Da ist die Apotheke wieder gut genug

Es ist ein Freitagnachmittag, als wir einen Telefonanruf von einem anscheinend älteren Herrn bekommen.

„Ist das die Apotheke? Ich muss wissen, ob sie die folgenden Medikamente an Lager haben: Meto Zerok 100, Torasemid 10mg, Diamicron MR und Metfin 850?“

Pharmama: „Ja, ja, ja und ja “

Mann: „Mein Arzt hat vergessen rechtzeitig das Rezept für die Medikamente zu schicken und jetzt kommen die Medikamente erst Mitte nächste Woche.“

Pharmama: „Ach ja, wieso das denn?“

Mann: „Weil ich sie ja immer über den Medikamentenversand beziehe. Ich habe aber gestern die letzten Tabletten genommen und ich kann doch nicht eine Woche lang ohne sein!“

Pharmama: „Da haben sie ja schon recht. Sind sie schon einmal bei uns gewesen?“

(Ich habe schon einmal erwähnt, dass Vorbezüge und derartiges wesentlich besser ankommen in der Apotheke, wenn man schon mal dort war).

Mann: „Nein, ich glaube nicht.“

…. dem war dann auch nicht so.

Nachdem ich alle Daten aufgenommen habe musste ich also noch den Arzt anrufen, damit der uns ein Rezept faxt, dann die Krankenkasse abklären und ihm die Medikamente anschliessend auch noch bringen lassen.

Für jemanden, der bis anhin nicht einmal unser Kunde war!

Für jemanden, der sich entschlossen hat, die Apotheke zu umgehen und sich die Medikamente per Post schicken zu lassen.

Ich muss zugeben, der Medikamentenversand macht mich etwas sauer. Ich finde das sind ROSINENPICKER! Sie gehen gezielt erst mal die Leute mit den chronischen Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck an, die ständig Medikamente brauchen.

Aber wehe, wenn die Lieferung mal etwas länger braucht (oder wie hier das Rezept nicht rechtzeitig nachgereicht wurde). Oder wenn man Notfallmässig mal etwas braucht – z.B. Schmerzmittel oder Antibiotika etc. Und von wegen Beratung … da müssen wir gar nicht anfangen.

Dann ist die Apotheke auf einmal wieder gut genug!

Im übrigen: für diejenigen die denken, das Gesundheitssystem spart so (die Versandapotheken bieten den Abnehmern ja diverses: Portofreie Lieferung, keine Checks ….): Auch das muss ja irgendwie bezahlt werden – und das machen am Ende dann die Krankenkassenkunden dann einfach indirekt über ihre Prämien. Denn die Versandapotheken haben ja Verträge mit den Krankenkassen (die dann so offensiv Werbung für sie machen). Die bekommen ihr Geld schon.

Und ich zahle mit.

Nichts wichtiges …

Besorgte Mutter am Telefon: „Hallo? Ich habe gerade so ein Nasen-Ballon-Ding für mein Baby gekauft, weil es so erkältet ist.“

Drogistin: „Ein Nasenpümpchen, ja – und?.“

Besorgte Mutter: „Ja. Wird es auch nichts Wichtiges rausziehen?“

…

Nein, das Gehirn bleibt drin. Aber ich finde die Mütter, die das wollen, sollten es zuerst an sich selbst ausprobieren – es ist schon ein *etwas* seltsames Gefühl. Bei meinem Junior habe ich das nie gebraucht: Salzlösung in Portionen hat längstens ausgereicht.

Apotheke Quiz 2

Das ist mein zweites Quiz (das erste findet sich hier). Wer will kann mitmachen. Die Kommentare werden bis zur Auflösung des Quizzes (am Donnerstag) nicht angezeigt. Viel Spass!

1. Ein Mann etwa 45 Jahre alt kommt in die Apotheke und will etwas gegen Kopfschmerzen. Er klagt über einseitige, pulsierende Kopfschmerzen die seit gestern abend plötzlich aufgetreten sind. Er kenne so was gar nicht bei sich. Ausserdem schreit er fast, als er mir zeigen will, wo es schmerzt.

Was hat er und was gebe / empfehle ich ihm?

a) Kluster Kopfschmerzen, dafür genügt ein normales Schmerzmittel wie Dafalgan und eventuell zusätzlich Entspannungsdragees gegen die Verspannung und zum Beruhigen

b) typischer Fall von Migräne Kopfschmerzen. Ich empfehle ihm Saridon 400mg und gleichzeitig ein Motilium, damit es schneller wirkt

c) plötzlich auftretende Kopfschmerzen und er kennt das so nicht? Eventuell ein Hirnschlag – er sollte sofort in den Notfall gehen.

d) Der Mann hat eine entzündete Schläfenarterie und sollte sofort zum Arzt gehen, der sie mit Kortison behandeln wird.

