Origenial?

Fragt turtle/David:

Ich habe kürzlich ein solches Plakat fotografiert von Pfizer… Ein „Original-Generikum“ vom Hersteller des Originals. Ich habe nicht verstanden, welchen Sinn es hat…

origenial

Auf dem Plakat steht: Genial wie das Original. Original-Generika und Medikamente die vom hersteller der Originale stammen. Zu 100% identisch mit dem Original mit Ausnahme der Verpackung und Namen. Zu einem attraktiven Preisvorteil.

Wieso man das macht? Wegen dem Geld – was sonst?

Ich sollte etwas elaborieren. Ich habe darüber schon geschrieben (hier: https://pharmama.ch/2013/01/03/nehmen-sie-doch-das-generikum-bitte/ )

Firmen wie Pfizer und AstraZeneca aber auch Sanofi sind Meister in dem Spielchen bei den rezeptpflichtigen Medikamenten. Man nehme (s)ein Original-Medikament kurz vor Ablauf des Patentes. Man lanziert dazu ein eigenes „Generikum“ (füllt es einfach anders ab) und verkauft das günstiger (aber meist noch einiges über dem Preis der „richtigen“ Generika). Man nennt dies „early entry“. Die Leute wechseln zu dem und bleiben dann dabei. Ein paar wechseln auch später, nach Einführung der anderen Generika, wenn sie sich von der Werbung (oder gelegentlich auch der Apotheke) überzeugen lassen, dass das ja wirklich dasselbe ist. Marken sind was wunderbares – und funktionieren auch im Gesundheitsmarkt.

Online habe ich die Version mit dem Viagra schon gesehen … Aber egal welche Tablette oder Kapsel: glaubt mir .. die Leute, die das nehmen, die erkennen „ihre“ Pille und reagieren darauf.

Das Ganze würde mich nicht nerven, wenn diese Firmen das nicht zum Anlass nehmen würden den Preis des Originals damit länger weiter oben zu halten …  Und die Krankenkasse zahlt die (teuren Originale) auch weiterhin, halt mit 20% Selbstbehalt Abzug. Aber (so wenig) Geld interessiert die Kunden nicht, die wirklich nur den Markenartikel wollen. Die würden sich höchstens überzeugen lassen zu wechseln, wenn die Originale bei der Existenz eines Original-Generikums gar nicht mehr bezahlen würde …

Solche Medikamente nennt man ausser Original-Generika auch Auto-Generika oder auch Co-Marketing-Präparate (die sind auch im nicht-rezeptpflichtigen Bereich üblich).

Beispiele (Original-Generikum):

  • Atacand – Pemzec
  • Diovan – Valsartan Sandoz
  • Nexium – Esomep
  • Pantozol – Pantoprazol Nycomed
  • Seroquel – Sequase
  • Sortis – Atorvastatin Pfizer (dagegen ist Atorva Pfizer tatsächlich ein Generikum, eine andere Tablette)
  • Viagra – Sildenafil Pfizer
  • Xalatan – Latanoprost Pfizer

Aber die Kampagne hat vielleicht doch etwas gutes: sie macht die Leute mal wieder auf Generika aufmerksam. Wer genaueres wissen will (zum Beispiel, was es da gibt und ob das für einen geeignet ist), der frage doch in seiner Apotheke nach. Die weiss Bescheid.

Nachrichten aus dem Notdienst

Durch den Apothekennotdienst hat ausserhalb der regulären Öffnungszeiten immer eine Apotheke geöffnet … und damit wird die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln sichergestellt. Der Apothekennotdienst wird gebietsweise von den Apotheken im Turnus geleistet. Da die Abgabe von Arzneimitteln eine pharmazeutische Tätigkeit darstellt, muss grundsätzlich ein Apotheker anwesend sein. In Gebieten mit wenig Apotheken kann so ein Notdienst (mit Nacht- und Sonntagsdienst) alle 5 bis 10 Tage der Fall sein – und ist im Normalfall ein Verlustgeschäft (trotz der zusätzlichen Gebühren, die in Deutschland gerade mal 2,50 Euro betragen). Das ist hart … und diese Apotheken schauen der „Ausdünnung“ der Apotheken mit Besorgnis entgegen.

