Apotheken in aller Welt, 140: Berlin, Deutschland

Rerun, da neue Fotos (vom 19.7.11)

Die hatten wir zwar schon einmal, aber weil es so schön ist: Aus Berlin schickt uns der Hauptstadtsani:

Auf den Fotos sieht man die optisch eher unspektakuläre Apotheke am Berliner Hauptbahnhof, die aber sicherlich eine der meistbesuchten Apotheken Deutschlands sein dürfte (bei 300.000 Reisenden und Besuchern im Bahnhof pro Tag). Als besonderer Service ist sie 24 Stunden geöffnet, so dass man nicht auf irgendeinen Nachtdienst angewiesen ist, falls man in der Nähe wohnt. Mindestens die Hälfte der ziemlich großen Ladenfläche ist übrigens für nicht-medizinische Artikel wie etwa teure Kosmetik…
Nachtrag 21.5.14: von Maggy
Noch eine Apotheke aus Berlin. Diese hat 24h täglich geöffnet und ist am Berliner Hauptbahnhof.
Die Mitarbeiterin, die ich erwischt habe, war sehr nett und kompetent.
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Hat denn sonst keiner gemerkt …?

… dass da ein Loch im Messbecher ist?

Der Messbecher ist hier zum abmessen der Menge Wasser, die man zum Zubereiten (Lösen) des Antibiotikums braucht.

Im Normalfall mache ich das in der Apotheke noch gerne auf der Waage, wo ich das Wasser dazu wäge. Das hat den Vorteil, dass ich nicht von den Strichen auf der Flasche abhängig bin, die anzeigen, bis wohin man auffüllen muss. Denn das geht, wenn man es richtig machen will, nur in 2 Etappen mit einer langen Wartezeit dazwischen, da der gezwungenermassen heftig geschüttelte Sirup (Lös.Dich.Endlich!) erst wieder die Bläschen loswerden muss, bis man sieht, wo der Flüssigkeitspegel denn jetzt ist. Dazu ist es so einiges genauer.

Dafür brauche ich aber die Angabe der Menge Wasser, die dazu kommt. Die steht heute (Danke, liebe Pharmafirmen) sogar meist aussen auf der Verpackung drauf. Nur nicht beim Cedax. Da musste ich den Beipackzettel auseinandernehmen und suchen. Dafür geben sie einem diesen Messbecher mit.

Die Flasche mit dem Pulver leicht beklopfen, um das Pulver aufzuschütteln. Bei der 30-ml-Packung den Messbecher bis genau zur 28-ml-Markierung mit Leitungswasser auffüllen. Das Leitungswasser in die Flasche mit dem Pulver geben. Die Flasche verschliessen und solange schütteln, bis sich das Pulver im Wasser gleichmässig verteilt hat. Dies ergibt 30 ml gebrauchsfertige Suspension. Vor jedem Gebrauch ist die Flasche erneut zu schütteln.

Aha. 28ml. (Steht zwar nicht auf dem Messbecher, aber glauben wir jetzt mal).

Aber … das Loch?

Lustigerweise liegt das Loch unterhalb des Striches, bis zu dem man Wasser einfüllen muss. Es funktioniert (Dank der Oberflächenspannung des Wassers) trotzdem. Hat aber den netten Effekt, dass, wenn man das auch nur etwas überfüllt, es da rausläuft. (Hoppla).

Vorteil: Da kann man gar nicht zuviel abmessen – was zuviel ist, läuft automatisch raus. Das könnten also auch nicht so fingerfertige Leute: sonst ist das Abmessen des Antibiotikasirups fast schon als „Feinarbeit“ zu bezeichnen, wenn man das zu Hause mit dem Wasserhahn macht.

Aber man muss dann gut schauen, welche Seite des Bechers man nach unten nimmt beim Eingiessen (Hoppla 2).

Also: eigentlich eine coole Erfindung. Habe ich vorher noch nirgends gesehen.

