Dreck ist gesund!

Wir leben in einer Zeit, die den Putzfimmel hat. Alles hat porentief rein und hygienisch zu sein. Klinisch sauber. Bakterienfrei. Die Werbung suggeriert uns, dass man offenbar sogar die Fussböden desinfizieren muss.

Dabei ist das alles gar nicht gesund. Mal ganz abgesehen davon, dass wir mit jedem Desinfektionsmitteleinsatz nur noch mehr Desinfektionsmittel-resistente Bakterien selektieren, also die, die uns dann irgendwann am ehesten Probleme machen, ist es auch für unser Immunsystem gar nicht gut, wenn wir alle Erreger von ihm fernhalten. Denn unser Immunsystem braucht Training. Vor allem das der Kinder.

Haben sie sich einmal gefragt, warum es heute immer mehr Allergien gibt? Einer der Gründe ist unsere superhygienische Umwelt – und dass unser untrainiertes Immunsystem verrückt spielt, wenn es dann einmal mit einem „Allergen“ (und das kann letztlich fast alles sein) in Kontakt kommt. Studien haben gezeigt, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen viel weniger Allergien haben, als Kinder, die in der Stadt aufwachsen. Dabei (oder eben: weil) haben sie täglich Kontakt mit so vielen Sachen, die häufig Allergien machen: Tierhaare, Gräserpollen, Staubmilben, Kuhmilch …

Also lautet auch die Empfehlung meines ehemaligen Immunologie-Professors: Lasst die Kinder Dreck essen! Lasst sie Dinge in den Mund nehmen, bringt ihnen aus den Ferien Sachen mit, zum ablutschen: Muscheln, Steine, Rinde, das alles trainiert das Immunsystem.

Natürlich habe ich das bei Junior befolgt. Abgesehen von gelegentlichem Durchfall – und auch das nie schlimm, hat er keine negativen Folgen davongetragen. Und klar, ALLES lasse ich ihn auch nicht in den Mund nehmen, das hat Grenzen. Zigarettenstummel sind zum Beispiel ein grosses NeinNEIN.

Tagesheime und andere Orte, wo Kinder zusammenkommen, sind auch gut in dem Sinne, dass das Immunsystem trainiert wird. Man (ja, ich auch) mag sich ja beklagen, dass die Kinder oft krank nach Hause kommen, weil sie den neusten Käfer der umgeht, dort aufgelesen haben. Aber das sind häufig Krankheiten die jährlich umgehen. Wenn sie es jetzt nicht durchmachen, dann später, im Kindergarten oder der Schule.

Jeden Tag Neues entdecken

Das Leben mit einem Kleinkind ist interessanter als man meinen möchte. Junior ist ja kein Baby mehr, sondern schon ein richtiger kleiner Junge. Gerade eben hat er wieder etwas Neues entdeckt, nämlich dass auch Pharmama kitzlig ist, wenn man ihr mit dem ausgestreckten Finger in den Rücken piekst, während sie auf dem Sofa vor dem Computer sitzt und schreibt. Piecks! Pieks! Und jedes Mal, wenn ich hochjucke kichert er wie wild. Pieks! Hihihihihi! Pieks! Hihihihihi!

Er erstaunt mich immer wieder mit etwas. Wenn man ihm im Moment sagt „Wo ist der Junior?“, hält er die Hände vor die Augen und nimmt sie wieder weg: Das Gugus-Spiel: „Daaa ist der Junior“. Gestern hat er am Mittagstisch stattdessen einfach nur beide Augen zugedrückt: ein grosszügiges Zwinkern und sich tierisch gefreut, dass wir zurückzwinkern.  Man kann ihn inzwischen auch fragen: „Junior, wo ist Mama’s Nase?“ und er zeigt sie einem. Oder man gibt ihm etwas in die Hand du sagt: „brings dem Papa“ und oft funktioniert es, dass er das tatsächlich macht. Ich finde das umso erstaunlicher, weil die meisten dieser Sachen ihm nicht bewusst beigebracht wurden.

Was noch nicht funktioniert ist, dass er kommt, wenn man sagt „Junior, komm her“. Stattdessen nimmt er das als Aufforderung, sich auf der Stelle umzudrehen und laut und fröhlich quietschend wegzulaufen. Das ist wahrscheinlich lustiger, weil er weiss, dass wir dann hinterherlaufen, um ihn einzufangen.

