
Wir sind am 18.10. (hoffentlich) wieder zurück. Euch allen auch eine gute Zeit!
Wem bis dahin langweilig ist, empfehle ich einen Blick ins Archiv oder die Zufallsfunktion (beides zu finden in der rechten Seitenleiste).
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Wir sind am 18.10. (hoffentlich) wieder zurück. Euch allen auch eine gute Zeit!
Wem bis dahin langweilig ist, empfehle ich einen Blick ins Archiv oder die Zufallsfunktion (beides zu finden in der rechten Seitenleiste).
Der Lehrling reicht mir das Telefon mit den Worten: „Sie will die Apothekerin!“
„Pharmama’s Apotheke, Pharmama am Telefon.“
„Wer ist Martina Hefti*?“
„Ummm … ich weiss nicht. Jedenfalls arbeitet sie nicht bei uns. Weshalb fragen Sie?“
„Weil ich hier Ihre Zeitung habe. Und diese Frau Hefti hat ein paar Artikel darin geschrieben. Also: Wer ist sie?“
„Sie meinen unsere Apothekenzeitung?“
„Ja genau.“
„Nun, ich denke, dann ist sie eine Medizin-Journalistin.“
„Sie denken? Weshalb wissen Sie das nicht?“
„Weil wir die Apothekenzeitung wohl auflegen, ich aber nicht an der Herstellung beteiligt bin.“
„Aber Sie müssen doch wissen, wer die Artikel für ihre Zeitung schreibt! Wie können Sie das überhaupt so auflegen, wenn Sie das nicht wissen?“
„Also: die Hersteller von dieser Zeitung sind Profis, da arbeiten auch Apotheker. Die müssen eine Ahnung haben, nicht nur von den Produkten, sondern auch von der Gesetzeslage – also für was und wie man Werbung machen darf. Aber ich kenne nicht die genauen Hintergründe von jedem, der dort schreibt.“
„Dann finden Sie doch heraus, wer diese Martina Hefti ist.“
„Oookay. Kann ich Ihnen zurückrufen, wenn ich die Info habe?“
„Nein! Ich will nicht, dass man mich einfach anruft!“ (Ja, ich sehe – die Frau hat auch eine unterdrückte Telefonnummer). „Ich rufe Ihnen zurück. Wann?“
„Ich denke ich kann die Info auf spätestens Morgen besorgen. Rufen Sie morgen bis 3 Uhr wieder an?“
„Gut.“
Sie hängt auf.
Ich rufe in der Redaktion der Zeitschrift an. Ich bekomme keine andere Auskunft als das, was ich ihr eigentlich schon gesagt habe: Frau Hefti ist Journalistin, spezialisiert auf Medizinische Informationen. In der Redaktion arbeitet sie mit Apothekern zusammen, so dass die Info, die rausgeht sicher korrekt ist. Ob die Frau ein spezifisches Problem mit einem Artikel habe?
Nicht dass ich wüsste.
Ich darf ihr die Adresse gerne weitergeben zum selber anrufen – steht übrigens auch im Impressum.
Im Internet finde ich mit einfachem googeln noch etwas mehr über die Autorin: Sie war früher tatsächlich mal Apothekerin, heute (freischaffende) Journalistin für verschiedene medizinische Zeitschriften und Journals.
Ich schreibe das alles auf … was gut ist, denn die Frau ruft nicht zurück bis 3 Uhr, sondern erst am darauffolgenden Tag. Meinem Frei-Tag.
Sagt meine Kollegin, die die Info überbringen durfte und die ihrerseits von der Frau zur Schnecke gemacht wurde, weil wir ein Heft auflegen, ohne alle Artikelschreiber persönlich zu kennen: „Was die Frau überhaupt nicht zu verstehen schien ist, dass nicht wir die Artikel für unsere Apothekenzeitung selber schreiben, sondern ein Autor. Als ob wir – also jeder in seiner persönlichen Apotheke – nur das auflegen dürfte, was auch von uns ist. Als ob wir Zeit für das hätten??“
Ja – und die Möglichkeit die Zeitung dann auch noch zu verlegen und zu drucken und gratis abzugeben. Illusionen haben die Leute.
*Name geändert – wie immer.

