Wie wird man eine gute Apothekerin?

Frischer weisser Schurz und den Kopf voll von theoretischem Wissen – so stehen neue Apotheker in der Apotheke. – Bald ist es wieder soweit, die Abschlussprüfungen des hiesigen Jahrgangs sind bald fertig, dann fängt für einige Apotheker/innen die Arbeitswelt an.

Apotheker zu sein und fertig ist anders als die Arbeit im Praktikumsjahr. Auf einmal kann man sich nicht mehr hinter jemandem anderen verstecken – man hat niemanden mehr, der für einen hinsteht und die problematischen Fälle ausbügelt und Lösungen beschliesst. Auf einmal arbeitet man alleine.

Wahrscheinlich ist man nicht darauf vorbereitet. Als Neuling ist man das eigentlich nie. Ich war es sicher auch nicht.

Als ich hier in der Apotheke anfing, hatte ich einen Probetag hinter mir (eine Woche zurückliegend) und das war’s dann. Denn am Tag als ich eingeführt werden sollte, meinte mein Chef – „Ich fühle mich nicht so gut, ich denke, ich gehe nach Hause. Du machst das schon.“

Und weg war er. Krank zu Hause.

Und da stand ich. Allein. Mit der ganzen Verantwortung nur noch auf meinen Schultern.

Kein Sicherheitsnetz mehr.

Ich hab’s überlebt. Mich mit Hilfe der anderen Mitarbeiter ins Geschäft eingearbeitet – und ein paar Tage später dann doch noch eine richtige Einführung bekommen.

 

Aber ich habe hier ein paar Tipps für die frischen Pharmazeuten:

Das Studium der Pharmazie gibt einem ein Diplom, aber es bringt einem nicht wirklich bei, wie man ein Apotheker wird. Man ist nicht fertig mir lernen, nur weil man den Abschluss in der Tasche hat. Eigentlich … fängt man erst richtig an. Im Studium wird einem alles in schwarz/weiss beigebracht. Das ist aber nicht so, tatsächlich gibt es eine Menge graue Abstufungen. Was für die eine Person funktioniert, missrät bei der nächsten völlig. Es gibt keine Patentlösungen, die bei allen Situationen klappen. Wenn man das versteht, ist man schon sehr weit. Wer flexibel ist, wird nicht gebrochen.

Lass Dir Zeit. Entgegen dem, was manche zu denken scheinen, geht es nicht darum Rezepte so rasch wie möglich auszuführen. Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst um es korrekt zu machen – bei jedem einzelnen Rezept. Mit der Übung geht es schneller – aber noch einmal: das Ziel ist richtig und nicht schnellstens.

Du bist nicht besser als andere, nur weil Du jetzt eventuell mehr verdienst. Es mag sein, dass Du alle möglichen Fakten und Statistiken im Gedächtnis hast, jede Art Behandlung für alle Krankheiten aufsagen kannst, aber gegenüber der eingesessenen Apothekerin, die Patienten hat, die man fast nur als Fans bezeichnen kann, hast Du nichts voraus. Sie kümmert sich um sie. Und sie wird deshalb zurückgeliebt.

Eine überhebliche Einstellung bringt einen nirgendwohin. Nur weil man einen weissen Schurz anhat, macht das einen nicht besser als andere. Oder weiser. Tatsächlich werden die Leute Deine ältere Pharmaassistentin lieber um Rat fragen … jedenfalls, bis man selber ein paar Jahre zugelegt hat. Wenn man jung und weiblich ist, gilt das noch viel mehr, als wenn man jung und männlich ist. Da muss man drüber wegkommen. Das ist nicht persönlich gemeint. Das ist einfach so.

Schau die Leute anders an. Man sieht im Normalfall das, was man sehen will. Wenn man sich antrainiert, etwas Gutes in jedem zu finden, wird man den Leuten auch einfacher verzeihen, wenn sie einen enttäuschen und – wichtiger, sie werden dir verzeihen, wenn du sie enttäuscht.

