Rezept Übersetzt.

Patientin mit Rezept für

1 OP Stilnox

(ein starkes Schlafmittel)

Ich führe ihr Rezept aus und sie bekommt ihre Packung.

Frau (schrill): „Was Eine? Da steht aber 10 Packungen!“

Pharmama: „Nein, das heisst 1 (eine) OP also Originalpackung. Also eine Packung zu 10 Stück. 10, da der Arzt auch nicht geschrieben hat, es solle eine grosse Packung sein, dann ist es automatisch die kleinere.“

Frau: „Los, geben Sie mir sofort das Rezept wieder! Ich gehe in eine andere Apotheke da bekomme ich die 10 Packungen!“

Glaube ich nicht, aber bitte sehr.

Sie reisst mir praktisch das Rezept aus der Hand und verlässt die Apotheke.

Tja.

Zuviel Nasenspray

Mann in der Apotheke:  „6 Nasenspray bitte.“ (die von der abschwellenden Sorte)

Lehrling: „uh – 6?? Wieso brauchen sie so viele?“

Kunde (schon gereizt) „Einen für die Manteltasche, einen fürs Büro, einen für zu Hause, einen als Reserve und für meine Freundin und … für meine Mutter.“

Lehrling: „Ah, wir haben eine Beschränkung, sie können 2 haben.“

Kunde: „Was? Wieso??“

Lehrling: „Man soll Nasenspray nicht ständig anwenden – die Nase gewöhnt sich daran, danach ist es sehr schwer davon loszukommen. Die langfristige Anwendung macht auch die Nase selbst kaputt. Wenn sie das Problem schon haben, können wir ihnen zeigen, wie …“

Kunde: „Nein. Ich will einfach meine 6  Nasensprays!“

Lehrling schaut mich hilfesuchend an, aber ich schüttel einfach den Kopf. Sie macht das eigentlich gut, aber jetzt wendet er sich an mich, wohl weil er merkt, dass ich hier darüber entscheide.

Kunde (vorwurfsvoll): „In der Kreuz-Apotheke habe ich schon 6 bekommen!“

Pharmama: „Das mag sein. Aber wie gesagt, wir haben unsere Richtlinien.“

Kunde: „Ich könnte auch einfach hier die 2 nehmen und dann in die nächste Apotheke gehen!“

Pharmama: „Das könnten sie. Das ändert nichts an ihrem Problem.“

Kunde (ignoriert das): „Oder ich könnte die 2 nehmen, rausgehen und wieder reinkommen und nochmals 2 kaufen.“

… darauf brauche ich wohl nichts zu sagen, oder? Denkt der wirklich dass wir uns nach ein paar Minuten nicht mehr an ihn erinnern?

Jetzt haben wir glaub alles an Argumenten durch, die man bei so was zu hören bekommt, ausser vielleicht noch: “aber ich brauche das!“ ... das kommt nicht, stattdessen zitiert er den Götz von Berlichingen:

Kunde: „Ach leckt mich doch am…!“

und geht raus.

Meine innere Pharmazeutin gratuliert, dass ich standhaft geblieben bin und ihn in seiner Abhängigkeit nicht unterstützt habe … und vielleicht macht er sich jetzt doch ein paar Gedanken mehr darüber? Gleichzeitig schilt mich die innere Verkäuferin – hätte ich doch auf einen Schlag 6 Sprays verkaufen können ….

Es ist ein echtes Problem. Speziell jetzt, wo wegen Allergien die Nase lädt, fangen wieder einige Leute trotz Warnungen beim Kauf eines Nasensprays wieder an, sie regelmässig und lange zu nehmen. So entwickelt sich eine Rhinitis medicamentosa … die Nase läuft mit der Zeit sobald man den Nasenspray nicht mehr nimmt …eine Gegenreaktion gegen das künstliche „austrocknen“ sozusagen. Also muss man weitersprayen. Und je länger man sprayt, desto mehr geht die Schleimhaut der Nase kaputt – selbst der Geruchssinn kann darunter leiden. Es ist also wichtig, dass man damit wieder aufhört. Solange man das aber nicht als Problem erkennt für sich … gibt es halt auch Reaktionen wie die oben.

Ich glaube, da gibt es einfach keine vollständig richtige Reaktion. 2 hätte er haben können – und ein paar gute Ratschläge und Tipps. So wie hier: Nasensprayabhängigkeit

Auf der Sperrliste

Eine Frau telefoniert und fragt: „Haben Sie Seresta forte an Lager?“

Da das immer mal wieder Lieferprobleme hat (und inzwischen gar nicht mehr erhältlich ist, aber das ist jetzt schon eine Weile her), schicke ich sie in die Wartemusik und schaue im Computer. Und wenn ich schon dran bin schaue ich auch grad mal, ob sie schon Kundin bei uns ist. Ich schaue also in ihr Computerdossier – ja, da ist eines- und da steht gross:

Achtung! Gesperrt für Benzodiazepine. Gefälschte Rezepte im 2010 und 2011.

Also zurück ans Telefon.

Pharmama: „Tut mir leid, aber selbst wenn sie ein Rezept haben, bekommen sie das nicht von uns. Sie sind gesperrt worden.“

Frau: „Was?! Warum?“

Pharmama: (Ah, wenn sie schon so fragt ….: „Der Arzt hat gemeldet, dass sie Rezepte für Benzodiazepine gefälscht haben – und sie haben offenbar bei anderen Apotheken versucht das zu bekommen.“

Frau: „Aber ich versuche das selber abzubauen!“

Ja, klar. Aber bevor ihr zu fest Mitleid mit ihr bekommt: auf der Sperrliste steht auch, welcher Arzt jetzt für ihre Therapie verantwortlich ist und in welcher (einen) Apotheke sie ihre Benzodiazepine noch bekommt. Das ist natürlich eine Einschränkung (auch in der Lebensqualität), die sie aber nur deshalb bekommen hat, weil sie in mehreren Fällen gezeigt hat, dass sie eben nicht verantwortungsvoll mit ihren Medikamenten umgehen kann. Jetzt musste sie die Verantwortung abgeben.