Auf der anderen Seite … so viel, wie ich hier schreibe …
Die Kundin fragt bei mir: „Haben Sie das neue Frauen-Parfum von Armani?“.
Nicht gerade meine Spezialität, aber wir haben ja kompetente Mitarbeiter:
„Moment – ich hole ihnen meine Kollegin, die kann ihnen das als Drogistin besser zeigen.“
Also gehe ich zu Sabine und sage: „Die Kundin fragt nach dem neuen Parfum von Armani“
Sabine: „Sie!“
Ich (leicht irritiert): „Ja, Sie fragt danach.“
Sabine: „Ja – sie.“
Ich: „Äh, ja- für Frauen.“
Sabine: „Nein, schau, das heisst so:“

Ach sooooo ….
Der alte Mann kommt in die Apotheke gewackelt mit einem herausgerissenen Notizzettel.
„Mein Freund hat gesagt, ich soll das bei ihnen holen.“
Auf dem Zettel steht nur „Hakle“
Das … ist doch etwas zu wenig Information.
„Was will er denn von Hakle?“
„Das was er immer hatte.“
„Oh. Und was ist das? Hakle macht diverse Sachen, Toilettenpapier, und Feuchttüchlein ….“
„Ich weiss nicht.“ meint der Mann etwas aus dem Konzept gebracht. „Aber er hat gesagt, er holt das immer hier.“
„Entschuldigen Sie, aber sind Sie sicher er hat uns – also die Apotheke gemeint? Weil … wir haben gar keine Hakle Produkte an Lager …“
„Ja, er hat gesagt ich soll in die Apotheke an der …Strasse gehen. Da hole er das immer.“
„Das sind wir, aber … Wie gesagt … ich habe keine Hakle Produkte hier. Könnten Sie ihn noch einmal fragen, was genau das sein soll?“
Vor sich hin mutternd verlässt der alte Mann die Apotheke wieder.
Aber weil mich das doch interessiert schaue ich nochmals in den Computer.
Ja. Keine Hakle an Lager.
Und beim Durchschauen, was wir davon bis jetzt gebraucht haben, sehe ich, dass wir genau von einem mal welche gebraucht haben. Vor 2 Jahren das letzte Mal, vor 3 Jahren das vor-letzte Mal.
Aber ist schon Klar: – immer.
Das ist ein Aufruf an meine Leser, die in einer Apotheke arbeiten: Zeigt mir doch einmal Eure Schubladen. Macht ein Foto und schickt es mir an pharmama08(at)gmail.com
Ich bin gespannt.
Pharmama – ihres Zeichens Schubladenzieherin (aber nicht nur)
von der P.sycho.T.A.nte

Und aus der St.Margarethen-Apotheke, die man auch auf google anschauen kann innen:

von Boreal diese aus Holz?

und eine sehr moderne Version (hübsch!) von Lidia aus Wien:

von Corinne eine sehr moderne klassische Schubladenwand:

von Doris welche mit glänzender Keramikabdeckung: (Sowas habe ich noch nie gesehen)