Der weisse Kittel aka Apothekerschurz

Es ist wieder einmal soweit: weisse-Kittel-Bügel-Zeit. Seufz.

Einerseits ist er ja Statussymbol, der weisse Kittel oder Schurz, den die Apotheker tragen, andererseits ist es doch so, dass auch andere medizinisch verwandte Berufe ihn tragen. Die Ärzte natürlich – was manche Kunden dazu veranlasst zu jedem mit weissem Schurz „Doktor“ zu sagen. Die Drogisten tragen auch weiss, bei ihnen ist es aber öfter ein sogenannter „Hängerli“, das heisst, ein Überwurf, der auf den Seiten offen ist, weniger der richtige Mantel.

Obwohl ich den Wiedererkennungswert des Weiss ja gut finde, hat es doch auch einige Nachteile:

– Es wird extrem schnell dreckig. Einmal die Kisten herumtragen, mit der die Medikamente geliefert werden, schon ist es wieder passiert.

– Dementsprechend häufig muss man die Schürzen waschen. Die meisten lassen sich mit recht hohen Temperaturen waschen, da es das gleiche Material ist, das schon lange für Laborschürzen genommen wird (um es genau zu sagen: der Unterschied zwischen den beiden besteht nur noch im Stil, im Schnitt – im Labor muss man nicht so gut aussehen).

– Und nach dem Waschen also meine Lieblingsbeschäftigung (nicht): das Bügeln. Das ist besonders bei diesen weissen Monstern kein Vergnügen. Aufgesetzte Taschen (3 müssen es für mich sein: eine davon eine Brusttasche links für die Kugelschreiber, 2 unten für Rezepte und andere Notizzettel) und eventuelle Applikationen sowie seltsame Schnittführungen sowie die Knöpfe komplizieren das Ganze noch mehr.

Ich bin ja glücklich, das mein Kuschelbär meist das Bügeln übernimmt – aber diese weissen Kittel hasst auch er.

Was einem über Babies nicht gesagt wird

Es gibt ein paar Dinge, die findet man als neue Mutter mit der Zeit raus. Da helfen einem die meisten Elternratgeber nicht, weil sie sich darüber ausschweigen.

Eines dieser Dinge ist diese kahle Stelle am Hinterkopf, die im Alter von ein paar Monaten auftritt.

Als ich sie bei Junior entdeckte (siehe Pfeil auf dem Bild), war ich aufs Höchste irritiert. Was ist das denn? Alopezia areata? (Kreisrunder Haarausfall), ein Pilz? oder beisst es ihn dermassen, dass er sich die Haare abschabt? Das schien es zu sein, denn als ich ihn beim Schlafen beobachtete, bewegte er den Kopf so hin und her, dass er sich praktisch diese Stelle kratzte – und dabei die Haare abscheuerte.

Ich nahm mir die Stelle noch mal genau unter die Lupe, konnte aber ausser den inzwischen immer mehr fehlenden Haaren nichts entdecken. Keine Rötung, keine Schuppen, keine kleinen Tierchen (Läuse oder Milben). Vielleicht biss es ihn einfach, weil die Haut trocken war? Ich versuchte es eine Zeitlang mit Olivenöl (dem Allerheilmittel für Babyhaut), aber ohne Erfolg. Erst später erfuhr ich, dass diese kahle Stelle bei Babys üblich ist – eine Nebenerscheinung davon, dass man sie auf dem Rücken schlafen lassen muss (wegen dem plötzlichen Kindstod). Von dem Moment an, wo sie anfangen sich selbst zu drehen und nicht mehr nur auf dem Rücken schlafen, geht diese Mönchstonsur von selbst wieder weg.

Mit den Haaren oder der Kopfhaut zusammenhängend ist auch der Milchschorf, der mehr oder weniger heftig bei vielen Babies auftritt. Darüber findet man wenigstens einiges an Info. Diese gelblichen Schuppen sind auch nur ein ästhetisches Problem. Vor allem wenn sie sehr stark auftreten und nicht mehr nur auf der Kopfhaut, sondern auch im Gesicht und Nacken fängt man an zu schauen, was es dagegen gibt.

Tägliches aufweichen mit Olivenöl und abwaschen mit einer leichten Seifenlösung (mit Babyshampoo hergestellt) hilft. Ich habe die Krusten auch noch gerne vorsichtig abgeknübelt …. aber das ist sicher nicht jedermanns Sache.

