Apotheken aus aller Welt, 527: Bergama, Türkei

Auf Klassenreise haben wir Bergama in der Türkei besucht, und während die pubertierenden Kinder auf dem Bazar „echte Markensachen“ jagten und ich mit dem Kollegen in brütender Hitze warten durfte, stellte ich fest, dass ich direkt vor zwei Apotheken stehe. So gibts Fotos ;-)

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Später in der Stadt gabs noch eine.. die sind – abgesehen vom Zustand des Gebäudes – irgendwie alle ähnlich aufgebaut… wenig Werbung, sowas wie Kosmetikartikel hab ich nicht gesehen, und offene Regale mit den gesamten (?) Vorräten. (3, 7, 8)

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Die Apotheke mit dem grünen Boden dort schien in einer alten Tankstelle untergebracht zu sein, direkt vor dem Markt. Direkt daneben gab es eine moderne Tankstelle… (4, 5, 6)

 

 

 

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Lediglich bei der einen Apotheke war ein Orthopädietechniker (?) und ein Optiker integriert, aber irgendwie so zusammen oder doch getrennt – das Gebäude wurde auch durch eine Straße getrennt (aber auf beiden Seiten gabs Medikamente…) so ganz verstanden hab ich es nicht. (1, 2, 9)

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Spannend! Danke vielmals Martina.

Feldversuche …

Die Patientin (eine Stammkundin, eine ältere Dame), bringt mir ein Blister* von Voltaren retard 100: „Ich hätte gerne wieder eine Packung von denen.“

Ich gehe in ihr Computer-Dossier. Ich finde nichts. Seltsam. Ein eindeutig rezeptpflichtiges Medikament und ich hätte bei ihr schwören können, dass sie sonst alles von uns bezieht.

Pharmama: „Haben Sie das schon einmal von uns bekommen?“

Patientin: „Nein.“ 

Pharmama: „Wo haben Sie das das letzte Mal her?“ 

Patientin: „Meine Nachbarin hat das vom Arzt als Muster bekommen und ich habe von ihr ein paar bekommen. Die wirken gut gegen Schmerzen.“

Ich schaue ein bisschen entsetzt, denn die Frau bekommt unter anderem Blutverdünner und Blutdrucktabletten … und wenn sie das einfach so nimmt, ohne … ich mache den Mund auf um etwas dazu zu sagen, aber die Patientin kommt mir zuvor:

Patientin: „Brauche ich jetzt dafür ein Rezept, damit sie mir das geben können? Meine Nachbarin hat das ja auch ohne Rezept bekommen …“

Ja. Direkt vom Arzt, Wahrscheinlich zum ausprobieren, ob das geht bei ihr. Und nicht um Frei-Feldversuche an der Nachbarschaft durchzuführen. Also: ja, zum Arzt.

 

*Blister = die Alu-innenverpackung, wo die Tabletten eingeschweisst sind.

gesucht wird – bei Pharmama

immer wieder interessant, mit was für Such-Anfragen die Leute auf meinem Blog landen. Ob die wohl gefunden haben, was sie suchen?

pille danach kaufen peinlich – das sollte nicht peinlicher sein als Kondome zu kaufen. Etwas aufwändiger allerdings – bei uns gibt es das nur nach einem Gespräch mit der Apothekerin und in Deutschland muss man dafür zum Arzt ein Rezept besorgen.

zahlt die krankenkasse die pille in der schweiz – nein. Ausser es hätte eine andere medizinische Anwendung als „nur“ Verhütung und man hat eine Bestätigung von der Krankenkasse, dass die das ausnahmsweise übernehmen.

ab wann muss die pille in der schweiz selber gezahlt werden – in dem Moment, wo du sie beziehst. Es gibt hier keine Alterseinschränkung ab wann die Krankenkasse das zahlen oder nicht mehr zahlen würde – siehe oben: die zahlen das grundsätzlich nicht.

welche impfung bekommt man im herbst – also machen kannst Du dann alle, aber ich glaube, du denkst an die Grippeimpfung? Für die ist der optimale Zeitpunkt zwischen Oktober und Ende November.

gibt es noch merfen-orange ? – Nein. Das Zeug enthielt Quecksilber, das macht man heute nicht mehr.

wie teile ich die kapseln von lyrica – Du.Kannst.Kapseln.Nicht.Teilen. Echt nicht. Wenn der Arzt dir das so verordnet hat – frag ihn nach einer anderen Dosierung.

