Neuer Differenzierter Selbstbehalt – was bedeutet das?

Aus dem Schreiben des BAG (Bundesamts für Gesundheit) an die Pharmafirmen:

Der Selbstbehalt, den eine versicherte Person beim Bezug eines Arzneimittels bezahlen muss, beträgt grundsätzlich 10 Prozent. Bis anhin galt für ein Originalpräparat ein Selbstbehalt von 20 Prozent, wenn in der Spezialitätenliste (SL) Generika aufgeführt waren, deren Höchstpreise mindestens 20 Prozent tiefer waren als der Höchstpreis des entsprechenden Originalpräparates (altArt. 38a Abs. 1 Bst. a1 der Krankenpflege-Leistungsverordnung vom 29. September 1995 (KLV; SR 832.112.31)).

Das Eidgenössische Departement des Innern hat am 2. Februar 2011 entschieden, Artikel 38a KLV dahingehend abzuändern, dass neu ein differenzierter Selbstbehalt von 20 Prozent für ein Arzneimittel dann gilt, wenn es auf Basis Höchstpreis den Durchschnitt des günstigsten Drittels aller Arzneimittel mit gleicher Wirkstoffzusammensetzung auf der SL um mindestens 20 Prozent übersteigt (Art. 38a Abs. 1 KLV). Demnach sind vom differenzierten Selbstbehalt sowohl Originalpräparate, Co-Marketing- Präparate als auch Generika betroffen. Die abgeänderte Bestimmung ist am 1. März 2011 in Kraft getreten.

Liebt ihr nicht auch dieses Beamten-Deutsch?

Ich sollte mal versuchen, das zu übersetzen. Normalerweise zahlt man in der Schweiz (nach erreichen der Franchise) 10% des Preises eines Medikamentes selbst – den Selbstbehalt, den Rest übernimmt die Krankenkasse.

Die Ausnahme waren bisher Originalpräparate, bei denen es Generika gibt und wo die Preisdifferenz Original zu teuerstem Generikum mehr als 20% beträgt – dann musste man 20% Selbstbehalt zahlen. – Siehe Bild links

   

Das war als Anreiz gedacht, damit mehr Leute auf Generika umsteigen.  Das hat auch gut funktioniert, jetzt wird die Regel einfach verschärft.

Neu wird nicht nur das teuerste Generikum angeschaut, sondern das günstigste Drittel der Generika – respektive deren Durchschnittspreis. Beträgt die Preisdifferenz zum Durchschnittspreis mehr als 20%, ist wieder der Selbstbehalt 20%. Aber: Diese Preisdifferenz – da kann jetzt ausser dem Originalmedikament auch plötzlich ein anderes, teureres Generikum oder Co-Marketingprodukt einen 20% Selbstbehalt bekommen … siehe Bild rechts.

Ah – so Gesetzesänderungen sind nett, aber das den Leuten, die das betrifft zu erklären …. warum macht das nicht auch der Gesetzgeber??? Hände hoch: Wer von Euch hat schon von dieser neuen Regelung gehört?

Dazu kommen (erfreulicherweise) wieder eine ganze Menge Preisreduktionen per 1. Juli – die pharmazeutischen Unternehmen und Generikahersteller haben mit Preissenkungen reagiert, um zu vermeiden, dass ihre Produkte vom höheren Selbstbehalt betroffen sind.
Leider bedeutet das auch so viele Änderungen, dass unser Computersystem noch nicht alle Medikamente, wo die neue 20% Regel greift anzeigt.

Eine super-kurze Geschichte der Medizin

dargestellt vom the angriest Pharmacist :  super-simplifiziert, provokativ – aber … hat was.

Von mir übersetzt und (leicht) adaptiert:

2000 v. Chr. „Hier, iss diese Wurzel“

1000 v. Chr. „Dieses Wurzelfressen ist heidnisch. Sag lieber dieses Gebet!“

20 n. Chr. „Beten ist gut, aber Du musst es in meinem Namen tun um zu unserem Vater durchzukommen!“

1850 „Dieses Beten ist doch nur abergläubischer Unsinn. Hier, nimm diesen Trank.“

1940 „Dieser Trank ist doch Quacksalberei, hier, schluck diese Pille.“

1950 „Diese Pille ist unwirksam, nimm dieses Antibiotikum 4 x täglich.“

1970 „Bakterien sind doch gar nicht so ein Problem, Viren sind unser Feind Nummer 1! Lass Dich impfen, aber … besser Du nimmst auch unsere Tabletten!“

1990 „Tabletten 4 x täglich? Wie rückständig. Nimm diese hier: 1x täglich.“

1999 „Die Kosten für diese Einmal-täglich-Tablette sind exorbitant – Hier, nimm besser dieses günstige Generikum, das ist dasselbe“

2000 „Diese generische Einmal-täglich Tablette ist nicht mehr gut genug. Unsere neue XR-Tablette ist jetzt Standard-Therapie. Und man muss sie nur einmal täglich nehmen!“

2000 „Dieses XR Antibiotikum macht alle Bakterien in deinem Darm kaputt – hier, nimm diese Bakterien-Kapseln 4 x täglich.“