Babies auch haben eine ausgeprägte Halsfalte. Tatsächlich sieht es gelegentlich so aus, als hätten sie keinen Hals. Das Problem ist, dass diese Falte kaum Luft bekommt, dafür sammelt sie reichlich Dreck, wenn das Baby schwitzt, oder Muttermilch hinabläuft und der Talg sammelt sich auch da. Es kann sogar anfangen zu müffeln. Kurzum, das ist eine ziemlich eklige Angelegenheit. Auch schwierig zu reinigen und zu trocknen. Das ist vor allem in den ersten paar Lebenswochen ein Problem.

Grundsätzlich sollte man ein Baby in den ersten paar Monaten nicht zu oft Baden. Einmal in der Woche genügt. (Ja, ernsthaft!). Die Halsfalte würde ich aber mindestens einmal täglich anschauen und sanft reinigen: Kopf etwas nach hinten beugen, Falte mit einem Feuchttüchlein auswischen und trocknen (ev. Mit einem Föhn). Dann Nachpflegen mit einer Fettsalbe oder mit Muttermilch (und trocknen lassen). Puder verklumpt nur und macht das Problem schlimmer. Wenn die Falte wirklich rot und entzündet ist, muss man sie anfangs häufiger pflegen und gut, gut trocknen jedes Mal.

Es gibt sicher noch mehr – und es kommt da sicher noch eine Menge auf mich zu. Ich bin gespannt, was noch alles.

Im Zoo mit Kindern

Am Wochenende waren wir mit Junior und seiner Cousine samt Anhang im Zoo.

Wir haben uns ein Familienabo für das ganze Jahr besorgt, weil das jetzt wohl öfter vorkommen wird.

Junior hat viel Freude an den Tieren – je Näher, desto besser!  Cousinchen, die ein paar Monate jünger ist, interessiert sich am meisten für die Fische. Das scheint bei vielen so zu sein. Fragt sich nur, woher das kommt? Denken sie das ist Fernsehen mit Interaktion? Oder ist es, weil die Aquarien so hell beleuchtet sind im Gegensatz zur dunklen Umgebung? Manchmal kleben sie regelrecht an den Scheiben fest. Wenn man manchmal nur wüsste, was in den kleinen Köpfen vorgeht!

Jedenfalls ist ein Zoobesuch mit Kindern eine erfrischende Angelegenheit, weil für sie alles Neu ist. Sie achten auf ganz andere Dinge. Für sie ist der Spatz auf dem Weg mindestens so interessant, wie die Nilpferde im Wasser gleich daneben …

Junior und die Technik

Wir haben ja ein sehr Technik-interessiertes Kind. Auf jedes Knöpfchen muss gedrückt, an jedem Rädchen gedreht und jeder Schalter betätigt werden.

Ich frag mich ja, von wem er das hat ;-)

Besonders interessant ist es ja, wenn das Betätigen der Knöpfe einen unmittelbaren Effekt hat. Darum ist die Stereoanlage so beliebt und die Fernbedienung und natürlich auch das Telefon.

Vor allem das Telefon. Wir haben eines dieser neuen, drahtlosen Dinger, ausgestattet mit Rafinessen wie Anruferkennung, Wahlwiederholung, gespeicherten Telefonnummern… Ich glaube andere Eltern wissen schon, worauf ich hinauswill.

Als es das erste Mal passiert ist, dass Junior bei seinen Grosseltern angerufen hat, waren sie sehr beunruhigt. An der Nummer erkannten sie, dass der Anruf von uns kam, aber das einzige was sie hörten war angestrengtes Atmen. In Ihrer Vorstellung sah Oma die Pharmama nach einem Unfall am Boden liegen und mit letzter Kraft ihre Nummer wählen.

Inzwischen hat Junior sein eigenes „Telefon“ bekommen. Ein Ding von Fisher Price, das auf Knopfdruck verschiedene Melodien und Klingeltöne hören lässt und „Hallo“ und Tschüss“ sagt. Das ist toll, aber das Telefon der Eltern ist toller. Letzhin hat er die beiden darum unauffällig ausgetauscht, als es neben mir lag, während ich am Computer war – und hat prompt wieder bei den Grosseltern angerufen …

Ich muss unbedingt einen guten Blick auf die Telefonrechnung werfen diesen Monat …