Verbogenes

Das Bild stammt von Terry Border, einem Künstler dem es immer wieder gelingt aus einfachen Alltagsgegenständen und etwas Draht kleine – und witzige – Kunstobjekte zu schaffen. Hier ist sein Blog: Bent Objects. Einfach super!

Oben im Bild: eine kotzende, Verzeihung, erbrechende Tablettenbox. Ironischerweise handelt es sich dabei um ein Mittel gegen Übelkeit :-) Das sind wirklich „sick pills“.

Integrierte Versorgungsmodelle

Die Idee:
Das ist eine neue Serviceleistung der Apotheken. Es soll die Stellung der Apotheke als Gatekeeper des Gesundheitssystems etablieren, einen leichteren Zugang zu ärztlichen Leistungen bieten und – weil die Leute dann nicht mehr in den Notfalldienst rennen … Gesundheitskosten senken.

Wie:
Der Patient wird in der Apotheke triagiert: das heisst, wie anhin wird festgestellt, ob es sich bei dem Gesundheitsproblem des Kunden um etwas handelt, das er selbst mit Medikamenten aus der Apotheke behandeln kann, ob es etwas ist, das zum Arzt gehört – oder ob er sofort in den Notfall muss. Falls das Problem nicht durch den Apotheker gelöst werden kann, sondern einen Arzt braucht, kann der Patient entscheiden, ob er zu seinem Hausarzt geht – oder in der Apotheke den Arzt via Telefon/Videoverbindung konsultiert.

Partner:
 Schweizerischer Apothekerverband: Sie haben das Konzept entwickelt, stellen das System und die Weiterbildung. Nur Mitgliederapotheken des Schweizerischen Apothekervereins dürfen mitmachen. Anmeldung bis Ende April (verlängert bis am 15. Mai), mind. 400 Apotheken, danach werden keine mehr aufgenommen bis 2013. Angeschrieben werden die Apotheken mit  „NetCare“.

Medgate – medizinisches Telefonzentrum mit Ärzten, 24h erreichbar. Das grösste solche Zentrum Europaweit. Viele Krankenkassen haben jetzt schon Verträge mit ihnen und bieten so die telefonische medizinische Beratung an.

Swisscom:  der Telefonanbieter stellt die systemischen Voraussetzungen. Die Video-Verbindung läuft z.B. nicht via Internet und ist speziell verschlüsselt. Man kann die dazu benötigten Geräte Mieten oder Kaufen – dazu kommt und monatliche Grundgebühr für die Verbindung.

Helsana – die bisher einzige Krankenkasse, die zugesagt hat. Die Leistung ist für Mitglieder direkt über sie abrechenbar. Plus sie machen aktiv Werbung für das Modell unter ihren Versicherten.

Kosten:

  • Weiterbildung für Apotheker die mit dem System arbeiten je CHF 2700.- pro Apotheker für die 2 Jahre. Inbegriffen sind 13 Tageskurse, angeboten vom SAV.
  • Technisches System von der Swisscom. Mittleres Modell mit Verbindung: CHF 380.-/Monat, Mindestmietdauer 36 Monate. Günstigstes (mit eigenen Apparaten): 180.-/Monat,  Mindestdauer 36 Monate.
  • Helsana: Sie verlangt einen Vorinvestitionsbeitrag: der beträgt nach Umsatz der Helsana in der Apotheke: <230‘000 CHF 3500.-/Jahr … , bei > 230’000 Umsatz sind es CHF 7’500.-/ Jahr. Das gehört zum Vertrag, da kann man nicht darauf verzichten: Grund: „Pilotsysteme dürfen nicht aus der Grundversicherung finanziert werden“

Die Investition in das System kommt also über 10’000 Franken im ersten Jahr – und über CHF 7000.- im 2. Jahr.

Einnahmen:
Die Apotheke stellt also die technischen Grundlagen, bildet (teuer) ihre Mitarbeiter weiter, zahlt der Krankenkasse einen „Vorschuss“ und … was hat sie dafür davon – mal abgesehen vom ev. verbesserten Image?

Nimmt man da auch etwas ein? Man sollte. Das sind die Preise dafür:

Für Triage (egal ob Weiterweisung an Arzt, selbst behandelt oder Telmed) soll man CHF 15.- / Patient verlangen. (Kleine Anmerkung: dasselbe machen wir bisher auch auch – kostenlos. Die Idee ist, dass wir für unsere Leistungen auch anfangen sollen etwas zu verlangen. Niemand sonst gibt gratis medizinisch fundierten Rat.

Für den Kontakt mit dem Arzt  via Telefon/Videokonferenz: CHF 48.-/ Patient. Der bezahlt das und die Medikamente auf dem übermittelten Rezept entweder selbst, oder, wenn die Krankenkasse mit der Medgate einen Vertrag hat, übernimmt das die Krankenkasse. Für die Helsana Versicherten, die ja bei dem Ganzen mitmacht, verrechnet man der Helsana CHF 0.- (ja nix) für den Kontakt, die Medis auf dem Rezept kann man ihr normal abrechnen.

Zum Ganzen wird es eine Studie geben, in der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit getestet werden. Je nach Resultat wird diese neue Leistung tarifiert werden (also auch von anderen Krankenkassen übernommen) und die Apotheke bekommt einen Teil des Vorinvestitionsbeitrags zurück.