In der Schweiz gibt es ausser dem Turnusmodell (und höheren Notdienstpauschalen) vereinzelt auch feste „Notfallapotheken“, die auch dann offen haben, wenn die anderen geschlossen sind. Entweder sie sind normale Apotheken, die rund um die Uhr 365 Tage im Jahr geöffnet haben, oder es gibt spezielle Notdienstapotheken, die dann offen haben, wenn andere geschlossen sind (Beispiel Basel). In einzelnen Kantonen, wo die Ärzte Selbstdispensation betreiben und einen Grossteil der Medikamente abgeben, ist es inzwischen aber so, dass von den Apotheken kein Notfalldienst mehr angeboten wird (z. Bsp. Nidwalden und Schwyz) – das war finanziell nicht mehr tragbar. Die Ärzte haben allerdings auch (normale) Öffnungszeiten, so dass die Bevölkerung bei einem medizinischen Problem den Sanitätsnotruf wählen muss … oder in einen Nachbarkanton fahren.

Das Ladenschlussgesetz in Deutschland sagt übrigens, dass während des Notdienstes von Apotheken nur Arznei-, Krankenpflege-, Desinfektions-, Säuglingspflege- und Säuglingsnährmittel sowie hygienische Artikel abgegeben werden dürfen. Notdienst halt. Leider sehen viele Leute das einfach als „erweiterte Öffnungszeiten“ an – und überhaupt nicht ein, weshalb das auch noch zusätzlich etwas kosten soll (Notdienstpauschale), oder weshalb der Apotheker sich über den Umsatz oder die Anfrage nicht freut. Ich meine … wenn er schon da ist ….

Und manchmal sind es auch die eigenen Angestellten:

Der Pta-Lehrling heute am Telefon……„….Ja kein Problem, Sie können das abholen wann Sie wollen,der Chef hat heute die ganze Nacht Notdienst…..“

notdienst

Hier ein paar „Müsterli“ aus aktuellen Notdiensten aus deutschen / österreicherischen und schweizer Apotheken gesammelt von Facebook (mit Kommentar in kursiv von mir)

Viele Leute rufen (auch nachts) vorher an, wohl zum sehen, ob man wirklich offen hat, oder ob man das gewünschte Produkt an Lager hat. Auch wenn man damit als Kunde Zeit gewinnt, sollte man sich bewusst sein, dass die Apothekerin (die vielleicht auch am Tag vorher schon gearbeitet hat, oder morgen noch arbeiten wird) vielleicht auch einmal schlafen will – und sich überlegen, ob die Anfrage genau jetzt wirklich so wichtig ist.

Da ich heute im Notdienst kein Arsenicum album C200 da hatte und auch nicht mehr bestellen konnte, will sich der anonyme Arzt, der sich telefonisch gemeldet hatte, am Montag bei der Apotheker- und Ärztekammer beschweren, wegen unterlassener Hilfeleistung im Notfall. Er braucht das dringend wegen psychischer Störungen.

Jaaa – homöopathische Mittel. Nicht wirklich so das, was etwas bringt. Auch wenn es offenbar auch Ärzte gibt, die das denken (wenn das denn wirklich einer war).

Beim Biss in die bestellte Pizza ein Anruf :
„Ich kann seit einer Woche nicht zur Toilette gehen. Ich habe seit gestern Kräuterlax und LAXORABEL (beides Abführmittel) genommen, aber trotzdem kann ich mit der Vaseline nur so winzige Ziegenköttelchen rauspulen…“

Zu viel Info! Vor allem beim Essen – und auch wenn das Mitteilungsbedürfnis vielleicht überwältigend wurde, nichts was die Apothekerin am Telefon daran ändern könnte.

Anruf von derselben Person 4mal am Abend (gebetsmühlenartig) ob ein Schmerzmittel denn wirklich so genommen werden sollte wie der Arzt es verordnet hat?

Ja – wirklich. Sollte es nicht reichen, das einmal zu bestätigen und sie danach an den verschreibenden Arzt zu verweisen? Nur dass der jetzt halt nicht da ist … und der Anruf in die Apotheke ja gratis.

