Cash gegen Karte?

Kunde am Montag in der Apotheke: „Ich habe am Samstag dieses Rezept eingelöst, aber ich hatte meine Versicherungskarte nicht dabei. Also bringe ich sie jetzt, damit ich mein Geld retour bekomme.“

Ich lese die Karte ein – er ist nur Grundversichert. Das Medikament, das er bezogen hat, ist aber eines, das nur von der Zusatzversicherung bezahlt wird.

Pharmama: „Haben Sie vielleicht woanders eine Zusatzversicherung?“

Kunde: „Nein.“

Pharmama: „Dann kann ich Ihnen das nicht über die Krankenkasse abrechnen. Sie sind nur Grund-versichert. Das Medikament wird nur von der Zusatzversicherung übernommen.“

Kunde: „Aber man hat mir gesagt, wenn ich meine Krankenkassenkarte bringe, bekomme ich mein Geld zurück!“

Pharmama: „Wenn das Medikament gedeckt ist, ja – sonst eben –nein.“

Mann: „Aber ich will mein Geld zurück!“

und nochmals … und nochmals. Warum verstehen manche Leute nur das, was sie verstehen wollen?

Alt und Neu: Otrivin Gel

Oben alt, unten neu. Irgendwie gefällt mir die alte Verpackung – sieht jemand die Gel-Tube im Design?

Damals noch von der Ciba Geigy, heute heisst die Firma Novartis. Damals von der IKS (der Inter-Kantonalen-Kontrollstelle) in die Liste C (apothekenpflichtig) eingeteilt, heute von der swissmedic (auch nur ein Namenswechsel) in der Liste D (auch in Drogerien erhältlich).  … Die Warnhinweise haben sich überproportional vermehrt – wahrscheinlich wie der Preis auch.

Pommes und Pharmazeuten

Die Kartoffel gehört heute zu unserem Speiseplan einfach dazu, aber das war nicht immer so. Sie kam erst um 1570 aus der Neuen Welt nach Europa. Hier hatte sie erst mal ein ganz schlechtes Ansehen. Der spanische König Philipp II schickte dem gichtkranken Papst Pius IV eine Kiste schöner Kartoffeln als Medizin. Der Papst misstraute jedoch den Knollen und pflanzte sie lieber als Zierpflanze im Garten und verfütterte sie an die Schweine.
So wie er verhielten sich die meisten Leute. Als Nachtschattengewächs „wusste“ man, dass die Pflanze giftig war. Die Knollen standen im Verdacht Lepra zu verursachen. Es war Essen für die Schweine, oder für die niederen Klassen, oder ganz einfach ungeniessbar.
Es brauchte fast 3 Jahrhunderte, bis die Kartoffel von Spanien aus im restlichen Europa Fuss fasste.

Dann wurde erkannt, wie wertvoll die Kartoffel war im Kampf gegen Hungersnöte– sie bietet enorm viele Nährstoffe, ist einfach anzubauen, hat reichlichen Ertrag, nicht wie der bisher übliche Weizen. Die Regierenden in Europa griffen zu ungewöhnlichen Mitteln, um dem Volk die Knolle schmackhaft zu machen. Friedrich der Grosse von Preussen ordnete den Verzehr der Knolle unter Androhung von Stockhieben an, sein Nachfolger Friedrich Wilhelm II drohte gar Ohren und Nase abzuschneiden. Zar Nikolaus befahl den Bauern: entweder Kartoffeln pflanzen oder Deportation nach Sibirien. Nur in Frankreich wurde sie immer noch schlicht missachtet.

Frankreich war abhängig vom Brot und ständig im Krieg.

Am 17. August 1737 wurde Antoine Parmentier in Frankreich geboren, seine Eltern starben früh. Zu arm für die Schule, wurde er Gehilfe in einer Apotheke in Paris, ging dann aber zur Armee und wurde im 7 jährigen Krieg nach Deutschland geschickt. Dort landete er in Kriegsgefangenschaft der Preussen – Fünf Mal – wo ihm täglich und fast ausschliesslich Kartoffeln serviert wurden. Zu seiner Überraschung wurde er von der Diät nicht krank, nahm nicht ab und erfreute sich überhaupt guter Gesundheit – weshalb er anfing über Lebensmittel und Nährstoffe nachzudenken.

Nach Kriegsende kehrte er nach Paris zurück, wo er studierte und schliesslich Apotheker wurde im „Hôtel des Invalides“ dem Schaustück des Königs für alte Soldaten Militärische Ehren.

