Eine kleine Umfrage – sie bleibt 24 Stunden offen. Erklärung folgt später.
Ich kann nichts dafür …
Die ah … Frau ist hier – ich habe etwas Mühe, sie als Kundin zu bezeichnen- und meine inneren Alarmglocken läuten. Bei ihr vermuten wir schwer, dass sie noch gelegentlich etwas mitlaufen lässt. Leider ist es nicht einfach, sie zu erwischen. Wir stehen bei ihr inzwischen praktisch direkt daneben, während sie sich umsieht. Trotzdem fehlt danach häufiger etwas. Heute war das daneben stehen mein Job, weil gerade Mittagszeit und nur wenige Angestellte da.
Jedenfalls sucht sie sich ein, zwei Haarspängeli aus (wenn sie etwas kauft, dann meist nur Kleinigkeiten) und zahlt die.
Bei herauslaufen folge ich ihr und stehe in die Nähe, als sie sich noch unseren Halbpreis-Tisch ansieht. Da hat es noch ein paar Kleinigkeiten von Weihnachten drauf.
Ich habe ein Auge auf sie.
Da! … was war das? Hat sie nicht gerade noch etwas in der Hand gehabt und jetzt …
*Klacker* … fällt ein kleiner Keramikengel auf den Boden.
Sie bückt sich und stellt ihn wieder zurück. Und schon ist sie draussen.
Sie hat versucht ihn in ihre Manteltasche gleiten zu lassen – nur ist er aussen runter gefallen.
Die Frau ist das klauen so gewohnt – die peilt nicht einmal mehr! (Das ist der schnelle Blick vorher, ob jemand schaut).
Ich bin paff.
Aber das können wir uns nicht leisten. Schon ein paar Mal hatten wir sie schwer im Verdacht, weil irgendetwas nachher fehlte, aber das jetzt …. jetzt bekommt sie von mir Hausverbot. Ich eile ihr also nach.
Und was sagt sie, als ich ihr das mitteile?
„Ich kann nichts dafür, ich bin Kleptomanin!“
Ich kann auch nichts dafür, aber ich muss meine Ware und den Job meiner Mitarbeiter schützen und darum bekommt sie jetzt (trotzdem) ein Ladenverbot.
So was.
Things that make me go hmmmm…
Telefon
Pharmama: „Pharmama’s Apotheke. Hallo?“
Mann: „Hallo, ich möchte gerne wissen, welche Stärke Xanax ich habe. Die Tablette ist klein und weiss. Können sie das herausfinden?“
Apothekerin: „Ich kann vielleicht rasch nachschauen, was sie bekommen haben. Wie ist der Name?“
Mann: „Oh, ich habe die Tabletten nicht von einer Apotheke.“
…
Hmmm: entweder vom selbstdispensierenden Arzt … oder auf der Gasse gekauft.
Cash gegen Karte?
Kunde am Montag in der Apotheke: „Ich habe am Samstag dieses Rezept eingelöst, aber ich hatte meine Versicherungskarte nicht dabei. Also bringe ich sie jetzt, damit ich mein Geld retour bekomme.“
Ich lese die Karte ein – er ist nur Grundversichert. Das Medikament, das er bezogen hat, ist aber eines, das nur von der Zusatzversicherung bezahlt wird.
Pharmama: „Haben Sie vielleicht woanders eine Zusatzversicherung?“
Kunde: „Nein.“
Pharmama: „Dann kann ich Ihnen das nicht über die Krankenkasse abrechnen. Sie sind nur Grund-versichert. Das Medikament wird nur von der Zusatzversicherung übernommen.“
Kunde: „Aber man hat mir gesagt, wenn ich meine Krankenkassenkarte bringe, bekomme ich mein Geld zurück!“
Pharmama: „Wenn das Medikament gedeckt ist, ja – sonst eben –nein.“
Mann: „Aber ich will mein Geld zurück!“
…
und nochmals … und nochmals. Warum verstehen manche Leute nur das, was sie verstehen wollen?
Alt und Neu: Otrivin Gel
Oben alt, unten neu. Irgendwie gefällt mir die alte Verpackung – sieht jemand die Gel-Tube im Design?
Damals noch von der Ciba Geigy, heute heisst die Firma Novartis. Damals von der IKS (der Inter-Kantonalen-Kontrollstelle) in die Liste C (apothekenpflichtig) eingeteilt, heute von der swissmedic (auch nur ein Namenswechsel) in der Liste D (auch in Drogerien erhältlich). … Die Warnhinweise haben sich überproportional vermehrt – wahrscheinlich wie der Preis auch.
Pommes und Pharmazeuten
Die Kartoffel gehört heute zu unserem Speiseplan einfach dazu, aber das war nicht immer so. Sie kam erst um 1570 aus der Neuen Welt nach Europa. Hier hatte sie erst mal ein ganz schlechtes Ansehen. Der spanische König Philipp II schickte dem gichtkranken Papst Pius IV eine Kiste schöner Kartoffeln als Medizin. Der Papst misstraute jedoch den Knollen und pflanzte sie lieber als Zierpflanze im Garten und verfütterte sie an die Schweine.
So wie er verhielten sich die meisten Leute. Als Nachtschattengewächs „wusste“ man, dass die Pflanze giftig war. Die Knollen standen im Verdacht Lepra zu verursachen. Es war Essen für die Schweine, oder für die niederen Klassen, oder ganz einfach ungeniessbar.
Es brauchte fast 3 Jahrhunderte, bis die Kartoffel von Spanien aus im restlichen Europa Fuss fasste.
