Deutscher Maskenball

Im Frühling hatten wir ja das Problem (in der Schweiz und Deutschland und wahrscheinlich so ziemlich überall), dass praktisch keine Masken mehr erhältlich waren (siehe Das Maskentheater). Wir konnten schliesslich welche beschaffen (teuer importieren) und so die Bevölkerung versorgen. Das BAG hatte den Gebrauch von Masken erst nicht empfohlen – wahrscheinlich auch um keine Panik auszulösen, da kaum welche erhältlich waren – und ist später umgeschwenkt. Es wurde erst empfohlen, dann obligatorisch, vom nur im ÖV (Zug, Bus, Tram) bis in den Läden, in der Schule bis schliesslich auch draussen in gewissen Situationen.

Inzwischen gibt es genug Masken – die Preise sind einiges runtergegangen, wir haben mehr Auswahl. An Hygienemasken haben wir 50 Stück Packungen unter 20 Franken, schwarze Hygienemasken und in der Schweiz hergestellte Masken (etwas teurer als der Chinaimport). Wir in der Apotheke achten dabei weiter sehr auf die Qualität. Trotzdem ist da aus anderen Quellen viel Schrott im Umlauf – wenn ich das anschaue, was Junior in der Schule gestellt bekommen hat … das hat keine CE-Kennzeichnung und stinkt nach Lösungsmittel, er nimmt nur noch solche von zu Hause, da er sonst Kopfschmerzen bekommt.

Während hierzulande hauptsächlich die einfachen Hygienemasken empfohlen werden, ist man zum Beispiel in Deutschland zu FFP2 Masken übergegangen. Und der Gesundheitsminister hat sich etwas ausgedacht, um Risikopersonen (damit) zu schützen: Gratis FFP2 Masken! 3 Masken sollen die gefährdeten Personen (über 60 jährige und Leute mit bestimmten chronischen Erkrankungen) im Dezember bekommen und nochmals je 6 im Januar / Februar. Und damit das möglichst schnell geht, sollen die Apotheken die Verteilung übernehmen.

Die Apotheken in Deutschland hatten nur 3 Tage „Vorlaufzeit“. Sie bekommen keine Masken von der Regierung gestellt, sondern sollen sie selber besorgen, bezahlen und eventuell auseinzeln. Und dann natürlich ausgeben. Für 27 Millionen Leute. (!)

Dafür bekommen die Apotheken „etwas“. Berechnet, wieviel jeder Apotheke zusteht wird anhand des Rezeptumsatzes, die sie im letzten Quartal gemacht hat. Je grösser die Apotheke also ist und je mehr Umsatz sie gemacht hat, desto mehr kann sie also abgeben. Die Apotheke muss ausserdem festhalten wieviele Masken sie abgegeben hat.

Das ganze ist ja nett, hat aber die verschiedensten Probleme. Das fängt damit an, dass man da Risikopersonen (in die Kälte) raus schickt um gesammelt an einem Ort mit anderen Risikopersonen die Masken abzuholen. Was ist mit „bleibt möglichst zu Hause“ passiert?

Dann ist nirgends geregelt, wie das festgehalten wird. Eigentlich ist ja offensichtlich die Idee, dass vor allem die Stammkunden der Apotheke die Masken bekommen (darauf beruht die Vergütung) – nur: in Deutschland gibt es keine Patientendossiers wie in der Schweiz, in denen die Abgabe rezeptpflichtiger Medikamente festgehalten wird. Damit könnte man festhalten, wer schon Masken bekommen hat und Risikopersonen auch Hauslieferung anbieten. Statt dessen gibt es nur (freiwillige) Kundenkarten. So können also manche Leute durchaus von Apotheke zu Apotheke ziehen und Masken holen. Oder Leute, die bisher nur bei der Online-Apotheke bestellt haben Masken vor Ort beziehen. Nicht nur, dass die Masken dann anderen Risikopersonen fehlen … die Apotheke bekommt ja nur einen (vorher) festgelegten Teil vergütet. (Falls überhaupt, irgendwie steht das immer noch in den Sternen, wie das dann genau läuft?)

Dass sie den zum Maskenbezug berechtigten Leuten Bezugsscheine zukommen lassen und die das damit holen kommen – das kommt dann vermutlich für Januar / Februar. Dann werden manche von den Patienten die Masken auch online bestellen. Schön für die Online-Apotheken: Minimaler Aufwand und gesicherte Vergütung. Im Gegensatz zu der Situation jetzt.