Frankreichs Weizenernte fiel wieder einmal schlecht aus und Brot verschwand aus den Regalen. Panik brach aus, was schliesslich die l’Académie de Besançon 1769 veranlasste einen Preis für die beste Studie auszustellen für „Lebensmittel und Nahrungssubstanzen, die fähig sind das Unglück der Hungersnot zu mildern“

Parmentier, der seine Erfahrungen mit Kartoffeln in Deutschland nicht vergessen hatte nahm am Wettbewerb teil. 3 Jahre später brachte ihm seine Abhandlung „Examen Chymique des Pommes de terre“ den Preis und die Aufmerksamkeit von Buffon, Voltaire und … dem König, Louis XVI, der eben den Thron zusammen mit seiner Frau Marie Antoinette bestiegen hatte.

Aber mit einem Schriftstück war es nicht getan damit, die Franzosen umzustimmen. Dafür bedurfte es einer durchdachten Kampagne – die Parmentier durchführte.

Als erstes sicherte er sich die Gunst des Hofes. Er schickte Kartoffelblüten an den Hof: „Hätten Ihre Majestät die Güte, die Schönheit der blühenden Kartoffel zu bemerken?“ Sie hatte. Louis XVI trug eine Blüte im Knopfloch und Marie Antoinette ein kleines Bouquet an ihrem Busen. Es folgte ein kleiner Boom, an dem der Trend um sich griff – und eine Zeitland sah man die violetten Blüten an vielen Adeligen.

Als nächstes schickte er Kartoffeln an vornehme Familien und inszenierte ausgiebige Essen mit dem Thema Kartoffeln. An diesen Essen wurden Kartoffeln serviert als Suppe, Zwischengericht, Kartoffel Salat, Kartoffelbrot, Kartoffelkuchen, Kartoffelkekse und abgerundet mit Kartoffel Digestiv. Noch heute deuten Rezepte mit der Bezeichnung «Parmentier» immer auf ein Gericht hin, das in irgend einer Form Kartoffeln enthält

An einer dieser Essen nahm auch Thomas Jefferson teil, ein Diplomat aus Amerika – der die Idee von Pommes frites (bezeichnenderweise in Amerika French Fries genannt) zurück in sein Land nahm.

Nachdem er so die oberen Schichten auf die Seite der Kartoffel gebracht hatte, nahm er sich das einfache Volk vor – mit einem Trick. Louis XVI gab ihm 2 Hektar Land in der Nähe von Paris, auf dem er Kartoffeln anbauen liess. Als die Ernte nahe war, liess er das Land von Soldaten bewachen – aber nur tagsüber. Nachts nicht. Das zog unwiderstehlich das Interesse und die Neugierde der Bevölkerung auf sich, die Nachts heimlich die verbotenen Früchte ernteten um sie zuhause zu essen.

Parmentier war ein grossherziger Mensch und gründete in Paris eine Menge Suppenküchen (Kartoffelsuppe natürlich) für die hungernden Massen.

Er überlebte Louis und Antoinette deren Köpfe in der Revolution rollten – und seine Kartoffeln wurden „Revolutions-essen“ und ihre Konsumation praktisch vorgeschrieben.

Napoleon machte Parmentier zu seinem Gesundheitsberater … und Parmentier wurde Mitglied der Wissenschaftacademie, Apotheker der Armee, Generalinspektor des Nationalen Gesundheitsservice …

Parmentier starb 1813 glücklich und alt, er hatte viel erreicht: aufgestiegen aus der Armut durch Ausbildung und Wissenschaft, Gefährte von Königen, Überlebender der Revolution. Heute liegt er auf dem Friedhof Pere Lachaise, Division 39, Platz 56 – in der Nähe von Jim Morrison.

Quellen: http://www.smithsonianmag.com/history-archaeology/How-the-Potato-Changed-the-World.html?c=y&page=1http://www.indepthinfo.com/potato/history.shtml, Wikipedia

Nicht ernst zu nehmen?

Im Laufe eines Tages gehen eine Menge Medikamentenpackungen durch meine Hände. Die meisten sind unauffällig, manche sind wirklich gut designt und dann … fällt mir diese Packung auf:

Was ist das? Comic sans auf einer Medikamentenpackung??

Das musste ich gleich mal nachprüfen:

Tatsächlich. SO was.

Ich bin Apothekerin geworden und nicht Grafiker, aber … das habe ich mitbekommen: Comic Sans ist eine Schrift, auf die man besser verzichtet. Vor allem wenn man ernst genommen werden will. Was bei einem Medikament, denke ich, der Fall sein sollte.

Comic sans wurde ursprünglich von Vincent Connare 1994 für Microsoft entwickelt aus der Schrift in verschiedenen Comicbüchern (darunter Watchmen und The Dark Knight Returns). Die Schrift war eigentlich nur für ein Programm gedacht, wo Comic-artige Sprechblasen Hilfestellung geben sollte. Später wurde es in Windows 95 übernommen und bekam ein Standard-Font.

