Schlechter Rat!

Schlechter Rat!

Schlechter Rat!

Schlechter Rat!

Erinnerte mich gerade ganz enorm an diesen Artikel. 2008 passiert hat eine damals 15 jährige Schweizerin am Bahnhof in Zürich eine Frau angesprochen und sie nach Halsschmerztabletten gefragt. Darauf hat ihr die andere Frau freundlicherweise ein paar von ihren eigenen Schmerztabletten überlassen – dummerweise war das ein Mittel auf Morphin-Basis. 2 Kapseln davon genommen führten bei der jungen Frau zu Organversagen und Spitalaufenthalt mit bleibenden körperlichen Behinderungen. Die Frau, die ihr die Tabletten gegeben hat, wurde angeklagt schwere Körperverletzung begangen zu haben.

An der Geschichte ist einiges krumm. Die Leute, die ich kenne, die so starke Mittel nehmen, geben die im Normalfall nicht einfach so an andere – vor allem unbekannte Personen ab. Speziell nicht, ohne dafür bezahlen zu lassen … Gut, beide Frauen sind aus dem Drogenmilieu, Korrektur: die abgebende Frau war aus dem Drogenmillieu, die junge war Punkerin, das erklärt derartiges eher, aber … trotzdem.

Gefährlich.

 

Apotheken aus aller Welt 365: Velbert-Langenberg, Deutschland

ich habe mal wieder meine Photos der letzten beiden Monate sortiert, und dabei auch wieder Apotheken und ähnliches aus dem Stapel gefischt:
Zunächst einmal eine Apotheke in einem schönen verschieferten Haus in Velbert-Langenberg. Langenberg hat übrigens eine hübsche historische Innenstadt mit vielen Gäßchen und Fachwerk- und Schieferhäuschen. Das für mich augenfälligste ist aber deren Lieferfahrzeug, das „Pillentaxi“ :D

simop

velbert-langenberg1 velbert-langenberg2

Eine Apotheke im Schiefermantel :-) – Das Pillentaxis finde ich auch optisch eine gute Werbeidee.

Hindernislauf

Mann in der Apotheke: „2 Packungen Bepanthen Nasensalbe.“

Pharmama: „Ich würde sie ihnen gerne geben, aber die sind nicht lieferbar. Ich weiss nicht, wann ich wieder welche bekomme. Kann ich ihnen vielleicht eine andere Nasensalbe anbieten?“
Mann: „Nein, ich brauche die auch nicht für die Nase, sondern für die Augen.“

Kleine Anmerkung: In Deutschland gibt es die Bepanthen – die genau gleiche wie die Nasensalbe hier – auch als Augensalbe und so angeschrieben. Man kann auch die hiesige Nasensalbe für die Augen benutzen – mit dem Cave: sie ist nicht sehr lange haltbar, also keine 30 Tage wie die normalen Augensachen.

Pharmama: „Hmmm – und wie wäre es mit den Bepanthen Augentropfen?“
Mann: „Nein, aber … (knübelt ein Rezept aus der Tasche) … ich habe hier noch ein Rezept für Lacrycon Augentropfen. Ich nehme dann 3 Packungen.“

Pharmama: „Okay – (nehme das Rezept) – aber das hier ist abgelaufen. Das war bis Mitte letztes Jahr gültig.“
Mann: „Mist. Ich hoffte, sie würden das nicht merken.“

Pharmama: „Tja. Das gehört zur Kontrolle des Rezeptes dazu. Was ich ihnen anbieten könnte – da es noch nicht ganz ein Jahr ist – sie können eine Packung haben. Eine darf ich auf dem Rezept innerhalb eines Jahres wiederholen.“
Mann: „Ein typisch schweizerischer Kompromiss, oder? Eine Packung? Auch wenn ich sie selber bezahle?“
Pharmama: „Ja, das macht keinen Unterschied. Das sind die Gesetze, an die ich mich halten muss. Und … sie müssen ja nicht. Sie könnten natürlich auch vorher ein neues Rezept vom Arzt verlangen …“

Mann: „Schon gut, ich nehme die Packung.“

 

Merke: Egal ob etwas vom Hersteller nicht lieferbar ist oder das Rezept abgelaufen oder etwas vom Gesetz vorgeschrieben …. Du in der Apotheke bist grundsätzlich „Schuld“, wenn etwas nicht geht. Und wenn es geht, ist das natürlich normal und nicht bemerkenswert.