Ich muss zugeben, ich möchte ja nicht in der Haut der Apotheken in Deutschland aktuell stecken. Innert kürzester Zeit pro Apotheke abertausende Masken zu beschaffen (in gesicherter Qualität!), die Abgabe zu organisieren (der Zutritt zur Apotheke ist auch bei ihnen begrenzt auf die Grösse und nebendran sollte der Normalbetrieb ja weiterlaufen!), Missbrauch nach Möglichkeit zu verhindern, die Unsicherheit, ob und wie das dann vergütet wird …

Trotzdem haben die Apotheken das gemacht. Eine Leistung, die man wirklich würdigen sollte.

Statt dessen:

Arschloch Bild-Zeitung (und Co)

Sollte ich etwas falsch geschrieben haben (ich habe die Informationen praktisch per proxy durch die Diskussionen in Facebook Gruppen): Bitte melden und ich korrigiere das.

Die Impfung ist da! (Ein Weihnachtsgeschenk)

Gestern, Samstag die kleine Sensation – und ein Hoffnungsschimmer in dieser wirklich düsteren Zeit: Die Schweiz hat den Covid-Impfstoff zugelassen. Und zwar – im Gegensatz zu anderen Ländern – NICHT als Notfallzulassung, sondern nach dem geregelten üblichen Verfahren. Damit sind wir weltweit die ersten. Es ist ein Impfstoff (der von Pfizer/Biontech) von mehreren, die aktuell in der letzten Studien-Phase sind und es ging deshalb so schnell, weil es ein „rollendes“ Verfahren war: die Pharmafirma lieferte laufend alle verfügbaren Daten, die sie zum Impfstoff hatten. Da auch die letzte Phase mit über 40’000 Teilnehmern und auch erste Erfahrungen in anderen Ländern (mit inzwischen über 100’000 geimpften) saubere und gute Ergebnisse lieferte, wurde der Impfstoff durch die swissmedic und das BAG zugelassen.

Das wissen wir:

Es braucht 2 Impfungen im Abstand von (mindestens) 3 Wochen. 1 Woche nach der 2. Impfung besteht ein über 90% Impfschutz gegen das neue Coronavirus. (Das ist phantastisch gut – besser als man sich das hätte vorstellen können. Ausserdem nicht mal ein Jahr nach Beginn der Pandemie. Da wurde wahnsinnig geforscht weltweit und man konnte auf bereits bekannte Forschung und Erkenntnisse mit RNA-Impfstoffen aufbauen.)

Der Impfschutz besteht ausdrücklich auch für die älteren Personen und solche mit (kontrollierten) Vorerkrankungen.
(Die Studien hat man diesmal auch mit nicht-gesunden und älteren Personen gemacht!)

Die Nebenwirkungen entsprechen etwa denen von anderen Impfungen, hauptsächlich lokale Reaktionen am Einstichort (Schmerzen, Rötung), vielleicht 1-2 Tage generalisierte Beschwerden wie Krankheitsgefühl, Gliederschmerzen, Fieber etc, vor allem nach der 2. Impfung.
(Sie sagen, es kann etwas heftiger sein als bei zum Beispiel der Grippeimpfung, die sie mit einem „Mückenstich“ vergleichen. Etwa wie ein „Bienenstich“.)

Die Impfung ist nicht zugelassen für Schwangere und unter 16 Jährige, da hier die Datenlage zu dünn ist. Ausserdem gehören die jüngeren nicht zu den durch Covid gefährdeten Personen.

Jetzt geht es weiter. In den Kantonen sind sie schon seit ein paar Wochen dran die nötige Infrastruktur für die Impfungen aufzubauen. Die Logistik ist hier etwas komplizierter als bei anderen Impfstoffen, da der Covid-Impfstoff von Pfizer bei Temperaturen von -70°C transportiert und gelagert werden muss. Deshalb wird es vorläufig auch keine Impfung in der Apotheke geben, die meisten Kantone scheinen auf Impfzentren und mobile Impfgruppen zu setzen. Noch im Dezember beginnen die Kantone der Innenschweiz: Uri, Schwyz, Nidwalden, Obwalden, Luzern und Zug – und Freiburg. Der Rest folgt im Januar. Wir bekommen monatlich etwa 250’000 Impfungen – die wollen möglichst sinnvoll eingesetzt werden.

Wer wird geimpft? Die Impfung ist prioritär für folgende Zielgruppen vorgesehen:
1. Besonders gefährdete Personen (ohne schwangere Frauen)
2. Gesundheitspersonal mit Patientenkontakt / Betreuungspersonal von besonders gefährdeten Personen
3. Enge Kontakte (Haushaltsmitglieder) von besonders gefährdeten Personen
4. Personen in Gemeinschaftseinrichtungen mit erhöhtem Infektions- und Ausbruchsrisiko (mit altersdurchmischten Bewohnern).
Im weiteren Verlauf wird auch eine Impfung für alle anderen Erwachsene, die nicht unter 1.-4. fallen, möglich sein. – Das kann ein paar Monate dauern.