Kundin: „Ich brauche die Pille danach, haben Sie die?“
Ich: „Ja habe ich.“
Kundin: „Können Sie die auch bringen?“

Nein. Notdienst hat man im Normalfall alleine. Hauslieferungen gibt es nur tagsüber – das ist auch in den 2,50 nicht inbegriffen. Im übrigen reicht das mit der Pille danach auch morgen noch: die kann man bis max. 5 Tage nachher nehmen.

Anruf: „Haben Sie… da?“
„Ja“
„Ok, danke. Kommen dann.“
Rekord: 7 Stunden später kamen „wir“ dann…

Und der Apotheker hat inzwischen in Erwartung des Patienten wahrscheinlich ziemlich schlecht geschlafen (wenn er dazu gekommen ist)

23.00 Uhr, Telefon: „Haben Sie Notdienst? Haben Sie Fiebersaft?“

Klassiker. Am liebsten wäre man ja sarkastisch ünd würde antworten: Nein, ich gehe immer so spät ans Telefon und Fiebersaft gibt es nur bei Deichmann…. (Schuhladen)

Anruf: „Ich bin erkältet und trinke Ingwer-Tee!! Kann ich trotzdem Milch-Produkte zu mir nehmen oder wirkt der dann nicht mehr?“

Seufz. der Ingwertee kommt wahrscheinlich aus dem Supermarkt, auch weil man der „Pharma“ misstraut, aber die Apotheke kommt für eine „medizinische“ Nachfrage nachts gerade recht.

01:35 Anruf, junge Frau: „Hallo, ich habe ein Problem, ich nehme Yasmin ein, und auf der Verpackung ist ‚dajksjlhds ajslka hfeakj‘ geschrieben.“
„Ehm…entschuldigung?“
„’dajksjlhds ajslka hfeakj‘, was soll ich jetzt machen?“
„Ist das deutsch?“
„Nein, ich glaube das ist portugiesisch!“
„Sorry, aber ich verstehe portugiesich nicht.“
„Ach so, ok…“

Das ist ein Problem, das wir in der Schweiz nicht haben: Offenbar ein Parallelimport-Medikament. Schon Yasmin, aber halt mit portugisischer Umpackung. Das sollte übrigens trotzdem eine Packungsbeilage in deutsch haben …

Männlicher Anrufer um 3:20 Uhr: „Kann ich die Pille danach für meine Freundin abholen?“
(… Erklärung, dass die Frau selber herkommen muss wegen der Abklärungen vor der Abgabe)
„Nein, ich kann meine Freundin nicht mitbringen, die will die Pille ja nicht nehmen!“

So funktioniert das aber nicht. Echt nicht.

Anruf um 3.30 Uhr : „Haben Sie Schnuller vorrätig? Meine Tochter macht mich wahnsinnig.“
Das „Beste“ war ja noch das die Frau rumjammerte sie wären auf einer Hochzeit und jetzt könnte sie gar nicht feiern…! Weil das Kind ständig schreit.

Rabenmutter. Sorry. Mein Mitleid gilt hier höchstens dem Kind, das sie mitschleppen musste und das sicher im Bett ruhig schlafen würde.

Aber auch wenn die Patienten oder Kunden wirklich vorbeikommen … nicht immer ist es so ein Notfall:

„Haben Sie Bittermandelöl? Ich möchte es nur mal riechen. Mein Nachbar hat ein Loch durch die Wand gebohrt und träufelt es in meinen Kaffee. Ich weiß es genau. Er will mich umbringen……“

Der Kunde nimmt seit Donnerstag täglich 4 Dolomo (Schmerzmittel-Kombipräparat), die nicht helfen und jetzt (Nachts nach 12 Uhr) will er Grippemittel …

Ich denke nicht, dass das die richtige Lösung ist …

Muss man morgens um 4 Uhr schleimlösenden Hustensaft kaufen, weil das Kind die „Sofortwirkung“ braucht? Ich glaub`s ja nicht, aber wenn Eltern unbedingt wach bleiben wollen…

Schleimlösende Mittel „wirken“ erst dann gegen den Husten, wenn der so verflüssigte Schleim abgehustet wurde …

Um 5.45 Uhr steht jemand vor der Tür mit einem Rezept über Moviprep. Um 8.00 Uhr sei der Termin zur Darmspiegelung…

Ja – das ist dann definitiv zu spät. Mit der Darmspiegelungs-vorbereitung muss man mindestens einen Tag vorher anfangen.