Muss ich die Wirklich nehmen?

Die Pharmaassistentin kommt mich holen: „Da ist eine Frau hier mit einem Rezept. Sie sagt, Sie habe das vom Arzt verschrieben bekommen, aber Sie will es nicht nehmen.“

Das ist eine schwierige Situation, denn obwohl es am Ende die Entscheidung des Patienten ist, ob sie etwas nehmen, oder nicht, ist das oft nicht in ihrem besten Interesse.

Ich schaue mir das Rezept an. Es ist für eine Hormonersatztherapie in der Menopause. Ah. Okay.

Frau: „Ich habe gehört die Tabletten machen Krebs. Muss ich die wirklich nehmen?“

Pharmama: „Es gibt einen kleinen Anstieg in der Wahrscheinlichkeit, Krebs zu bekommen, aber eigentlich nicht genug, dass Sie die nicht ausprobieren könnten. Für was für Beschwerden haben Sie das denn verschrieben bekommen?“

Frau: „Hauptsächlich starke Hitzewallungen … und dann habe ich noch ein Risiko für Osteoporose.“

Nach einer kurzen Diskussion über die Wirkung und Nebenwirkung des Medikaments wollte sie es immer noch nicht und fragt nach anderen Möglichkeiten.

Pharmama: „Dieses hier ist eines der wirksamsten Mittel, aber …. wir können noch anderes versuchen. Bitte sagen Sie aber auch ihrem Arzt, was Sie dann nehmen.“

Dann erzähle ich ihr über die pflanzlichen (Salbei! Traubensilberkerze!) und ja, auch homöopathischen Alternativen und was sie an ihrem Lebensstil ändern kann.

Sie ging dann das versuchen.

Die Hormonersatztherapie hat einen ziemlichen Wandel hinter sich. Als ich angefangen habe in der Apotheke zu arbeiten, wurde das vielen Frauen verschrieben und häufig angewendet. Dann kamen die Informationen, dass das wohl wirkte, aber dass es auch das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen anhebe und ebenso das für Thrombosen –(keine Überraschung, wenn man an die Pille denkt, die ja auch Östrogen drin hat) und für bestimmte Krebsarten.

Daraufhin nahm die Anwendung der HRT rapide ab (Von etwa 37% der Frauen imJahr 2000 auf etwa 7-8% 2012). Heute verschreibt der Arzt das eigentlich nur noch, wenn man wirklich starke Beschwerden hat und die Risiken vorher abgeklärt wurden. Ersatzweise nimmt man lieber lokal wirksame Produkte  mit Östrogen– zum Beispiel, wenn Scheidentrockenheit das Problem ist.

Im Endeffekt entscheidet die (hoffentlich gut informierte) Patientin, was sie machen will. Die Hormonersatztherapie ist auch nicht … lebensnotwendig, dann ist es auch ein persönliches Abschätzen von Nutzen und Risiko.

Apotheken aus aller Welt, 489: Guadeloupe, Frankreich

Und die zweite Apotheke  von Ozyan  aus der Karibik:

die andere in Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe. Leider war ich in beiden nicht drin, auf Guadeloupe haben die wirklich klatschnassen Klamotten das verhindert, nachdem wir kurz zuvor in einen tropischen Regenguss geraten sind.

Apotheke-Guadeloupe

 

Ja, auch das Auto sieht entsprechend nass aus. Da sieht man, dass auch in der Karibik nicht immer alles „eitel Sonnenschein“  ist :-)

Dank in Naturalien

Bitte und gern geschehen, lieber Kunde, den ich letzte Woche verarztet habe. Das gehört bei mir zum Job.

Danke (trotzdem) für die Weihnachtsgutzis (!) die Sie danach als Dankeschön gebracht haben … leider musste ich die entsorgen, da abgelaufen. Gefreut habe ich mich auch so für den Dank.