reif fürs Bett

Ok, da hat es mich nach Junior und Kuschelbär nun also auch erwischt. Ich bin voll erkältet. Nase läuft wie ein Wasserhahn, Augen tränen, Nebenhöhlen (und Ohren) zu.

Nur kann ich mich nicht ins Bett legen wie die beiden. Junior ist heute bei meinen Eltern, Kuschelbär versucht gesund zu werden und ich … ich arbeite. Und versuche weder Kunden noch Mitarbeiter anzustecken (d.h. ich dope mich vorher – bin ja an der Quelle – und während der Arbeit heisst es immer wieder Hände waschen und desinfizieren).

Warum ich nicht frei mache? Nun, das ist nicht ganz so einfach.

Da hätten wir einerseits die Arbeitsmoral, die mir schon früh eingeimpft worden ist und im Studium noch weiter vertieft wurde.

Gesetzlich muss ja immer ein Apotheker in der Apotheke anwesend sein – sonst darf man gar nicht aufmachen. Und da bei uns Apotheke und Drogerie zusammen ist, bleibt dann auch die Drogerie zu.

Dann ist bei uns in der Apotheke die Situation so, dass jeweils nur 1 Apothekerin da ist – das ist auch ein Rentabilitätsproblem: es kann sich heute kaum mehr ein Geschäft leisten mehr als einen Apotheker gleichzeitig arbeiten zu lassen. Heute bin ich die Apothekerin.

Ich kann es auch nicht einfach an meine Kolleginnen abgeben, denn eine davon ist in den Ferien und die andere arbeitet demnach im Wechsel mit mir. Wenn ich jetzt anrufe und sie auch noch mit meiner Arbeit belaste, kann ich davon ausgehen, dass sie nachher so kaputt ist, dass sie eine Auszeit bräuchte. Das ist also wirklich nur etwas für äusserste Notfällle.

Deshalb bin ich heute halt am Arbeiten. Keine Angst, ich stecke dich nicht an, wenn Du vorbeikommst (obwohl das Umsatzfördernd wäre).

Wenn Du also eine voll verschnupfte Apothekerin siehst, sage nicht: „Ah, sie können auch krank werden?“ oder „Apotheker hilf dir selbst“ sondern: „Gute Besserung!“ – das kann ich (und jeder andere) brauchen.

Unbedingt zu vermeiden

Der heutige Blogpost ist sozusagen ein Gastbeitrag von Nicole aus Hessen. Ich danke vielmals für den Lacher!

Eine kleine Ansammlung von Sätzen, die wir in unserer Apotheke tunlichst vermeiden sollten.

„Bringen sie ihre alte Schachtel mit“ / „Haben sie ihre alte Schachtel dabei?“

oder ähnlich:

„Bringen sie ihre Alte mit / Haben sie ihre Alte dabei?“

… Beides Fragen nach der bisherigen Medikation, die ziemlich missverstanden werden können….

„Soll ich ihnen eins runterholen?“

Aus dem Lager natürlich … diese zweideutigen Sätzchen können einen manchmal wirklich in Schwierigkeiten bringen!

„Kann ich es ihnen besorgen?“

„Kann ich es ihnen bestellen“, ist besser, aber leider auch nicht so optimal. Oftmals bekommst du dann vom Kunden zu hören: „Ja ich weiß nicht, ob sie das können?“

„Haben sie ihren Stecher dabei?“

Gemeint ist eine Stechhilfe für die Blutzucker-messung. Dazu muß man sagen, daß bei uns in Hessen der Ausdruck „Stecher“ eine etwas abfällige Bezeichnung für den Freund einer Frau ist.

„Na, da haben sie ja ne riesen Latte!“

Ja, ja manchmal sagt man Dinge. Der Kunde hatte aber auch einen riesen Einkaufszettel dabei um seine Hausapotheke wieder aufzufüllen.

Wer kennt noch mehr?

Übrigens: Wenn jemand eine lustige Begebenheit weiss in und um die Apotheke oder Drogerie und sie gerne hier sehen möchte, darf man sie mir gerne mailen (pharmama08(at)gmail.com. Ich veröffentliche es nach Wunsch auch ohne Autorenangabe.

nervige Vertreter – die Fortsetzung

(Fortsetzung) Wer denkt, damit hat es sich, irrt.

7 Tage nach dem Telefon mit der Vertreterin bekomme ich 3 Packungen von dem Mittelchen geliefert von der Firma. Auf meine Reklamation hin faxen sie mir den Bestellschein – den natürlich nur die Vertreterin ausgefüllt hat, keine Unterschrift oder Stempel von uns.

Ich koche – meine Kollegin ruft darum der Vertreterin an.

Sie kann das sehr gut: „Da muss ein Missverständnis vorliegen … wir haben keine XX bestellt ….

Nein, wir brauchen die auch nicht, bestätigen sie bitte heute noch, dass sie die zurücknehmen ….

