Abend-Unterhaltung

Junior liegt neben mir im Bett, während ich ihm etwas vorlese. Auf einmal unterbricht er mich: „Hast Du da ein Loch im Ohr? Blutet das?“

und zieht mir leicht am Ohrring.

„Ja, das ist ein Loch – und nein, das blutet nicht – das macht auch nicht weh.“

Junior: „Darf ich mal schauen?“

Pharmama: „Soll ich den Ohrring wegnehmen?“

Junior: „Ja.“

Ich nehme ihm weg, Junior schaut sich mein Ohr-Ring-Loch genau an.

Junior: „Und wieso hast Du ein Loch im Ohr?“

Pharmama: „Das ist für die Ohrringe, damit die halten. (Ich zeige ihm, wie ich den Ohr-Stecker wieder reinmache). Das ist Schmuck – das sieht gut aus, oder?“

Junior: „Jaaa ….“

nach einer Weile: „Ich will auch Ohrringe!“

Pharmama (vorsichtig): „Vielleicht später … und vielleicht nicht gerade in beide Ohren? Männer haben meist nur einen Ohrring.“

Junior: „Ich will aber zwei – wie Du!“

Pharmama: „Na gut … aber damit warten wir noch, okay?“

Junior: „Aber warum?“

Pharmama: „Was denkst Du denn, wie die Löcher in die Ohren kommen?“

Junior: „Weiss nicht.“

Pharmama: „Die werden gestochen.“

Junior: stumm, aber mit grossen Augen.

Pharmama: „Und das macht im Moment schon etwas weh. Darum warten wir lieber, bis Du etwas grösser bist – okay?“

Junior: „Okay.“

Pharmama: „Soll ich jetzt weiterlesen?“

Junior: „Ja.“

(Ich bin so eine manipulierende Mama).

Vom Junior und vom Kindergarten (2)

Es gibt Neuigkeiten. Erfreuliche sogar :-) Junior ist ja im neuen Kindergarten – und er ist sehr glücklich dort. Und wenn er glücklich ist, sind wir es auch. Aber es ist nicht nur das. Nach dem missglückten Start im Herbst 2011 wurde Junior ja, als er 2012 (wieder) in den Kindergarten kam, zu den jüngeren eingeteilt. Als Erklärung: im Kindergarten gibt es in der gleichen Gruppe 2 Untergruppen. Die jüngeren im 1. Jahr und die älteren im 2. Jahr. Alle sind zusammen, nur haben die jüngeren an einem Nachmittag Kindergarten und die älteren an 2 anderen Nachmittagen.

Ich habe damals bei der Einteilung nicht gross etwas gesagt, obwohl ich es etwas erstaunlich fand – angesichts von Juniors Alter (5 1/2) und dessen, dass jetzt offensichtlich 2 Jahre Kindergarten obligatorisch sind. Ich wollte Junior ja auch die Zeit geben, die er braucht.

Jedenfalls folgte nach wenigen Wochen das erste Gespräch mit der Kindergärtnerin – das ich, nach den Erfahrungen letztes Jahr, tatsächlich etwas fürchtete. „Vom Junior und vom Kindergarten (2)“ weiterlesen

Was tun?

Ich habe eine Bekannte – vielleicht ist sie auch ein bisschen mehr – immerhin musste ich sie als Kind als „Tante“ bezeichnen, also ist sie über wer weiss wie viele Ecken wohl mit mir verwandt. Eine Zeitlang hatte ich bei ihr Klavierunterricht, wofür ich jeweils etwa eine Stunde Weg hin durch die Gegend fahren durfte … und sie häufig dann nicht einmal zur verabredeten Zeit da war. Irgendwann sah dann selbst meine Mama ein, dass ich kaum eine Karriere in der Musik machen würde – nicht wegen meiner „Tante“ Mia, sondern weil es mich nicht wirklich interessierte und ich nicht gerade viel geübt habe. Daraufhin wurden die Klavierstunden (nach Jahren) endlich eingestellt. Ich war nicht gerade unglücklich darüber. Mein Verhältnis zu „Tante“ Mia war trotz den Jahren Klavierstunden nicht wirklich eng.

Ich würde heute auch kaum mehr Kontakt mit ihr haben, wenn sie nicht zufällig in der Nähe wohnen würde, wo ich arbeite … und mich dort gelegentlich besucht. „Tante“ Mia ist keine Kundin von uns – tatsächlich ist sie auch heute mit über 85 Jahren so etwas von körperlich fit, dass man fast neidisch werden könnte. Ich glaube ich habe sie noch nicht einmal mit so etwas banalem wie einer Erkältung gesehen.

Aber „Tante“ Mia hat ein anderes Problem. Schon vor Jahren, als sie das erste Mal bei mir in der Apotheke aufgetaucht ist, ist mir aufgefallen, dass ihre ursprüngliche Schusseligkeit … wohl eher zugenommen hat. Anfangs waren es einzelne Dinge, die sie vergass. Den Namen von meinem Kuschelbär. Dass wir nicht mehr in X wohnen, sondern gezügelt sind. Das nahm graduell zu – und ich habe versucht, sie darauf hinzuweisen, dass sie wohl ein ernsthafteres Gedächtnisproblem hat und das vielleicht besser abklären lässt. Je früher je besser – denn es gibt ein paar Sachen, die man heute machen kann. Das hat sie immer abgelehnt mit: „Zu Ärzten gehe ich nicht.“ „Machen kann man sowieso nichts“ und: „Ich will keine Medikamente nehmen.“

Es wurde schlimmer. Irgendwann wusste sie meinen Nachnamen nicht mehr. Oder wie mein Junior heisst – wobei, dass ich ein Kind habe, das ist ihr geblieben. Inzwischen ist es so weit, dass sie auch meinen Vornamen die meiste Zeit nicht mehr weiss. Sie fragt dafür gelegentlich meine Mitarbeiter danach, wenn sie herein kommt – damit es mir nicht so auffällt.

