Medikamentensterben im OTC Bereich: Euceta, Vita Merfen (und Hemeran?)

Nach Migräne Kranit letzten Monat erreichte uns vor ein paar Tagen auch in der Apotheke überraschend die Nachricht, dass gleich zwei weitere, sehr bekannte Marken vom Markt verschwinden. Und auch hier: praktisch per sofort.

Die OTC Sparte der Novartis scheint momentan ein bisschen Probleme zu haben – ob das ganze mit der Übernahme durch die Glaxo diesen Frühling zusammenhängt ist zu vermuten. Grosse Internationale Firma übernimmt auch den lokalen Markt und … wahrscheinlich wird da ein bisschen … ausgemistet, wobei ich bei diesen beiden Produkten nicht von „Mist“ reden kann. Im Gegenteil. Das sind alles alte, wohlbekannte und sehr gut verkaufte Produkte – was erklärt, wieso das hier so durch die Presse geht.

Woran liegt es? An unterschiedlichen Gründen.

Beim Euceta hatten sie schon eine Zeitlang wiederkehrende Probleme mit einem Inhaltsstoff. Das Alginat, das sie für den Gel brauchen haben sie vom alten Lieferanten nicht mehr bekommen. Der neue Lieferant hat welches geliefert, das … unregelmässige Resultate lieferte. Das entstandene Gel (Alginat ist ein Gel-Bildner) wurde klumpig. Das ist kein Sicherheitsproblem, sondern ein kosmetisches, aber es fällt den Kunden natürlich auf. Die mögen klumpige Gels nicht. Es kam dann zu einzelnen Reklamationen und zu einem Rückzug der betroffenen Charge. Die Vertreterin der Novartis hat uns gesagt, dass sie neues Alginat bekommen haben und dabei wären die Chargen noch mal zu testen, da sie nicht wollten, dass ein als minderwertig angesehenes Produkt in den Handel kommt. Das schadet dem Ruf. Nun, sieht so aus, als wäre auch diesmal das Alginat das Problem – und offenbar ist kein besseres zu bekommen, also … nehmen sie das Produkt gleich ganz aus dem Handel. Daneben … momentan ist das Aluminium ja so negativ in der Presse … und der Hauptwirkstoff von Euceta ist (neben Kamille und Arnika) Essigsaure Tonerde-Lösung, oder (lateinisch) Aluminii Acetatis Tartratis Solutio …
Möglicher Ersatz: Genau gleichwertiges gibt es nicht, aber zumindest macht die Phytopharma noch ein Gel mit Essigsaurer Tonerde-Lösung, das man nehmen kann.

Das Vita-Merfen … das begreife ich ehrlich gesagt auch nicht ganz gleich. Bewährtes Produkt, bisher kaum Probleme ersichtlich bezüglich Nachschub oder den Inhaltsstoffen – es ist wohl an Platz 2 der meist verkauften Wundcremen … und trotzdem kommt das weg? Die Wundsalbe enthält (oder besser: enthielt) als Desinfektionsmittel Chlorhexidin und Benzoxonium cl, zur Unterstützung der Haut in der Wundheilung Retinol palmitat (ein Vitamin A Derivat) und als Salbenbildner Wollfett und Wollwachsalkohole. Mit diesen als Grundlage war sie ziemlich fett – fetter als das Konkurrenzprodukt Bepanthen plus, was nicht bei allen Wunden von Vorteil ist. Vermutlich liegt das Problem auch hier beim Naturstoff Wollfett – aber das ist nicht bestätigt.
Möglicher Ersatz: Vita Hexin von Streuli, auch eine sehr fette Wundsalbe – enthält allerdings weniger Vitamin A, nur 1 Desinfektionsmittel und dafür zusätzlich zum Wollfett noch Lebertran.

So wie es aussieht, liegt grad auch noch ein drittes OTC Produkt der Novartis (neu GSK) in der Schwebe: Das Hemeran (Gel, Emulgel, Creme). Auch das ein sehr bekanntes Produkt – allerdings seit Monaten nicht mehr lieferbar. Beim Hemeran liegt das Problem am Wirkstoff Heparin. Noch ein Naturprodukt. Das ist seit einiger Zeit rar, respektive nicht in ausreichend guter Qualität zu erhalten – vor einiger Zeit gab es da sogar weltweit Rückrufe deswegen. Das Heparin, das auf dem Markt ist, das ist kontingentiert – und das bekommen erst mal die Firmen, die damit „richtige“ Medikamente herstellen (zum spritzen und anderes). Der Rest (wenn vorhanden) wird dann verteilt an die anderen, die damit Medizinprodukte herstellen – die Novartis steht mit dem Hemeran offenbar ziemlich unten auf der Liste. Ob und wie das wieder kommt ist also (leider) fraglich.
Möglicher Ersatz: die anderen Heparin-(und Heparinoide)-haltigen Salben wie Lyman, HepaGel, Hirudoid etc.

