Wunsch-Rezepte

rpnifedipin

Rezept (wie man sieht schon eine Weile her) – Computergeneriert, also lesbar, aber das ist schon das beste, was ich darüber sagen kann.

Erst mal war der Patient auf dem Rezept nicht identisch mit dem, der das dann eigentlich bekommen sollte, dann fehlen die Dosierungen  (die handschriftliche Ergänzungen sind von mir nach dem Telefonat)

Und was ist mit dem Nifedipin? – Das Mittel, das über Gefässerweiterung gegen hohen Blutdruck wirkt, gibt es bei uns in 20, 30, 40 und 60 mg … und alles Retard-Tabletten. Die sollte man nicht teilen.

Antwort vom Arzt: „Die Patientin hat das gewünscht, sie hatte das anscheinend schon einmal. Ich habe einfach aufgeschrieben, was sie mir gesagt hat.“

Hmm, offenbar sind die Medikamente, die der Arzt heute aufschreibt reines Wunschkonzert?

Ich habe das dann in Absprache mit dem Arzt nicht abgegeben. Er war sowieso nur der Ersatzarzt für ihren, der dort in den Ferien war und weder er noch wir hatten Unterlagen, dass sie das überhaupt schon einmal bekommen hat und in welcher Dosierung.

Ich vermute, dass sie es irgendwann einmal für die Akutbehandlung einer „Hypertonien Krise“, also eines plötzlichen sehr hohen Blutdrucks bekommen hat. Sie hat auch (andere) Blutdruckmedikamente und momentan ist der Blutdruck unter Kontrolle. Das muss also warten, bis ihr Hausarzt zurück ist.

Eine Pille für … gegen …

„Haben Sie die Pille zum abtreiben?“

Das fragt mich das seltsame Duo das in der Apotheke steht. Die ältere Frau (50?) und der junge Mann (20-30).

Das heisst, eigentlich fragt nur die Frau – der Mann steht etwas belämmert daneben.

„Ah,“ sage ich „Wir haben die Pille danach … die ich unter bestimmten Umständen geben kann, aber …“ (die Formulierung war doch etwas seltsam, vielleicht meinen sie wirklich die Pille zum abtreiben, die gibt’s so nicht) „… wie lange ist es denn her seit dem Geschlechtsverkehr?“

„Es ist nicht für mich,“ sagt die Frau. „Und es ist jetzt etwa 3 Wochen her …“

Oh.

„Da bleibt ihnen nichts übrig, als mit der betroffenen Person zum Frauenarzt oder zur gynäkologischen Beratung zu gehen. Die Pille danach wirkt nur in den ersten 72 Stunden. Aber auch jetzt gibt es noch Möglichkeiten. Nur: sagen sie ihr, sie soll bald gehen.“

Man fragt sich manchmal, was für Geschichten und Schicksale hiner so (einfachen) Fragen stecken.

Sich unbeliebt machen

Die Frau kommt mit Krücken in die Apotheke gehumpelt um kurz vor 12 an einem Samstag.

Auf dem Rezept Medikamente und Stützstrümpfe und Spezialpflaster- die wir bestellen müssen – immerhin können wir das noch auf heute Mittag, da wir tatsächlich noch offen haben und auch eine Bestellung machen.

Sie ist nicht zufrieden. „Sie haben so viel Kram in ihrer Apotheke (und deutet auf unsere Parfümerie und Reformabteilung) aber das was man braucht, das haben Sie nicht!“

Nein, das was Sie brauchen haben wir gerade nicht. Und nur so etwa 10’000 Artikel an Lager. Sage ich natürlich nicht so, aber: ja, sage ich.

Ich könnte ihr auch erklären, dass es nichts bringt diese Pflaster an Lager zu nehmen. Nicht nur, dass es etwa 20 verschiedene Sorten gibt, hat es natürlich immer verschiedene Grössen und … das kann ich aus Erfahrung sagen: auch wenn man etwas davon an Lager nimmt (was es nicht bringt, weil viel zu wenig gebraucht und auch teure Pflaster haben ein Ablaufdatum)- man kann sicher sein, dass es die falsche Grösse ist, wenn jemand dann doch etwas braucht.

Item.

Man beeilt sich ihr das nötige zu bestellen. Wie gesagt, es ist sehr kurz vor 12 – Bestellschluss. Man ruft sogar noch beim Grossisten an, um sicher zu sein, dass das auch noch drauf kommt.

Als die Ware am Mittag kommt, das Erschrecken: das eine Pflaster ist nicht das, was sie wollte. Ich will das jetzt nicht entschuldigen, aber … doch, ich will. Spezialpflaster bestellen ist mühsam, weil auf dem Rezept oft nicht genau beschrieben ist, was gebraucht ist und im Computer keine Bilder drin sind, wie das aussieht, so dass das oft ein besseres Raten ist. Jedenfalls ist es nicht genau das gewünschte – worauf sich die Pharmaasistentin, die das bestellt hat, und die das oft persönlich nimmt, wenn es nicht klappt, ans Telefon hängt und bei den wenigen noch offenen Apotheken nach einem Ersatz für sie sucht.

Sie findet und besorgt tatsächlich etwas – nur … ist das besorgte Pflaster etwas kürzer (ich sag ja: nie die richtige Grösse).

Die Frau kommt wieder, erfährt die schlechte Nachricht und fängt wieder an auszurufen.

Sie macht die Apotheke runter.

Sie lässt ihren Ärger an der Pharmaassistentin aus, wie unfähig sie doch sei.

Sie tut laut kund, dass wir uns nicht kümmern.

