Last Minute

Gestern Abend, kurz vor Ladenschluss.

Der Mann hat mir gerade ein Rezept in die Hand gedrückt mit zwei Medikamenten drauf.

Mann: „Habe ich noch Zeit nach Hause zu gehen und wiederzukommen, bevor sie schliessen?“

Pharmama: „Das … müssen Sie Sich selber fragen, ob das reicht. Wir schliessen in 10 Minuten.“

Ich weiss wirklich nicht, wie lange er braucht – aber vielleicht war die Frage auch eher: „Warten Sie, bis ich wieder hier bin?“

– Dann wäre die Antwort eher: „Nein.“

Ich will nämlich auch irgendwann nach Hause.

Benzodiazepin – Dispenser

Gestern hätte ich einen Temesta-Dispenser aufstellen können. So oft, wie ich dieses Medikament gestern auf Rezept hatte. Das ist ein Benzodiazepin, ein starkes Beruhigungsmittel. Ist irgendetwas speziell, dass das jetzt viele brauchen? Erster Vorweihnachtsstress?

Oh, einer allerdings hat das Mittel nicht von mir bekommen.

Warum?

Auf dem Rezept, das mir die PA kurz vor Mittag bringt:

1 OP Temesta 1mg, 1 x rep

erstes noch sehr kleines *bing* – Temesta ist einfach ein gerne missbrauchtes Medi – da ist man Vorsichtiger.

Pharmaassistentin (PA): „Er war noch nie bei uns.“

Zweites kleines *bing*. – immer noch nichts besonderes aber …

Ich schaue mir das Rezept von Nahem an.

Pharmama: „Hmm, das ist aber kein Original. Das ist eine Kopie.“

Grösseres *Bing!*

Pharmaassistentin: „Ah ja – und er muss es bezahlten, da er eine der Kassen habe, die keinen Vertrag mit den Apotheken haben.“

Drittes *BING*. Eigentlich für sich auch nichts besonderes, aber im Zusammenhang mit dem anderen?

Ausserdem ist das Datum auf dem Rezept von vor einem Monat. Hmmmm, hmmmm, hmmm.

Ich gehe nach Vorne. Mir den Kunden mal selber anschauen. Es ist ein … mittelalter Mann. Das ist eher untypisch – erwartet hätte ich jetzt jemanden Jüngeren, aber … mal sehen.

Pharmama (zum Mann): „Das muss ich erst mit dem Verschreibenden Arzt abklären.“

Mann: „Wieso?!“

Pharmama: „Ich brauche das Originalrezept. Das ist eine Kopie von einem Rezept.“

Mann: „Das ist ein Fax. Der Arzt hat es mir geschickt.“

Das Rezept war wunderschön auf die A5 Grösse eines normalen Rezeptes ausgeschnitten – Faxe kommen in A4.

Pharmama: „Das mag schon sein, aber das könnte auch die 10. Kopie sein. Ich muss nur rasch ein Telefon machen, dann kann ich es ihnen geben.“

Der Mann reisst mir das Rezept aus der Hand.

Mann: „Nicht nötig. Ich gehe das in meiner Apotheke holen!“

… und begibt sich sehr rasch aus der Apotheke.

Was meinen Verdacht wohl bestätigt. Mist. Das nächste Mal behalte ich das Rezept hier und der Arzt wird angerufen. Egal ob er will oder nicht.

Ich glaube ich bin etwas eingerostet was Fälschungen angeht – ich hatte jetzt schon länger keine mehr.

Gelernt ist gelernt (3)

Nein, die Apothekerin möchte ihren Penis nicht sehen. Beschreiben des Problems reicht. Wenn nicht, ist der Arzt die bessere Ansprechsperson.

Es ist eine schlechte Idee 2 Rezepte für eine kontrollierte Substanz wie Ritalin gleichzeitig in der Apotheke vorzulegen, wenn sie von 2 unterschiedlichen Ärzten ausgestellt wurden.

