Einen schönen Samichlaustag!

Also bei uns kommt der Santiglaus ja mit dem Esel und eventuell seinem Gehilfen Schmutzli aus dem tiefen Schwarzwald. In Amerika kommt er aber mit fliegenden Rentieren vom Nordpol herunter – und das sieht man auch immer häufiger so.

Was erzähle ich jetzt Junior? Dass er halt verschiedene Transportmittel hat? Und ein Ferienhäuschen im Schwarzwald?

Schutzheilige für Pharmazeuten

Schutzheilige werden aus mehr als 4500 Heiligen, die von der römisch Katholischen Kirche anerkannt wurden ausgesucht als spezielle Beschützer oder Aufpasser über Lebensabschnitte und Situationen, so wie Berufe, Krankheiten, Länder oder Situationen.

So auch für Apotheker.

Die bekanntesten 2, die oft genannt werden sind die Zwillinge Cosmas und Damian. Zwei frühchristliche Martyrer, die Medizin praktizierten ohne etwas dafür zu verlangen und so viele zum Christentum bekehrten. Ihr bekanntestes Werk und Wunder war das Bein eines kürzlich verstorbenen Äthiopiers zu transplantieren um das Bein eines anderen Patienten zu ersetzen.

Maria Magdalena ist eine weitere Schutzheilige der Apotheker, die wir aber mit einer Auswahl anderer Berufe teilen, darunter Handschuhmacher, Coiffeure und reformierte Prostituierte.

Der neuste Schutzheilige dürfte St. John Leonardi sein. Geboren 1541 in Lucca in der Toskana arbeitete er als Lehrling des Apothekers während er Theologie studierte. Er gründete 1574 den Orden der „Clerks Regular of the Mother of God“, eine Versammlung diözesischer Priester … und musste, weil die Gruppe aus politischen Gründen unbeliebt war im Exil für den Rest seines Lebens im Exil leben. Mit 68 starb er an einer Krankheit, die er beim pflegen von Seuchenopfern aufgelesen hatte. 1938 erhob ihn Papst Pius XI in den Heiligenstand – Schutzheiliger der Apotheker wurde er aber erst 2006.

St. Gemma Galgani ist die Schutzheilige speziell der Spitalapotheker. Sie ist eine italienische Mystikerin des 20. Jahrhunderts. Sie hatte Visionen von ihrem Schutzengel und Satan. Im Juni 1899 bekam sie Stigmata an Händen und Füssen, von da an wurden ihre Visionen auch aufgeschrieben. Ihre Verbindung zu den Pharmazeuten war ihr Vater, ein armer Apotheker, der seine 8 Kinder nach dem Tod seiner Frau bis zu seinem Tod selbst aufzog.

Aber wir haben noch mehr Schutzheilige. Man sollte meinen, 5 sind genug für jeden Beruf, aber die Apotheker haben tatsächlich noch mindestens 4 mehr. Keine Ahnung, was wir getan haben, um ein so grosses Team zu benötigen, das im Himmel für uns einsteht. Und das sind auch sehr bekannte Namen:

der Erzengel Raphael. Seine Verbindung mit der Pharmazie kommt wahrscheinlich von seiner topischen Behandlung gegen Blindheit, die er empfohlen hat. Gemäss der Schrift (Buch Tobit) überzeugte er den gläubigen Sohn Tobits 2 Wochen alte Fisch Galle in die Augen seines blinden Vaters zu reiben (Nein, das ist keine empfohlene Vorgehensweise). Damals hat es aber funktioniert und der Vater konnte wieder sehen.

2 Apostel: St. Jakob der Jüngere starb als Martyrer, er wurde zu Tode geprügelt. Deshalb war sein Symbol ein dicker Holzprügel. Der wurde auch als Pistill gesehen – das ist das Ding, mit dem ein Apotheker Sachen im Mörser zerstösst und mischt.  St. Jakob der ältere wird aus einem mir nicht bekannten Grund auch genannt.

St. Nicholas von Myra – ja, das ist der  St. Nikolaus. Für ihn habe ich noch keine klare Verbindung zur Pharmazie gefunden. Es macht mich aber ein bisschen nachdenklich, dass die anderen Berufsgruppen, die Santiglaus’ Schutz angezogen haben Prostituierte, Pfandleiher und Diebe sind … ich hoffe doch, dass unser Beruf nicht unbedingt als ähnlich angesehen wird …

 

P.S: wer sucht findet noch mehr Schutzheilige für die Apotheker: Johannes von Damaskus, Markulf von Nanteuil, Rochus von Montpellier, Vitus (Veit), den Erzengel Michael …

Aber am meisten freut mich doch der Nikolaus :-)

Apotheken in aller Welt: 189: Singapur (Changi Flughafen)

Nochmal von Selina: Danke!

Während unseres Fluges haben wir auch Zwischenstation in Singapur gemacht, auf dem Changi Flughafen. Auch da gibt es Apotheken, mit einer wirklich interessanten Mischung aus traditioneller chinesischer und zeitgenössischer Medizin. Wir haben z.B. Kapseln aus Schafsplazenta entdeckt. Zum Schluss hat sich meine Freundin dann aber doch für Ingwertabletten gegen Reiseübelkeit entschieden^^.

Auf dem Flughafen war ich auch schon – der ist wirklich schön. Die Schafsplacentatakapseln habe ich aber verpasst :-)

Kleines Medikamentensterben

In der Post heute (ok, Freitag letzte Woche)

Lieferstopp KCl Retard Grosspackung

Novartis ist der Ansicht, dass die aktuelle Verpackungsform (Dose) den eigenen, hoch gesetzten Qualitätsstandards nicht mehr entspricht und hat somit beschlossen, das Produkt dauerhaft vom Markt zu nehmen. Die Kleinpackung bleibt.

Rechne: 40 Stck CHF 9.60, die 200 Stck waren CHF 40.25.- der Patient zahlt demnach 8 Franken mehr für die gleiche Menge. Hmmm.

Rückzug Nizoral Tabletten (Jansen-Cilag)-

Die Zulassung vielfältiger neuer und auch preisgünstiger therapeutischer Alternativen in den letzten Jahren hat die Verwendung von Nizoral Tabletten stetig zurückgehen lassen, heute werden Nizoral Tabletten nur mehr in geringem Mass verordnet. Im Zuge eines von den Behörden vorgeschriebenen Renewal-Verfahrens, haben wir uns nun dazu entschlossen, Nizoral Tabletten nicht weiter in der Schweiz zu vermarkten.

Es war also zu teuer, die Studien für die weiter Zulassung zu bringen.  Es gibt keine Generika mit gleichem Wirkstoff. Nizoral war 30 Stck CHF 111.-. Alternativen: z.B. Fluconazol 30 Stck ca. CHF 90.-, Terbinafin 28 Stck ca. CHF 75.-   Stimmt also. Dafür gibt es einen Wirkstoff weniger.

Primperan (Metoclopramid) Rückzug der speziell für die Pädiatrie entwickelten galenischen Formen (Zäpfchen Kinder und Tropfen) wegen bekanntem Risiko für extrapyramidale Nebenwirkungen.

Vor dem Hintergrund der geltenden europäischen Regulierungs-bestimmungen für die Pädiatrie wurden die pharmakokinetischen Daten und das Sicherheitsprofil bei Neugeborenen (weniger als 1 Monat alt) und Kindern unter 1 Jahr analysiert.  Das Risiko von (für dieses Molekül bereits bekannten) extrapyramidalen Störungen bei Kindern unter 1 Jahr vergleichsweise höher war als bei Kindern zwischen 1 und 8 Jahren. Aufgrund dieser Ereignisse hat Sanofi zusammen mit Swissmedic beschlossen, Metoclopramid bei Kindern unter 1 Jahr zu kontraindizieren. Gleichzeitig veranlassen uns die Schlussfolgerungen aus dem EU Prozess zur  Prüfung pädiatrischer Daten dazu, die Anwendung von Metoclopramid künftig auch bei Kindern und Jugendlichen zwischen 1 und 18 Jahren nicht mehr zu empfehlen.

Ah … come again? Die bekannten Nebenwirkungen kombiniert mit einer Neuüberprüfung des Wirkstoffes bei der Anwendung bei Kinder führen zu einem Komplett-Rückzug der Formen für Kinder. Ok. Aber … Paspertin Tropfen gibt es noch. Auch für Kinder.

Out of Stock Fucithalmic Monodosen (LEO Pharma)

Wir bedauern sie darüber informieren zu müssen, dass die Fucithalmic Monodosen aufgrund eines Brandes in unserer Produktionsanlage voraussichtlich erst auf Anfang 2012 wieder lieferbar sind. Die Tuben mit Konservierungsmittel stehen unverändert zur Verfügung.

Oha. Na wenigstens kommen sie wieder.

4 Medikamente. An einem Tag. Wechsel gibt es ja ständig, aber das fand ich irgendwie … hoppla.

Nachtrag 2012: Vom KCl haben sie inzwischen wieder eine Grosspackung auf den Markt gebracht. Viel Lärm um nichts? Entweder hatten sie sowieso vor das auf Blister zu wechseln – aber dann hätten sie das als Packungsänderung ankünden können … oder sie hatten zu viele Reklamationen, weil es die grosse nicht mehr gab. Wie auch immer: die 200er Packung ist wieder da.

Apotheken in aller Welt, 188: Kota Kinabalu, Borneo, Malaysia

Besten Dank an Selina für ihren Beitrag:

seit einiger Zeit bin ich eine stille Mitleserin auf deinem Blog und freue mich immer wieder über die ganzen Geschichten.
Diesen September war ich im Rahmen einer Uniexkursion auf Borneo, im malaysischen Teil, genauer gesagt Sabah. Zwei Wochen Regenwald, einfach herrlich.
Die Anreise verlief über Kota Kinabalu, was so ziemlich mit die größte Stadt in Nordborneo ist. Da habe ich ein paar Bilder von zwei Apotheken gemacht – eine traditionelle chinesische und eine etwas ‚modernere‘. Lustigerweise befanden sich die beiden genau nebeneinander.

Erst mal die traditionelle Apotheke:

dann die moderne:

Ein Geschäft mit hunderten Grundsubstanzen, zusammengemischt  speziell auf den Kunden. Das hat schon etwas ganz eigenes – auch wenn halt gelegentlich die wissenschaftliche Grundlage fehlt.