Mit der weiten Verbreitung des Font stieg aber auch der Widerstand gegen ihn. Ab 1999 entstanden „Bannt Comic Sans“ Seiten – wie die  von 2 Grafik Designern aus Indianapolis. Obwohl nicht ganz ernst gemeint deuten sie auf eines der grössten Probleme in Amateur-Grafik-Design hin: das Missachten der Wahl eines geeigneten Schriftbildes. Ein Font und Typographie hat einen Einfluss auf das Gesamtbild eines Projektes und muss in Hinblick darauf ausgewählt werden. Ein Amateur nimmt oft einfach einen Font den er mag, egal was für einen Einfluss der auf das fertige Design hat.

Dementsprechend ist auch die grösste Beschwerde gegen Comic Sans, dass es einen sehr spezifischen Ton und Gefühl auslöst, wenn es gebraucht wird, hauptsächlich: unreif, kindisch, ungezwungen.   Quelle

… Und jetzt schaut nochmal, für was die Medikamente genommen werden. :-/

Erwiderung gesucht

Ach ja, leidiges Thema Generika. Gestern mal ein neuer „Dreh'“ dazu, aber … ich glaube ich sollte als Erklärung erst mal etwas ausholen.

In der Schweiz dürfen wir Apotheker eigenständig Generika austauschen. Das bedeutet: Der Arzt schreibt ein Medikament auf (Original oder Generikum) und ich darf in Absprache mit dem Patienten ein geeignetes Generikum aussuchen und abgeben. Damit der Arzt aber weiss, dass „sein“ aufgeschriebenes Medikament ersetzt wurde – muss ich diese Substitution anschliessend an ihn melden. In der Praxis passiert diese Meldung durch unsere Abrechnungsstelle gesammelt einmal pro Woche oder so per Brief an den Arzt.

Da steht dann drauf:

Substitution von Generika vom xx.x.xx bis xx.x.xx

Sehr geehrter Herr Doktor,

Gemäss Artikel 52a des KVG informieren wir sie hiermit über die Substitution von Generika, die infolge Ihrer Verschreibungen durchgeführt wurden. Sie finden nachstehend eine Liste der betreffenden Patienten sowie genauere Angaben zur Substitution. Sofern Sie Fragen haben, bitten wir Sie mit der betreffenden Apotheke Kontakt aufzunehmen.

Name des Patienten/ Geburtsdatum / Apotheke / Datum der Substitution / Original / Generikum

Es gibt verschiedene Gründe dafür, ein Medikament durch ein anderes auszutauschen. Der Preis ist einer davon. Generika sind günstiger als Originale, aber auch bei den Generika selber gibt es Preisunterschiede. Ich habe nicht alle Generika von einem Medikament an Lager – das ist unmöglich (man denke mal an Antra, da stellen allein 9 Firmen dasselbe her – und es gibt jeweils verschiedene Dosierungen und Mengen). Ich habe auch nicht mehr alle Originalmedikamente an Lager. Die Auswahl, was ich an Lager halte ist eine Mischung aus Nachfrage, Verfügbarkeit, Preis (Einkauf und Verkauf) und „weicheren Aspekten“ wie Einnahmbarkeit etc.

Der Arzt schrieb ein Antibiotikum auf: „Supracyclin 100mg 10 Tabletten“

Das ist schon ein Generikum (erfreulich, denn immer noch schreiben eine Menge Ärzte das Original auf).

Abgegeben habe ich Doxycyclin Axapharm 100mg 10 Tabletten

Denn das ist das was ich da hatte. Wirkung gleich, Preisdifferenz zum aufgeschriebenen: meins kostet 1 Franken weniger. Preisdifferenz zum Original ca. 3 Franken weniger – Ja, ich weiss, nicht gerade viel, aber das ist heute noch häufig so. Der Patient muss gleich mit dem Antibiotikum anfangen und ist mit einem Austausch einverstanden. No Problem – Oder?

Schickt mir der Arzt den Fax mit der Info oben und neben das ersetzte Medikament geschrieben:

lieber Herr Pharmama, lohnt sich dieser Aufwand für 1.- CHF ?

m.f.G. Arzt

Mal abgesehen, dass ich es amüsant finde, dass er automatisch annimmt, dass ich ein Mann bin … sollte ich ihm zurückschreiben? Was sollte ich ihm schreiben? – „Es wäre aufwändiger gewesen, das andere Medikament speziell zu bestellen“ ? „Wenn Sie keine Nachricht wollen wegen einer Substitution könnten Sie auch einfach den Wirkstoff aufschreiben statt einem Markennamen“ ??

Oder wäre das frech?