2001 „Diese Impfungen funktionieren zwar … aber unsere Daten zeigen, dass sie definitiv Autismus und anderes hässliches verursachen.“

2001 „Nein, machen sie nicht. Die Daten wurden verfälscht.“

2003 „Bakterien sind jetzt resistent gegen dieses Einmal-täglich Antibiotikum, wir sind am Arsch.“

2011 „Oh, ja – wir haben ja ein Immunsystem. Darum funktionieren die Impfungen ja auch. Trinken wir doch einfach das Hahnenwasser und sind still.“

Da ist alles drin: Pflanzentherapie – Schamanismus – Religion – Pharmakologie – Antibiotika – Impfungen – Galenik – Generika – Patentrechte – Probiotika – Impfstreit – Resistenzentwicklung – …

Im Kasperlitheater

Letzthin war ich mit Junior im Kasperlitheater.

Das war toll – die Kinder sitzen alle zusammen vorne, die Eltern hinten.

Während der Vorstellung werden die Kinder mit einbezogen. Wirklich empfehlenswert!

In der gezeigten Geschichte geht Kasper in den Märchenwald, wo er auf das Rotkäppchen und den bösen Wolf trifft. Das Rotkäppchen hat dem Wolf gerade erzählt, dass sie unterwegs ist zur kranken Grossmutter, die alleine lebt.

Nachdem er den Kindern erklärt hat, dass man nicht mit Fremden sprechen darf, fragt Kasper die Kleinen, was der böse Wolf denn jetzt vorhat.

Viele Kinder durcheinander: „Die Grossmutter fressen!“

und dann … ein Kind alleine: „… und das Rotkäppchen zum Dessert!

Waaah! Ich musste mich vom Boden wieder hochrappeln, so habe ich gelacht – ist Kindermund nicht was schönes? 

Bodybuilder und Arzneimittel

In der Bodybuilder-Szene ist der Einsatz von Medikamenten schon lange Normalzustand – wie man vielleicht auch in diesem Post hier lesen konnte. Durch einschlägige Literatur und Internetrecherche wird der „selbständige“ Gebrauch von Arzneimitteln gefördert. Aber es sind bei weitem nicht nur Wachstumshormone oder anabole Steroide. In dem Post heute findet ihr weitere verwendete Mittel –

vorher aber noch eine kleine Anmerkung: auch wenn ich immer wieder höre, wie „stolz“ die Anwender auf ihr „weites Wissen“ in Bezug auf die Wirkungsweise und Anwendung von den betreffenden Medikamenten sind … sollte es nicht zu denken geben, dass diejenigen, die als die wahren Experten in der Anwendung der Medikamente gelten – ja, ich rede hier von den Apothekern – nicht einfach Medikamente einwerfen oder empfehlen wenn sie nicht notwendig sind? So viel wie nötig, so wenig wie möglich. – Alle Medikamente haben Nebenwirkungen und vor dem Einsatz liegt nicht grundlos immer eine Nutzen-Risiko Abwägung durch Arzt oder Apotheker …

Anastrozol (Arimidex), Aromasin (Exemestan),  Letrozol (Femara) – Aromatasehemmer:
Eigentlich zur Behandlung des Brustkrebses bei Frauen nach der Menopause. Manche Krebse brauchen das Hormon Östrogen zum Wachstum, also versucht man das zu entziehen. Aromatasehemmer hemmen ein Enzym, das Androgen in Östrogen umbaut. Manche Athleten benutzen diesen Wirkstoff jedoch missbräuchlich, um eine Umwandlung der verwendeten Steroide zu verhindern und so östrogenbedingte „Nebenwirkungen“, wie z.B. erhöhte Fett- und Wasserspeicherung zu verhindern.

Clomifen (Clomid / Serophene) : zur Behandlung fehlenden Eisprungs bei Frauen mit Kinderwunsch. Es bewirkt im Hypothalamus eine vermehrte Ausschüttung von GnRH, dem Gonadotropin Freisetzungshormon. Bei Frauen führt das zu einem Anstieg von folikelstimulierenden Hormon (FSH) und luteinisierendem Hormon (LH).
Beim Mann bewirkt die vermehrte GnRH Ausschüttung ein Anstieg der natürlichen Testosteronproduktion und eine Stimulation der Spermienproduktion. Dieser Effekt wird von den BB vor allem am Ende einer „Anabolika-Kur“ ausgenutzt, um durch die äussere Hormonzufuhr verminderte Eigenproduktion zu erhöhen, rsp wieder auf Ausgangsniveau zurückzubringen.

Gonadotropinum Chorionicum, hCG (Pregnyl) – Gonadotropine sind Hormone, die wichtig für die männliche und weibliche Fortpflanzung sind. Bei der Frau stimuliert es die Ausschüttung von Progesteron aus dem Gelbkörper, und es wirkt auf die Endphase der Reifung der Eizellen in den Eierstöcken, in dem es den Eisprung auslöst. Beim Mann kann der Arzneistoff eingesetzt werden, um die Ausschüttung von Testosteron zu unterstützen. Diese soll (wie oben beschrieben) nach einer Anabolika Kur wieder angeregt werden – schon nur, damit die mühsam erworbene Muskelmasse nicht wieder verloren geht.  „Bodybuilder und Arzneimittel“ weiterlesen