halte ist eine Mischung aus Nachfrage, Verfügbarkeit, Preis (Einkauf und Verkauf) und „weicheren Aspekten“ wie Einnahmbarkeit etc.

Der Arzt schrieb ein Antibiotikum auf: „Supracyclin 100mg 10 Tabletten“

Das ist schon ein Generikum (erfreulich, denn immer noch schreiben eine Menge Ärzte das Original auf).

Abgegeben habe ich Doxycyclin Axapharm 100mg 10 Tabletten

Denn das ist das was ich da hatte. Wirkung gleich, Preisdifferenz zum aufgeschriebenen: meins kostet 1 Franken weniger. Preisdifferenz zum Original ca. 3 Franken weniger – Ja, ich weiss, nicht gerade viel, aber das ist heute noch häufig so. Der Patient muss gleich mit dem Antibiotikum anfangen und ist mit einem Austausch einverstanden. No Problem – Oder?

Schickt mir der Arzt den Fax mit der Info oben und neben das ersetzte Medikament geschrieben:

lieber Herr Pharmama, lohnt sich dieser Aufwand für 1.- CHF ?

m.f.G. Arzt

Mal abgesehen, dass ich es amüsant finde, dass er automatisch annimmt, dass ich ein Mann bin … sollte ich ihm zurückschreiben? Was sollte ich ihm schreiben? – „Es wäre aufwändiger gewesen, das andere Medikament speziell zu bestellen“ ? „Wenn Sie keine Nachricht wollen wegen einer Substitution könnten Sie auch einfach den Wirkstoff aufschreiben statt einem Markennamen“ ??

Oder wäre das frech?

Vertrauen ist gut … Kontrolle ist besser

Wir sollen ja auch die Dosierung der Medikamente überprüfen vor der Abgabe. In manchen Fällen ist es klar (die meisten Schmerzmittel), manchmal ist das nicht so einfach, weil die Dosierung recht individuell sein kann – (Antidepressiva, Antipsychotika)– bei den Antibiotika ist wichtig, dass sie genügend hoch dosiert sind und genügend lange genommen werden. Wenn wir bei Dauermedikamenten sehen, dass auf dem Rezept etwas anderes steht, als bisher gehabt, rufen wir den Arzt an. Auch in anderen Fällen, wenn die Dosierung nicht klar ist.

Das hier hatten wir am selben Tag:

1. Rezept mit:  Traumanase forte Tbl  3-3-3

Dosierung laut Kompendium:

Die übliche Dosierung beträgt … für Erwachsene 3–4 xtäglich 1 Dragée Traumanase forte oder – bei weniger stark ausgeprägten Symptomen – 1–2x täglich 1 Dragée Traumanase forte.

Also 1-1-1-1 oder 1-0-1

Wir rufen darum dem Arzt an. Der sagt: „Ich will das so, wie aufgeschrieben!“

Ok. Off-label use, also Anwendung des Medikaments ausserhalb der vorgeschriebenen Indikation oder Dosierung. Wird vermerkt.

2. Rezept:  Dostinex 0.5mg    1/4- 1/4- 1/4

Frage an die Kundin: Ja, sie braucht es zum abstillen

Dosierung dafür laut  Kompendium:

1/2 Tablette (0,25 mg) Dostinex soll alle 12 Stunden über zwei Tage verabreicht werden, d.h. insgesamt 4 Tabletten (Gesamtdosis 1 mg). Die Einzeldosis soll nicht höher als 0,25 mg sein.

Telefon an den Arzt. Der sagt: „1/2 Tablette 2 mal täglich.“ Ok – korrigiert.

3. Rezept: Triatec comp 1-0-0

Eigentlich unauffällig. Das sagt das Kompendium:

Die Dosierung richtet sich nach erwünschtem Blutdruck­effekt und Verträglichkeit im Einzelfall … Die übliche Dosis ist eine Tablette Triatec comp. mite (2,5/12,5 mg) bzw. Triatec comp. (5/25 mg) täglich.

Aber: Der Kunde hatte bisher immer Triatec 10mg, wie wir in seinem Dossier sehen können. Und: er weiss nichts von einer Dosisänderung.

Nachfrage beim Arzt: „Ich habe das aufgeschrieben, was der Patient mir gesagt hat.“ (Schaut der nicht in seine Unterlagen?), „Geben Sie ihm das, was er bisher hatte.“ – Ok.

Das nur so ein paar Beispiele, dass es ganz gut ist, dass wir keine Automaten sind, die nur Medikamente raushauen. Manchmal sind unsere Interventionen bei den Ärzten deswegen auch unnötig, manchmal ist eine seltsame Dosierung gewollt … und gelegentlich ist es ganz gut, dass noch eine zweite Person aus dem Gesundheitssystem einen Blick auf die Behandlung des Patienten hat.

Zum Glück aber ist es in den meisten Fällen nicht nötig, dass wir dem Arzt anrufen (bei der Menge Rezepte, wäre ich sonst den ganzen Tag am pendeln zwischen Theke und Telefon).