Gestern wollte der Kunde das Rezept mit dem Antibiotikum nicht einlösen…
Heute nacht steht er damit wieder vor der Türe : „Möchten Sie es doch einlösen?“
Antwort : „Ja. Ist scheiße so.“

Das ist dann allerdings irgendwo verständlich.

Haftcreme ist ja auch so’n Notdienstartikel…

Genauso wie Zahnbürsten, befeuchtende Augentropfen und Nasenspray …. Es gibt Situationen, wo man das ganz plötzlich braucht. Aber dann sollte man sich nicht über den Preis oder gar die Notdienstpauschale beklagen. Haben die Leute schon einmal den Schlüsseldienst, den Klempner oder den Abschleppdienst nachts gebraucht? Da zahlt man für den Notdienst dann viel mehr.

Xa…irgendwas

rpxawas

Wirkliches Rezept von diesem Jahr.

Das steht (ziemlich okay lesbar) Xatral ret 0.5 1 OP (30) D.S: 1 täglich abends

Soweit, so … schlecht.

Xatral gibt es nur als 0.25 mg nicht retardierte Tablette. Es ist ein Mittel mit Alfuzosin bei vergrösserter Prostata. Interessanterweise gibt es in anderen Ländern davon wirklich lang-wirksame Formen, die man dann nicht 3x täglich, sondern 1x täglich nimmt.

Hier vermute ich aber, dass er etwas ganz anderes meint. Nicht zuletzt, weil es sich um eine PatientIN handelt.

Aber sicherheitshalber muss ich beim Arzt anrufen, um von ihm die Bestätigung zu bekommen, dass er eigentlich Xanax retard 0.5mg aufschreiben wollte …

Was sich hinter „neue Formel“ so verbirgt …

supradynneueformel

Was erkennt das geübte Auge? Auf dem Supradyn links steht „neue Formel“. Das ist (aus Erfahrung) leider meist kein Grund zur Freude. Hier auch nicht. Die neue Formel enthält nämlich kein Chrom und Molybdän mehr – was im alten Multivitaminpräparat mit Mineralstoffen und Spurenelementen noch drin war.

Nach dem Grund gefragt, haben wir von Bayer erfahren, dass sie die Ausgangsstoffe nicht mehr in der erforderlichen Qualität bekommen können. Deshalb mussten sie es herausnehmen.

Das wäre übrigens kein Problem gewesen, wenn das Mittel nicht eine Zulassung bei der Swissmedic hätte (was man in der Schweiz am Buchstaben – in dem Fall „D“ für ‚auch in Drogerien erhältlich‘- auf der Packung sehen kann). Die Zulassungsstelle für Heilmittel stellt (hohe) Ansprüche an Qualität und die Hersteller müssen die GMP (Good Manufactoring practices) befolgen. Zur GMP gehört auch die Qualitätskontrolle der Ausgangsstoffe – und wenn es da happert … eben. In dem Fall dürfen sie es nicht mehr mit dem minderwertigen Stoff herstellen und müssen für die „neue Formel“ neue Unterlagen einreichen zur Zulassung. Die haben sie bekommen – das alte Supradyn darf allerdings nur noch bis Februar nächstes Jahr verkauft werden, dann hat es die Zulassung verloren und muss vom Markt. (Präzision mit Dank an Bayer für das nette mail:  Nur die Supradyn energy Brausetabletten mit Zitronengeschmack mit der alten Formulierung, die aus dem Sortiment genommen werden, dürfen noch bis Ende Februar verkauft werden. Die Supradyn energy Brausetabletten mit Orangengeschmack und die Filmtabletten mit der alten Formulierung dürfen bis zum Ablauf des Verfalldatums noch verkauft werden.)