Nein, wir MÜSSEN die nicht an Lager haben … ja, auch nicht, wenn wir die Werbung auf dem Bildschirm haben …

Nein, zu der Kette gehören wir nicht, wir haben auch keine Verpflichtung …

Sie sollten sich wirklich vorher etwas über ihre Kunden informieren und nicht einfach etwas annehmen …

WAS? Sie haben keine Zeit heute? Wir hatten an dem Samstag an dem sie angerufen haben auch Zeit für sie und sie machen das mit den Retouren heute noch. Ja. Auf Wiederhören!“

(Manchmal muss man nicht beide Seiten einer Konversation hören um zu wissen, wie es läuft)

Jedenfalls geht die Ware wieder zurück.

1 Woche später ruft dieselbe Vertreterin wieder an. Ich übernehme das Telefon. Sie will wissen, obdie Ware gut angekommen ist“ (!) Ist die Frau blöd oder hat sie so ein kurzes Gedächtnis?

Pharmama: „Die Ware ist angekommen und ich habe sie wieder zurückgeschickt. So wie ich es ihnen gesagt habe. … Nein, wir haben keine Verpflichtung das an Lager zu nehmen…. Entschuldigung, hören sie überhaupt zu wenn wir ihnen etwas sagen? Wenn sie mir nicht glauben, fragen sie die Leute, die den Vertrag  wegen der Werbung gemacht haben.  Wiederhören.“

Echt. SO NICHT!

Wer arbeitet denn hier alles?

Ob Drogerie oder Apotheke: wer hier arbeitet hat einen weissen Schurz an. Unterscheiden kann man die verschiedenen Berufe respektive den Ausbildungsstand nur durch einen Blick auf das Namensschildchen. Da hätten wir in der Drogerie:

Lehrling Drogerie

Kann vom 1. bis ins 4. Lehrjahr sein. Darf Kosmetik verkaufen und Medikamente abgeben Liste D und ungelistet.

Drogistin

Die Drogistin hat eine Lehre von 4 Jahren abgeschlossen. Dazu gehört die Ausbildung in einer Drogerie und Schule. Die Themen sind dabei: Arzneimittelkunde, Technika (Putzmittel u.ä.), Botanik, Chemie, Handverkauf, Kosmetik, Sprache: Deutsch und Fremdsprache, ausserdem die Herstellung von Salben etc.

Dipl. Drogistin FH / Geschäftsführerin Drogerie

Nach der Lehre hat die Drogistin FH eine weitere Ausbildung in Neuenburg absolviert. In der 2 jährigen Weiterbildung wird der Schwerpunkt auf naturwissenschaftliches und unternehmerisches Fachwissen gelegt. Erst nach bestandener Prüfung bekommt man eine Betriebsbewilligung zum Führen einer Drogerie.

Und in der Apotheke:

Lehrling Pharmassistentin

Kann vom 1. bis 3. Lehrjahr sein. Darf Medikamente abgeben der Liste D und C, sowie A und B unter Aufsicht der Apothekerin.

Pharmaassistentin

Die ausgebildete Pharmaassistentin hat eine 3 jährige Lehre abgeschlossen mit den Schwerpunkten Medikamente, Heilmittel, Handverkauf, Labor, … grundsätzlich ist eine Pharmaassistentin die rechte Hand und Hilfe der Apothekerin.

Neben der Ausbildung in der Apotheke hat man auch hier Schule.

Apothekerin

5 Jahre Studium. Nach Abschluss ist man eine eidg. Dipl. Apothekerin. Im Studium hat man sehr viel Chemie, Biologie, Botanik, alles was es über Medikamente zu wissen gibt: Pharmakologie..  , was es zur Wirkung der Medikamente braucht: Anatomie, Physiologie, .. was es zur Herstellung von Medikamenten braucht: Physik, Chemie, organische Chemie, Galenik, alles was es zur Kontrolle von Medikamenten braucht: Analytik, Statistik, ..

Das Studium ist sehr umfangreich, nur ein kleiner Teil findet tatsächlich in der Apotheke statt. Am Ende kann man entweder in die Offizin gehen (öffentliche Apotheke) in eine Spitalapotheke, in die Industrie wo man Medikamente entwickelt, in die Registrierung, wo man die entwickelten Medikamente vor der Zulassung prüft – dies auch entweder in der Industrie, oder auf der anderen Seite im Bundesamt (BAG) oder der swissmedic, etc

Die Apothekerin trägt die Verantwortung für die Abgabe rezeptpflichtiger (Liste A, B) und freiverkäuflicher Medikamente (C, D und ohne Liste).

Verwalterin Apotheke:

dazu muss man nach dem Studium eine 2 jährige Weiterbildung absolviert haben. Das geht neben der Arbeit in der Apotheke, die ein wichtiger Bestandteil der Weiterbildung ist. Erst danach ist man gegenüber den Krankenkassen als Leistungserbringer zugelassen. Die Verwalterin trägt die Hauptlast der Verantwortung. Bei Falschabgabe (egal durch welche Angestellte) haftet sie. Auch wenn die Verwalterin nicht zwingend die Inhaberin der Apotheke ist, gewährt das Gesetz ihr, die Apotheke selbständig zu führen.

