Ein Grund mehr rechtzeitig zu schliessen ….

… man wird sonst verklagt.

Am 20. Dezember 2014 lief der Weihnachtsverkauf auf Hochtouren. So befanden sich in einem Luzerner Kosmetikgeschäft um 16 Uhr, als die Filialleiterin die Ladentür schloss, noch einige Kunden im Laden, welche ihre Einkäufe bezahlen wollten. Zwei Polizisten in Zivil, die um 16.15 Uhr um Zutritt in den Laden baten, kannten keine Gnade, wiesen das Personal zurecht und verzeigten das Geschäft.

Nett.

Gefunden unter den Kandidaten für den Rostigen Paragraphen – wo das unnötigste Gesetz oder der ärgerlichste Entscheid  gesucht wird. (Zu finden und abzustimmen hier).

Kosmetikgeschäft steht da – aber irgendwo habe ich gelesen, das war eine Drogerie. Wie auch immer: Ich mach jetzt zu, bitte gehen Sie, ich will keine Strafe zahlen müssen … Ich versuch‘ das mal morgen Abend.

Aufstellende Mitarbeiter

Es ist etwas doof, wenn grad 2 gute Mitarbeiter gleichzeitig krank sind (gute Besserung, Euch beiden!).

Auch unschön ist, wenn es dann noch „so ein Tag“ ist … Ihr wisst schon: es harzt bei den kleinsten Dingen, man hat das Gefühl, man macht alles zwei- oder drei-Mal, weils beim ersten Mal aus irgendeinem Grund nicht klappt und dann sind die Kunden und Patienten auch noch super-ungeduldig, hören nicht zu, wenn man etwas wichtiges sagt/fragt … Etceterapepe.

In dem Moment, als ich wirklich genug hatte, erschien plötzlich dieses Wunderding vor mir:

Ein Cupcake!

Und das war so was von fein!

Gemacht am Tag vorher von der einen Mitarbeiterin, die es auf einmal gepackt hat welche zu machen – und sie uns mitzubringen. Und gebracht von der anderen Mitarbeiterin, die wohl meine „Notsituation“ richtig erkannt hat :) – perfektes Timing!

Ich hab echt die allerbesten Mitarbeiter und Kolleginnen! (Gilt für anwesende und grad kranke) … So macht das Arbeiten Spass.

Bingbong

Spätabends. Zeit zum schliessen und meine Pharmaassistentin räumt das Strassenschild hinein, fährt die Computer nach unten, räumt die Kassen nach hinten … Normalerweise helfe ich ihr dabei, aber heute bin ich noch an einem wichtigen Telefon im Büro.

„Ich mach das Licht aus!“ sagt sie und schliesst auch die Türe. Nur zu, nicht ab – denn in ein paar Minuten gehen wir sowieso beide raus.

„In Ordnung!“ rufe ich – „ich bin noch ein paar Minuten hier am Telefon“

Sie geht nach hinten, sich umziehen.

„Bingbong!“ macht es nach kurzer Zeit.

Das ist die Türe.

Ich schaue um die Bürotür herum nach vorne in den dunklen Laden und sehe nur knapp die Türe noch zuschwingen, aber sonst niemanden.

Seltsam. Meine Kollegin wird doch nicht gehen ohne mir noch mal ‚Tschüss’ zu sagen? Ich bin immer noch am Telefon, momentan in der Warteschleife.

Da höre ich meine Pharmaassistentin:

„Hallo?!? Wir haben geschlossen!“

… (die Antwort höre ich nicht, nur wieder sie)

„Nein. Jetzt kann ich ihnen nichts mehr verkaufen. Die Kassen sind weggeschlossen, die Computer unten …“

…(unverständliches von weiter weg)

„Nein! Auch „nur kurz“ nicht. Es geht jetzt nicht. Morgen wieder. Bitte gehen Sie!“

„Bingbong.“

Sie kommt zu mir ins Büro.

„Hast Du das mitbekommen? Die ist in den stockdunklen Laden gelaufen, fast noch über den Strassensteller gestolpert, den ich extra hinter der Tür platziert habe. Hat sich in Ruhe umgeschaut und als ich aufgetaucht bin, umgezogen, in Strassenkleidern … wollte sie eine Nachtcreme ….“

Wir schütteln beide den Kopf. Leute.

Aber von jetzt an wird die Türe ganz geschlossen. Schon vorher.

Ihr könnt das. Die Pille danach in Deutschlands Apotheken

Ab Heute ist es so weit und die Apotheken in Deutschland dürfen die Pille danach ohne Rezept abgeben.

Eine eigentlich wirklich gute Sache – eine Erleichterung für die Frauen, wo die Verhütung aus irgendeinem Grund versagt hat. Jetzt müssen sie dafür nicht mehr von Pontius zu Pilatus laufen.

