Ein „heisses“ Wochenende

Herbstzeit ist immer auch die Zeit für die lokalen Feuerwehren ihre Hauptübung durchzuführen und bei der Bevölkerung zu zeigen, was sie können.

Nachdem ich über 10 Jahre bei der hiesigen (freiwilligen) Feuerwehr war und mein Mann es immer noch ist, gehört das natürlich dazu, dass wir die Hauptübung jeweils besuchen.

Es ist etwas, was ich allen Eltern empfehlen kann. Gratis Unterhaltung, zum Teil sogar lehrreich und Kinder lieben es.

Oben die Übung im vollen Gang.

Situation: ein Auto ist in einen Tankzug mit brennbarer Flüssigkeit gefahren und hat ihn von den Schienen geschoben. Der Zuganhänger hat angefangen zu brennen, im Auto befindet sich eine verletzte Person, die gerettet werden muss.

Während die Feuerwehrleute einen Schaumteppich legen und andere dabei sind das Fahrzeug aufzuschneiden, kommt der Feuerwehr-Zug der SBB an. Super! Junior weiss jetzt was er mal werden will: Feuerwehr-Zug-Lokkifahrer!

Das ist Junior tatkräftig bei der Mithilfe mit einem 30er Schlauch (wir fangen klein an). Es dauert nur noch 9 Jahre, dann kann er bei der Jugendfeuerwehr anfangen -wenn er dann noch will.

Vorläufig ist die Begeisterung ununterbrochen.

Ein Tresor und die Feuerwehr

Zur Abwechslung mal eine Geschichte aus der Feuerwehr, selbst erlebt (oder zumindest mitgehört):

Früher hatten wir in der Feuerwehr noch nicht die heutigen Pager, sondern wurden via Telefon alarmiert – ein paar wenige hatten Funkpager, womit man praktisch den Funkverkehr der Feuerwehren in der Nähe abhören konnte.

Mein Kuschelbär hat wegen den Ferien des normalen Besitzers ein solches bekommen und darum bekamen wir das Drama live mit.

Zuerst ein Feuer-Alarm in einer Firma: „Feueralarm bei Firma … bieten Gruppe 3 auf.“

dann wie die Fahrzeuge ausrücken: „Kowa rückt aus, TLF rückt aus …“

Ankunft bei der Firma: „Kowa vor Ort, TLF vor Ort…“

Soweit alles normal. Dann eine Zeitlang Stille. Das nächste was kommt lässt uns aufhorchen:

„Feuerwehr … an Alarmzentrale: Könntet Ihr die Polizei alarmieren, dass sie jemanden schicken. Hier sind ein paar dabei einen Tresor aufzubrechen.“

WAS war das? Tresor aufbrechen?

Ja, genau. Wie üblich bei einem Feueralarm schaut man erst mal, wo der Alarm ab ist (auf dem Brandmelder-tableau) und schickt jemanden nachsehen. Unser Feuerwehrmann geht also hin, öffnet die Türe und trifft 2 Leute an, die gerade dabei sind einen ziemlich grossen Tresor aufzuschweissen.

Rasch die Situation überblickend reagiert der doch etwas überraschte Feuerwehrmann cool und sagt: „Wir hatten einen Alarm, aber hier … brennt es wohl nicht. Guten Abend, noch“ … und geht wieder.

Draussen alarmiert er die Polizei, die die Safeknacker auf (immer noch) frischer Tat erwischt. Den Tresor haben sie früher am Tag gestohlen und hierhergeschafft, um ihn in Ruhe öffnen zu können. Pech nur, dass sie das gerade unter einem Rauchmelder versucht haben….

Die vertrauenswürdigsten Berufe

Also DAS finde ich doch sehr erfreulich:

Jedes Jahr führt Readers Digest eine Umfrage in 16 Europäischen Ländern durch, um die „most trusted Brands“, also die vertrauenswürdigsten Marken zu ermitteln. Dabei fragen sie auch nach Berufen:

Wie hoch ist Ihr Vertrauen bei folgenden Berufsständen in Ihrem Land?

