Sind Drogisten süss?

Unser Drogist Urs hat noch ein paar Nachwehen vom alten Geschäft.

Heute habe ich so halb mitbekommen, wie er einen Kunden wie einen Kollegen begrüsst hat – offenbar war das so. Er hat mir nachher erzählt, wie das abgelaufen ist. Anscheinend hat der junge Mann auch im Kaufhaus gearbeitet, in einer anderen Abteilung allerdings. Wie Urs meinte, war er sich nie ganz sicher, ob er … naja, eher vom gleichen Geschlecht angezogen wird. Jedenfalls hat der Kollege ihn heute erkannt und da haben sie neben dem Einkauf noch ein bisschen geplaudert, wie es Urs so geht, was der Kollege jetzt so macht  … bis zu dem Moment, wo ein junger Mann zur Türe hereinschaut und ziemlich aggressiv ruft: „Was dauert da so lange? Du wolltest doch nur rasch was kaufen?!“

Kollege pikiert: „Ja, schon gut, ich habe hier nur den Urs getroffen, der hat doch früher mit mir gearbeitet.“
Worauf der junge Mann hereinkam, sich demonstrativ neben den Kollegen stellte und Urs sehr misstrauisch musterte: „Ah ja?“

Am liebsten (meinte Urs zu mir) hätte er ihm gesagt, dass er sich keine Sorgen zu machen brauche. Da sei er keine Konkurrenz. Auch wenn es ungewöhnlich ist heute als Mann in einer Drogerie arbeitend …

Was mich zu der Frage inspiriert:
Habt ihr das Gefühl, dass man heute Männer, die in der Drogerie, Parfümerie arbeiten als homosexuell ansieht?
Ist nicht meine Erfahrung, also: weder dass sie es sind, noch dass man sie so ansieht. Oder irre ich mich da?

Kann ich gleich wieder schliessen?

Nach der ersten Patientin heute hätte ich die Apotheke am liebsten wieder zugemacht. Dabei sah sie noch so normal aus.

„Ein Ibuprofen 400 und das.“

Das ist ein Packungsausschnitt von einem Rectoseptal Zäpfchen für Erwachsene.

Ich habe einen ziemlich guten Überblick, was wir alles hier haben und was nicht (bin ich doch für Bestellungen und neu an Lager-nehmen verantwortlich und helfe beim verräumen auch fleissig mit). Deshalb weiss ich ohne nachzuschauen, dass wir das nicht hier haben. Wir haben die Rectoseptal Zäpfchen für Kinder da – aber schon bei denen habe ich mich diverse Male gefragt, ob es das noch braucht. Sie enthalten Wismut (Bismuth), ein zwar ziemlich ungefährliches Schwermetall, das aber einfach überholt ist als Wirkstoff. Es wird nur noch von wenigen Eltern verlangt, die das von „früher“ kennen. Und Zäpfchen für Erwachsene kommen heute sowieso nicht so gut an.

Deshalb sage ich ihr: „Das Ibuprofen habe ich Ihnen gleich, die Zäpfchen kann ich …“

Soweit komme ich, da fängt die Frau an unflätigst auszurufen:

„Das ist so eine SCHEISSE! Das ist überall so! Überall! Schon das letzte Mal musste ich das bestellen! KEINE Apotheke hat das an Lager, was ich brauche! Ich verstehe überhaupt nicht, warum es EUCH blöde Apotheken überhaupt gibt!? Wenn man JEDESMAL etwas bestellen muss und IHR NIE etwas an Lager habt! Sowas ist doch einfach UNMÖGLICH! Ich WILL nicht jedes verdammte Mal NOCHMAL kommen müssen, nur weil SIE …“

Ich habe die Frau noch nie vorher gesehen. Aber mit dem Gebrüll fühle ich mich jetzt echt persönlich angegriffen. Ändern kann ich das ja nicht, aber ich versuche eine Erklärung.

„Nun, wir haben das in den letzten 4 Jahren nie gebraucht, es wurde nicht einmal verlangt. Da wundert es mich nicht, wenn das niemand an Lager hat. Aber ich kann es bestellen und dann ist es noch heute mittag da. Wenn Sie wollen.“

Frau: „Was ich WILL ist, dass sie es HIER haben. Nein. Lassen sie das. Das Ibuprofen nehme ich dann auch nicht hier!“

Und stapft raus.

Viel Spass beim Apotheken-abgrasen. Ich glaube wirklich nicht, dass das auch nur eine hier in der Nähe an Lager hat.