Aber „Tante“ Mia kommt immer noch vorbei mich besuchen. Mit den immer gleichen freundlichen Fragen und den immer gleichen (alten) Geschichten. Und sie vergisst immer mehr und verwechselt die Dinge. Sie kam schon vorbei, weil sie irgendwo ihre Einkaufstaschen stehen gelassen hat, oder ihr Portmonee verloren.

Inzwischen gibt sie keinen Klavierunterricht mehr, was sie bis vor etwa einem Jahr noch gemacht hat – ich vermute zum aufbessern der Rente. Viel bekommen wird sie nicht von der AHV, sie hat zwar immer etwas gearbeitet, aber sie hatte keine spezielle Ausbildung und … Gelegenheitsjobs und Klavierstunden bringen nicht gerade viel. Sie wohnt immer noch allein in ihrer Wohnung und versorgt sich selber. Aber … wie lange wohl noch? Sie hat weder Familie noch (soweit ich weiss) enge Freunde oder Nachbarn, mit denen sie Kontakt hat. Keine Kinder, keine Geschwister, nichts.

Es wird ihr jetzt wohl auch bewusster, dass sie Probleme bekommt. Die letzten Paar Besuche hat sie gemeint „Man sollte nicht so alt werden!“

Und als sie vor Weihnachten wieder bei mir in der Apotheke vorbei kam, fehlte ihr das Gebiss im Oberkiefer. Sie hat es, wie sie mir traurig erzählte, „irgendwo verloren“. Und sie hat natürlich kein Geld für ein neues Teil. „Am besten“ meinte sie, „wäre es für mich, wenn ich einfach einschlafen und nicht mehr aufwachen würde.“

Uh … was soll ich sagen?

Ich sehe genug andere, bei denen es mit dem Altwerden nicht ganz so problematisch abläuft. Aber … das sind die, die vorgesorgt haben. Finanzielle Reserven angelegt, Versicherungen, soziales Netz intakt. Dann ist es auch nicht so tragisch, wenn es gesundheitlich, nicht mehr ganz so geht, wie bisher. Aber „Tante“ Mia hat nie vorgesorgt. Sie hat sich darauf verlassen, dass sie keine Probleme bekommen wird (oder nie an so etwas gedacht) … und vielleicht irgendwann einfach tot umfällt.

Nun läuft das aber nicht wie gedacht. Wie gesagt, gesundheitlich ist sie noch fit, aber mit der nachlassenden Geisteskraft … wird sie nicht mehr lange alleine für sich sorgen können. Dass sie ihr Gebiss verlegt / verliert , zeigt mir das schon deutlich. Ihr wohl auch.

Jedenfalls meinte sie vor Weihnachten noch: „Hast Du mir nicht etwas, was mich einschlafen lässt und nicht mehr aufwachen?“

„Nein!“

Und selbst wenn ich etwas hätte, bekäme sie es nicht von mir. Das ist wirklich keine Lösung – und auch keine, die ich mit meinem Gewissen vereinbaren könnte. … aber ich überlege mir, ob es wohl irgendwo Hilfe gibt für sie. Kann man sich in so einem Fall nicht an eine Stelle wenden? Das Sozialamt? Pro Senectute? Wer würde für eine demente, finanziell schwache Person, die wahrscheinlich gar keine Hilfe in die Richtung will schauen? Dürfen / können die das überhaupt? Und: wie geht das weiter?

Was ich auf jeden Fall nicht will ist, irgendwann in der Zeitung zu lesen, dass man eine vollkommen verwahrloste Frau, die seit Wochen allein tot in der Wohnung liegt gefunden habe.

Schlagende Argumente

Gestern mittag war ich mit Junior bei der Logopädin. Die sollte abklären, ob Juniors Probleme mit „Sch“ und „R“ etwas Training benötigen.

Um zu sehen, wie er sprachlich steht, hat sie diverse Tests mit ihm gemacht – hauptsächlich ging es mit Bildern, die er beschreiben musste. Das ging alles ganz wunderbar, bis sie zu einem Bild mit einer Pfanne kam.

Logopädin: „Was ist das?“

Junior: „Eine Pfanne!“

Logopädin: „Und weisst Du auch, was man damit macht?“

Junior: „Schlagen! …. äh, kochen.“

entsetzter Blick der Logopädin zu mir. Ich grinse betroffen – das hätte ich ja erwarten können. Dazu kann ich nur sagen: Disney ist schuld!

Ich habe dann versucht ihr das zu erklären: In die Ferien habe ich auf dem ipad einen Film mitgenommen, den wir ein paar Mal geschaut haben: Rapunzel. Und darin …

Ja – eben. Pfannen sind praktisch. Das ist hängengeblieben. Offenbar hat sie den Film bisher nicht gesehen.

Wahrscheinlich denkt sie jetzt, ich haue zuhause meinen Mann …

Dieses süsse Ding ist ein Chamäleon und heisst Pascal. Meine Lieblingsfigur im Film :-)