woran merkt man das pille durch antibiotika nicht wirkt – spätestens dann, wenn man schwanger geworden ist. Besser man fragt vorher nach oder liest die Packungsbeilage – falls nicht die Apotheke oder der Arzt schon auf das Problem aufmerksam gemacht hat. Wechselwirkungen der hormonellen Verhütungsmittel kann man auch hier nachlesen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

pharmazie studieren zeitaufwand – kommt darauf an, wie du lernst und ob du die Prüfungen bestehst. Minimum: 5 Jahre.

wieviel tage muss man waschen wenn man madenwürmer hat – waschen ist gut als Prophylaxe, dass andere sich nicht anstecken und man sich selber nicht wieder ansteckt, aber zur Behandlung reicht das nicht. Dafür gibt es Tabletten / Sirup aus der Apotheke.

kann man noch was schreiben auf ein arzt rezept – der Arzt ja. Du nicht, das fällt sonst unter Urkundenfälschung. (siehe auch: das verdächtige Rezept)

arzt gibt ingwerzäpfchen – Nein. Tut er nicht. Das ist bloss so eine sexuelle Phantasie von Dir, an der ich hier nicht teilhaben will-

mein schwangerschafts test zeigt leicht an das ich schwanger bin – Merke: ein bisschen schwanger gibt es genau so wenig wie „ein bisschen tot.“ Ob die Schwangerschaft allerdings hält, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

joghurt rehts getret und lienks getret – Den kann man drehen, wie man will (schon klar: es war die Milchsäure darin gemeint), aber was ich am bemerkenswertesten fand: in dem Satz war Joghurt richtig geschrieben … und sonst so ziemlich gar nix

wie kann man eine muschi bauen – Handwerker, huh?

maden unter der vorhaut – Ah, Brrr. Erst mal gründlich (und dann: regelmässig) waschen – und falls das trotzdem wieder auftritt: zum Arzt.

off label use isotretinoin – Isotretinoin ist ein Aknemittel zum einnehmen, das nicht ganz ohne ist, was die Nebenwirkungen angeht und Schwanger werden darf man darunter auf keinen Fall, weil das Missbildungen macht. Deshalb untersteht es strengen Vorschriften, was die Verordnung angeht … unter anderem sind regelmässige Schwangerschaftstests vorgeschrieben und es darf bei Frauen nur für je 30 Tage verschrieben werden. So steht es in der Packungsbeilage und Fachinformation. Trotzdem sehe ich ständig (!) Dauerrezepte über 3 und sogar 6 Monate und Packungsgrössen von 100 Stück, die Frauen verschrieben werden. Das wäre auch eine „off label use“, denn so steht das nicht in der Packungsbeilage … und demnach müssten die Krankenkassen das nicht zahlen. Die Ärzte, die das so aufschreiben neigen ausserdem noch dazu ausgesprochen gereizt auf Nachfragen diesbezüglich zu reagieren. Ich habe aber Gründe da nachzufragen und das nicht so abzugeben … unter anderem, weil in den letzten 2 Jahren allein in der Schweiz 13 Frauen, die mit Isotretinoin behandelt wurden schwanger geworden sind. Das sind genau 13 zu viel. (Quelle: https://www.swissmedic.ch/aktuell/00673/02221/index.html?lang=de)

Psychopharmakotherapie griffbereit, von Jan Dreher – Rezension

Jan Dreher ist der Autor des Blogs Psychiatrie to go, den ich seit Jahren aufmerksam verfolge. Sein Blog ist sowohl interessant wie lehrreich – und er weiss, worüber er schreibt: er ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, bis 2014 leitender Oberarzt am Alexandrier Krankenhaus in Köln, Ausbildungsleiter und Dozent am verhaltenstherapeutischen Ausbildungsinstitut kbav und ab nächstem Jahr Chefarzt im Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Neurologie und Psychotherapie in Krefeld.

Für iBook und kindle hat er 2013 schon eine praxisnahe Einführung in die Psychopharmaka veröffentlicht: Psychopharmakologie to go. Das wurde nun in Zusammenarbeit mit dem Schattauer Verlag überarbeitet und weiterentwickelt.

Dies ist das aktuelle Buch: Psychopharmakotherapie griffbereit

Ich darf hier eine der ersten Rezensionen schreiben – und ich sage bewusst darf – denn, entgegen der Meinung einiger, die mich das Buch lesen gesehen haben und bemerkt haben „das ist aber schwere Lektüre“ … das ist es eigentlich nicht.

Nicht von der Grösse – ein Taschenbüchlein, das sogar in eine Kitteltasche passt- und auch nicht vom Inhalt.

Ja, es ist voll von Information über die Anwendung von Medikamenten – nicht nur was sie machen, sondern vor allem, wann man was einsetzt und wie. Das hört sich trocken wie Staub an, aber Jan Dreher schafft es diese Information auf eine Art herüber zu bringen, die nicht nur lehrreich ist, sondern auch flüssig zu lesen. Praxisbeispiele, Anwendungserfahrungen, Trivia sind so eingestreut, dass sie das Buch auflockern und einem manches besser im Gedächtnis bleibt. Gut, ich bin jemand, dem Geschichten viel besser im Gedächtnis bleiben als die reine Aufzählung von Fakten und Zahlen …. damit bin ich sicher nicht die einzige.

So habe ich jetzt auch gelernt, dass die Valproinsäure ursprünglich als Lösungsmittel eingesetzt wurde für anderer Wirkstoffe gegen Epilepsie … bis man dann irgendwann merkte, dass nicht diese „Wirkstoffe“ für die Wirkung verantwortlich waren, sondern das Mittel, in denen sie gelöst waren :-)

Aber zurück zum Buch: Es ist umfassend und genau in seinem Bereich. Im Buch werden Medikamente, psychoaktive Genussmittel (Nikotin, Alkohol, Coffein …) und Drogen (Cocain, Cannabis, Amphetamine …) beschrieben.

Die Medikamente sind nach den (Haupt-)Wirkungen psychiatrischer Medikamente aufgeteilt: antidepressiv, antipsychotisch, phasenprophylaktisch, angstlösend und beruhigend.

Es wird gezeigt, wie verschiedene psychiatrische Krankheitsbilder behandelt werden (Depressionen, Psychosen, Manien, ADHS, auch Angst- und Schlafstörungen …). Besonders schön zu sehen, wie der Autor anhand seiner (langjährigen) Erfahrungen erklärt, weshalb und wie man dabei vorgeht. Ich in der Apotheke sehe ja meist nur die andere Seite, also welche Medikamente die Leute bekommen, aber es ist doch sehr gut da dahinter zu sehen „weshalb“ das jetzt verordnet wird (und nicht etwas anderes).

… Wobei ich hier noch anmerken möchte, dass es manchem Psychiater (und auch Hausarzt, der psychiatrische Probleme mitbehandelt) hier gut tun würde, das Buch zu lesen.

Nicht ausgelassen werden auch Nebenwirkungen bei den einzelnen Medikamenten und dass man die Patienten als Arzt gut darauf vorbereiten sollte, was sie zu erwarten haben – das manches nicht sofort wirkt, dass sie sich melden sollen, wenn sie Gewichtszunahme haben, dass Bluttests gemacht werden müssen … und dass es gerade in der Psychiatrie nicht reicht, Medikamente zu geben. Häufig gehören da noch Verhaltenstherapien und weiteres dazu.

Das Buch ist verständlich geschrieben, kommt aber natürlich nicht ohne Fachwörter aus (immerhin ist das ein Fach- und Lehrbuch). Dafür hat es am Ende ein Glossar mit den gängigsten erwähnten Begriffen.

Für mich als Apothekerin bringt das Buch auch in der Praxis etwas, nicht nur als „professioneller Blick dahinter“, sondern weil ich anhand dem mehr Verständnis für die Patienten habe, die diese Mittel nehmen und sie dadurch auch besser in der richtigen Anwendung unterstützen kann – deshalb ist das Buch nicht nur für die beschriebene Zielgruppe „Psychiater, Psychotherapeuten, Hausärzte, Internisten, Krankenpflegepersonal, Betreuer, Angehörige und Patienten“ geeignet, sondern eben auch für Apotheker.

Das solltest Du noch ergänzen Jan … für die anderen (Kleinigkeiten) bekommst Du von mir an die im Buch angegebene email-Adresse eine Nachricht (Quetiapin gibt es zum Beispiel bei uns in der Schweiz auch schon als Retard-Formulierung als Generikum).

Ansonsten: Unbedingte Kaufempfehlung für die angegebene Zielgruppe!

(Auch wenn das Buch nicht ganz günstig ist – aber wer hat schon mal ein günstiges Lehrbuch gesehen?)