Ich weiss noch nicht, ob wir in der Apotheke zur 2. Gruppe gehören und dann geimpft werden, aber ich bin froh, dass meine Eltern voraussichtlich bald drankommen. Dann kann ich mich etwas sicherer fühlen, auch wenn ein paar Fragen betreffend der Impfung noch offen sind: kann das Virus durch geimpfte Personen noch übertragen werden? Wie lange hält der Impfschutz an? Die geltenden Hygienemassnahmen müssen auf jeden Fall noch eine ganze Weile weiter durchgeführt werden.

Für das Gesundheitssystem ist das aber sicher eine Entlastung – eine dringend benötigte ausserdem. Inzwischen sind die Spitäler voll, das Pflegepersonal am Anschlag (und darüber) – die Situation ist wirklich furchtbar, auch wenn das trotz gelegentlicher Meldungen in den Medien immer noch nicht zu den Leuten auf der Strasse durchgedrungen ist. Aktuell will ich nicht krank werden oder einen Unfall haben und im Spital landen müssen. Nach aussen „verhält“ das noch als Sicherheitsnetz, aber … nein. Eigentlich will ich nicht mal drüber schreiben. Wir sind vielleicht noch knapp nicht am „sterbende Leute in den Spital-Gängen liegen lassen“, aber soooo weit davon auch nicht mehr. Denkt mal darüber nach und (Bitte) passt euer tägliches Verhalten danach an. Grad jetzt in der Ferien- und Feier-Zeit. Übrigens: Man kann sich jetzt immer noch gegen die Grippe impfen lassen. Bitte tut das – das macht grad jetzt noch Sinn.

Aber konzentrieren wir uns auf die guten Dinge. Wir haben jetzt eine wirksame und sichere Impfung. Meine Familie ist gesund: immer noch alle, wofür ich wahnsinnig dankbar bin. Sogar meine Eltern haben dieses Jahr überstanden (und das sah aus verschiedenen Gründen zeitweise nicht gut aus). Wir haben mehr als genug zu essen, eine warme Wohnung (die aufgeräumter sein könnte), Kontakt mit den Liebsten – halt nicht mehr so häufig und vor allem meist nicht mehr als Treffen, sondern mit Telefon, Chat etc. Dafür bin ich dankbar.

In dem Sinne: Euch allen schöne Festtage und bleibt gesund!

Haben wollen und haben sollen – Medikamente auf Rezept

Zwei Geschichten aus der Apotheke aus den letzten Tagen. Zwei Beispiele, wieso ein Patient trotz Rezept „sein“ Medikament nicht bekommen hat. Und zwei Beispiele, weshalb das gut sein kann.

„Sie lösen auch ausländische Rezepte ein?“ fragt der Mann in der Apotheke. „Meine Partnerin hat eines geschickt bekommen aus Amerika für Augentropfen, ich habe es hier auf dem Handy.“

Wenn ihr den letzten Post gelesen habt, dann wisst ihr, dass das schon weil es elektronisch geschickt wurde kein gültiges Rezept ist. Ausserdem müssen wir ausländische Rezepte nicht ausführen. Wenn wir das trotzdem machen (wo es Sinn macht), müssen die Medikamente bezahlt werden. Der Mann besteht darauf, dass die Frau die Augentropfen braucht, deshalb bestellt meine Apotheker-Kollegin sie auf den Nachmittag.

Am Nachmittag arbeite ich und sehe den Rezeptausdruck. Das Rezept ist aus einer Praxis in Californien – augenscheinlich. Nachprüfbar ist das nur schwierig. Ausgestellt von gestern (also aktuell). Für Augentropfen, die Dexamethason enthalten. Pharmawiki schreibt dazu:

Dexamethason ist ein entzündungshemmender, immunsuppressiver und antiallergischer Wirkstoff aus der Gruppe der Glucocorticoide, der in Form von Augentropfen zur Behandlung nicht-infektiöser Entzündungen des vorderen Augenabschnitts eingesetzt wird. Die Tropfen werden in der Regel mehrmals täglich verabreicht. Die Behandlungsdauer soll zwei Wochen nicht überschreiten. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören unter anderem ein erhöhter Augeninnendruck, Infektionen, ein grauer Star und eine verzögerte Wundheilung.