Nur weil Ihre Schwester eine Krankenschwester ist, macht sie das nicht zu einer Expertin, was Medikamente betrifft.

Nur weil Ihre Schwester eine Krankenschwester ist, macht Sie das nicht zu einem Experten, was Medikamente betrifft.

Nein, auch wir führen ein Rezept nicht aus, das 1.) zerissen und wieder zusammengeklebt 2.) durchgestrichen und  3.) schon lange abgelaufen ist. Vor 2 Jahren. Ehrlich es ist nicht mehr legal! – Ja, ich bin sicher, die andere Apotheke hat ihnen das schon gesagt.

Wenn ein paranoid-shizophrener Patient auf das Wochenende keine Tabletten mehr hat – dann bekommt er welche auf Vorbezug!

Gelernt ist gelernt (1)

Gelernt ist gelernt (2)

Warum haben Sie nicht angerufen?

Die Kundin kommt in die Apotheke und gibt mir ihren Bestellzettel.

Ich gehe nach hinten um das bestellte zu holen – aber ich finde es nicht im Regal.

Endlich finde ich das Gegenstück des Bestellzettels … und darauf steht:

„Im Moment nicht lieferbar. Versucht Kundin zu erreichen, Telefon nicht mehr aktuell“

Ich gehe wieder nach vorne um ihr das zu erklären.

Sagt sie: „Und warum haben sie mir nicht angerufen um meine neue Nummer zu bekommen?“

– D’Oh!  (Wie Homer Simpson sagen würde).

Inspirierende Patienten

Frau Mobil* schon 93 Jahre alt kommt in die Apotheke. Ohne Hilfe … menschliche oder technische, was ich schon wirklich beeindruckend finde.

Sie fragt mich nach isolierenden Einlegesohlen für die Schuhe. Ich zeige ihr, was wir haben.

Wie häufig, bei älteren Leutchen – wenn sie einmal die Aufmerksamkeit von jemandem haben … dann nutzen sie das aber aus :-) und das meine ich gar nicht abwertend.

Jedenfalls entscheidet sie sich für ein Paar. Das Problem ist nur, dass man die zuschneiden muss – und sie hat Arthritis. Ich mache ihr das und am Schluss passe ich sie noch selbst in ihre Schuhe ein, während sie in unseren Wartestühlen sitzt. All das mit einem Lächeln – für jemanden so netten, wie sie, mache ich das wirklich gerne. Ich weiss, dass sie Schmerzen hat – aber sie bemüht sich so, das nicht an der Umwelt abzulassen, dass man es nicht merkt.

Einkauf vollendet und es ist Zeit zu gehen, da merke ich, wie sie Mühe hat aufzustehen.

„Kann ich ihnen helfen?“ Frage ich.

Frau Mobil winkt ab: „Junge Frau, wer rastet, der rostet. Es geht schon, halt nur etwas langsamer!“

Der Moment und der Zusammenhang  hat sich mir ins Gedächtnis eingebrannt. Es ist wirklich so. Wer aufhört sich zu bewegen und sich zu bemühen, der verliert die Fähigkeiten dazu.

Ich hoffe, ich denke an sie und handle danach, wenn ich einmal so alt werden sollte. Sie ist eine wahre Inspiration.

 

*wie immer alle Namen geändert

Quicky (20)

Junge Frau in der Apotheke – zu mir und seeeehr rasch (aber nicht leise):

„IchwargesternschwimmenundheutebrenntmeineMuschibeimWasserlassen...(Pause) …habensiemirdawasdagegen?“

Das war jetzt ein bisschen schnell für mich, aber beim langsam durch den Kopf gehen lassen stolpere ich über das … was?

Ich war gestern Schwimmen und heute brennt meine Muschi beim Wasser lassen.

Oh.

Pharmama: „Es brennt, wenn sie auf die Toilette gehen?“

Verdreht die Augen wie „hab’ ich doch gesagt, oder?“ „Ja.“

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