… ich nehme noch Einsendungen an :-)
Häufig in Kommentaren gelesen, Aussagen wie:
Dann würden ich Apotheken auch wieder ernster nehmen können…: “Globuli? Nein so etwas führen wir nicht, wir führen nur medizinische Produkte.”
Die Abgabe von und Werbung für Homöopathie widerspricht leider der Grundidee, dass Apotheken dafür da sind, ihre Kunden – auf gegenwärtigem wissenschaftlichem Stand – über die Sicherheit und Anwendung von Medikamenten zu beraten. Das geht irgendwie nicht richtig zusammen.
Wenn man den ganzen Homöopathieklimbim in Ihren Schaufenstern sieht, dann ist doch die wirtschaftliche Absicht nicht zu leugnen.
Homöopathika sind keine Medizin, sondern werden nur als solche beworben. Daher hat solches Voodoo nichts in der Apotheke verloren.
Wenn ich so etwas lese (hier oder anderswo), dann … nervt mich das immer etwas. Weshalb? Nicht weil ich Homöopathie-Verfechter bin, als Apothekerin bin ich mir der fehlenden wissenschaftlichen Studienlage sehr wohl bewusst und meine Eigenerfahrung hat mir gezeigt, dass das bei mir nicht (genug) wirkt, als dass ich das aktiv weiterempfehlen könnte. Aber so Aussagen und Forderungen die Homöopathie komplett aus der Apotheke zu verbannen gehen einfach an der Realität vorbei. An der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und der Gesetzes-mässigen.
So sieht die Realität aus: Seit 2013 gibt es eine Website, die die Adressen von Homöopathiefreien Apotheken in Deutschland sammelt: Das ist sie:

