Bon weekend!

Man ruft mich für eine Kundin, die nur französisch spricht.

Die Frau streckt mir einen Zettel hin, auf dem steht:

Pharmacie: Nitrolingual Kapseln

Pharmama (in sehr gebrochenem Französisch): „Das ist rezeptpflichtig. Ist es denn für sie selber?“

Frau: „Nein. Ich besorge es nur. Ich bin die Putzfrau von der alten Dame und sie schickt mich auch für Besorgungen und so.“

Pharmama: „Nun, sie braucht jedenfalls ein Rezept dafür. Oder, wenn es wirklich ein akuter Notfall ist, oder sie gar keine mehr hat, müsste sie selbst mit mir reden.“

Frau: „Ach, sie hat glaub ein Rezept, aber in einer Apotheke etwas weiter weg.“

Pharmama: „Dann … sollten sie doch dort das verlangen.“

Frau: „Och, ich dachte ich bekomme das vielleicht auch so, dann hätte ich nicht so weit laufen müssen …“

Pharmama: „Bon weekend!“

Na, wenigstens bin ich dazu gekommen mein furchtbar eingerostetes Französisch mal zu brauchen.

Der Boden wackelt …

… oder zumindest hat er das, letzte Nacht um Viertel vor Zwölf:

Erdbeben bei Zug
Am Samstag, 11. Februar, um 23:45 hat sich zwischen Zuger und Ägerisee, in einer Tiefe von ca 30 km, ein Erdbeben der Magnitude 4.2 ereignet. Das Beben ist in weiten Teilen der Deutschschweiz, im Berner Jura, und bis ins Tessin verspürt worden.
Aufgrund der grossen Tiefe ist es sehr unwahrscheinlich, dass dieses Beben Schäden verursacht hat.

Die Zeit dürfte auch der Grund dafür sein, dass ich diesmal gar nichts davon mitbekommen habe. Da liege ich nämlich normalerweise im Bett und schlafe.

Vor ein paar Jahren hatten wir allerdings ein Erdbeben hier, das am Tag stattfand und deutlich spürbar war – zu dem Zeitpunkt war ich in der Apotheke und das Beben war stark genug, dass die Gläser und Flaschen in den Regalen aneinander schlugen, weil der Boden sich so stark bewegte.

Ich finde Erdbeben äusserst unangenehm, wahrscheinlich, weil sie einem das Gefühl geben, dass nicht einmal mehr der Boden unter den Füssen sicher ist. Beunruhigend.

Für die in der Schweiz gibt es übrigens eine Seite, wo man sich über die aktuellsten Beben informieren kann. Sie ist vom Schweizerischen Erdbebendienst von der ETH Zürich im Auftrag des Bundes und hier zu finden: http://www.seismo.ethz.ch/index

Das rote war das Beben letzte Nacht. Wie man an den gelben Punkten (die älter sind) sehen kann, ist es aber nie wirklich „ruhig“, auch in der Schweiz nicht, deren Erdbebengefahr auf mässig bis mittel eingeschätzt wird – im Gegensatz z.B. zur Türkei, oder San Franzisco. Wobei … auch hier gibt es stärker gefährdete Regionen. In einer davon wohne ich. Vielleicht habe ich darum auch ein spezielles Interesse Erdbeben gegenüber.

In der Schweiz muss etwa alle 100 Jahre mit einem regionalen Schadensbeben der Magnitude 6 sowie etwa alle 1000 Jahre mit einem zerstörerischen überregionalen Erdbeben der Magnitude 7 gerechnet werden. Quelle

Das letzte Grosse ist jetzt etwa 70 Jahre her. Ich hoffe, es dauert noch lange bis zum nächsten.

Habt ihr Erfahrungen mit Erdbeben? Wie war das? Wieviel auf der Richterskala?

Schlafen in der Apotheke

Es ist Samstag und in die Apotheke kommt ein … etwas seltsamer Mann. Erster Eindruck: Der hat irgendetwas genommen – Pupillen klein, und mit dem Kopf macht er so … kreisförmige Bewegungen, wenn er etwas sagt. Dabei schaut er einen nicht mal richtig an, wenn er redet.

Auf dem Rezept das er uns bringt: Eine (Vorrats-) Packung starke Beruhigungsmittel. Ausgestellt von einem Arzt ausserhalb dieses Kantons.

Der Mann hat keine Krankenkassenkarte dabei. Geld habe er auch keines – und auch keinen Ausweis. Den habe er verloren.

Aber er besteht darauf, dass wir ihm das Medikament geben, denn: „Wenn der Arzt das aufgeschrieben hat, dann müssen sie mir das abgeben!“ Auch wenn er weder Krankenkassenkarte, noch ID, noch Geld hat dafür. Für ein Mittel, das nur eine halbe Stufe unterhalb eines Betäubungsmittels steht.

Ummm, „Nein.“

Speziell „Nein“, weil das nicht gerade unter lebenswichtige Medikamente fällt.

