Malen mit Mikroben (2)

 Das sieht vielleicht nicht nach sehr viel aus – aber: das sind Bilder „gemalt“ mit verschiedenen Mikroben. Das hatten wir hier zwar schon einmal – aber die hier sind in dem Sinn speziell: sie wurden nämlich von Alexander Flemming gemalt.

Sagt Dir nichts? Das war der Fleming, der das Penicillin gefunden hat, praktisch der „Vater“ unserer Antibiotika. Der Geschichte nach war das mehr oder weniger durch Zufall: eine seiner Bakterienkulturen wurde durch einen Pilz infiltriert, der die Bakterien am Rand zurückdrängte.

Fleming hatte also Erfahrung mit verschiedenen Bakterienkulturen und benutzte sie offenbar auch zum malen. Nicht eine ganz so einfache Sache – zuerst musste er Kulturen finden, die verschiedene Farben hervorbrachten und dann diese so auf der Agarplatte anbringen, dass sie gleichzeitig reifen würden und dann das Bild zeigen.

Kreativität und Wissenschaft gehen sehr gut zusammen, wie man sieht! :-)

Quelle: Originalartikel im Smithsonian

Flasche nicht voll …

Ein Papa kommt mit einem Rezept für Amoxicillin – Sirup für sein Kleinkind. Ich nehme ihn aus der Schublade und erkläre ihm:

„Es dauert eine Minute. Ich muss ihn erst flüssig machen. Ich bin gleich zurück.“

Ich bereite die Suspension zu – das ist einfach: Man muss nur die richtige Menge Wasser zugeben und sehr gut schütteln.

Wieder vorne erkläre ich ihm die Anwendung: „Vorher schütteln, X Milliliter am Morgen und am Abend, vor dem Essen, den Sirup im Kühlschrank aufbewahren.“

Er geht mit dem Sirup.

15 Minuten später bekommen wir ein Telefon – es ist der Papa von vorhin:

Papa: „Ich bin wirklich nicht zufrieden mit dem Antibiotikum und Ihnen!“

Pharmama: „Oh, weshalb denn?“

Papa: „Das Siegel der Flasche ist angebrochen. Und die Flasche ist nicht ganz voll!“

So wie er sich anhört habe ich ihm entweder eine defekte Flasche gegeben oder gar selber etwas rausgenommen …

Also erkläre ich ihm NOCHMALS, das man den Sirup erst lösen musste – was man nur kann, wenn man den Siegel bricht. Und die Flasche ist so nicht voll, aber genau so hat sie die richtige Konzentration.

Manche Leute (Seufz) – Als ob wir so was machen würden.

Zu teuer. Was nun?

Ein Mann kommt in die Apotheke mit einem Rezept für Schmerzmittel und Antibiotika.

Das Rezept ist vom Spital. Das Problem ist, dass der Kunde eine Versicherung hat, wo er direkt in der Apotheke bezahlen muss. Und das vom Arzt ausgewählte Antibiotikum – für das es noch kein Generikum gibt – ist sehr teuer.

Als der Mann hört, wie teuer, will er es nicht haben. Ich erkläre ihm, dass es wichtig ist -sonst hätte der Arzt es nicht aufgeschrieben- und versuche eine Lösung zu finden. Soll ich es ihm auf Rechnung nehmen? – aber er meint, das verschiebt das Problem nur um ein paar Wochen. Ich rufe also im Spital (Notdienst) an und – nach einigem Verbinden- erwische ich den verschreibenden Arzt. Ich erkläre ihm die Situation und dass der Kunde nicht in der Lage ist, das Antibiotikum zu bezahlen. Ob es nicht möglich ist, ein anderes zu wählen, vielleicht eines, wo es Generika gibt, die günstiger sind?

Sagt der Arzt: „Ich weiss, dass das teuer ist, aber unser Gesundheitswesen ist halt so.“

Pharmama: „Und was schlagen Sie stattdessen vor, zu machen?“

Arzt: „Dann muss der Patient halt nochmals vorbeikommen“.

Und hängt auf.

So eine Situation frustriert mich und ich habe wirklich Mitleid mit dem Patienten.

Wirklich, ich weiss, wie wichtig es ist, das richtige Antibiotikum für eine Infektion auszusuchen. Ich versuche auch nicht die Autorität des Arztes zu unterminieren mit meinem Telefonanruf und der Frage nach einem Ersatz. Ich versuche es nur für den Patienten einfacher zu machen.

Wenn Sie sich weigern etwas günstigeres aufzuschreiben und der Patient sich die Behandlung wirklich nicht leisten kann, dann … raten Sie mal? Er wird es nicht nehmen. Ganz einfach.  Dann wird die Infektion schlimmer und der Patient landet vielleicht wieder im Spital.

Also … etwas aufzuschreiben, was der Patient sich nicht leisten kann ist wahrscheinlich schlimmer als etwas aufzuschreiben, das nicht ganz so gut wirkt. Oder?

Wenn jemand wirklich kein Geld hat und es so weit geht, dass er zwischen Medikament und Essen wählen müsste wird er immer das Essen wählen. Die einzige Ausnahme dabei sind vielleicht noch Schmerzmittel.

