Lassen Sie mich das wiederholen (8)

Sie wollen also für ihre schwangere Tochter, die nicht hier ist, ein Antibiotikum haben, weil der Zahnarzt findet, sie sollte eins nehmen. Der Zahnarzt – dem ich telefoniert habe – will aber selbst keines verordnen ohne zuvor mit dem Frauenarzt gesprochen zu haben – der ist aber schon im Wochenende. Und jetzt wollen sie, dass ich ihnen grad jetzt ‚einfach ein’ Antibiotikum abgebe. Ausserdem scheinen sie zu denken, dass mich anzuschreien die Sache beschleunigt.

Okeee….

Sorry, nein. Gehen sie mit ihrer Tochter ins Spital, da hat es eine Frauenärztliche Notfallabteilung.

Flugverbot und Auswirkungen auf die Apotheke

Wer denkt, der spuckende Vulkan in Island betrifft die Apotheken nicht, der lese dies hier mal (Quelle):

Flugverbot: Apotheker versorgen Transitpassagiere

Notversorgung auf dem Flughafen: Passagiere im Transitbereich des Frankfurter Flughafens, die dort wegen der Flugausfälle fest sitzen und keinen Zugriff auf im Gepäck mitgeführte Medikamente haben, werden von der dort ansässigen Apotheke mit benötigten Arzneimitteln versorgt. «Täglich haben wir seit dem Flugstopp zwischen 20 und 50 Lieferungen in den Transitbereich. Wegen fehlender Visa können die Reisenden diesen nicht verlassen», sagte Nicole Schulz, Pharmazeutisch-Kaufmännische Angestellte und Assistentin der Geschäftsführung der Flughafen-Apotheke. «Die gesamte Palette ist dabei: Antipyretika für Kinder, die plötzlich Fieber bekommen hatten, Medikamente gegen Durchfall und Erbrechen, Insuline, die zu Ende gingen, Herztabletten, die im Koffer im Flugzeug verstaut waren.»

Bei rezeptfreien Präparaten rufen die Passagiere in der Apotheke an, lassen sich beraten, und das pharmazeutisches Personal bringt das gewünschte Arzneimittel in den Transitbereich. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten ist der Medizinische Dienst involviert. Schulz: «Viele Reisende haben in den vergangenen Tagen aber auch mit ihren Ärzten zu Hause telefoniert. Diese haben uns dann die Rezepte vorab gefaxt.» Wie erfahren die Passagiere vom Apothekenservice? «Das komplette Flughafenpersonal, das im Transit-Bereich Essen und Trinken reicht, ist informiert und macht die Passagiere darauf aufmerksam», erklärt Schulz. «Die Bundespolizei weiß Bescheid, überall liegen Flyer bereit, die über den Lieferservice informieren.»

…

19.04.2010 l PZ/dpa


Also liebe Reisende, für das nächste Mal: die Medikation (v.a. die Dauermedikation) gehört ins Handgepäck – dann hat man sie dabei, wenn man sie braucht, sie kann nicht mit dem Gepäck verloren gehen und auch die Temperaturen sind einigermassen unter Kontrolle, was Einfluss auf die Wirksamkeit haben kann.

Übrigens: heute morgen ist der erste Flieger von der Schweiz aus gestartet – derweil machen sie aber weiter im Norden, in England wegen erneut stärkerer Aschedichte die Flughäfen wieder zu. Also im Moment bin ich froh, muss ich nicht jetzt reisen – mein Beileid an alle, die nicht anders können.

Übrigens: Nette Seite zum sehen, wo die Aschewolke ist – wo Flugzeuge fliegen (und wo sie am Boden stehen) hier: www.radarvirtuel.com

In der Grauzone

Zu meinen Aufgaben gehört es, auch ein Auge auf die aktuelle Gesetzgebung zu halten und bei Bedarf auf Anpassungen zu reagieren. Manchmal jedoch geht das relativ rasch – oder sie finden etwas Neues zu beanstanden an einem existierenden Produkt – und schon ist es passiert und man befindet sich in einer gesetzlichen Grauzone am Rande der Illegalität – ohne dass man es ahnt, geschweige denn will.

Beispiel letztes Jahr:
Vom kantonalen Labor kam jemand in die Apotheke und verlangte Allgäuer „Schrunden-Salbe“. Offensichtlich ist der Begriff „Schrunden“ für ein kosmetisches Produkt nicht zulässig. Dementsprechend, darf die Salbe nicht verkauft werden. „Schrunden“ sind per Definition Risse in der Haut, diese Indikation fällt in den medizinischen Bereich und verlangt eine Registrierung eines Produktes mit der Bezeichnung „Schrunden“ oder auch einer solchen Anpreisung auf der Verpackung.
Es handelt sich also nicht um eine Unzulässigkeit der Zusammensetzung, sondern betrifft lediglich die Bezeichnung Schrunden auf der Verpackung.
Ausnahme: Die Scholl Schrundensalbe und die Neutrogena „Fusscreme Schrunden“ durften dann gemäss Aussage der kantonalen Behörden bis zur Neueinführung des Ersatzproduktes verkauft werden. Es handelt sich dabei um eine Sonderregelung, da die Firma die neue Beschriftung bereits eingereicht hat.

Oder Stevia:
Das pflanzliche Süssmittel wurde gross eingeführt, es gab die Blätter, Pulver und Flüssigextrakt. Dann durfte man es auf einmal nicht mehr verkaufen, weil es in der Schweiz die Zulassung (als Heilmittel?) nicht bekommen hat.
Und seit 2009 ist Stevia als Zusatzstoff in der Schweiz zugelassen, so dass es inzwischen es wieder ein paar Produkte gibr, die wir verkaufen dürfen. Jetzt kommt sogar Assugrin mit einem eigenem Produkt dazu. Aber die Stevia-Blätter … darf ich immer noch nur in 2% Zumischungen zu Teemischungen verkaufen.