Wenn das Supradyn (wie viele neue Multivitaminpräparate) allerdings nicht als Heilmittel zugelassen wäre, sondern als Nahrungsergänzungsmittel … dann würde es das weiterhin in der alten Form geben. Denn Nahrungsergänzungsmitteln unterstehen nicht der gleichen Kontrolle der Qualität.

Was dann eigentlich bedeutet, dass in den in den Supermarkt erhältlichen Multivitaminpräparaten weiterhin Chrom und Molybdän drin sein kann. Dort interessiert das keinen, woher das kommt oder wie „rein“ das ist …

(Brrr.)

An der Stelle erinnere ich auch an den Artikel Falsche Supplemente in den Regalen über  pflanzlichen Mittel in Amerikas Supermarkt, worin sich teils keine der angegebenen Wirkstoffe nachweisen liessen …

Dosett-Adventskalender

img_2061Was für eine coole Idee! Aus dem Wochendosiersystem (Dosett) wird ein Adventskalender. Die Tagesschachteln sind ja unterteilt in Morgen-Mittag-Abend-Nacht … da hat man genug Platz für 24 Tage plus eine Extrabox.

Für dieses Jahr leider zu spät, aber für nächstes Jahr klaue ich mir die Idee.

(Entschuldige, liebe M.)

Apotheken aus aller Welt, 717: Malakka, Malaysia

apo_malaysia_malakka

Die ist ja herz-ig! Danke, Julia!

Ferienmitbringsel: Grippeimpfung?

südländisch aussehende Frau (süFra) in der Apotheke: „Bekomme ich von Ihnen die Grippeimpfung?“

Pharmama: „Sie wollen sich impfen lassen?“

süFra (abwehrend): „Nein, ich soll meiner Mutter eine in die Türkei mitnehmen.“

Pharmama: „Nun – wenn Sie mir ein Rezept dafür bringen, dann kann ich Ihnen eine abgeben.“

süFra: „Ich denke, Sie machen Grippeimpfungen?“

Pharmama: „Wir spritzen die, wir geben nicht einfach Packungen ab. Die Grippeimpfung ist sonst auch rezeptpflichtig.“

süFra: „Sie ist? Aber wie machen Sie das mit den Impfungen?“

Pharmama: „Entweder kantonale Ausnahmeregelung oder indem der Arzt in der Apotheke impft.“

süFra: „Oh.“

Pharmama: „Ausserdem … Sie sagten, das ist für in die Türkei?“

süFra: „Ja?“

Pharmama: „Das könnte noch ein Problem geben mit dem Transport. Die muss gekühlt gelagert und transportiert werden – und Spritzen sehen sie im Flugzeug auch nicht so gern.“

süFra: „Oh.“

Überraschung? Aber: Haben die dort auch Lieferprobleme, dass sie eine von hier mitbringen soll?

Apotheken aus aller Welt, 716: Ban Nahin und Champasak, Laos

Von Julia – zwei Apotheken aus Laos: Ban Nahin und Champasak – Danke nochmals!

apo_laos_bannahinapo_laos_champasak

Fast Freiluft-Apotheke 🙂

Die falsche Geschenkekarte

Aus der Kategorie „Auch Apotheker machen Fehler“ (gut, es war hier vielleicht die Pharmaassistentin, aber das ist Detail) hier ein ganz besonderes Fettnäpfchen:

Danke, dass ich das bringen darf, T.!

gutkarte1gutkarte2

Für diejenigen, die das „Desaster“ noch nicht erkannt haben (immerhin ist das sowohl der Angestellten, als auch der Nichte durchgerutscht), hier die Erklärung:

Eine Mitarbeiterin (PTA, 45 Jahre) hat anstelle eines unserer Gutscheinvordrucke für einen 80. Geburtstag eine Trauerkarte beschriftet und als 20€-Gutschein verkauft! Die Tante Friedel hat dies scheinbar mit Fassung getragen und die 20€ in zwei Etappen bei Einkäufen verrechnen lassen. Ich könnte im Erdboden versinken..!

Oh Gott! – Wenigstens hat es das Tantchen mit Humor genommen, so wie es aussieht.