Dank recht aktueller Weiterbildungen zu dem Thema weiss ich das schon. Ebenso, dass es eine absolute Kontraindikation ist, diese Augentropfen bei bakteriellen oder viralen Infektionen einzusetzen oder wenn die Hornhaut der Augen geschädigt wurde. Bevor man die verschreibt sollte man sich die Augen angeschaut und das getestet haben – zum Beispiel mit Fluorescein Augentropfen, die solche Beschädigungen darstellen. Wenn man das nicht tut und das trotzdem verschreibt, ist das ein „Kunstfehler“ (O-Ton Dozent), der im schlimmsten Fall zu Blindheit führen kann. Ich vermerke auf dem Abholzettel, dass ich unbedingt geholt werden muss, bevor das rausgeht.

Am Nachmittag kommt die Frau selber das abholen, so dass ich sie fragen kann. Sie hatte vor nicht allzu langer Zeit eine Operation drüben in den USA. Jetzt hat sie Augenbeschwerden und deshalb mit dem Arzt dort telefoniert. Der hat ihr (via Telefon) eine bakterielle Augenentzündung diagnostiziert … und ihr dann diese Augentropfen verschrieben.

Ihr seht, weshalb ich ihr die Augentropfen nicht gegeben habe und sie direkt zum Augenarzt hier geschickt habe? Wenn der Arzt ihr jetzt Antibiotikahaltige Augentropfen verschrieben hätte, wäre das anders gewesen, aber so? Da stimmt irgendwie gar nichts. Wenn ich die Cortison-Augentropfen trotzdem abgebe, das ist wirklich eine Infektion, die sich dann ausbreitet – vielleicht noch tiefer ins Auge, da sie da (wann?) eine OP hatte … dann bin ich verantwortlich, wenn sie ihre Sehkraft verliert.

…..

Ich erzähle meiner Kollegin am nächsten Tag bei der Übergabe wie das ausgegangen ist. Sie stimmt mit mir überein … und erzählt mir diese Geschichte von letzter Woche:

„Ist mein Rezept schon da?“ fragt der Stammkunde. Leider ist es das noch nicht. Das heisst – wir haben schon Rezepte für ihn hier, aber kein neues. „Bitte benachrichtigen Sie mich gleich, wenn es kommt. Ich rufe nochmal beim Arzt an.“

Das Rezept kam kurz darauf per mail. Beim so dringenden Medikament handelt es sich um Sildenafil, verschrieben vom Urologen. Ihr kennt den Wirkstoff vielleicht besser unter dem Namen des Originalmedikamentes: Viagra.

Sildenafil ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der PDE5-Hemmer zur Behandlung von Erektionsstörungen beim Mann. Er erleichtert den Bluteinstrom in den Schwellkörper des Penis und ermöglicht die Entstehung und Aufrechterhaltung der Erektion. Das Arzneimittel wird maximal einmal täglich etwa eine Stunde vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen. Es ist nur bei sexueller Stimulation wirksam und darf nicht zusammen mit Nitraten und NO-Donatoren eingenommen werden.

Interessanterweise gehört der Wirkstoff zu denen, die in der Schweiz inzwischen (in geringer Dosierung und nach den nötigen Abklärungen) in der Apotheke auch ohne Rezept erhältlich sind.

Beim eingeben in das Computerdossier poppt dann promt der Warnhinweis auf, dass eine Kontraindikation besteht (NICHT ZUSAMMEN GEBEN) mit Isoket. Einem Nitrat. Meine Kollegin ruft sofort dem verschreibenden Arzt zurück.

Arzt: „Oh. Nein, dann können wir ihm das nicht geben. Ich habe ihn nach seinen anderen Medikamenten gefragt und er hat mir einen Medikamentenplan vom Hausarzt vom März gegeben.“

Apothekerin: „Ja – das Isoket hat der Hausarzt erst diesen August verschrieben.“

So. Gut hat der Patient eine Stammapotheke. Wenn man die Medikamente kombiniert, droht ein akuter lebensbedrohlicher Blutdruckabfall. Also hat meine Kollegin ihm da möglicherweise das Leben gerettet.

Ich bin sicher, jede Apotheke hat viele solcher Geschichten. Die meisten wird man einfach nie mitbekommen.

Ist das elektronische Rezept gültig?

Vorausschickend: in der Schweiz sind wir von der elektronischen Gesundheitskarte, die ein elektronisch ausgestelltes Rezept recht einfach und sicher und vor allem gültig machen würde noch ziemlich weit entfernt. Statt dessen haben wir das Anspruchsdenken der Patienten, die gerne so einfach wie möglich an ihre Medikamente und (vorher) an ihre Rezepte kommen wollen … und dagegen steht die aktuelle Gesetzeslage.