Der Run auf Baby Aspirin

In der Statistik heute: wahnsinnig viele Leute suchen nach "Baby Aspirin" – und landen auf diesem Artikel von mir: Kein Baby Aspirin mehr – vom letzten Jahr

Wieso auf einmal? So wie's aussieht hat die Bild-Zeitung (auch online zu finden) einen Artikel gebracht: Leben ohne Krankheit, ein Arzt erklärt die Zukunft

darin erklärt ein Dr. David Agus seine Rezepte für ein gesundes langes Leben.

Während ich manches noch vernünftig finde (unbequeme Schuhe sollte man wegwerfen und Fahrstühle meiden), ist anderes eher verwunderlich (verschrotten sie ihren Saftmixer, essen sie kein frisches Gemüse?) bis bedenklich (trinken sie gerne fünf mal pro Woche Rotwein: wieviel?!?).

Unter sehr bedenklich fällt meiner Meinung auch dieser Tip:

Schlucken Sie jeden Tag eine Baby-Aspirin!
Dr. Agus: „Mit 75 mg Acetylsalicylsäure verringern Sie Ihr Risiko für Krebs um 40 Prozent, für Herzkrankheiten um 22 Prozent und für einen Schlaganfall um 17 Prozent. Natürlich gibt es auch Nebenwirkungen, wie das der Blutverdünnung. Nebenwirkungen hat ein Auto aber auch. Trotzdem haben wir unterm Strich mehr Vorteile davon als Nachteile.“

Dr. Agus, Bild

Erstens: woher hat der Mensch seine genauen Angaben? Nach den letzten Infos, die ich gelesen habe, sind sie noch nicht mal ganz sicher, was die Krebsvorsorge angeht – und die Risikoverringerung hängt allgemein noch von ein paar anderen Dingen ab, wie der Vorgeschichte, dem Geschlecht und und und.

Die "Nebenwirkung" die er da erwähnt ist übrigens was die Vorbeugung von Schlaganfall und Herzkrankheit betrifft eigentlich die Hauptwirkung.

Aspirin (Acetylsalicylsäure) ist ein Medikament. Ich möchte hier speziell darauf hinweisen, weil das im Artikel sich so anhört, als könne JEDER das problemlos nehmen. "Baby-Aspirin" war/ist meiner Meinung nach eine verharmlosende Bezeichnung – die ausserdem ziemlich irreführend ist – ist es doch gerade für Babys/Kinder nicht ideal, das zu nehmen.

Wer nachlesen will, was Aspirin für Probleme macht kann das auch in meinem Artikel hier: Aspirin und die umfassende Beratung

Um es kurz zu machen: NICHT jeder kann und soll Aspirin einfach nehmen. Auch wenn es nur 75mg sind oder 100mg.

Es sollte nicht genommen werden von: Babys, Kindern und Schwangeren / stillenden Frauen. Nicht von Menschen mit Nierenproblemen (treten noch öfter im Alter auf), nicht bei Asthma. Nicht bei der Einnahme anderer Blutverdünner. Nicht bei Magenproblemen / Geschwüren. Speziell nicht, wenn man es täglich nimmt. (Bitte lesen sie die Packungsbeilage!)

Ich kann und werde hier wohl niemanden davon abhalten, das (trotzdem) zu nehmen, aber ich BITTE darum – wenn ihr das vorbeugend nehmen wollt, so wie das im Artikel beschrieben ist: Fragt Euren Arzt, ob das geht – oder zumindest den Apotheker – der kann das mit den richtigen Informationen (andere Medikamente, Vorgeschichte) auch abschätzen.

Sooo problemlos ist das nämlich eben nicht.

Und für Euch liebe Mit-Apotheker: bereitet Euch für nach dem Wochenende seelisch schon mal auf den Ansturm vor.

Für die Schweizer: Sorry, bei uns gibt es kein frei verkäufliches Aspirin, das nur 75 oder 100mg enthält. Die normalen Tabletten enthalten 500mg – man müsste sie also etwa achteln. (Davon täglich mehr zu nehmen, würde ich stark abraten). Also: vielleicht doch gleich mal rasch beim Arzt vorbei ein Dauerrezept ausstellen lassen?