Mehr Fettnäpfchen, Missverständnisse und (amüsante) Verwirrungen aus der Apotheke findet ihr hier zusammengestellt: Missverstanden und aneinander vorbei geredet.

Es schneit immer … irgendwo

Alle Jahre wieder …. Das ist ein neuaufgelegter Post von 2009.

Es ist noch etwas früh und … nichts mit Schnee … zumindest hier. Dabei finde ich den Schnee ja toll.

Und für alle anderen, die das auch tun, habe ich hier eine Website: Snow days. It is always snowing somewhere.

Dort kann man selbst Schneeflocken basteln (nach dem alten Scherenschnittmodell)  und auch die von anderen Leuten aus der ganzen Welt anschauen.

Ein herziger Zeitvertrieb!

das ist eine von meinen:

Dann wünsche ich viel Spass beim basteln!

Merken

Apotheken aus aller Welt, 715: Kampong Thom und Kratie, Kambodscha

Nochmals Julia, diesmal mit Apotheken aus Kampong Thom, Kratie auch in Kambodscha

apo_kambodscha_kampongthom

apo_kambodscha_kratie

Antidote und Gegengifte

Auf speziellen Wunsch von Hermione – und weil ich das Thema selber sehr spannend finde: etwas über Gifte und Antidote. Wikipedia sagt darüber:

Das Antidot vermag

  • die Toxizität (Giftigkeit) einer Substanz zu vermindern
  • eine Substanz an sich zu binden
  • eine Substanz in weniger giftige Substanzen umzuwandeln
  • eine Substanz vom Wirkort zu verdrängen
  • die Verstoffwechselung einer Substanz zu beschleunigen
  • die Ausscheidung einer Substanz zu beschleunigen

Ein Antidot kann über eine oder mehrere dieser Fähigkeiten verfügen und so die Gefährlichkeit des Zustandes für den betroffenen Organismus verringern oder ganz beseitigen. Antidots sind größtenteils selbst toxisch und sind daher nur eingeschränkt prophylaktisch (vorbeugend) verabreichbar.

Der Ausdruck Gegengift kommt also nicht (nur) daher, da es gegen ein Gift wirkt, sondern auch daher, dass es selber ein Gift sein kann.

Klassisches Beispiel dafür wäre Alkohol. Der Ethanol, den wir in Getränken zu uns nehmen ist zwar nicht offiziell als „Gift“ eingestuft, aber ist ungesund und macht entsprechende Erscheinungen bei Einnahme: er macht die Leberzellen kaputt (Leberzirrhose und -verfettung), schädigt die Neubildung von roten Blutkörperchen, ist teratogen, hat also direkten Einfluss auf das Kind im Mutterleib mit bleibenden Schäden, und zeigt auch direkt nach Einnahme physiologische Effekte: Schwindel, Übelkeit, Orientierungsstörung, Reaktionszeitverlängerung, gesteigerte Aggressivität etc. Für ungeübte Trinker liegt die letale Dosis bei etwa 3 bis 4 Promille. Leute die viel trinken, „trainieren“ aber ihre Leberenzyme – die den Alkohol auseinanderbrechen und abbauen -so dass schon Werte bis 7 Promille gemessen wurden, ohne dass die Person gestorben ist.

In schlecht hergestellten Alkoholika kann Methanol enthalten sein – teilweise wurde es auch schon zum „strecken“ absichtlich zugefügt. Methanol ist chemisch ähnlich wie Ethanol, selbst nicht giftiger, ABER wird im Körper in der Leber durch ein Enzym (ADH = Alkoholdehydrogenase) in Formaldehyd und Ameisensäure abgebaut.  Die Ameisensäure führt dann zu einer akuten Übersäuerung, einer metabolischen Azidose, wodurch Nerven geschädigt werden (zuvorderst der Sehnerv, deshalb die häufigen Meldungen von Erblindungen) und kann durch Atemlähmung zum Tod führen.