Die Ärzte dürfen nur Rezepte ausstellen, wenn sie den Patienten wirklich gesehen / untersucht haben. Das geht heute teils schon online. Zumindest kann man den Patienten direkt fragen, die Anamnese stellen und teils auch gewisse Dinge via Videochat anschauen. Anhand dessen kann dann ein Rezept ausgestellt werden …. nur … ist das gültig?

Ein Rezept unterliegt in der Schweiz keiner so strengen Form wie zum Beispiel in Deutschland. Es gibt keine festen Rezeptformulare. Hier ist ein Mini-Videokurs zu den Rezepten:
Was ist ein Rezept?
Wie ist ein Rezept aufgebaut?
Wie schreibe ich ein Rezept?
Gültigkeit und Dauer von Rezepten
Rezepte für Betäubungsmittel
Generika-Verschreibung auf Rezept

Kurz gesagt: Was auf ein Rezept muss (ausser den Medikamenten) ist unbedingt die Original-Unterschrift und ein Stempel des Arztes. Ein Rezept ist eine Urkunde und das ist der Nachweis, dass das Rezept vom Arzt (direkt) kommt.

Und deshalb – auch weil in letzter Zeit immer häufiger Rezepte nicht mit einer Originalunterschrift in der Apotheke landen – hat bei uns inzwischen das Gesundheitsamt interveniert und diese Meldung herausgegeben:

Rezeptkopien, E-Mails und Faxausdrucke berechtigen grundsätzlich nicht zum Arzneimittelbezug.
Ausnahmen: 
·  Kopien können dann akzeptiert werden, wenn es sich um eine durch eine Apotheke beglaubigte Kopie eines Rezeptes mit Repetitionsvermerk handelt. Sie müssen deutlich als Kopien gekennzeichnet werden.
·  Rezepte per E-Mail oder Faxrezepte können dann akzeptiert werden, wenn sie z.B. auf Basis eines Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Apotheke direkt vom Arzt an die Apotheke geschickt werden, es sich um einen in der Apotheke bekannten Patienten handelt und an der Herkunft der Nachricht keinerlei Zweifel bestehen. 
·  Von Patienten erhaltene elektronische Rezepte sind grundsätzlich nicht auszuführen.
Wir verweisen in diesem Zusammenhang auch auf das Positionspapier „Ärztliche Verschreibungen“ der Kantonsapotheker-Vereinigung der Nordwestschweiz (H 010; verfügbar unter www.kantonsapotheker.ch). Auf Seite 2 finden Sie Angaben zu Form, Inhalt und Gültigkeit von Rezepten.

Also nochmal:

Vom Arzt an den Patienten gemailte Rezepte sind ungültig. Egal ob er sie dann ausdruckt und das Papier bringt (Rezeptausdruck/Kopie ohne Unterschrift) oder der Patient das an die Apotheke weiterleitet (Absender nicht abschliessend feststellbar, ausserdem kann der Inhalt in der Zwischenzeit bearbeitet / verfälscht worden sein).

Vom Arzt an die Apotheke direkt gemailte Rezepte können angenommen und ausgeführt werden, wenn der Arzt und Patient der Apotheke bekannt ist. Es besteht (bei unbekanntem Arzt) theoretisch die Möglichkeit das Rezept elektronisch zu signieren … allerdings habe ich bisher immer noch kein einziges derartiges Rezept gesehen.

Dann steht da im Positionspapier deutlich:
Apotheken dürfen Rezepte ohne eine qualifizierte Unterschrift nicht ausführen.
Krankenkassen könnten die Vergütung ablehnen
.

Das bedeutet dann nochmals deutlich, dass ich Rezeptkopien nicht ausführen kann, auch keine Ausdrucke von Rezepten, wo die Unterschrift des Arztes einkopiert wurde (und nicht selber draufgeschrieben) – selbst dann nicht, wenn es Farbausdrucke sind, die die Arztpraxis dem Patienten selber in die Hand gedruckt hat! Eine Praxis, die in manchen Arztpraxen (und Kliniken!) in letzter Zeit ebenfalls eingerissen hat, wahrscheinlich, weil so die MPAs die Rezepte ausstellen können, ohne dass es den Arzt nochmals braucht.

Ich habe inzwischen ein paar Vorlagen, basierend auf der Nachricht der Gesundheitsdienste, die ich den Praxen und Kliniken dann zukommen lasse, die meisten verstehen das dann, vor allem wenn man ihnen mitteilt, dass so Rezepte absolut nicht Fälschungssicher sind und mehrmals eingelöst werden könnten.

So – all das geschrieben, dann kann sich jeder denken, dass etwas wie das hier in der Schweiz gar nicht geht:

Erstens: Direktkontakt Arzt-Patient Fehlanzeige. Ein Online-Formular Ausfüllen reicht dafür definitiv nicht.
Zweitens: Das geht ja auch über eine Apotheke (online hier halt), auch die dürfen elektronische Rezepte nicht annehmen. Vor allem: was für ein Arzt hat das wohl ausgestellt? Da gibt doch bloss einer seinen Namen dafür – Verantwortungsübernahme Fehlanzeige.
Drittens: In meinen Augen wird hier zudem ein Medikament verharmlost und wie ein normales Konsumgut dargestellt – das auch noch mit „Goodies“ aufgewertet werden muss?

WIESO ist das in Deutschland offenbar erlaubt? Ist da die Patientensicherheit so wenig wert?

Kleine Weihnachtsgeschenke basteln

Da ich das mit Junior schon immer mache, haben sich auf dem Blog ein paar Ideen angesammelt. Ihr findet sie hier:

Lippenpommadenstifte – Kakao-Melisse.
Mit einer erfrischend angenehmen Textur.

Salbe mit ätherischen Ölen
Super Textur, feiner Geruch – kann sowohl als Erkältungssalbe als auch einfach zum pflegen verwendet werden.

Gewürzsalz
Eine feine Mischung mit Rauchsalz und Kräutern.

Vanilleextrakt selbstgemacht
braucht man zum backen nicht nur in der Weihnachtszeit.

Knusprig-buntes Popcorn
Messe verpasst / ausgefallen? Kein Problem. Dieses Popcorn ist besser als das was man sonst bekommt und erst noch selbstgemacht.

Glückszucker
Für Teeliebhaber ein Muss. Farbige Zuckerstückchen in süssen Formen.

Sharpie-Batik Stofftaschen
Umweltbewusst und praktisch und schön: die selbstgemachten Stofftaschen zum Einkaufen

Glycerinseife giessen
mit bunten Einlagen und hübsch verpackt. Gerade jetzt, wo Händewaschen so wichtig ist.

Klassische Seife kneten
Einfach hangemacht und praktisch zum verschenken.

Mini-Badebomben
Klassisch-einfaches Rezept, kann mit Farbe, ätherischen Ölen und Glitzer aufgepeppt werden.

Viel Spass damit!

Von der Idee zum Buch

And now to something completely different (wie Monty python immer sagte). Buchveröffentlichung. Ich hatte ja das Glück ein Buch zu veröffentlichen beim Rowohlt Verlag … und danach habe ich im Self publishing weitere Bücher veröffentlicht. Auf dem Weg habe ich einiges gelernt, von dem ich denke, dass ich es mit Euch teilen kann.

Am Anfang steht die Idee – mit der zündenden Idee für eine Geschichte oder für ein Buch allgemein beginnt es. Doch wie kommt man von der Idee zum Buch? Ein richtiges Buch, das man in der Hand halten, lesen, verschenken kann … und das sich öffentlich bestellen lässt und vielleicht sogar im Buchhandel wiederfindet?

Wenn Du ein Buch veröffentlichen möchtest, hast Du verschiedene Möglichkeiten, alle mit Vor- und Nachteilen. Schwierigkeitsstufe von sehr einfach bis erschwert. Du solltest Dir zuerst ein paar Fragen beantworten, respektive, dir klar werden, was du willst:

– willst Du einfach dein Buch einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen?
– reicht es, wenn es über Amazon und Co. erhältlich ist, oder soll es wirklich in den lokalen Buchhandel vor Ort kommen?
– willst Du damit Geld verdienen?
– wie professionell soll es sein?

Die verschiedenen Möglichkeiten:

Via Verlag (wie Rowohlt):

Schwierigkeit eher hoch, da erst ein Verlag oder ein Agent gefunden werden muss. Dafür schickt man sein Exposé (die Idee, wie das Buch aufgebaut ist mit grober Kapitelübersicht und Textproben) an verschiedene Verlage, die schon ähnliche Bücher veröffentlicht haben, bis einer sein Interesse zeigt. Dann bekommt man einen Autorenvertrag, Die Hälfte des Honorars vor Abgabe des Manuskriptes, die andere nach Abgabe. Der Verlag macht dann das Lektorat (Schreibfehler und Satz etc.), sorgt für ein passendes Cover und (ganz wichtig) macht dafür Werbung auf den wichtigen Kanälen und bringt das Buch in den Buchhandel überallhin.

Kosten: * keine, (Ein eventueller Agent bezieht einen Prozentsatz vom Honorar des Verlages)

Einnahmen: ****
Ein Honorar in der Höhe von ein paar Tausend Euro als Erstlingsautor und (falls das Buch zum Bestseller wird) irgendwann später einen Prozentsatz vom Verkauf jedes Exemplars.

Aufwand: ***** bis *
Anfangs gross zum Finden des Verlages – schreiben von Exposé, suchen und anschreiben der Verlage, danach aber gering: Text schreiben und Lektorat / Cover anschauen und gutheissen innerhalb der Deadline.

Aussehen: *****
sehr professionell, aussen wie innen.

Reichweite: *****
sehr gross. Im Buchhandel lokal und Online.

Nachteile: *
Ein Autorenvertrag mit einem Verlag ist schwierig zu erlangen, aber nicht unmöglich. Es ist abhängig davon, ob ein Markt für das Buch vorhanden ist. Braucht eventuell viel Zeit und Ausdauer. Bis das Buch nach dem Finden des Verlages dann draussen ist nochmals (mindestens) ein Jahr.

Via Pseudoverlag / Zuschussverlag:

Das sind kleine „Verlage“ die zum Beispiel auf Messen oder auch im Internet „Neu- und Erstautoren“ suchen, die gerne veröffentlicht werden wollen. Sie gehen im Gegensatz zu den normalen Verlagen direkt auf die Autoren zu und bieten ihnen, sie zu veröffentlichen, im Gegenzug zu gewissen Leistungen, die dann bezahlt werden müssen (deshalb „Zuschussverlag“). Das bedeutet, als Autor liefert man den Text und sie machen das Lektorat, das Cover und die Werbung und veröffentlichen und vertreiben das Buch.

Nachteile: ***  
Gelegentlich sind weder Lektorat noch Cover das Geld wert, respektive wirklich professionell. Werbung machen sie auf Kanälen, die die breite Öffentlichkeit oft nicht erreichen. Und in den lokalen Buchhandel kommt man damit auch nicht, denn die nehmen Bücher solcher Verlage im Normalfall nicht an Lager, ausser man bemüht sich als Autor selber und geht in die Buchläden hausieren und macht zum Beispiel Vorlesungen.

Dafür bezahlt man bei manchen Verlagen für Zusatzleistungen wie Lektorat und Cover extra und manchmal auch noch für den Druck einer gewissen Auflage im Voraus … wobei dann unsicher ist, ob das tatsächlich verkauft wird. Andere verlangen das nicht, aber die Abgeltung pro verkauftem Buch ist sehr gering und bewegt sich bei einem Verkaufspreis von 25 Euro nach Abzügen um die 50 Cent bis 1 Euro – das versteckt sich oft hinter der Bezeichnung „20% vom Netto-Verkaufspreis“. Ich habe ausserdem gefunden, dass diese Verlage Bücher häufig nur als Hardcover anbieten – die kosten dann auch im Verkauf einiges mehr – und sind im Gegensatz zu Taschenbüchern schwieriger zu verkaufen.

Kosten: * bis *****
Je nach Verlag von gratis bis ein paar Hundert bis sogar paar Tausend Euro,

Aussehen: * bis ****
Kann professionell sein, Cover und Inhalt (muss aber nicht)

Reichweite: *
Klein.

Einnahmen: *
gering

Eigenaufwand: *
Sehr gering (Text abliefern).

Faktisch ist das heute oft „unterstütztes Self-Publishing“. Wenn man einfach nur mit geringem Aufwand veröffentlicht werden will und nichts (oder wenig) verdienen will, ist das eine Option … dabei sollte man aber vorher gut den Vertrag anschauen, Erfahrungen und Rezensionen vergleichen und abklären, was sie wirklich bieten damit man da nicht einfach unnötig viel Geld hineinsteckt für sein eigenes Ego.

Liste von Pseudo- und Druckkostenzuschussverlagen: https://neinzudruckkostenzuschussverlagen.blogspot.com/p/blog-page_53.html

Im Selfpublishing oder Print on Demand:

Das ist wirklich die „Do it yourself methode“. Du schreibst den Text, Du machst das Cover (oder lässt es dir von jemandem erstellen), Du machst Lektorat und Satz (da gibt es Hilfsprogramme, die gratis und ziemlich gut im Formatieren sind, aber Rechtschreibefehler oder Plotlücken finden die nicht), Du ladest das alles hoch im richtigen Format. Der Selfpublishing Verlag macht dann den Rest: sie stellen das Buch online auf die verschiedenen Plattformen ein, sie drucken das Buch dann, wenn es bestellt wird (deshalb auch das „on demand“ – auf Verlangen) und schicken es an den Leser.