Du hast kein Recht unhöflich zu sein. Nie. Bis zu dem Moment, wo Du deinen eigenen Lohn zahlst, wirst Du immer jemanden haben, dem Du Rechenschaft schuldest und Unhöflichkeit wird von Deinen Vorgesetzten nicht verteidigt, sogar wenn sie vielleicht gerechtfertigt war.

Es ist nie die Nachricht, die schlecht ankommt bei den Leuten, es ist normalerweise, wie man es sagt. Effektive Kommunikation ist ein Kurs, wo sich die Weiterbildung lohnt. Rede nicht an jemanden heran, rede mit ihm. Es ist okay zu sagen, „Wenn ich sie richtig verstehe, dann …“ . wenn sie denken, Du verstehst sie, dann hast Du die halbe Schlacht gewonnen. Es ist wichtig, zu empathisiseren. Wenn Dein Kunde der Überzeugung ist, dass Du auf seiner Seite bist, wird er Dir weniger Probleme machen. Zum Beispiel: es hört niemand gerne, dass der Arzt immer noch nicht das Rezept geschickt hat. Da kann man durchaus sagen: „Ich verstehe, dass sie das ärgert! Uns macht es auch verrückt, wenn wir schon 2 x angerufen haben und trotzdem nichts passiert. Vielleicht rufen sie einmal an, schliesslich sind sie ja der Patient.“

Sei deinen Kunden ein Freund.

Rede mit Deinen Patienten. Das ist der gute Teil des Jobs. Natürlich gibt es darunter welche, die einen verärgern (manchmal auch absichtlich), langweilen oder schocken. Aber am Ende des Tages ist das der Teil der Arbeit, der einem am meisten zurückgibt. Versuch es, auch wenn Du (wie ich) eher zu den introvertierten Leuten gehörst.

Stell Fragen statt Dinge anzunehmen. In der Apotheke geht es oft um die Gesundheit – und damit auch um das Leben der Menschen. Dinge anzunehmen statt sie zu erfragen und damit zu wissen kann sehr negative Auswirkungen haben. Also frag beim Arzt nach, wenn etwas unleserlich oder eine Dosierung unklar ist. Frag den Patienten, ob er weiss, wie man etwas nehmen muss und erkläre es ihm noch einmal, selbst wenn er es schon hatte.

Deine Pharmaassistentinnen sind deine rechte Hand und dein Lebensretter. Sie können deine Arbeit einfach machen oder schwerer. Natürlich gibt es welche, die besser sind als andere, aber arbeite mal ein paar Stunden ganz alleine – dann weißt Du, was Du an ihnen hast. Nur weil sie kein Diplom haben, heisst das nicht, dass sie nicht auch wertvoll sind.

Lerne von Deinen Fehlern. Obwohl man von uns nahezu Perfektion verlangt, sind Apotheker doch auch Menschen und wir machen Fehler, wie jeder andere auch. Ich selber habe einige Fehler gemacht, falsches Medikament gelesen, falsche Dosis angeschrieben und manches falsch eingeschätzt. Wichtig ist, dass man wirklich von den Fehlern lernt und sie nicht wiederholt – wo möglich.

Involviere Dich in den Zukunft deines Berufes und halte Dich informiert, was um Dich herum passiert. Das Gesundheitswesen ändert sich schnell – und es gibt Sachen, die man machen kann, damit man am Schluss nicht nur das ausführende Opfer ist. Du entscheidest mit, wohin der Apothekerberuf gehen wird. Also ist es wichtig beim Apothekerverein Mitglied zu werden – und vielleicht auch in anderen involvierten Organisationen.

Wenn du etwas sagst, dann halte es. Versprich nicht jemandem etwas und mach es dann nicht. Und wenn du es nicht durchziehen kannst, dann solltest Du besser alles versucht haben, bevor du aufgibst. Wenn Du etwas nicht tun konntest für einen Patienten, dann sollte er wissen, dass Du dein Bestes gegeben hast.