Es ist auch nichts weltbewegend Neues: in anderen Ländern ist das schon länger so. Eure Nachbarn die Schweizer und Österreicher winken hier jetzt freundlich. (huhu!)

Trotzdem scheinen sie sich in Deutschland speziell schwer damit zu tun. Ein Grund dafür ist sicher die etwas seltsam abrupte Einführung. Erst Jahrelange Diskussionen … und dann geht es innerhalb von ein paar Wochen doch.

Ich möchte den deutschen Apothekern hier etwas Mut machen: Ihr könnt das.

Auch wenn manche Ärzte ihre Bedenken, dass ihr da richtig beraten könnt äussern: Ihr könnt das. Es ist nicht Hirnchirurgie. Es geht um die Abgabe von einem Medikament und die richtige Beratung dazu. Tatsächlich gehört die Pille danach eher zu den Medikamenten, die nicht so problematisch sind. Man muss manche Dinge vor der Abgabe abklären – das macht dann (bitte!) wirklich der Apotheker, der auch weiss, was und warum er das fragen muss. Inzwischen gibt es auch Vorlagen dafür. Sehr freundlicherweise hat hier Astrid (deutsche Apothekerin) eine zur Verfügung gestellt, die sie für ihre Apotheke aus verschiedenen Quellen zusammengestellt hat: Arbeitsanweisung Pille danach-1 (Klick auf den Link lädt die odt Datei herunter)

Passt das für Eure Apotheke an, folgt dem, dokumentiert Eure Beratung, dann macht ihr es richtig.

Im übrigen: der von den Frauenärzten gerne zitierte eventuelle Wirkungsverlust bei übergewichtigen Frauen sieht der EMA respektive dessen Committee for Medicinal Products for Human Use als nicht erwiesen an und kommt zum Schluss, dass Gewichtseinschränkungen für Levonorgestrel und Ulipristalacetat nicht gerechtfertigt sind. Siehe hier:  http://www.ema.europa.eu/ema/index.jsp?curl=pages/news_and_events/news/2014/07/news_detail_002145.jsp&mid=WC0b01ac058004d5c1

Ich würde das nur bei wirklich stark übergewichtigen Frauen in Betracht ziehen – und die zum Frauenarzt weiterschicken zum Einsetzen einer Kupferspirale..

Ihr könnt das.

Auch wenn die Haftpflichtversicherungen Euch Angst machen mit Horror-szenarien von Frauen, die Alimente wollen, weil die Pille danach nicht gewirkt hat.

In Eurer Beratung (die ihr wirklich machen und dokumentieren solltet) sagt ihr auch was in der Packungsbeilage steht: Die hormonelle Notfallverhütung darf nur im Ausnahmefall eingesetzt werden. Sie eignet sich nicht als langjährige Verhütungsmethode. Diese Methode verhindert nicht in jedem Fall eine Schwangerschaft. Im Zweifelsfall sollte daher bei Ausbleiben der Periode bald eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden. … Ja, die Pille danach ist keine 100% Methode – und je länger man wartet, desto unsicherer. Die Zeitvorgaben sind einzuhalten. Achtet auf die möglichen Wechselwirkungen mit schon genommener Medikation und darauf, dass bei der Ulipristal genommene Kontrazeptiva unwirksam werden, also unbedingt zusätzlich verhütet werden muss. Selbst in Amerika, wo die Pille danach an Frau und Mann faktisch ohne Beratung (solange er/sie nur alt genug ist) abgegeben wird hört man nichts von Klagen wegen Alimente-Zahlungen. Und wir wissen alle, wie klagefreudig die Amerikaner sind.

Ihr könnt das.

Auch wenn es Bedenken von Gruppen mit religiösem Hintergrund gibt. Die gab es schon immer. Leute, die nicht wollen, dass Frauen selber über ihren Körper bestimmen können und wann sie schwanger werden. Pro-Life Gruppen, die gegen Abtreibung und sogar Verhütung sind. Darunter gibt es auch Ärzte und Apotheker. Aber: Es gehört zum Beruf der Apotheker Medikamente abzugeben. Dazu gehören auch Verhütungsmittel und neu die Pille danach. Da moralische Bedenken anzumelden um sie nicht abzugeben … Naja, in meinen Augen hat man dann den Beruf verfehlt. Man kann die Frau natürlich in so einem Fall an eine andere Apotheke (oder Arzt) weiterleiten … aber das finde ich nur in Ordnung, wenn auch eine in erreichbarer Nähe ist.