Einnahmen: ** – ***
Du bekommst einen Teil vom Verkaufspreis (den Rest behalten sie für Druck und Vertrieb). Beispiel: Für ein 10 Euro Taschenbuch bekommst Du etwa 3 Euro. Wenn Du den Verkaufspreis erhöhst, steigt dein Verdienst, wenn du die Herstellung teurer machst (Farbbücher, cremefarbene dickere Seiten) sinkt dein Verdienst. Und je mehr du verkaufst, desto mehr nimmst du ein … das ist dann oft abhängig davon ob und wie und wo Du Werbung machst dafür.

Kosten: *
Ausser kdp verlangen manche Selfpublisher Verlage einen geringen Installationspreis (um die 25 Euro für ein Buch). Sie übernehmen dafür aber das Besorgen einer richtigen ISBN, liefern das Pflichtexemplar an die Nationalbibliothek und machen den Eintrag in die VLB (das Verzeichnis lieferbarer Bücher anhand dessen die Buchhändler das Buch dann bestellen können. Sie listen das auch in Amazon und anderen Online-Läden, so dass es praktisch überall bestellbar ist. – Kdp ist dagegen komplett gratis, aber macht all das nicht.

Aufwand: * – **
Technisch kein Problem (bei manchen Verlagen ein bisschen eine Lernkurve). Wenn man es professionell will, kann man Leute für die Covergestaltung und das Lektorat selber suchen und bezahlen (da gilt: man bekommt qualitätsmässig, wofür man bezahlt).

Reichweite: * – ***
mässig bis gross. Hier kommt es darauf an, ob und wie man selber Werbung für sein Buch machen kann. Am besten auf den sozialen Kanälen wie dem eigenen Blog, Website und Facebook, Instagram etc. sowie in Gruppierungen für Selbstpublisher und Lesezirkeln. Das funktioniert recht gut, wenn man schon einige Follower hat und eventuell ein bestehendes Netzwerk.
Die Bücher können dann über die Seiten der Verlage und bei Amazon bestellt werden und werden zeitnah (innert Tagen) gedruckt und versendet. Gut laufende Bücher nimmt Amazon auch an Lager. Bei Amazon ist das Bestellen und schicken lassen meist sehr günstig – auch deshalb verkauft man hier die meisten Bücher.

Nachteile: *
Die Bücher von kdp und anderen Self-publishing Verlagen werden nie im lokalen Buchhandel landen, vor allem, wenn man das nur bei Amazon via deren Print-on-demand Verlag kdp aufgelegt hat. Kdp ist der „einfachste“ dieser Verlage und hat einen riesigen Absatzmarkt, nicht nur in Europa, auch in den USA. Für die lokalen Buchhändler ist das aber einfach nur Konkurrenz und sie werden nie ein Buch bei kdp für einen Kunden bestellen.

Beispiele von Self publishing Verlagen (unvollständig): amazons kindle direct publishing, Book on demand, lulu, epubli, tredition, ingramspark (englisch mit internationalem Absatz).

Es gibt aber einen Weg, wie man sein Selfpublishing Book doch in den normalen Buchhandel bringen kann:

Dafür muss man sich selber zum Verlag machen und kauft sich für das Buch eine eigene ISBN-Nummer. Dann das Buch bei einem Self publisher Verlag wie zum Beispiel BoD oder ingram spark aufsetzen und gleichzeitig bei kdp aber mit Ausschluss der „erweiterten Vertriebswege“ und der gekauften ISBN statt der kdp-eigenen. Aufwand: gross.

Kosten: ca. 100 Euro für die ISBN Nummer und ein paar Stunden Arbeit das nachher händisch bei VLB anzumelden (und regelmässig nachzutragen) und Belegsexemplare an die Nationalbibliothek zu senden.

Damit sind die Bücher aber bei den Lageristen der Buchhändler erhältlich und sie bestellen das (aber nur bei Nachfrage) auch dort. Oder man kann sich selber ein paar Bücher drucken lassen und vertreibt sie dann von zu Hause aus an Buchhändler oder Bestellende Kunden. Sich als Autor eigene Bücher (Autorenexemplare) drucken zu lassen ist ausgesprochen günstig: so ein 10 Euro Buch um die 3 Euro… wenn man die aber weiterverkauft sollte man ein Gewerbe anmelden. Aufwand, den man sich vorher überlegen sollte, ob man ihn machen will.

Resourcen:

selfpublisherbibel.de – für alles über Self publishing

reedsy.com (auf englisch) – gratis und einfach zum hübsch gesetzten Buch

canva.com – für Covergestaltung und Bilder

Habt ihr schon ein Buch veröffentlicht? Wo und wie? Wie sind eure Erfahrungen?

Links zum Buch in den Kommentaren ausdrücklich erlaubt.