Was fällt dem geneigten (oder auch unwilligen) Betrachter auf? Genau: Da steht bisher EINE Apotheke drauf. Die ist in der Schweiz und … genau genommen ist auch sie nicht homöopathiefrei. Thomas Kappeler von der Apotheke Schaffhauserplatz schreibt:
Nur in Spezialfällen empfehlen wir Homöopathie Arzneimittel – dann aber als „Pseudoplacebos“. Es ist erwiesen, dass Placebos wirken können, z.B. durch Zuwendung und Liebe. In diesem Sinn kann Homöopathie gerade bei Kindern mit banalen Erkrankungen durchaus nützlich und sinnvoll sein.
Also: Nicht gerade das, was ich jetzt als homöopathie-frei bezeichnen würde. Aber ich denke DIESE Aussage können die meisten anderen Apotheker unterstreichen und dazu stehen. Mich inbegriffen. Das ist auch die Meinung, die ich von den anderen Apothekern meist höre, wenn ich es wage über das Thema zu diskutieren. Mit Apothekern kann man das nämlich … problematischer wird es mit manchen wirklich aggressiven Skeptikern. Das soll nicht abwertend sein gegen alle Skeptiker und Verfechter von Vernunft und Wissenschaft. Gar nicht. Aber auch diese müssen die aktuellen Realitäten von Gesellschaft, Gesundheitswesen und Gesetz anerkennen.
Und die sind im Moment so:
Homöopathie wird verlangt, wird verschrieben (ja, von Ärzten, auf Rezepten) und wird von den Krankenkassen übernommen. In der Schweiz wird sie mit anderen sogenannten alternativen Heilverfahren sogar von der Grundversicherung übernommen.
Das finde ich ja persönlich auch alles andere als gut – meiner Meinung nach gehört das in die Zusatzversicherung, aber das wäre ein Thema für einen anderen Blogpost. Die Homöopathie ist in der Grundversicherung gelandet nach einer Volksabstimmung 2009, wo alle Ständeräte und 67% der Bevölkerung den Artikel „Zukunft mit Komplementärmedizin“ angenommen haben. Das ist (leider) eine deutliche Mehrheit.
Dann etwas, das so verlangt und nachgefragt ist nicht an Lager zu halten – und womöglich auch nicht zu bestellen (nur) um der „Grundidee“ und „wissenschaftlichen Ansehen“ in den Augen einer (offensichtlichen Minderheit) zu entsprechen kann man sich einfach nicht leisten. Das ist die Realität.
Und um beim wirtschaftlichen zu bleiben: Bei dem Zerfall der Medikamentenpreise kann eine Apotheke nur mit den Medikamenten auf Rezept nicht überleben. Dazu braucht es den OTC-Verkauf. Und auch dazu gehören die homöopathischen Sachen. Die Preise bei denen sind (für das, was man bekommt) eher im oberen Bereich angelegt, das gilt aber auch für die Einkaufspreise dieser Mittel, das sollte man nicht vergessen. Ich denke nicht, dass die sehr nach unten gingen, wenn die Mittel woanders verfügbar wären.
Und damit wären wir beim nächsten Punkt, weshalb die Homöopathie in die Apotheke „gehört“: unpopuläre Meinung von mir und ich bin sicher, es gibt auch unter den Apothekern schwarze Schafe, aber: Homöopathie sind Heilmittel – für medizinische Anwendungen gedacht. Wir haben mit unserem medizinischen Hintergrundwissen die Möglichkeit einzugreifen. Zum Beispiel, wenn etwas behandelt werden soll, das unter Ärztliche Aufsicht gehört, weil es halt nicht mehr „banal“ ist. Malaria, HIV, Herzinfarkt … Im Beratungsgespräch kann der Apotheker herausfinden, ob das noch mit einem – um Thomas Kappeler zu zitieren – Pseudoplacebo behandelbar ist, oder ob es da wirksame Medikamente gibt oder ob es zum Arzt gehört. Das lernen wir im Studium. Das ist Wissen, das wir gerne weitergeben.
Zum Punkt „Pseudoplacebo“ wäre noch einiges zu schreiben. Inzwischen weiss man, dass Placebos praktisch eine Eigenwirkung haben. Das ist besonders gut ersichtlich bei der Wirkung gegen Schmerzen oder gegen Depressionen. Viel hängt davon ab, wie das Medikament gegeben wird (wie empfohlen, wie verabreicht, welche Nebenwirkungen zeigt es? wie teuer ist es?) Wahrscheinlich fallen noch eine Menge Medikamente in dem Sinn unter Pseudoplacebos …
Im Studium lernt man inzwischen standardmässig auch einen Teil Alternativmedizin – und die Homöopathie gehört dazu. In der Schweiz kann man sich auch speziell weiterbilden und den „FPH klassische Homöopathie“ machen – was ziemlich aufwändig und auch teuer ist. Man verzeihe es also den motivierten Apothekern, die nach dieser Indoktrinierung wirklich zur Homöopathischen Apotheke stehen. Für mich ist das okay – solange sie nicht anfangen die wissenschaftlich belegten Methoden zu diskreditieren, so wie die Impfungen zum Beispiel …
Manchmal hat man auch einfach nichts (anderes), das man geben kann. Es ist vielleicht gegen jede Krankheit ein Kraut gewachsen … aber Medikamente gibt es noch nicht gegen alles und für jeden. Speziell bei Kindern gibt es da grosse Defizite und auch bei Schwangeren, wo man wirklich vorsichtig ist – Homöopathie kann man eigentlich immer geben (vorausgesetzt es gehört nicht zum Arzt).
Das ist etwas, was man ausprobieren muss. Ich weise die Patienten und Kunden darauf hin, dass das etwas homöopathisches (oder anthroposophisches, Spagyrisches etc.) ist, wenn ich ihnen etwas empfehle. Ich empfehle etwas dann, wenn ich kein Medikament sonst dagegen habe, oder vielleicht ergänzend als Zusatzverkauf (Don’t kill the messenger, please). Ich weise die Leute nicht extra darauf hin, wenn sie so ein Mittel direkt bei mir verlangen – dann frage ich höchstens nach, für was sie es brauchen – denn ich denke, dass das ihnen schon bewusst sein sollte. Genauso wenig empfehle ich es Leuten, die schon mit der Aussage: „Aber geben Sie mir etwas, das wirkt und nichts so pseudomedizinisches!“ in die Apotheke kommen.
Aber darauf verzichten, nur um einem Ruf gerecht zu werden, nein, das kann ich auch nicht.
Und jetzt hoffe ich, dass ich nicht grad gesteinigt werde von den Homöopathie-Gegnern und dass eventuelle Diskussionen (auch von Seiten der Befürworter wo es genauso heftige Verfechter gibt) sich in anständigem Rahmen bewegen.