Gegengift: Um also diesen Abbau zu verhindern, „beschäftigt“ man das Enzym ADH mit normalem Ethanol, bis der Methanol unabgebaut aus dem Körper verschwunden ist. Dafür muss aber während einigen Tagen ein ziemlich hoher Alkoholspiegel aufrechterhalten werden. Heute benutzt man deshalb öfter 4-Methylpyrazol (Fomepizol), das das Enzym ebenfalls hemmt und nicht so „giftig“ ist wie Ethanol, dafür teurer und sicher weniger lustig für die Betroffenen.

Paracetamol, nicht gerade, was man als „Gift“ bezeichnen würde: ein bekanntes, vielgebrauchtes Schmerz- und Fiebermittel auch in Schwangerschaft und bei Kindern einsetzbar – aber es macht bei Überdosierung (egal ob versehentlich oder in suizidaler Absicht) schwere Beeinträchtigung der Leberfunktion. (Nur) 10g eingenommen innert 24 Stunden können beim Erwachsenen zu einer irreversiblen Leberschädigung oder Leberversagen führen, bei Alkoholikern und anderen mit Leberschäden reicht schon weniger. Die Leber ist ein lebenswichtiges Organ, ohne sie können wir nicht leben. Auch hier ist das Problem, dass der Körper Paracetamol zur Ausscheidung in der Leber umbaut – dabei entsteht auch N-Acetyl-p-benzochinomin, das dann toxisch wirkt.

Gegenmittel ist hier N-Acetylcystein, das dies abfängt, indem es damit Konjugate (Verbindungen) eingeht, die dann ungiftig sind. Amüsanterweise ist das dasselbe N-Acetylcystein (ACC), das sehr häufig bei Husten als Schleimlöser verwendet wird. Wenn man das rechtzeitig und hochdosiert verabreicht) kann man damit verhindern, dass die Leber zu Grunde geht. Ansonsten bleibt nur noch eine (hoffentlich rechtzeitige) Lebertransplantation. Im Gegensatz zur Niere hat man hier noch keine Möglichkeit die komplexen Funktionen der Leber zu simulieren.

Aktivkohle ist speziell behandelte Kohle aus verschiedenen Substanzen, sie besteht überwiegend aus Kohlenstoff (meist > 90 %) mit hochporöser Struktur: sehr Schwammartig. Die innere Oberfläche beträgt zwischen 300 und 2000 m²/g Kohle, damit entspricht die innere Oberfläche von vier Gramm Aktivkohle ungefähr der Fläche eines Fußballfeldes. Dadurch ist sie in der Lage verschiedene Substanzen an sich zu binden. Das geht nicht mit allen, grundsätzlich steigt die Adsorbierbarkeit einer Verbindung mit steigendem Molekülgewicht, steigender Anzahl funktioneller Gruppen wie Doppelbindungen oder Halogenliganden und steigender Polarisierbarkeit des Moleküls. Alkohol bindet es nicht (zu klein), aber etwas wie Paracetamol schon und auch Bakterien.

In der Medizin wird Aktivkohle vor allem dafür benutzt, Giftstoffe aus dem Magen-Darm-Trakt zu entfernen. Bei harmlosen Durchfallerkrankungen, z. B. Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis), werden üblicherweise Kohlekompretten benutzt. Bei Vergiftungsnotfällen wird Aktivkohle in größerer Menge benutzt, um oral aufgenommene Gifte, die sich im Verdauungstrakt befinden oder einem enterohepatischen Kreislauf unterliegen, aus dem Organismus zu entfernen. Die Dosierung ist in solchen Fällen 0,5 bis 1 g Kohle pro Kilogramm Körpergewicht bei einem erwachsenen Menschen.

Zum Beispiel bei Paracetamol: Unmittelbar bis etwa eine Stunde nach Einnahme einer Überdosis Paracetamol kann Aktivkohle angewendet werden.ei Zu spät aber und ohne Acetylcystein kommt es zu einem fortgeschrittenen Leberversagen nachdem die Lebertransplantation die einzige verbleibende Therapieoption ist, welche dem Patienten noch eine Überlebenschance eröffnet.