Dann wurde erkannt, wie wertvoll die Kartoffel war im Kampf gegen Hungersnöte– sie bietet enorm viele Nährstoffe, ist einfach anzubauen, hat reichlichen Ertrag, nicht wie der bisher übliche Weizen. Die Regierenden in Europa griffen zu ungewöhnlichen Mitteln, um dem Volk die Knolle schmackhaft zu machen. Friedrich der Grosse von Preussen ordnete den Verzehr der Knolle unter Androhung von Stockhieben an, sein Nachfolger Friedrich Wilhelm II drohte gar Ohren und Nase abzuschneiden. Zar Nikolaus befahl den Bauern: entweder Kartoffeln pflanzen oder Deportation nach Sibirien. Nur in Frankreich wurde sie immer noch schlicht missachtet.
Frankreich war abhängig vom Brot und ständig im Krieg.
Am 17. August 1737 wurde Antoine Parmentier in Frankreich geboren, seine Eltern starben früh. Zu arm für die Schule, wurde er Gehilfe in einer Apotheke in Paris, ging dann aber zur Armee und wurde im 7 jährigen Krieg nach Deutschland geschickt. Dort landete er in Kriegsgefangenschaft der Preussen – Fünf Mal – wo ihm täglich und fast ausschliesslich Kartoffeln serviert wurden. Zu seiner Überraschung wurde er von der Diät nicht krank, nahm nicht ab und erfreute sich überhaupt guter Gesundheit – weshalb er anfing über Lebensmittel und Nährstoffe nachzudenken.
Nach Kriegsende kehrte er nach Paris zurück, wo er studierte und schliesslich Apotheker wurde im „Hôtel des Invalides“ dem Schaustück des Königs für alte Soldaten Militärische Ehren.
Frankreichs Weizenernte fiel wieder einmal schlecht aus und Brot verschwand aus den Regalen. Panik brach aus, was schliesslich die l’Académie de Besançon 1769 veranlasste einen Preis für die beste Studie auszustellen für „Lebensmittel und Nahrungssubstanzen, die fähig sind das Unglück der Hungersnot zu mildern“
Parmentier, der seine Erfahrungen mit Kartoffeln in Deutschland nicht vergessen hatte nahm am Wettbewerb teil. 3 Jahre später brachte ihm seine Abhandlung „Examen Chymique des Pommes de terre“ den Preis und die Aufmerksamkeit von Buffon, Voltaire und … dem König, Louis XVI, der eben den Thron zusammen mit seiner Frau Marie Antoinette bestiegen hatte.
Aber mit einem Schriftstück war es nicht getan damit, die Franzosen umzustimmen. Dafür bedurfte es einer durchdachten Kampagne – die Parmentier durchführte.
Als erstes sicherte er sich die Gunst des Hofes. Er schickte Kartoffelblüten an den Hof: „Hätten Ihre Majestät die Güte, die Schönheit der blühenden Kartoffel zu bemerken?“ Sie hatte. Louis XVI trug eine Blüte im Knopfloch und Marie Antoinette ein kleines Bouquet an ihrem Busen. Es folgte ein kleiner Boom, an dem der Trend um sich griff – und eine Zeitland sah man die violetten Blüten an vielen Adeligen.
Als nächstes schickte er Kartoffeln an vornehme Familien und inszenierte ausgiebige Essen mit dem Thema Kartoffeln. An diesen Essen wurden Kartoffeln serviert als Suppe, Zwischengericht, Kartoffel Salat, Kartoffelbrot, Kartoffelkuchen, Kartoffelkekse und abgerundet mit Kartoffel Digestiv. Noch heute deuten Rezepte mit der Bezeichnung «Parmentier» immer auf ein Gericht hin, das in irgend einer Form Kartoffeln enthält
An einer dieser Essen nahm auch Thomas Jefferson teil, ein Diplomat aus Amerika – der die Idee von Pommes frites (bezeichnenderweise in Amerika French Fries genannt) zurück in sein Land nahm.
Nachdem er so die oberen Schichten auf die Seite der Kartoffel gebracht hatte, nahm er sich das einfache Volk vor – mit einem Trick. Louis XVI gab ihm 2 Hektar Land in der Nähe von Paris, auf dem er Kartoffeln anbauen liess. Als die Ernte nahe war, liess er das Land von Soldaten bewachen – aber nur tagsüber. Nachts nicht. Das zog unwiderstehlich das Interesse und die Neugierde der Bevölkerung auf sich, die Nachts heimlich die verbotenen Früchte ernteten um sie zuhause zu essen.
Parmentier war ein grossherziger Mensch und gründete in Paris eine Menge Suppenküchen (Kartoffelsuppe natürlich) für die hungernden Massen.
Er überlebte Louis und Antoinette deren Köpfe in der Revolution rollten – und seine Kartoffeln wurden „Revolutions-essen“ und ihre Konsumation praktisch vorgeschrieben.
Napoleon machte Parmentier zu seinem Gesundheitsberater … und Parmentier wurde Mitglied der Wissenschaftacademie, Apotheker der Armee, Generalinspektor des Nationalen Gesundheitsservice …
Parmentier starb 1813 glücklich und alt, er hatte viel erreicht: aufgestiegen aus der Armut durch Ausbildung und Wissenschaft, Gefährte von Königen, Überlebender der Revolution. Heute liegt er auf dem Friedhof Pere Lachaise, Division 39, Platz 56 – in der Nähe von Jim Morrison.
Quellen: http://www.smithsonianmag.com/history-archaeology/How-the-Potato-Changed-the-World.html?c=y&page=1, http://www.indepthinfo.com/potato/history.shtml, Wikipedia