Die Novartis OTC Sparte in der Schweiz tut mir also momentan wirklich leid. Auf der amüsanten Seite: gestern hatte ich einen Kunden in der Apotheke, der sich spezifisch nach Euceta und Vita-Merfen erkundet hat und das noch kaufen wollte. Nun, vom Vita-Merfen konnte ich seinen Wunsch (noch) erfüllen, das Euceta nicht. Als ich ihm Ersatz anbot, meinte er: „Ach, nein. Wissen Sie, ich brauche das eigentlich gar nicht. Ich wollte die nur noch zu Hause haben.“
?
Keine Ahnung für was? Aus sentimentalen Gründen? Oder landet das dann irgendwann auf E-bay mit einem 100fach teurerem Preis als Souvenir oder Erinnerungsstück für Sammler?
(Notiz an mich: vielleicht sollte ich den Preis vom restlichen Vita-Merfen … anpassen).

Apotheken aus aller Welt, 552: Nusplingen, Deutschland

Anbei die Apotheke in Nusplingen. Der Supermarkt im Ort ist oft nur halbtags geöffnet, der Metzger macht im Sommer vier Wochen Urlaub, die Tankstelle sieht sehr wenig vertrauenserweckend aus, von dem wenigen Ladenlokalen die es gibt stehen zwei leer. Auch die Apotheke glänzt wie man auch im Foto erahnen kann nicht durch übertrieben lange Öffnungszeiten, sieht aber durchaus so aus als würde man dort kompetent und engagiert geholfen.
nusplingen
Das ist doch schon was. Danke Dir, Daniel!
Ergänzung: Offenbar war Daniel am Mittwoch nachmittag dort, denn es erreicht mich folgende Ergänzung in den Kommentaren, die ich nicht vorenthalten will:

Im Ort gibt es zwei Metzgereien, die sich in der Urlaubszeit abwechseln, sodass es keinen Tag gibt (außer Sonntag), an dem eine Metzgerei geschlossen hat. Der Supermarkt hat jeden Tag von 7 bis 12 Uhr und von 14.30 bis 18.30 Uhr geöffnet, in den 3 Wochen Handwerkerferien hat er von 7 bis 14 Uhr geöffnet. Bei der Tankstelle kann man tanken, so wie an allen anderen Tankstellen auch. Und die Apotheke hat außer Mittwoch Nachmittag jeden Tag morgens und nachmittags geöffnet und man bekommt alle Medikamente, die man braucht. Wenn diese mal nicht vorhanden sind, werden sie spätestens am Nachmittag geliefert.

Für einen kleinen Ort mit ca. 2000 Einwohnern ist das doch gar nicht schlecht, oder?

Einmal täglich für alle E-Book-Reader

neobooks

Für den Kindle gab’s das Buch ja schon – jetzt also auch für alle anderen E-Book-Reader!

Viel Spass damit!

Zum Download als ePUB Format auf neobooks und per sofort (!) auch in fast allen anderen Shops, die ebooks anbieten:

Apple’s iBook store , Buch.de/.ch/.at,  Thalia.de/ch,  Weltbild.de/.ch,  Bol.de, Books.ch und ?

… falls ihr Euch selber mal etwas gönnen möchtet.

Und natürlich könnte ich noch ein paar Rezensionen brauchen :-)

Auf die Apotheke abwälzen (2)

Gastposting von Robert:

Unsere Apotheke inmitten von Selbstdispensierenden (SD) Ärzten hat in 50 m Entfernung einen Hautarzt. Rezepte sind äusserst selten, daher klingeln bei uns sofort die Alarmglocken, wenn dann mal eines kommt.

Heute ein Rezept mit Acetocaustin.

Das ist ein Mittel gegen Warzen, rezeptpflichtig, das aber von der Krankenkasse nicht übernommen wird.

Diskussion mit der Kundin: Warum wird das nicht bezahlt und warum hat mir das der Arzt aufgeschrieben…? usw.

Fazit:

Er hat das nicht in seinem Sortiment, da das auf der Negativ-Liste ist. Er gibt das ihr nicht selbst ab, weil er dann diskutieren muss und die Kundin es bezahlen muss. Eine Kasse in der Praxis ist dann schon zu aufwändig und es ist einfacher, wenn wir in der Apotheke das mit der Kundin diskutieren.

Ich habe der Kundin das so erklärt – sie war mit mir einig – unglaublich aber wahr. Sie wird ihn darauf ansprechen…….. hoffentlich.

Übrigens: in der Hand hatte sie 3 Produkte, die die Krankenkasse übernimmt, die hat sie direkt von dem Arzt bekommen, ohne Tasche…….

 

Und jetzt sage mir noch einmal jemand, was an der SD so Patientenfreundlich ist.

Auf die Apotheke abwälzen (1)

Bei uns in der Schweiz ja total unbekannt (zum Glück!) in Deutschland aber gang und gäbe: Retaxationen. Das bedeutet, die Krankenkasse zahlt der Apotheke ein dem Patienten bereits abegegebenes (und verwendetes) Medikament nicht zurück – mit teils unglaublichen Begründungen wie kleinsten Formfehlern (der Arzt hat auf dem Rezept die Dosierung nicht ausgeschrieben, Kreuze nicht nochmal visiert, bei Gemeinschaftspraxen den verschreibenden Arzt nicht genau gekennzeichnet, die Nummer des Arztes nicht korrekt ist), oder wenn nicht genau das von der Kasse verlangte Rabattarzneimittel abgegeben wurde (auch dann wird auf Null retaxiert, also gar nichts zurück bezahlt, nicht nur die Differenz nicht).

Hier ein Aufruf an meine deutschen Apotheker – Leser (und -innen): Bitte schickt mir doch Eure Beispiele von Fällen wo die Kasse retaxiert hat, ich würde gerne einmal mehr über diese üble Praxis schreiben! : an Pharmama08(at)gmail.com

Jetzt haben die Kassen offenbar entdeckt, dass sie mit ähnlicher Methode auch bei den Patienten direkt Geld sparen können. Ein privat versicherter Patient (der die Medikamente erst zahlen muss und dann den Beleg einschicken um das Geld zurück zu erhalten) hat von seiner Krankenkasse den Brief bekommen, dass von seinem bezogenen Medikament nur X Euro übernommen werde – die restlichen 17 Euro Differenz zum bezahlten Betrag dürfe er aber in der Apotheke zurück fordern, da der Preis, den die Apotheke verlangt hat, widerrechtlich über dem von der Kasse festgelegten Verkaufspreis für das Produkt liege. Dass dieser Preis hier auf Basis des günstigsten Reimportes (!) festgelegt wurde und dass dieses zu dem Zeitpunkt nicht einmal lieferbar gewesen ist (!!), ist dabei nebensächlich.

Die Kasse lässt die Apotheken also so aussehen, als verlangen sie absichtlich zu viel für das Medikament.

Der erboste Patient erschien dann in der Apotheke, um das auszudiskutieren, verstand aber nach einer längeren Erklärung den Sachverhalt. Der wird jetzt auch mit der Krankenkasse abgeklärt, ob ihr Verhalten da rechtlich ist. (Quelle: Apotheke-adhoc)

 

Das mag jetzt für die deutschen Patienten überraschend sein, aber bei uns gibt es das schon länger, dass die Krankenkasse einen Preis für etwas festlegt, der Abgabepreis aber höher sein kann und der Patient dann die Differenz selber übernehmen muss. Das passiert bei uns häufiger bei Produkten der MiGeL (Mittel- und Gegenstände-Liste) wie Blutzuckerteststreifen, Nadeln, Verbandmaterial etc.

Je nachdem übernimmt das auch die Zusatzversicherung, aber wenn so etwas bei uns auftritt (das sehen wir beim Eingeben im Computer) kassieren wir das entweder grad ein oder informieren den Patienten, dass er eventuell eine Rechnung zu erwarten hat. Im Gegensatz zu Deutschland verlangt die Krankenkasse das dann aber nicht von der Apotheke zurück.

Das Verhalten der Krankenasse hier gegenüber Patienten und vor allem gegenüber der Apotheken finde ich frech – aber es geht noch besser.

Heute Mittag: wie man als selbstdispensierender Arzt Arbeit und Preisdiskussion auf die Apotheke abwälzt.

Weihnachtsdeko

 

Das ist Junior unterm Weihnachtsbaum, den wir am schmücken sind. Wer reicht ihm noch eine Kugel?

xmasdeko

 

Unser Baum ist noch (lange) nicht fertig, aber ich bin sicher, einige von Euch haben schon ganz wunderbare Weihnachtsdekoration aufgehängt und gestellt.

Schickt mir ein Bild von Eurer schönsten / liebsten Dekoration und ich bringe sie Weihnachten im Blog. Ich denke, wir können alle noch ein bisschen Weihnachststimmung brauchen!