Sein Verhalten trägt auch nicht wirklich zum Vertrauen des Patienten in das Gesundheitswesen bei.  Das ist der Moment, wo Patient denkt es gibt ein Zweiklassen-System. Und dass er definitiv in der zweiten Klasse ist.

Etwas zu Essen finden …

Ich hatte ein bisschen Mitleid mit der älteren Frau gestern morgen.

Es war etwa 9 Uhr und sie hat von mir gerade das Antibiotika vom Rezept bekommen mit dem Hinweis, dass sie die erste Tablette gleich heute Morgen nehmen soll.

Jedenfalls, als ich sie darauf hinwies, dass man das am besten mit oder unmittelbar nach dem Essen nimmt, sagt sie:

„Oh, na dann muss ich warten, bis ich nach Hause komme. Ich bin gerade auf dem Weg zu meiner Schwiegertochter und bei ihr bekomme ich nie etwas zu essen.“

Allergie gegen Penicillin?

Allergien kommen vor. In der Apotheke fragen wir auch danach, wenn wir ein Dossier erstellen. Relativ häufig hört man dabei die Antwort, man sei allergisch auf Penicillin. Gut, das ist möglich – allerdings wird vermutet, dass es viel weniger häufig vorkommt, als angegeben wird. Tatsächlich redet man von etwa 90% (zum Beispiel in der Untersuchung hier http://www.annemergmed.com/article/PIIS0196064408021951/abstract)
Wieviel es ist, weiss ich zwar nicht, aber dass es häufig vorkommt, das kann ich bestätigen. Es ist nämlich teilweise wirklich lustig, wenn man da nachfragt:

„Sie haben gesagt, sie seien allergisch gegen Penicillin. Was passiert, wenn sie es nehmen?“

–      „Oh, ich bin nicht wirklich allergisch. Ich mag es einfach nicht.“ – Wiieesoo?? Persönlich Antipathie?

–     “ Ich denke ich habe mal einen Ausschlag davon bekommen. Aber ich bin nicht sicher, ob es Penicillin war oder Prednison.“ Ausschlag wäre eine legitime Allergische Reaktion – aber : was war es jetzt?

–      „Ich weiss nicht sicher, ob ich allergisch bin. Aber meine Schwester / Mutter / Tante ist es und sie sagte, ich könnte es auch sein.“ – Allergien werden nicht zwingend vererbt. Und sicher nicht übertragen.

–      „Was passiert wenn ich es nehme? Ich habe es noch nie gehabt! Ich bin allergisch dagegen!“ – Wenn man es noch nie gehabt hat, kann man auch nicht allergisch dagegen sein. Eine Allergie ist etwas, was man erst nach einem Erst-Kontakt entwickelt.

–      „Als ich es einmal gehabt hat, ist es mir nicht besser gegangen. Das bedeutet, ich bin allergisch, richtig?“ – Nein, das bedeutet, dass es das falsche Antibiotikum war oder sie nicht wegen einem Bakterium krank waren.

–      „Penicillin? Ich wollte sagen Erdnüsse.“ – Klar. Fast dasselbe. Nicht.

–      „Ich bin nicht wirklich allergisch. Es ist eher, als vertrage ich es sonst nicht. Ich bekomme Durchfall davon.“ – Ja, eine eher typische Nebenwirkung, die bei vielen Antibiotika auftreten kann. Keine Allergie. Sie dürfen es wieder nehmen (am besten zusammen mit einem Probiotikum für die Darmflora?)

–      „Penicillin – das ist die hellblaue Tablette, richtig?“ – Ah, nein. Da gibt es hauptsächlich weisse. Aber vielleicht haben sie ja eine Allergie auf Farbstoffe?

… Das Problem bei solchen Nicht-Allergien ist, dass sich die Patienten dadurch eventuell ein gut wirksames und erforschtes (und günstiges!) Mittel ver…weigern. Und wegen Kreuzallergien (die vorkommen) nicht nur eine Klasse von Antibiotika, sondern gleich mehrere. Und wir haben heute schon ein Problem, dass wir gelegentlich kaum noch ein Antibiotikum finden, das wirkt … und dann schränkt man sich selber noch so ein?

Flüssigmachen …

Die Mutter kommt mit einem Rezept für Antibiotikasirup für ihr Kind.  Vor der Abgabe bereite ich ihn zu: Das Pulver muss erst mit der richtigen Menge Wasser gelöst werden.

Später am Tag bekommen wir ein Telefon von der beunruhigten Mutter: „Das Sicherheitssiegel des Sirups ist offen!“

Ja – anders kann ich das Wasser zum Herstellen der Lösung auch nicht  rein bekommen. Hat sie nicht zugehört, als ich gesagt habe „Ich mache da jetzt einen Sirup draus?“ und kurz damit nach hinten verschwunden bin?

Erinnert mich ein bisschen an die hier.

Aber immerhin steht das auch in der Packungsbeilage:

Die Suspension wird normalerweise vom Apotheker zubereitet. Falls die Suspension nicht zubereitet ist, muss dem Granulat Leitungswasser wie folgt zugegeben werden …