Es gibt noch mehr so interessante „Kombination:“

Opiate – Gegengift: Naloxon

Flusssäure – Gegengift: Calciumgluconat

Cumarinderivate – Gegengift: Vitamin K

hier findet sich eine Liste und Erläuterungen: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Intoxikationen_und_Antidota

Andere Leute schicken

Mit den Dauerrezepten ist das so eine Sache. Das Rezept bleibt in der Apotheke und der Patient kann (nach Bedarf) zu uns kommen und weitere Packungen erhalten. Im Normalfall bekommt der Patient ausser dem Medikament nicht noch irgendeinen Zettel mit: der Name / Ausweis und die Info, was gebraucht wird reicht uns beim Abholen.

Bei bestellten Sachen haben die Leute einen Abholzettel, bei Dauerrezepten den Ausweis (zum Beispiel die Krankenkassenkarte), manchmal die leere Packung: da steht die Info auch auf dem Dosierungsetikett. Mit der Zeit kennen wir auch „unsere“ Stammkunden, die müssen dann nur noch sagen, was sie brauchen.

Was aber, wenn jemand anders als der Patient, für den das Dauerrezept ist, Medikamente abholen will?

Eines der ersten Dinge, die wir bei einer Abgabe immer abklären müssen ist der Empfänger des Medikamentes. Wenn ein Mann etwas abholen kommen will und einen Frauennamen nennt, ist es ziemlich deutlich, dass das nicht der Empfänger ist.

Gut, wenn ich die Person kenne und ich weiss, das ist der Ehemann der Frau (und er hat sie auch schon begleitet), dann gehe ich im Normalfall davon aus, dass das okay ist. Oder ich hinterlege einen Kommentar, wer die Erlaubnis hat, Medikamente für die Person zu holen.

Letzthin hatten wir aber einen Fall, wo ein Mann für seine Freundin ein Medikament – Seresta (starkes Beruhigungsmittel) abholen wollte. Er hatte nichts (ausser dem Namen der Patientin und dem Mittel). Kein Ausweis, keine Bestätigung, ich habe ihn noch nie gesehen …

Ich habe ihm gesagt, ich brauche entweder eine schriftliche Erklärung oder mindestens einen Telefonanruf von ihr zur Bestätigung, damit ich ihm das mitgeben kann.

Ich meine, das ist heute keine Sache mehr: er kann sie rasch per Natel informieren, ich bekomme einen Anruf und stelle ein paar Fragen … ihre Telefonnummer war übrigens nicht hinterlegt, sonst hätte ich da angerufen. Und nennen wollte er sie mir auch nicht.

Er war nicht ganz so zufrieden (gelinde ausgedrückt) und ging dann. Auch den Rest des Tages habe ich nichts mehr von ihr (oder ihm) gehört. Das macht mich doch etwas misstrauisch.

Es gibt Vorschriften. Ich drücke nicht einfach irgendwelche (potenten) Medikamente jemandem in die Hand zum mitnehmen, wenn ich nicht sicher bin, dass das an der richtigen Stelle ankommt.

Vielleicht war das ihr Freund – im dööfsten Fall war das aber einfach jemand, der irgendwie mitbekommen hat, dass sie das nimmt und versucht so (gratis und bequem für ihn) an das Medikament zu kommen.

Übrigens: auch der Ehemann hat nicht automatisch die Erlaubnis Medikamente für die Frau abzuholen (oder umgekehrt). Das Patientengeheimnis (zum Beispiel) gilt selbst gegenüber Verwandten. Meistens ist die Abgabe aber okay: die Partner wissen nicht nur für wen und was gebraucht wird, man kann auch anfragen bei Zweifel, ob das gegeben werden soll … Aber wir haben mindestens einen Fall, wo „sie“ einen Kommentar bei sich hinterlegen liess, dass „er“ keine Tabletten für sie abholen darf. Die beiden sind (weiter) verheiratet und kommen gelegentlich zusammen. Mir ist das recht – hauptsache, wir wissen es.

Apotheken aus aller Welt, 714: Siem Reap, Kambodscha

Besten Dank an Julia:

Anbei ein paar Bilder von Apotheken aus Südostasien für deine Apotheken-aus-aller-Welt-Sammlung. Die Apotheken habe ich fotografiert in Siem Reap in Kambodscha

apo_kambodscha_siemreap

apo_kambodscha_siemreap2

%d Bloggern gefällt das: