Ich verbuche das mal unter „Man kann es ja versuchen …“

Ich glaube ich erwähnte schon mal, dass es in der Apotheke und der Drogerie Muster gibt, ja?

Und dass die Muster gedacht sind zum ausprobieren für (potentielle) Kunden.

Aber …. was soll ich von folgendem mail halten, das wir bekommen haben? :

Ich suche nach neuen Kosmetikprodukten speziell für trockene und eher empfindliche Haut.
Haben Sie davon eventuell ein Müsterli?
Danke!
Freundliche Grüsse von Frau M. in Weitwegvonhier.

Versteht mich jetzt nicht falsch: ich gebe Muster gerne ab. Aber … die Frau wohnt fast 100 km weiter weg, war gewiss noch nie bei uns in der Apotheke oder Drogerie und will, dass wir ihr Müsterli schicken. Per Post (wie auch anders) was uns 7 Franken Porto kostet. Sie hat sicher ein paar Apotheken oder Drogerien bei sich in der Nähe (sie wohnt nicht auf einer einsamen Insel oder einer Oase in der Wüste) die sie fragen kann. Und andere Kosmetikprodukte als andere Läden haben wir auch nicht.

Was mich darauf bringt … wir sind sicher nicht die einzigen, die diese Anfrage bekommen haben -oder?

Ich kann nichts dafür …

Die ah … Frau ist hier – ich habe etwas Mühe, sie als Kundin zu bezeichnen- und meine inneren Alarmglocken läuten. Bei ihr vermuten wir schwer, dass sie noch gelegentlich etwas mitlaufen lässt. Leider ist es nicht einfach, sie zu erwischen. Wir stehen bei ihr inzwischen praktisch direkt daneben, während sie sich umsieht. Trotzdem fehlt danach häufiger etwas. Heute war das daneben stehen mein Job, weil gerade Mittagszeit und nur wenige Angestellte da.

Jedenfalls sucht sie sich ein, zwei Haarspängeli aus (wenn sie etwas kauft, dann meist nur Kleinigkeiten) und zahlt die.

Bei herauslaufen folge ich ihr und stehe in die Nähe, als sie sich noch unseren Halbpreis-Tisch ansieht. Da hat es noch ein paar Kleinigkeiten von Weihnachten drauf.

Ich habe ein Auge auf sie.

Da! … was war das? Hat sie nicht gerade noch etwas in der Hand gehabt und jetzt …

*Klacker* … fällt ein kleiner Keramikengel auf den Boden.

Sie bückt sich und stellt ihn wieder zurück. Und schon ist sie draussen.

Sie hat versucht ihn in ihre Manteltasche gleiten zu lassen – nur ist er aussen runter gefallen.

Die Frau ist das klauen so gewohnt – die peilt nicht einmal mehr! (Das ist der schnelle Blick vorher, ob jemand schaut).

Ich bin paff.

Aber das können wir uns nicht leisten. Schon ein paar Mal hatten wir sie schwer im Verdacht, weil irgendetwas nachher fehlte, aber das jetzt …. jetzt bekommt sie von mir Hausverbot. Ich eile ihr also nach.

Und was sagt sie, als ich ihr das mitteile?

„Ich kann nichts dafür, ich bin Kleptomanin!“

Ich kann auch nichts dafür, aber ich muss meine Ware und den Job meiner Mitarbeiter schützen und darum bekommt sie jetzt (trotzdem) ein Ladenverbot.

So was.

Spezifischer Kundenwunsch

Ich mag es ja, wenn der Kunde weiss, was er will. Aber manchmal sind die Wünsche ein bisschen zu … spezifisch.

So letzthin:

Kundin: „Ein Aufbaumittel für meine ältere Mutter, aber …

  • es darf kein Vitamin C enthalten und nicht aufputschend wirken, weil sie es am Nachmittag nehmen soll.
  • Es muss etwas sein, das man in viel Wasser lösen muss, denn sie soll mehr trinken – und anders bekomme ich sie nicht dazu. Also: Brausetablette oder Pulver, keine Tropfen, kein Sirup, den man löffelweise nimmt.
  • Es muss gut schmecken, sonst nimmt sie es nicht.“

Vorschläge? Ich habe nichts gefunden, das ihr passte.

Frustrierend.