Lohnt sich das?
In einem Pilotprojekt wurde das ganze 1 Sommer lang in 15 Apotheken getestet.

  • 198 Evaluationen,
  • 136 davon selbst gelöst in Apotheke,
  • 17 Patienten sind dann zum Hausarzt gegangen,
  • 16 wurden in den Notfall geschickt.
  • In 29 Fällen wurde mit dem Arzt Kontakt aufgenommen (Netcare).

in 3 Monaten etwa 2 pro Apotheke ??? Ugh.

Das hält mich davon ab, da mitzumachen, obwohl ich die Idee an sich wirklich interessant finde. Die Zusammenarbeit mit Ärzten sollte wirklich verbessert werden, das ganze ist eine Dienstleistung für die Kunden, die sonst nicht so einfach zum Arzt kommen und so hoffentlich nicht gleich in den Notfall gehen, sondern erst in die Apotheke.

Und jetzt (wenn ihr tatsächlich bis hierhin gelesen habt) will ich gerne von EUCH wissen: Wie findet ihr das? Würdet ihr so eine Dienstleistung nutzen? Seht ihr darin eine Zukunft?

Spray-Probleme

Kunde kommt mit Nasonex zurück, das er auf Rezept ein paar Tage vorher bekommen hat:

Kunde: „Ich komme damit nicht zurecht, wie mache ich, dass es herauskommt?“

Er zeigt, was er gemacht hat, nämlich oben in den Deckel hat er ein Loch gebohrt. Dann drückte er was das Zeug hält … es kommt natürlich trotzdem nichts heraus.

Ich zeige ihm, dass man nur den Deckel abzunehmen braucht.

Und wer jetzt denkt, das ist ein Einzelfall, dem darf ich das hier zeigen:
funny facebook fails - Sinus Trouble
see more Failbook

Vitamin Bewertung

aus Amerika:

In Amerika gibt es für die Benotung z.B. in der Schule nicht Noten von 1 bis 6 sondern von A bis F.  Wobei A das Beste ist – entsprechend einer „1“ in Deutschland, respektive einer „6“ in der Schweiz. (Ja, das ist genau umgekehrt, verwirrend, ich weiss.)

Telefon an eine Apotheke.

Kunde: „Können sie mir sagen, was für eine Bewertung das Vitamin hat, das ich gekauft habe?“

Der Apotheker am Telefon denkt, er will wissen, wie die Qualität des Produktes ist – die je nach Hersteller unterschiedlich sein kann – und fragt ihn, was auf der Packung steht.

Kunde: „Es steht drauf „Firma XY, Vitamin C“

Apotheker: „Ok, diese Firma benutzt nur hochwertiges Material für ihre Vitamine.“

Kunde: „Aber warum haben sie dann nur eine „C“ Bewertung?“

Apotheker: „Was?“

Kunde: „Es steht drauf Vitamin C. Wenn es nur ein C bekommen hat, kann es aber nicht so gut sein wie sie sagen, sonst würde doch draufstehen Vitamin A.“

Apotheker: „Sir, die Buchstaben bedeuten nicht eine Bewertung.“

Kunde: „Nun von dieser Firma kaufe ich sicher nichts mehr.“

Apotheker: „Sie können ja sonst die Firma direkt anrufen und fragen.“

Kunde: „Lügen Sie mich nicht an!“

Dazu fällt mir eigentlich nur ein: „Setzen, Sechs!“ :-)

Geschlechterspezifische Packungen?

Kunde in der Apotheke: „Ein Fieberzäpfchen für ein 7kg schweres Kind, bitte.“

Ich bringe ihm das Dafalgan – die Packung ist hübsch … rosa.

Kunde: „Ah, nein. Es ist ein Junge, haben sie nicht etwas anderes?“

Pharmama: „In dem Fall das BenURon – das ist hellblau?“

Kunde: Das ist gut!“

Wie er will – da ist dasselbe drin und Hauptsache er ist zufrieden … aber … warum?

Apotheken in aller Welt, 38: Trier, Deutschland

Janett aus Berlin schreibt:

ich habe heute erst deinen Blog entdeckt und finde ihn einfach schön. Bei dem Aufruf zu den Apothekenfotos musste ich gleich an unseren Trier-Besuch im vorigen Jahr denken. Ich habe dort die Löwen-Apotheke fotografiert. Diese soll wohl die älteste Apotheke Deutschlands sein. Da meine Tante auch mal als Apothekerin gearbeitet hat, musste ich diese schöne Apotheke für sie aufnehmen.

Und was für ein schöner Eingang!  Laut Google ist sie 1241 erstmals urkundlich erwähnt.

Update April ’11

Frau Fluchten schickt uns noch mehr Fotos:

gestern habe ich endlich geschafft, was ich schon lange mal vorhatte – Dir die Löwen-Apotheke in Trier abzulichten. Sie ist die älteste Apotheke Deutschlands und darüber hinaus ganz nett anzuschauen. Da sie überaus zentral am Marktplatz (von der ebenfalls ältesten Stadt Deutschlands) steht, landet sie täglich in unzähligen Kameras – nun endlich auch in meiner ;-)