Hab Spass. Natürlich ist die Arbeit anstrengend – auf so ziemlich allen Ebenen, aber es gibt immer wieder Möglichkieten bei der Arbeit Spass zu haben. Mit den Kollegen zu scherzen. Ausserhalb etwas zu unternehmen. Ergreife die.

 

Das sollte es etwa sein. Deine Patienten mögen nicht so gut zu dir sein, wie Du zu ihnen, aber wenn Du Haltung bewahrst, realistische Erwartungen hast, Deine Grenzen lernst und Dich anständig benimmst, und Dich um sie kümmerst – dann bist Du eine gute Apothekerin. Und das ist ein sowohl fordernder als auch lohnender Beruf.

So wie die momentan wieder Telefonwerbung für Krankenkassenwechsel machen …

… ist das fast die beste Werbung für eine Einheitskrankenkasse.

Liebe Krankenkassen: DAS NERVT!

Noch mehr, wenn man weiss, dass das gar nicht mehr erlaubt ist. Die Frau hat dann auch rasch wieder aufgehängt, als ich ihr das gesagt habe und gefragt habe, für wen sie denn anruft. Mein Kuschelbär hatte gestern mehr Mühe die eine wieder loszuwerden. Er ist aber auch zu lieb.

(Nein, ich bin nicht für eine Einheitskrankenkasse – auch wenn das mit der Werbung dann prompt aufhören würde).

Apotheken aus aller Welt, 512: Kos, Symi, Griechenland

Danke vielmals an Pharmaziestudent Stephan für diese Apotheken mit Ferien-Feeling:

ich war kürzlich auf Segelreise über ein paar griechische Inseln und habe dabei ein paar Apotheken fotografiert. Mir persönlich gefiel die in Symi in der Marina am besten(drittes Bild). Das Sortiment ist unserem recht ähnlich. Einige heimische Marken habe ich dort auch gefunden.

 

Apotheke auf Kos:
Kos-zentrum
Apotheke auf Symi:
Symi-wohngegend
Symi-marina

Dafür ist keine Zeit!

Das war eine unglaublich hektische Woche. Speziell der Freitag.

Ein jüngerer Mann rennt in die Apotheke, er schaut … zerzaust aus und hat riesige Schweissflecken auf dem T-Shirt.

„Ich brauche Hilfe. Ich muss etwas haben, um jemanden zum erbrechen zu bringen, ansonsten stirbt er!“

Wa…?

Pharmama: „Da kenne ich leider gar nichts mehr (früher gab es noch Ipecac Sirup). Sie sollten sofort mit ihm in den Notfall gehen, oder die Sanität rufen, wenn es so schlimm ist.“

Verschwitzter Mann: „Dafür ist keine Zeit, er wird sterben!“

Und rennt wieder raus. Keine Ahnung, wohin.

Ich verstehe nicht ganz, wie man in einer Situation sein kann, wo es zu spät ist für die Sanität/den Notfall, aber etwas, das man in der Apotheke kauft, kann ihn noch retten? Ehrlich, ich hoffe, er war etwas dramatisch – vorher gesehen habe ich ihn noch nie.

Apotheken aus aller Welt, 511: Kyauk Myaung und Tagaung, Myanmar / Burma

Steffi sammelt schon länger Apotheken für mich (und darf gerne noch ein paar Bilder schicken :-) )

zwei Apotheken von unserer Reise durch Myanmar im Herbst 2013.
Die eine stammt aus dem Dorf Kyauk Myaung (hier bin ich mir ehrlich gesagt, nicht ganz sicher, ob es eine Apotheke oder ein Arzt ist), die andere aus Tagaung. Spannend finde ich die Aufbewahrung, so in der Auslage, bei so ca. 35°C im Schatten… *örks*

Myanmar-Kyauk-Maung-2

Myanmar-Tagaung