Heute ist die Weiterbildung oft kombiniert mit dem Titel Apothekerin FPH: Der Titel bedeutet, dass man die Weiterbildung zum FPH (Fachapothekertitel) fertig abgeschlossen hat. Es gibt 3 Arten dieser Weiterbildung: FPH in Offizinpharmazie, FPH in Spitalpharmazie, FPH in klassischer Homöopathie.

Das Ganze ist natürlich nur eine Momentaufnahme und gilt für die Schweiz jetzt. Laut einer Abstimmung wird es die Liste C vielleicht bald nicht mehr geben -da freuen sich die Drogisten. Dafür darf der Apotheker eventuell mehr aus der Liste B ohne Rezept abgeben.

Momentan gibt es schon Kantone, wo die Drogisten Teile der Präparate der Liste C abgeben dürfen. Bei gemischten Geschäften mit Apotheke und Drogerie ist das (unter der Aufsicht der Apothekerinnen) heute schon gang und gäbe.

Übrigens: falls Du Dich daran störst, dass ich durchgehend die weibliche Form der Berufsbeschreibung genommen habe … das liegt daran, dass inzwischen die meisten, die auf diesen Berufen arbeiten Frauen sind.

Warum das so ist: dazu komme ich in einem späteren Blogpost mal.

Schubladenzieher

Eine der nicht so netten Bezeichnungen für einen Apotheker ist ja „Schubladenzieher“. Meist wird das im Zusammenhang gebraucht mit „überqualifiziert“.

OK, ich bin ein Schubladenzieher. Da bleibt mir gar nichts anderes übrig, denn da sind ja die ganzen Medikamente drin. Viele Medikamente. In sehr langen Schubladen.

Nach 10 Jahren in der Apotheke brauche ich bei den meistgebrauchten Sachen nicht einmal mehr zu lesen was vorne angeschrieben steht – ich erwische instinktiv die richtige.

Auch das ist eine Kunst, aber bei weitem nicht alles, woraus unsere Arbeit besteht. Nur halt das, was die Öffentlichkeit am meisten sieht.


Preisfragen

Immer wieder sehe ich, dass Leute auf meiner Seite landen weil sie suchen nach: Preis von xy.

Man wird hier in diesem Blog so gut wie nie eine Preisangabe für ein Medikament finden. Das hat verschiedene Gründe. Einerseits will ich nicht Werbung für ein Medikament machen. Andererseits spielt ja auch der Markt und was bei uns soviel kostet, ist vielleicht in einer anderen Apotheke oder Drogerie zu einem anderen Preis zu haben. Und dann ist jede Angabe, die ich machen würde innert kürzester Zeit falsch. Denn es gibt noch so was wie Preisänderungen.

Im Moment ist es so, dass ich etwa 2 x pro Monat Medikamente und Drogerieartikel umschreiben muss. Zum Glück jeweils nur wenig, aber immer wieder.

Anfang Januar war es wieder mal eine ganze Menge. Der Etikettendrucker spuckte Etiketten aus, bis die Papierschlange quer durch den Raum reichte.

Es braucht enorm Zeit, all das umzupreiseln. Einfacher wäre schon die Methode von Coop, dass man das alles nur noch am Regal anschreibt – aber das finde ich eine reichlich kundenunfreundliche Methode.

Ah. Noch was. Für diejenigen die jammern, die Preise gehen immer nur nach oben: das ist nicht ganz korrekt. Einiges ist schon teurer geworden (so zwischen 20 – 80 Rappen pro Stück) aber vor allem bei den rezeptpflichtigen Medikamenten gab es markante Preisabschläge.

Z.B. die Packung Nexium unten ist grad 22 Franken günstiger geworden!

Und sie ist nicht die einzige.

So Preisabschläge sind ja gut für die Patienten und das Gesundheitssystem und dementsprechend zu unterstützen. Für die einzelne Apotheke stellen sie aber je nachdem eine ziemliche Belastung dar. Wir haben die Medikamente, die da auf einmal weniger wert sind ja an Lager. Das ist ein nicht unheblicher Lagerverlust (einmal habe ich nachgerechnet, da waren es für CHF 1600.- Preisabschläge) – da müssten sehr viele andere Sachen um 40 Rappen aufschlagen, dass ich das wieder hereinbekäme…

Ok, es gibt ein paar Möglichkeiten zumindest einen Teil des Geldes wiederzuholen. Manche Firmen bieten die Medis, die abschlagen 1 Monat vorher zum neuen Einkaufspreis an – das Problem ist, dass bei weitem nicht alle Medis innert 1 Monat umschlagen kann, d.h. davon profitiert man oft gar nicht.

Bei anderen Firmen kann man den Lagerverlust angeben und sie geben einem dafür einen Ersatz – meist in Form eines ihrer Medikamente. Das Problem ist, dass sie das erst ab einer gewissen Geldmenge machen (z.B. ab CHF 30.-) und das erreicht man bei einer einzelnen Firma dann nicht.

Ausserdem ist das ein ziemlicher Aufwand, weil man jede Firma einzeln angehen muss und oft kommt gar nichts heraus.

Geld, dass man sich ans Bein streichen kann. A fonds perdu.

Noch ein Beitrag der Apotheken zum Sparen im Gesundheitssystem ….