Aber sie kann natürlich immer noch abbauen – einfach in Zusammenarbeit mit der Apotheke, wo sie jetzt gehen muss. … Nicht dass ich ihr das abnehme, ansonsten würde sie kaum versuchen wieder woanders an (mehr) Tabletten zu kommen.

Schlafen in der Apotheke

Es ist Samstag und in die Apotheke kommt ein … etwas seltsamer Mann. Erster Eindruck: Der hat irgendetwas genommen – Pupillen klein, und mit dem Kopf macht er so … kreisförmige Bewegungen, wenn er etwas sagt. Dabei schaut er einen nicht mal richtig an, wenn er redet.

Auf dem Rezept das er uns bringt: Eine (Vorrats-) Packung starke Beruhigungsmittel. Ausgestellt von einem Arzt ausserhalb dieses Kantons.

Der Mann hat keine Krankenkassenkarte dabei. Geld habe er auch keines – und auch keinen Ausweis. Den habe er verloren.

Aber er besteht darauf, dass wir ihm das Medikament geben, denn: „Wenn der Arzt das aufgeschrieben hat, dann müssen sie mir das abgeben!“ Auch wenn er weder Krankenkassenkarte, noch ID, noch Geld hat dafür. Für ein Mittel, das nur eine halbe Stufe unterhalb eines Betäubungsmittels steht.

Ummm, „Nein.“

Speziell „Nein“, weil das nicht gerade unter lebenswichtige Medikamente fällt.

Während ich noch mit ihm am Diskutieren bin, setzt er sich auf den Boden  (ja, wir haben Wartestühle). Er will nicht gehen, bevor er nicht sein „Mittel“ hat. … Mein „Nein“ will er einfach nicht zur Kenntnis nehmen. Dafür schläft er jetzt bald ein.

Am Schluss muss ich die Polizei holen, um ihn aus der Apotheke zu schaffen. Das klappt sogar ohne Riesenaufstand – was kein Wunder ist, der Mann ist inzwischen mehr schlafend als wach. Wofür braucht der noch ein Beruhigungsmittel?

Übrigens: nein, der Arzt war auch nicht erreichbar – das Rezept hätte auch gefälscht sein können.

Ich kann verstehen, dass er kein Geld hat für Medikamente, aber die Ausweise, die er bekommen hat– auf die muss man aufpassen!

Vor allen Leuten!

Die Kundin, die von uns täglich eine bestimmte Menge eines (abhängig machenden) Medikaments bezieht ruft am Samstag an, kurz nachdem sie die Dosis für das Wochenende abgeholt hat.

Die Apothekerin nimmt das Gespräch hinten im Büro entgegen.

Die Kundin fragt nach mehr Tabletten, weil sie … (such dir eins aus):

  • a) ein paar Tage weggeht und es am Montag nicht mehr reicht, sie dann zu holen.
  • b) sie die Tabletten verloren hat.
  • c) ihr die Tabletten gestohlen wurden.
  • d) sie in einer seelischen Notsituation ist und mehr von den Tabletten braucht.
  • e) sie einer Kollegin ein paar Tabletten ausleihen musste.

Wir haben aber eine klare Abmachung. Und das sagt die Apothekerin ihr auch: „Sie bekommen genau die vorgeschriebene Menge Tabletten. Alle Ausnahmen sonst müssen via ihren Arzt laufen.“

Kundin: „Aber der ist in den Ferien!“

Apothekerin: „Nun, auch für den Fall haben wir eine Abmachung: dann müssen sie mit der Psychiatrischen Klinik XY Kontakt aufnehmen.“

… die Kundin ist alles andere als erfreut und hängt auf.

Kurz darauf ruft die Kundin wieder an und beklagt sich bitterlich bei der Drogisten-kollegin, die im übrigen von dem Ganzen nichts mitbekommen hat, dass „die Apothekerin mir vor allen Leuten gesagt hat, ich müsse in die Psychiatrische Klinik!“

Drogistin, erstaunt: „Äh was, wann? Vor allen Leuten? Ich war die Ganze Zeit im Verkaufsraum und ich habe gar nichts mitbekommen. War das, als sie ihre Tabletten abgeholt haben?“

Am Montag hat sie sich soweit wieder beruhigt, dass sie sich sogar entschuldigt für ihren Ausfall …. „Süchtig zu sein ist Sch…“

… in billigen Gläsern

10 Minuten vor Ladenschluss. Ein (entschuldigt den Ausdruck) ziemlich abgewrackt aussehender Mann läuft in die Apotheke und fragt: „Habt ihr Nadeln?“

Pharmama: „Ja.“

Mann: „Wieviel kosten die?“

Pharmama: „50 Rappen pro Stück.“

Mann: Was? Das ist ja unglaublich teuer!“

Und läuft wieder raus.

Pharmama zur Kollegin, die das mitbekommen hat: „Da juckt es mich auf der Zunge, zu fragen, wie viel denn der Stoff gekostet hat, für den er die Nadel braucht.“

Und die Kollegin merkt an: „Man trinkt teuren Wein ja auch nicht aus billigen Gläsern …“