Schwierige Fragen am Telefon (rerun)

Älterer Patient am Telefon: „Kann ich den Apotheker sprechen?“

Pharmama: „Am Telefon.“

Patient: „Sehen sie, letzte Woche hatte ich einen echt üblen Husten…“

Pharmama: „Ja“

Patient: „Also haben sie mir diese Tabletten gegeben…“

Pharmama: „Ja – und?“

Patient: „Ja, sie nennen sich A … M … O … X…“

Pharmama: „Amoxicillin, ja. Und?“

Patient: Ja und ich nehme sie seit gestern…“

Pharmama: „Ja?“

Patient: „Und der Arzt hat gesagt ich soll sie für eine Woche nehmen.“

Pharmama: „Ja. Wo liegt denn das Problem?“

Patient: „Eigentlich will ich nur wissen .. ich gehe an eine Hochzeit dieses Wochenende…“

Pharmama: „Ja?“

Patient: „Soll ich da gehen?“

Pharmama: „Was genau meinen sie?“

Patient: „Na, ob ich gesund genug bin da teilzunehmen?“

Pharmama: „Das kommt ganz darauf an, wie sie sich fühlen. (?)“

Patient: „Ja, aber wenn ich nicht gehen kann, dann muss ich meinen Freund anrufen, der mich sonst abholen gekommen wäre.“

Pharmama: „Wenn sie sich wohl genug fühlen, dann können sie gehen, wenn nicht, dann gehen sie nicht.“

Patient: „Ja, aber was ich frage ist: Denken sie das wird wieder gut sein dann?“

Pharmama: „Nun, der Arzt hat ihnen Antibiotika für eine Woche aufgeschrieben, die müssen sie fertig machen egal, ob sie auf die Hochzeit gehen oder nicht. Und ob sie da gehen, das ist dann ihre Entscheidung.“

Patient: „Ja, ja, aber was ich frage ist: macht mich diese Medizin noch vor der Hochzeit gesund?“

….

Pharmama: „Ich weiss es nicht.“

Soll ich ihm jetzt sagen, ob er an der Hochzeit teilnehmen soll? Da der Arzt ihn nicht ins Spital gesteckt hat, wird der Husten nicht ansteckender sein, als anderes auch. Dementsprechend kommt es nur auf ihn an, ob er gehen will oder nicht. (Tönt nach: eher nicht).

Generikum gefällig?

In der Schweiz ist es so, dass es, wenn es für ein Medikament, ein (einiges) günstigeres Medikament gibt, man für das verschriebene 20% Selbstbehalt zahlt, statt den normalen 10%.

Wenn ein Patient also so eines auf Rezept hat, wird er von uns in die Richtung informiert: „Von dem Medikament existiert ein günstigeres Generikum. Darf ich ihnen das abgeben? Es ist gleichwertig wie das aufgeschriebene und sie zahlen weniger Selbstbehalt.“

und was bekommen wir zu hören?

Einige Male: „Ja? Oh, gut, gerne.“

Aber mindestens so häufig:

  • „Nein, ich will das, was der Arzt verordnet hat.“
  • „Nein, ich will das richtige Medikament!“
  • „Welches ist besser?“ (Keines, gleichwertig bedeutet nicht anders)
  • „Nein, ich vertrage keine Generika.“ (Sicher. Nicht.)
  • „Nein, ich bin allergisch gegen Generika!“ (alle ? Blödsinn)
  • „Nein, das letzte Generikum habe ich auch nicht vertragen.“
  • „Ist das auch sicher dasselbe?“

Der Kommentar hier, auf den ich beim Rezepte kontrollieren gestossen bin, hat mich zum lachen gebracht:

Wahrscheinlich hält eher sie selber nichts von Generika – und dass die Apothekerin, die das aufschreibt so auch vermutet, sieht man am smiley dahinter.

Wenn der Arzt nicht will, dass etwas ersetzt wird, kann er nämlich auf’s Rezept schreiben: „sic“ oder besser „aus medizinischen Gründen nicht ersetzen“ – und dann steht bei uns im PC „Substitution abgelehnt durch Arzt“.

Auch wir in der Apotheke haben die Möglichkeit Substitutionen abzulehnen – zum Beispiel bei kritischen Wirkstoffen. Dann kann auch ich einen Austausch ablehnen. Dann ist es im Sinne des Patienten. Wenn ich allerdings frage und ein Generikum anbiete, dann geht das im Normalfall ohne Probleme.

Mehr Infos zu Generika:

Generika – eine Betrachtung (1)

Generika – eine Betrachtung (2)

Generika – eine Betrachtung (3)

Reine Verschwendung?

Der Arzt verschreibt dem Patienten Lisinopril 40mg Tabletten. Ein paar Tage später reklamiert der Patient beim Arzt, dass die Tabletten „seiner Speiseröhre weh tun“. Offensichtlich hat er die Packungsbeilage gelesen, da steht nämlich drin, dass es Magenbeschwerden wie Sodbrennen auslösen kann.

Jedenfalls schreibt der Arzt ihm ein neues Rezept – für Lisinopril 20 mg, das er uns in die Apotheke faxt.

Weil wir sehen, dass der Patient erst vor ein paar Tagen eine Packung zu 40mg bezogen hat, denken wir, dass er wohl intelligent genug ist, sie einfach zu teilen (was bei denen problemlos geht), bis sie ihm ausgehen. Darum nehmen wir das neue Rezept einfach ins Patientendossier auf, führen es aber nicht aus.

Am nächsten Tag steht der Patient in der Apotheke. Wir erklären ihm das mit dem Tablettenteilen, dass er dann die richtige Dosierung hat, die Tabletten kleiner sind und seine Speiseröhre sicher. Er will aber eine neue Packung. Gleich.

Ok. Kann er haben.

Ich finde das ist trotzdem eine nette Verschwendung von Resourcen und Geld.

medizinische Messgeräte

Der Post ist für meinen Bruder, der gerade dabei ist, die Arbeitsstelle zu wechseln … zu einer Firma, die medizinische Messgeräte herstellt – Nur damit Du weisst, für was für ein „Publikum“ Du die Geräte produzieren wirst! :-)

Die Frau kommt in die Apotheke, nachdem sie sich im Internet so ein Blutsauerstoff-messgerät für den Finger gekauft hat.

Sie kommt mit ihrem Gerät zu mir.

Kundin: „Könnten sie mal schauen? Ich glaube das Ding misst nicht richtig.“

Pharmama: „Was ist denn das Problem?“

Kundin: „Es zeigt so seltsame Zeichen. LB und GB … was bedeutet das? „

Ein Blick von mir darauf und ich weiss was passiert ist. Sie schaut nur falsch herum auf die Anzeige.

Pharmama (dreht das Gerät) – „Vielleicht geht’s so?“

Kundin: „Oh, so geht das.“

Sie geht wieder.

15 Minuten später kommt sie zurück.

Kundin: „Das misst immer noch seltsame Werte. 98 und dann wieder 97, dann wieder 98…. was bedeutet das? Und warum schwankt das so? Und was ist das für eine Zahl da unten?“ 

Zuallererst bedeutet es wohl, dass Laien vielleicht doch besser nicht mit (medizinischen) Diagnosegeräten spielen, wenn sie ja doch keine Ahnung haben, was Normwerte sind, und was nicht. Oder warum in dem Moment der Sauerstoffgehalt fluktuiert.

Pharmama: „Vielleicht ….. weil sie einatmen gleich mehr Sauerstoff und ausatmen gleich weniger Sauerstoff?“

Und die andere Zahl war der Puls.