2. Eine junge Frau kommt in die Apotheke, als sie ein Dulcolax bestellt, sehe ich ihre Zähne. (Bild)

Was für ein Problem hat die Frau?

Warum bestellt sie ein Dulcolax? (besteht da überhaupt ein Zusammenhang)?

3. Mal wieder ein eher unleserliches Rezept. Was steht denn da?

Ein Punkt für jedes richtig Erkannte Medikament.

4. Eine Frau kommt mit einer derart verbrannten Hand in die Apotheke:

Ausser etwas zum Behandeln will sie gerne wissen, woher sie das hat. Sie hat gestern im Garten gearbeitet und folgende Pflanzen in Verdacht: War es eine davon? Warum?

a

b

c

5. Ein älterer Mann kommt in die Apotheke und möchte etwas gegen Husten haben. Auf Nachfragen erklärt er, dass er schon seit ein paar Monaten (!) huste, vor allem abends wenn er sich hinlegt. Seine Medikamentenliste ist wie folgt:

a) Aspirin cardio (Acidum acetylsalicylicum)

b) Sortis (Atorvastatin)

c) Reniten (Enalapril)

d) Nitroderm Pflaster (Nitroglycerin)

e) Bexin Tropfen (Dextromethorphan)

warum hustet er? Was kann man dagegen tun?  (Hilfestellung hier.)

Kryptonit?

Mann kommt in die Apotheke: „Meine Frau schickt mich. Ich soll ein Mittel holen, das Glucosamin und Kryptonit enthält.“

Drogistin: „Meinen Sie Chondroitin?“

Mann: „Nein: Sie hat gesagt Kryptonit!“

…

Erst die dazugerufene Apothekerin konnte ihn davon überzeugen, dass sie in der Kombination nur Chondroitinsulfat meinen kann.


Was ist mit all den Apothekerinnen?

Interessanterweise waren noch zu meiner Jugendzeit in den Apotheken mehr Männer als Frauen anzutreffen (hinter der Theke meine ich). Das hat vollkommen geändert. Apotheker ist ein Frauenberuf geworden.

Als ich studierte, hatten wir gerade mal 10% Männeranteil (oder auf 40 Studierende 4 Männer).

Warum ist das so?

Das hat sicher verschiedene Ursachen. Einerseits ist der Offizin-Apotheker eine Art Mischung zwischen Pflegeberuf, in dem sich schon immer mehr Frauen fanden und Verkauf/Dienstleistung.

Aber es ist mehr als das.

Wenn man Pharmazie studiert, muss man nicht in die Apotheke stehen:

Man kann in die Forschung gehen um neue Arzneimittel, Chemikalien zu entwickeln,

Man kann in die Produktion und Qualitätskontrolle gehen und die Herstellung von Tabletten und anderen Arzneiformen überwachen oder sie zu entwickeln.

Man kann in die Registrierung gehen und sich mit Studien und der gesetzlichen Zulassung von Medikamenten und Zusätzen herumschlagen.

Oder man entscheidet sich eben für die „Offizin“, das ist die klassische Apotheke. Die kann dann aber ausser einer öffentlichen Apotheke auch eine Spitalapotheke sein. Ein Wechsel zwischen diesen Sparten ist im Prinzip auch immer möglich.

Ein sehr variabler Beruf also, der in der Ausbildung eine Menge fordert. Das Pharmazie Studium (5 Jahre) besteht aus Naturwissenschaftlichen Fächern. Viel Biologie, Sehr viel Chemie, Anatomie, Physiologie, dazu etwas Physik und auch Mathe – und ein paar spezifischere Fächer wie Analytik, Pharmakologie, Galenik… und daneben immer Labor.  Dabei ist es nicht so „grausam“ wie Medizin zu studieren (wir haben nie mit Leichen zu tun) und praktikabler – im Sinne von „anwendbarer“ als Biologie oder Chemie zu studieren.

In der Apotheke selbst (und auch den anderen oben erwähnten Varianten) hat Frau die Möglichkeit Teilzeit zu arbeiten. Sie kann auch einmal aussteigen (z.B. um Kinder aufzuziehen) und nachher wieder einsteigen – das bedeutet zwar je nach Länge der Abwesenheit wieder eine Menge Neues zu lernen, aber es ist möglich.

Früher war öfter der Einwand, dass eine Frau zwar in der Apotheke zwar arbeiten könnte, sie aber nicht übernehmen oder führen, weil das ein Fulltime-Job sei. Auch das stimmt inzwischen nicht mehr. Die Apotheke kann nämlich durchaus auch von 2 Frauen zusammen geführt werden.

Alles in allem also ein sehr guter Beruf für eine Frau mit ausgezeichneten Aussichten.

Ich mag ihn sehr!

In dem Sinn wünsche ich Dir noch viele, viele schöne Augenblicke im Leben. Und ich werde glücklich sein, sie mit Dir verbringen zu dürfen.