Und jetzt ein Kaffee.

Metoprolol – mit Problemen

Hi, ich war heute bei meiner deutschen Apotheke, um meine Blutdruckkombibonschen abzuholen. Die Dame liest das Rezept, tippet lange und viel in ihr POS und meint dann, ich solle man Platz nehmen, sie müsse mit dem Lieferanten telefonieren.
Nach gefühlten Stunden kommt sie wieder raus und teilt mit, dass ihr Hauptlieferant kein Metoprolol 100 Stück 200 mg hat, ihr Nebenlieferant exakt eine Packung hat und die ich nun kriege.
Ok, denke ich mir, Sterben erst Mal verschieben.
Nun weiß ich, dass Metoprolol eines der Standards bei Bluthochdruck ist. Bei Wikipedia mal nachgeguckt, ja isses.
Öhm, nicht lieferbar? Ende des Monats, wo das erst begonnen hat?
Was machen die da? Und warum nicht einfach mit 2 x 100 mg ersetzen, ’n halbe 400er oder so?

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Auf facebook ist das gerade im Moment ein Riesen-Thema unter den deutschen Apothekern. Dass etwas derartig häufig gebrauchtes in gar keiner Form mehr lieferbar ist. Du hast tatsächlich Glück gehabt, konnte Deine Apotheke Dir noch etwas besorgen.

Auch ohne ApothekeR fehlt Dir was hat darüber geschrieben: Luftnummer mit Metoprolol.

Anscheinend sind das Problem die Rabattverträge. Die Krankenkassen machen die mit den Firmen über einzelne Wirkstoffe ab um zu sparen (keine Ahnung, was für Rabatte die da für sich aushandeln, die Apotheker bekommen davon gar nichts mit und haben auch nichts davon). Die anderen Firmen wissen dann häufig, dass sie nicht mehr so viel von dem Medi absetzen werden / können und setzen entsprechend ihre Produktion herab. Die Gewinner-Firma sollte ihre Produktion so weit heraufsetzen, dass der Bedarf gedeckt ist … dadurch verpflichtet sie sich in dem Rabattvertrag. Nur … manchmal klappt das offenbar nicht.

Und am Ende steht der Patient da, der das braucht und bekommt es von nirgends mehr her. Und ist dann sauer auf die Apotheke als Überbringer der schlechten Nachricht … wobei ich dir versichern kann, dass sie am wenigsten dafür können und (wie bei Dir) alles tun um da zu helfen.

Das mit dem Ersetzen scheint in Deutschland auch nicht ganz so einfach zu sein … auch wieder der Krankenkassen sei Dank, denn da gibt es so etwas wie die Retaxation. Das bedeutet: Wenn Du als Apotheke nicht genau das (!) abgibst, was die Krankenkasse will (also das Medikament von der Firma, wo sie einen Vertrag haben) oder das von dem auf dem Rezept geschriebenen abweicht (in Grösse, Dosierung, Firma), dann kann die Krankenkasse am Ende das gesamte Geld (!), das die Apotheke für die Besorgung und Abgabe des Medikamentes bekommen hat wieder zurückverlangen.

In deinem konkreten Beispiel gibt es vielleicht das Metoprolol noch von einer anderen Firma – die Kasse zahlt aber nur das von der rabattierten Firma, oder vielleicht noch eine der drei sonst günstigsten. Wenn die Apothek also noch irgendwo Metoprolol 200 finden sollte, dann muss bei einem Ersatz durch eine andere Firma das auch immer ausführlich dokumentiert werden für die Kasse: dass das Metoprolol 200 von der ursprünglichen Rabatt-Firma oder ersatzweise einer der drei günstigsten anderen von keiner Firma lieferbar war … und viele Firmen weigern sich dafür die nötigen Bescheide auszustellen (unter anderem, weil das ja auch der Beweis dafür wäre, dass sie nicht liefern können und das wäre Vertragsbruch der Rabattverträge …).

Dann könnte man natürlich das Salz wechseln, oder eben die Dosierung, nur muss wegen der Umstellung dann ein neues Rezept beim Arzt geholt werden. Wieder hängt man als Apotheker, der gerne helfen möchte (und vom wissenschaftlichen Standpunkt aus auch könnte: mal ehrlich, das ist kein Problem bei dem, halt 2 x 100mg zu nehmen statt 1x 200mg)  zwischen allen Fronten und am Ende macht man noch so Verlust, dass man es sich eigentlich nicht mehr leisten kann.

