Kleine Nothilfe

Eine junge Frau kommt sehr nervös und kurz vor dem Weinen in die Apotheke.

Frau: „Hallo? Ich brauche Hilfe – ich werde verfolgt! Könnte ich ihr Telefon benutzen?“

Pharmama. „Sicher.“

Ich denke sie will die Polizei anrufen. Sie nimmt aber ihr Portemonnaie hervor, durchsucht es -wohl nach einer Telefonnummer- und sagt dann (jetzt fast schon panisch): Oh nein, ich habe die Nummer nicht dabei!“

Pharmama: „Kann ich sie vielleicht für sie nachschauen?“

Immerhin habe ich den Computer mit Internetverbindung grad nebendran und das directories (das Internet-Telefonbuch) ist wirklich praktisch.

Frau: „Oh, ja, bitte! Ich brauche die Nummer vom ….“ (einer Unterkunft mit psychiatrischer Betreuung).

Ich wundere mich nur etwas, suche die Nummer heraus, wähle und gebe ihr das Telefon. (Seit ein paar Betrüger über Telefone in Geschäften gebührenpflichtige Nummern angerufen haben, wähle ich grundsätzlich selbst für die Kunden).

Wenig später wird sie abgeholt.

Aber was ich schön finde ist: dass sie uns als „sicheren Hafen“ erkannt und genutzt hat.

Pflaster gefällig?

Ja, liebe ärgerliche Mama, ich habe ihnen ein Pflaster für ihr Kleinkind, das sie in der Apotheke herumrennen lassen haben.

Aber vielleicht denken sie das nächste Mal daran, dass dies hier kein Spielplatz ist und wir nicht der Kindergarten. Das heisst: hier gibt es scharfe Kanten, ätzende Lösungen und viel giftiges Zeug.

Es ist ihre Aufgabe, ein Auge auf ihr Kind zu haben.

Darf es eines mit Bildchen drauf sein?

:-)

Nicht ganz dicht.

Herzige ältere Kundin in der Apotheke sagt ganz schüchtern zu mir:

„Wissen Sie, ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen müsste, aber …. Ich bin nicht mehr ganz dicht …“

und während ich noch am überlegen bin, wie sie das jetzt meint – „nicht ganz dicht“ ist bei uns ein Ausdruck, der auf einen verminderten Geisteszustand hindeutet oder ob sie meint „unten“ …

„und jetzt ist es etwas gereizt … hätten sie mir da etwas dagegen?“

Ah, sie meint damit sie sei inkontinent. :-)

Pharmama: „Aber natürlich!“

Klagetelefon

Unsere Nicht-Kundin ruft einmal wieder an. „Nicht-Kundin“, denn wir haben mit ihr die Abmachung, dass sie alles in der anderen Apotheke holen soll – das, nachdem sie angefangen hat uns und den Arzt gegeneinander auszuspielen.

Sie braucht unbedingt immer die Apothekerin am Telefon. Heute bin ich das. Seufz.

Nicht-Kundin: „Wenn sie vom Arzt ein Rezept gefaxt bekommen, würden sie dem Kunden dann anrufen?“

Ich werfe einen Blick auf Bestellregal und Fax (in dem Moment beide im Sichtfeld) und sage: „Ah, wir haben nichts gefaxt bekommen …“

Nicht-Kundin: „Aber die andere Apotheke – und die haben nicht mal angerufen!“

Pharmama: „Nun, ich würde sagen, es kommt auf ein paar Dinge an. Zum Beispiel ob die Medikamente auf dem Rezept Dauer-Medikamente sind – dann eher nicht, oder für den Notfall – dann eher schon.“

Nicht-Kundin: „Es war etwas Neues, für einen Notfall“ (Ist es bei ihr aber immer) „Dann war das nicht sehr nett von der Apotheke, oder?“

Pharmama (die absolut keine Lust hat, andere Apotheken anzuschwärzen): „Naja, wie gesagt, es hängt auch davon ab, ob man weiss, dass die Kundin es normalerweise selber holt …“

– und ausserdem: bei der Frau weiss man, dass sie anruft, garantiert.

Als sie das nächste Mal angerufen hat – wieder nur, um sich über die Apotheke zu beklagen, habe ich ihr dann gesagt, dass es gar nichts bringt, wenn sie uns das sagt – besser, sie meldet das bei der anderen Apotheke direkt.

Was ist schon Allgemeinwissen?

Junger, männlicher Kunde mit Freundin im Schlepptau kommt in die Apotheke.

Kunde (angenervt): „Echt, der Ausschlag geht nicht weg, er ist immer noch da!“

Pharmama: „Haben sie etwas dagegen gemacht?“

Kunde: „Ja, ich habe die Salbe, die ich in einer anderen Apotheke bekommen habe aufgetragen, aber es ist immer noch da!“

Pharmama: „Wie lange haben sie sie jetzt angewendet?“

Kunde: „Gestern abend.“

Pharmama: „… ?“

Kunde (der Groschen fällt): „Oh, ich muss das mehr als einmal auftragen? Das wurde nie erwähnt!“

Freundin: „Lieber, jeder weiss doch, dass man Salben mehr als nur einmal auftragen muss… ich denke, wir versuchen es noch ein paar Tage. Danke vielmals!“

Abgang.

Validierung, Abfrage, Nachweis.

Abends nach 6 Uhr kommt ein Kunde in die Apotheke mit einem Rezept für ein Schmerzmittel.

Wir sind voll beschäftigt und die Kollegin übernimmt ihn. Beim Eingeben in den Computer sieht sie, dass er schon einmal da war, aber sie kann seine Krankenkasse nicht validieren (geht normalerweise mit ein paar Knopfdrücken via Internet) – der Grund ist schnell klar: er war seit 2008 nicht mehr hier und inzwischen hat die Nummer gewechselt.

Pharmaassistentin (PA): „Ich bräuchte noch ihre aktuelle Krankenkassenkarte“
Kunde: „Sie haben meine Info im Computer“
PA: „Die Info ist nicht mehr aktuell.“
Kunde: „Dann fragen sie halt bei der Krankenkasse nach.“

(Grumpf. Nicht: „Könnten sie nicht bei der …“)

PA: „Es ist zu spät heute, die haben schon zu. Ich kann noch versuchen die manuelle Abfrage via Internet zu machen – wenn das aber nicht klappt, müssen sie das Medikament selbst bezahlen.“

Die Abfrage war mit der Nummer von 2008 nicht möglich.

Der Kunde stürmt aus der Apotheke ohne Medikament.

PA (nervös): „Hast Du das mitbekommen?“
Ich: „Ja. Du hast das richtig gemacht. Die Krankenkasse schreibt uns die sofortige Validierung der Versicherungsdeckung vor – ansonsten zahlen sie je nachdem nicht. Es kann ja einiges gewechselt haben. Dass wir auch noch seiner Kassendeckung her rennen, das ist reiner Goodwill von uns.“

Am nächsten Morgen kommt derselbe Kunde wieder in die Apotheke und erklärt:
„Ich habe die Krankenkassenkarte nirgends gefunden – ich zahle die Medikamente.“

Okay!

… Irgendwie habe ich das Gefühl, er hat die Kasse gewechselt und dann zuhause festgestellt, dass er bei der neuen sowieso selbst zahlen muss … ansonsten hätte er auch noch mit der aktuellen Krankenkassenabrechnung kommen können und ich hätte dann telefonisch nachgefragt.