Während ich noch mit ihm am Diskutieren bin, setzt er sich auf den Boden  (ja, wir haben Wartestühle). Er will nicht gehen, bevor er nicht sein „Mittel“ hat. … Mein „Nein“ will er einfach nicht zur Kenntnis nehmen. Dafür schläft er jetzt bald ein.

Am Schluss muss ich die Polizei holen, um ihn aus der Apotheke zu schaffen. Das klappt sogar ohne Riesenaufstand – was kein Wunder ist, der Mann ist inzwischen mehr schlafend als wach. Wofür braucht der noch ein Beruhigungsmittel?

Übrigens: nein, der Arzt war auch nicht erreichbar – das Rezept hätte auch gefälscht sein können.

Ich kann verstehen, dass er kein Geld hat für Medikamente, aber die Ausweise, die er bekommen hat– auf die muss man aufpassen!

An manchen Tagen hasse ich das Telefon

Telefoniere und frage spezifisch nach der Apothekerin, dann beklage Dich lautstark und langwierig über die neuen jungen Nachbarn in deinem Wohnhaus, die Nachts gerne laut feiern und frage 10 Minuten später ob die Apotheke auch Ohrenstöpsel verkauft.

Rufe am nächsten Tag wieder an und halte die Apothekerin 10 Minuten am Telefon fest nur um zu fragen, ob die Vitamin C Kapseln, die wir verkaufen auch klein sind, denn sie seien nur eine kleine Person und können auch nur kleine Tabletten schlucken. Viele Minuten später frage nach, was für eine Farbe die Kapseln haben, denn sie können keine Tabletten oder Kapseln haben, die farbig sind.

Seufz.

Da kommt sie!

Wer? Na, die Grippewelle. Jedenfalls, wenn man den Medien glauben kann … die künden sie allerdings schon seit Wochen an:

… das mit der Schweinegrippe: wie erwartet hat die sich jetzt zu den jährlich grassierenden Grippeviren dazugesellt. Zum Glück ist sie nicht schlimmer als die „normale“ Grippe – oder sollte ich sagen: gleich schlimm? Dass die Schweinegrippe oder der Vogelgrippevirus in etwas bösartigeres mutiert wären ist auch nicht eingetroffen. *Das* wäre dann eher übel.

Jedenfalls – bisher habe ich in der Apotheke nicht viel mitbekommen von wegen Grippefällen. Wir haben hier einige mit Erkältungen – im Moment geht eine um, die ziemlich langwierig ist und übel Schleim und lange Husten macht. Aber echte Grippe? Eher nicht.

Es scheint sowieso von Jahr zu Jahr länger zu dauern, bis die Grippewelle kommt. Wenn das so weitergeht, haben wir sie in ein paar Jahren im Sommer, nicht im Winter. Den Trend zeigt auch die Grafik vom BAG: (Quelle)

Übrigens: Google hat einen eigenen Grippe-Messer: zu finden hier: http://www.google.org/flutrends aufgeteilt auch nach Ländern. Ihre Statistik beruht hautsächlich auf den Suchanfragen nach „Grippe“ – und dafür ist sie erstaunlich zutreffend. Das hier wäre die aktuelle Grafik für die Schweiz:

Wahnsinns Grippewelle, nicht? Alles in Deckung!

Bauchgefühl

„Buscopan, Algifor Sirup“

Ein krampflösendes Mittel und ein Schmerz-/Fiebersirup. Das stand auf dem Rezept des 5 jährigen Kindes, das ich vorher zum Arzt geschickt hatte.

Ich habe das Kind geschickt, weil mir Bauchschmerzen bei Kindern immer etwas … unangenehm sind. Vor allem, wenn die Eltern es schon mit Paracetamol – einem Schmerzmittel und Fencheltee zum Krämpfe lösen versucht haben und die Beschwerden damit nicht wirklich weggehen.

Bauchschmerzen können alles Mögliche sein. Bei Kindern muss man speziell im Hinterkopf halten, dass das auch vom Blinddarm aus kommen kann … die Symptome sind oft sehr unspezifisch.

„Gut“, dachte ich, als ich das Rezept sah- „dann war es diesmal nichts.“ Hat mich mein „Bauchgefühl“ getäuscht.

Aber: ein paar Tage darauf steht die Mutter wieder in der Apotheke mit einem Rezept für Antibiotika. Vom Spital.

„Oh!“ sage ich – „Was hat er denn?“

Mutter: „Einen Blinddarmdurchbruch.“

Oy.

Mutter: „Bis sie operieren können, müssen wir jetzt warten, bis die schlimmste Entzündung und Infektion weg ist.“

Ich dachte immer, das machen sie gleich? Jedenfalls: im selben Fall würde ich das Kind wieder schicken. Es ist nicht zu erwarten, dass das nochmal passiert (nein, dem Arzt auch nicht).