Bei uns in der Schweiz scheint einiges mehr an gesundem Menschenverstand zu regieren und es gibt keine derartigen Vorschriften. Bei uns wäre ein Ersatz einfach und unkompliziert möglich: einerseits durch ein Metoprolol von einer anderern Generikafirma (ohne den ganzen Papierkram), andererseits durch eine andere Dosierung und Anwendungsrhythmus. Ohne Gefahr, dass wir das Geld für die geleistete Arbeit nicht bekommen.

Auf der anderern Seite gibt es bei uns aber auch viel weniger Generika und Firmen und gelegentlich gehen wieder Medikamente ausser Handel, oder sind ewig nicht lieferbar, weil der Absatzmarkt in der Schweiz zu klein und offenbar unrentabel ist.

Neue Blogs im Leser

kind und kittel – für mich die Blogentdeckung des letzten Monats, eine Ärztin, auch Mutter – und mit ganz ähnlichen Problemen wie die meinen. Ihr letzter Beitrag zur Vereinbarkeit ist genauso lesenswert, wie der Post über Zeckenentfernung (seitdem habe ich immer das Bild der herum-laufenden Zecke im Kopf …)

Auf Mama ist Kinderärztin bloggt Johanna mit Herz und Wissen über … genau das. Medizinische Themen und persönlicher HIntergrund dazu.

Auch DrNessy von happynessygirl ist Ärztin, bloggt aber neben medizinischem vor allem über (ihre) Fashion.

Justdisabled zeigt dafür mal die Patientenseite. Eigenbeschreibung: „eine Spastikerin erzählt über den alltäglichen Wahnsinn mit Handicap“ – gratuliere zu den ersten 6 Monaten Bloggen!

Nannyanny bezeichnet sich als „der wahre Supernanny Blog“ und hat interessante Beiträge, befindet sich momentan aber in der Sommerpause.

und natürlich: Ohne ApothekeR fehlt Dir was, eine Seite, die ich im Rahmen meiner Blogparade schon vorgestellt habe, die ich aber allen ans Herz lege, die wissen wollen, wie es in deutschen Apotheken zugeht (im Gegensatz zu denen in der Schweiz)

— ich bin sicher, ihr findet auch etwas für Euch zum lesen, das Euch über das Sommerloch hinwegbringt :-)

Hier profitiere ich nie was!

Frau Säuerlich mit ihrem blauen Auge betritt die Apotheke.

Andrea der Lehrling übernimmt sie.

„Haben Sie mir etwas dafür?“ fragt Frau Säuerlich und deutet auf ihr Auge.

Andrea: „Ich glaube sie haben schon Heparin-Sa-„

Frau Säuerlich unterbricht sie – das ist auch eine ihrer unangenehen Eigenheiten. „Heparin Salbe habe ich schon ausprobiert. Was gibt es da sonst noch?“

Andrea: „Vielleicht Arnika Salbe? Das …“

Frau Säuerlich: „Das geht auch dafür? Wieviel ist die?“

Andrea holt sie und schaut: „Die kleine Tube ist 9 Franken.“

Frau: „Wieviel? Nein – das brauche ich dann nicht, das geht auch alleine wieder weg. Aber ein Dafalgan nehme ich noch.“

Andrea scannt es ein: „Das macht 2 Franken 55 – haben Sie eine Kundenkarte bei uns?“

Frau Säuerlich: „Nein. Das brauche ich nicht. Geben Sie mir stattdessen noch ein Muster von der Voltaren Salbe.“

Andrea: „Tut mir leid, aber von denen haben wir keine Muster, die machen das nur selten….“

Frau Säuerlich: „Was? Kein Muster?! Wieso komme ich überhaupt hierher? Hier profitiere ich ja überhaupt nie.“

Andrea (superfreundlich): „Nun, ich könnte ihnen eine Kundenkarte machen, wenn Sie mehr vom Besuch profitieren wollen …“

Frau Säuerlich zettert irgendetwas nicht ganz verständlich aber deutlich ablehnendes in sich hinein, während sie das Kleingeld heraussucht.

Andrea: „…aber wegen dem Muster: Wie war denn die, die Sie vor ein paar Tagen mit der Heparin-Salbe geliefert bekommen haben?“

(gratis nach Hause geliefert notabene).

Frau Säuerlich: „Die hat gebrannt!“