Sie meckert die Leute an, die sich bemühen eine gute Arbeit zu machen – für die Kunden.

Sie verlangt eine extra Entschuldigung von uns, einfach … deshalb.

Sie … macht sich allgemein enorm unbeliebt.

Die Stützstrümpfe auf dem Rezept sind noch ein Besorgungsartikel, werden die doch extra nach den Massen angefertigt, das heisst, das dauert länger, bis das kommt.

Die kommen die Woche darauf.

Was auch kommt ist ein Telefonanruf von ihr, man solle doch das Rezept an Apotheke AB schicken, sie ginge von jetzt an dorthin.

Ich glaube, innen drin, sind bei uns alle zufrieden damit.

liebe Patienten

Dieser liebe Patient, den man hat.

Ihr wisst schon. Die Person die so was von geduldig ist. Diese herzige ältere Frau, die heute morgen hereinkam und fragte, ob ihr Rezept schon angekommen ist – sie hat es vom Arzt faxen lassen. Es war noch nicht da.

Dann kommt sie kurz nach Mittagszeit – aber wir mussten etwas von ihrem Rezept bestellen.

Und anstatt dass sie anfängt auszurufen.

Anstatt mich zu beschuldigen, dass ich schlechte Arbeit leiste.

Sagt sie: „Es tut mir leid, dass sie so viel zu zun haben. In ihrem Alter sollte man nicht so viel Stress haben.“

Und dann geht sie raus und kommt mit einer Schachtel Pralinen wieder. Ich hatte praktisch Tränen in den Augen.

Glaubt mir, ich mach alles, damit die Frau nie mehr auf ihr Rezept warten muss.

Apotheken aus aller Welt, 520: Aarhus, Dänemark

Das kuecken schickt uns 2 Apotheken-bilder und ein paar Einblicke in das Gesundheitswesen von Dänemark: Merci vielmals!

Anbei einige Bilder der Løveapoteket in Aarhus.Die Qualität ist leider nicht die beste, ich vergesse immer meinen Fotoapparat mitzunehmen und so sind sie jetzt einfach mit dem Handy gemacht worden.
Wie du siehst ist sie sehr schlicht gehalten und hat weder das rote A noch das grüne Kreuz als Erkennungszeichen, das ist typisch für die Apotheken in Dänemark.
Die Løveapoteket ist eine so genannte „Døgnapotek“, das heisst sie hat 24/7 auf und ist die Notapotheke für die ganze Stadt. Das ist viel angenehmer als das Deutsche System wo die Apotheken sich abwechseln, da man nie im Zweifel ist welche Apotheke denn nun Notdienst hat.

Während der normalen Öffnungszeiten ist die Apotheke ganz normal geöffnet, Nachts und am Wochenende wird ein Gitter heruntergefahren und die Kunden durch eine kleine Luke bedient. Wer ausserhalb der normalen Öffnungszeiten kommt zahlt eine Notdienstgebühr, es sei denn man hat ein neues Rezept, frisch ausgestellt durch zB „Vagtlægen“- den hausärztlichen Notdienst oder die Notaufnahme.

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Und noch einige Sachen, die so weit ich es aus deinen Beiträgen lesen kann anders sind als in der Schweiz: 
In Dänemark stirbt das alte Papierrezept langsam aus, da es für die Ärzte viel leichter ist das Rezept auf den zentralen Server zu schicken. Dann kann man als Patient in jeder Apotheke in ganz Dänemark seine Medikamente gegen Vorlage der Krankenkassenkarte abholen.
Das wird bei uns auch kommen – zumindest ist es in Vorbereitung.
Dossiers wie du sie immer beschreibst gibt es in Dänemark nicht. Alle Medikamentenabgaben werden elektronisch vermerkt, und das Apothekenpersonal hat Zugriff drauf, jedoch werden diese Informationen nicht genutzt um zB. bei neuen Medikamenten nachzuschauen ob sie sich auch mit den bereits vorhandenen vertragen. Da muss man den Apotheker dann immer selber drauf hinweisen und sagen: Ich bekomme auch Medikament XY und AB, verträgt sich das mit dem was ich jetzt bekomme? Da liegt also viel in der Verantwortung des Patienten.
… und wie oft der wohl daran denkt? :-(
Mehrfachrezepte gibt es im Gegensatz zu Deutschland hier auch, das Rezept liegt dann auf dem Server und kann x-mal abgeholt werden, das ist natürlich sehr praktisch und man ist nicht an nur eine Apotheke gebunden.
Ja, praktisch – wenn da auch festgehalten wird, wie häufig die Bezüge sind auch einigermassen sicher.
Dosetten bekommt man nicht in der örtlichen Apotheke gepackt. Wenn man seine Medizin nach Dosis gepackt haben möchte muss der Arzt dies verschreiben. Die Medikamente werden dann in zentralen Apotheken, welche in spezielle Maschinen investiert haben, in kleine Beutelchen gepackt und verschweißt. Die Beutel kommen als eine Rolle und jedes Beutel ist mit einem Etikett mit Medikamenten, Einnahmezeitpunkt usw. versehen.
Noch etwas, das es bald bei uns (vielleicht) auch geben wird. Verblisterung in Zentren. Trotzdem gut, wenn es die Dosette noch weiterhin gibt.
Vorbezüge gibt es hier nicht, im Zweifelsfall schickt die Apotheke einen schon mal zum „Vagtlægen“ damit man man ein Rezept bekommt.
Vorbezüge scheinen eine echte Schweizer Spezialität zu sein :)