Durgol dental

In der Drogerie verlangt der ältere Kunde „Eine kleine Flasche Durgol.“

Als er sieht, dass es die nur in Halb-Liter-Flaschen gibt, will er sie nicht: „Das ist viel zu viel. Ich brauche nur ganz wenig.“

Fragt die Drogistin: „Für was brauchen Sie es denn?“

Kunde: „Für das Gebiss – mein Zahnarzt hat mir das empfohlen.“

….

Im ersten Moment schwankt unsere Drogistin zwischen entsetzt und erstaunt. Durgol ist ein Mittel zum entkalken – zum Beispiel von Kafeemaschinen, Duschköpfen, Pfannen etc. … vom Gebiss, den 3. Zähnen steht aber nichts drauf.

Auf der anderen Seite … das Zeug ist einigermassen sanft und kann für Keramik und Metall eingesetzt werden, also … warum nicht, wenn man es hinterher wieder sehr gut mit Wasser abspült? Nachträgliches Googeln zeigt dann, dass es inzwischen wirklich Zahnärzte gibt, die das bei Kalkflecken auf den 3. Zähnen empfehlen – anstelle von Essigwasser.

Na denn … das wäre vielleicht ein neues Produkt: „Durgol dental“ – in kleinen Flaschen.

Tag der seltsamen Kundenwünsche

Das hatten wir letzthin. An einem Tag gleich mehrere Anfragen von … ungewöhnlichem.

Dass die Kunden zur Weihnachtszeit nach Kerzen in der Drogerie fragen, kenne ich schon – das liegt daran, dass das früher mal so üblich war. Genauso wie manche noch fragen, ob wir Fotos entwickeln, oder Holzbeize haben …

Aber eben, letzthin an einem Tag gleich drei seltsame Anfragen.

Frau: „Könnten sie mir die Adresse von jemandem anhand der Telefonnumer heraussuchen?“

Naja, ich könnte im Internet nachschauen, ob ich etwas finde. Aber, wenn Sie die Nummer oder den Namen haben, können Sie auch selbst beim Auskunftsdienst anrufen. Ich habe nämlich im Moment keine Zeit für derartige Recherchen.

Frau: „Ich brauche homöopathische Placebo-Globuli“ – Ja. Ernsthaft, Mit gar nichts drin (nicht mal Vakuum :-)

Wofür: Ihre Katze bekommt demnächst homöopathische Medikamente und sie will sie jetzt schon daran gewöhnen, die zu nehmen. Katzen sind nur schwierig dazu zu bringen Medikamente zu nehmen – und mit dem Essen soll man homöopathische Mittel ja auch nicht nehmen … Das haben wir ihr übrigens besorgen können. Hier der Beweis.

Mann: „Ich hätte gerne Kräuter Zigaretten aber ohne Tabak … – zum aufhören rauchen.“

Hmmm. Es gab tatsächlich einmal Zigaretten ohne Tabak, die wir bestellen konnten. Die sind inzwischen ausser Handel. Im Internet fand ich ein paar Vertreiber für so „Kräuterzigaretten“ – mit den absonderlichsten Geschmacksrichtungen. Menthol und Schokolade sind da noch die normalsten. Aber erstens kann ich die nicht bestellen und zweitens … widerspricht das Rauchen von Kräuterzigaretten nicht der Aussage „aufhören rauchen“?

Was hattet ihr bei Euch schon für seltsame Anfragen?

Zwei Anmerkungen von der Drogistin

Liebe Kunden in der Parfümerie. Es ist keine gute Idee, die Nase direkt an den Sprayer des Parfums zu halten um den Duft zu testen. Warum? Weil man da erstens nicht viel vom Parfum riecht – nur das, was vorher mal gespritzt wurde und weil, wenn das alle machen, die Möglichkeit gross ist, sich mit irgendwas anzustecken.
Ja, es ist Schnupfenzeit. Und nein, der Alkohol, der ist innen in der Flasche, draussen klebt dann das, was vorher eventuell in irgendeiner Nase war.

Für die Frau, die zum wiederholten Male nur in die Drogerie kommt, um gezielt nach einem speziellen Muster zu fragen: Nein, für Sie haben wir keine Widmer Augensalbe Muster mehr, jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie einmal etwas bei uns gekauft haben. Muster sind für Kunden. Wenn sie nie etwas bei uns kaufen, sind sie auch kein Kunde.

Ende der Durchsage, danke für’s lesen.