[In % der Wert für „sehr hohes“ bzw. „ziemlich hohes“ Vertrauen. Antworten zu 20 vorgegebenen Berufen. Basis: 23.287 Befragte in 16 europäischen Ländern,

Feuerwehrleute EUR 92% / CH 92%

Piloten EUR 89% / CH  94%

Apotheker EUR 87% / CH 88 %

Krankenschwestern EUR 85% /  CH 92%

Ärzte EUR 83% /  CH 88%

Quelle

Je nach Land ändert die Reihenfolge minim, die Apotheker sind aber eigentlich immer unter den ersten 4 Plätzen zu finden – was mich sehr freut.

Auch toll finde ich das mit den Feuerwehrleuten – da habe ich doch eine Zeitlang gleich 2 der respektabelsten Berufe gleichzeitig ausgeübt … :-)

Dass die Piloten teilweise stark gestiegen sind im Ansehen ist auch nicht erstaunlich nach der Glanzleistung der Landung im Hudson River.

Fehleinschätzung

Mein Mann ist an einem Feuerwehreinsatz. Offensichtlich ist eine grössere Leitung geplatzt und hat diverse Keller unter Wasser gesetzt, die jetzt ausgepumpt werden müssen.

Da fällt mir das letzte Mal ein, wo so eine grosse Leitung geplatzt ist.
Das war im Sommer und die Leitung ging in der Nähe einer Unterführung kaputt. Das Wasser strömte in die Unterführung (riesige Wassermassen) und normalerweise würde es durch eine Dohle oder diverse Abläufe abfliessen. Nicht aber bei dieser Unterführung, denn die war konstruiert worden im Katastrophenfall als Wasserreservoir zu dienen – deshalb war sie „dicht“.

Stell Dir vor, du fährst Auto und dann siehst Du das:

Was tust Du?

Wenn die Antwort lautet: „Ich probiere durchzufahren, das kann ja nicht mehr als eine Pfütze sein!“ …. das haben 2 Autofahrer auch gedacht.

Das war das Ergebnis:

Ich sagte ja: riesige Wassermassen!
Übrigens sind die Insassen der Fahrzeuge unverletzt rausgekommen.

So, mein Mann ist grad wieder zurück, nach 6 Stunden (!) und wir gehen jetzt ins Bett.

Airbags und die Feuerwehr

Airbags sind eine tolle Erfindung. Sie haben schon einige Menschenleben gerettet und mehr Sicherheit gebracht – für die Autofahrer jedenfalls. Die Feuerwehr mag Airbags nicht ganz so sehr.

Der Grund: nach einem Unfall mit grossem Schaden müssen sie die Insassen der Fahrzeuge oft noch herausholen. Das bedeutet – v.a. wenn die Türen sich nicht mehr öffnen lassen: aufschneiden und dann die Personen vorsichtig herausheben. Ein Airbag der losgegangen ist, ist meist kein Problem… Ausser vielleicht für den, der direkt davorgesessen ist: das knallt extrem laut (gibt Tinnitus) und der Fahrer hat gelegentlich leichte Verbrennungen an den Handgelenken, dort, wo beim Lenkrad die Abgase der Explosion, die das Auslösen eines Airbags ja ist herauskommen. Aber besser als mit dem Kopf oder Oberkörper aufs Lenkrad oder die Windschutzscheibe zu knallen ist es allenfalls.

Also: unausgelöste Airbags sind ein Problem für die Rettungskräfte, weil sie nämlich später noch losgehen können. Dabei muss man bedenken, dass es sich bei den nicht losgegangenen nicht um Nieten handelt, es sollen ja nur die Airbags losgehen, die etwas bringen, also die zwischen Person und Aufprallort. Jetzt haben aber moderne Autos ausser den Airbags im Steuerrad und vor dem Beifahrer noch Seitenairbags in den Säulen auf der Seite. So ein Auto kann 6 – 8 Airbags haben! (Schau mal in Dein Auto und such sie). Nicht alle lösen bei einem Unfall aus.