Im übrigen: es gibt sicher Ausnahmen und unzuverlässige und unvernünftige Frauen. Aber in den über 10 Jahren, die ich Pille danach Beratungen mache, habe ich noch niemanden gesehen, der das wirklich missbraucht. Habt Mut – nur wegen der Freigabe der Pille danach werdet ihr nicht überrannt werden von Teenies nach dem One Night Stand. Vor allem nicht, wenn ihr die über die zusätzlichen Gefahren ungeschützten Geschlechtsverkehr aufklärt.

Ihr könnt das.

Auch wenn wir auf der anderen Seite Frauen haben, die schon jetzt (sozusagen präventiv) in Foren von „Nötigung“ schreien, wenn sie die Pille danach gleich in der Apotheke einnehmen sollen. Eine Praxis, die wir bei uns auch machen. Der Grund ist: das ist eine Notfallkontrazeption. Das ist für Ausnahmefälle gedacht. Je schneller sie eingenommen wird, desto schneller wirkt sie. Wenn das jemand partout ablehnt, muss ich mich fragen wieso? Der Verdacht liegt nahe, dass sie dann „auf Vorrat“ mitgenommen wird – und weil das nicht der Anwendung entspricht für die die Pille für die Abgabe in der Apotheke freigegeben wurde … darf ich eine Abgabe verweigern. Die Frau kann immer noch zum Frauenarzt und sich ein Rezept ausstellen lassen – DANN bekommt sie sie auch in der Apotheke auf Vorrat.

Aber mal ernsthaft: das hatte ich bisher auch noch nie. Man könnte noch viele theoretische Situationen ausdenken – für die Praxis halte ich es so: ich gebe die Pille danach ab, wenn ich aufgrund der Fragen sicher bin, dass ich das kann. Bei Unsicherheiten gibt es immer noch die Möglichkeit sie an den Frauenarzt weiter zu schicken. Auch das liegt in meiner Verantwortung.

Im übrigen: Ihr solltet wirklich etwas verlangen für die zusätzliche Arbeit, die ihr mit der Abgabe der Pille danach habt. Ihr müsst das nicht als „Beratungstaxe“ deklarieren, „Dokumentationspauschale“ oder ähnliches geht auch. Ihr habt dadurch Mehrarbeit. Ihr erspart den betroffenen Frauen auch viel Zeit (und vielleicht ein paar unangenehmere Begegnungen) – auch das sollte etwas wert sein. Im übrigen: die Variante „Pille danach vom Arzt“ fällt wegen dem nicht weg. Und für unter 20 jährige ist das immer noch der Weg, wenn man sie gratis (lies von der Kasse bezahlt) haben will.

Darum: Mut, liebe deutsche Apotheker! Ihr könnt das und ihr macht das (gut)!

Allgemein ist zu sagen: Es ist schwer am Anfang, weil man noch nicht sicher ist wie man vorgeht, wie man am besten fragt. Man wird sicherer mit der Zeit. Dann fühlt man sich auch wohler dabei. Man sieht, dass das so funktioniert. Und auch, dass der Service von den Frauen geschätzt wird.

Ihr könnt das.

Vielleicht hat noch jemand sonst ein paar Aufmunternde Worte für die deutschen Apotheker/innen?

Danke für’s Schuhe-Wichteln!

Merci an Ina von suecos, die mich angefragt haben, ob sie mir ein Paar ihrer Schuhe für die Apotheke wichteln können? Das sind sie:
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Etwas blöd nur, dass wir Kleidervorschriften haben … und so nett ich die bunten Clogs finde. Clogs (und so bunt) sind nicht bei uns. Aber: sie haben auch andere Arbeitsschuhe – und die darf ich jetzt ausprobieren:

suecos1

Fazit bis jetzt: Sehr leicht, angenehm zu tragen. Das müssen sie auch sein – in der Apotheke bin ich den ganzen Tag auf den Beinen. Wer die nimmt, sollte allerdings wirklich eine Nummer grösser nehmen als normal, sie sind etwas kleiner geschnitten. Anfänglich quietschen sie etwas auf unserem Boden, aber das scheint sich mit der Zeit zu geben – und ich bekomme wesentlich weniger elektrische Schläge als bei den skechers, die ich vorher getragen habe.

suecos2

Die behalte ich jetzt mal. Und für das Paar von Junior gibt’s aus den Ferien dann ein Foto.

Ein Danke heute …

Danke speziell an meine lieben Kolleginnen (und Kollege) und Mitarbeiter – Ihr seid die besten!

bananaflower

Ohne Euch wäre es kaum alles möglich – und Ihr macht die Arbeit so viel besser und einfacher. Ihr seid einfach toll. Ich weiss, wie ungewöhnlich das ist – ein so super Arbeitsklima und Zusammenhalt findet man selten. Und darum weiss ich, dass Ihr auch das für Euch behalten könnt. :-) (Pscht!)

Danke!

(Blümchen von den letzten Ferien – wo ich auch wieder mit bestem Wissen und Gewissen hin kann.)