Und heute kommt der Lebensmittelinspektor in unser Geschäft gestürmt, hält der Drogistin den Ausweis unter die Nase und verlangt unser Himalaya-Salz zum kochen zu sehen. Das haben wir nicht – wir haben bloss die Qualität zum baden. „Na dann halt nicht.“ grummelt er und ist schon wieder weg – ohne Erklärung.

Weiss jemand etwas davon?

Werbeverträge

Nachdem ich wieder einen halben Sonntag zubringen musste, Leuten zuzusehen, die gepflastert wie Litfassäulen in ebenso zugeklebten Autos Runde um Runde drehen, ist mir eine Idee gekommen. Diese Leute werden dafür bezahlt, dass sie Vodaphone-Werbung auf den Mützen tragen, Marlboro auf dem Rücken und BOSS auf der Brust. Ich wette aber, die wissen nicht einmal was es alles für BOSS Parfums gibt, respektive die Verträge von Vodaphone. Früher hatten sie auch noch Viagra Werbung auf den Anzügen – dabei können die Fahrer „Sildenafil“ wahrscheinlich nicht mal aussprechen.

Also meine Idee: warum kann ich keinen solchen Werbevertrag haben? Die Leute kommen jeden Tag in die Apotheke und fragen nach Empfehlungen für dieses und jenes – und ich bekomme keinen Rappen von den Firmen dafür. Dabei wäre die Voraussetzungen da: Zuerst einmal habe ich diesen grossartigen weissen Schurz mit nichts drauf – ausser meinem Namensschild. Und dann wüsste ich tatsächlich etwas über die Produkte, die ich tragen würde!

Ich könnte einen Vertrag haben mit Supradyn und einen mit Centrum und einen mit Burgerstein – für all die Vitamine, nach denen gefragt wird. Bayer und Novartis könnten sich darüber streiten, wer den besseren Ort für das Produkt Placement auf meinem Schurz bekommt. Ich könnte Verträge bekommen für Panadol, Voltaren und Saridon – und Algifor würde aussen vor bleiben, weil sie nicht genug bezahlt haben für den Aufnäher.

Ich würde natürlich wählerisch sein, um meine Kunden nicht zu betrügen, indem ich nicht Produkte empfehle, an die ich nicht wirklich glaube – es sei denn, die Gebote wären wirklich hoch …. ich könnte sogar noch etwas Gutes an Magnetarmbändern finden, wenn sie mir ein paar Millionen zahlen würden …

Man könnte mich sogar in Werbungen im Fernsehen und in Zeitschriften zeigen – und zwar mit dem Hinweis: „echte Apothekerin, kein Schauspieler“ – so wie „He, ich bin eine echte Apothekerin und das Zeug ist toll!“ “Kaufen Sie es jetzt! Ich weiss, wovon ich spreche!“

Das wär’s doch, oder?

P.S: Nein, das ist nicht ernst gemeint. Ich denke die meisten Apotheker sind stolz darauf, dass ihre Meinung nicht käuflich ist, aber so ein bisschen mehr Geld … könnte heutzutage jeder brauchen.

Mehr Vorsicht, bitte!

Ich finde es enorm bedenklich, wenn 16 jährige (oder jünger) mit einem Rezept in die Apotheke kommen für etwas, was eigentlich nur eine Herpes genitalis –Behandlung sein kann. Fast noch schlimmer finde ich es aber, wenn sie ihre Mütter vorschicken. Offensichtlich waren sie ja alt (reif?) genug für Sex – aber nicht für die Konsequenzen?

Da denkt man in der heutigen Zeit wird aufgeklärt. Naja, vielleicht stimmt das auch – auf jeden Fall scheinen die jungen Leute heute schon zu wissen wie „es“ funktioniert. Etwas schwieriger ist es offenbar mit dem Verhüten – trotz fast unzählbarer Varianten. Und fast unmöglich scheint es inzwischen zu sein, was die Aufklärung betreffend STDs also sexuell übertragener Krankheiten betrifft.

Und die sind schwer wieder am kommen. Sei es AIDS (fragt mal jemanden, ob HIV heilbar sei – „na, da gibt es ja Medikamente, oder?“) oder Herpes – noch etwas, was einen dann für den Rest des Lebens begleitet. Oder Chlamydien – weshalb tausende Frauen später ungewollt kinderlos bleiben, oder Syphillis oder Hepatitis B oder…
Das Problem ist, dass in der Bevölkerung der Glaube herrscht, dass die Sexuell Übertragenen Krankheiten am Aussterben und fast nicht mehr vorhanden sind. Dem ist aber nicht so, im Gegenteil!

Verhütung ist das eine. Aber die kleine Pille (oder das Pflaster, der Ring, das Implantat …) schützen einen NICHT vor Geschlechtskrankheiten. Kondome sollte man darum trotzdem benutzen. Oder einen Bluttest verlangen – wobei man dabei beachten muss: HIV gibt erst nach ein paar Monaten an. Treue ist eine gute Vorbeugung: nur, wie sicher kann man bei seinem (neuen) Partner sein?

Wie auch immer: mehr Vorsicht, bitte!
… Sonst sind peinliche Momente in der Apotheke vorprogrammiert.

Kreative Kondomwerbung- darunter steht: „Denken Sie an Sex?“