Man versucht bei einer Rettung ein weiteres Auslösen der Airbags zu verhindern, indem man z.B. die Batterie abhängt. Leider klappt das nicht immer, wie man in dem folgenden Film sehen kann:

Der Fehler von dem Feuerwehrmann war auch, dass er mit dem Kopf hineinging – das sollte man nach Möglichkeit nicht. Er hat mindestens eine Gehirnerschütterung und ein paar gebrochene Knochen.

Es gibt übrigens so Vorrichtungen, die man zumindest über das Steuerrad schnallen kann, damit der Airbag, falls er doch losgeht, abgefangen wird. Aber das funktioniert nur bei dem am Steuer, nicht bei den anderen.

Ich persönlich war zwar in 3 Unfällen, aber das ist schon eine Zeitlang her – bei keinem war ein Airbag der losgehen konnte.  Dafür haben wir in einer Demonstration in der Feuerwehr haben mal ein paar Airbags gezündet – jetzt weiss ich warum sich die Erfahreneren die Ohren zugehalten haben.

Die Explosion ist wirklich extrem laut.

Anschnallen bitte!

Einer der eindrücklichsten Einsätze, die ich in der Feuerwehr hatte, war an einem Sonntag morgen. Der Pager meldete „Unfall, Autobahn, Person verletzt …“

Und das war es dann auch. Ich kam, weil ich erst in der zweiten Gruppe aufgeboten wurde zu einem bereits teilweise abgesicherten Unfallplatz, der sich wie folgt präsentierte: Eine stark eingedrückte Mittelleitplanke (wo der Fahrer, nachdem er offenbar eingeschlafen ist, reingekracht ist), Schleif und Schleuderspuren quer über die Fahrbahn – das Fahrzeug hat sich ein paar Mal überschlagen, das Auto lag auf der Seite auf der rechten Seitenböschung direkt zwischen den Stangen eines grossen Schildes mit Entfernungsangaben darauf. (Das Bild stammt von einem anderen Unfall).

Der Fahrer selbst lag neben dem Fahrzeug auf dem Boden. Er hat das Auto, als es sich überschlug, durch das (geschlossene) Seitenfenster verlassen. Das geht nicht ohne grössere Verletzungen ab, deshalb sagte auch ein älterer Kollege, als wir aus dem Transportfahrzeug ausstiegen: „Passt auf, wo ihr hintritt!“ … und richtig, da lagen verstreut ein paar blutige Teile. Die Sanität versuchte noch, ihn wiederzubeleben, musste aber aufgrund der massiven Verletzungen schliesslich aufgeben.

Wäre der Fahrer angeschnallt gewesen, wäre er im Auto geblieben und hätte wohl überlebt. Sich zu überschlagen ist meist weniger schlimm als ein direkter Zusammenstoss mit einem anderen Auto oder der Umwelt, weil dann eine Menge der kinetischen Energie so abgebaut wird, statt direkt auf das Auto und die Insassen einzuwirken.

In der folgenden Stunde sicherten wir die andere Seite der Autobahn, wo noch Trümmer der Mittelleitplanke lagen, bis die Polizei alles aufgenommen hatte.

Etwas unangenehm war, dass man (wie oft) nicht wusste, ob der Fahrer allein im Auto gewesen ist, oder ob da eventuell noch eine andere Person war, die herausgeschleudert wurde. Dann muss man die Umgebung des Unfalls gut absuchen.

Aus dem Einsatz habe ich verschiedenes gelernt: Erstens: Anschnallen ist wichtig und kann Leben retten. Trotzdem sind auch in der Schweiz bei Kontrollen rund ein Viertel der Autofahrer nicht angeschnallt.

Zweitens: die meisten Autofahrer nehmen auf der Autobahn keine Rücksicht. Viele bremsen nicht genügend ab, wenn sie an einer Unfallstelle vorbeifahren, was sehr gefährlich ist für die Einsatzkräfte. Und wenn sie bremsen, dann nur um zu glotzen – und zwar auf den Unfall, dass sie einen dabei fast über den Haufen fahren interessiert nicht.