Kunden- Archetypen

Eine (unkomplette) Liste von Kunden-typen, die sich auch in der Apotheke finden. Speziell in unserer, so kommt es mir vor. Wenn ich „Er“ schreibe kann auch „Sie“ gemeint sein. Normalerweise gibt es in die Kunden in beiden Geschlechtern.

Dann wollen wir mal:

Der Spätkommer – kommt normalerweise etwa 5 Minuten vor dem Ladenschluss und erwartet volle Beratung zur Kosmetik / haben 5 Rezepte, die gleich eingelöst werden müssen (ausgestellt vor-gestern). An schlechten Tagen kommt er auch, wenn man schon geschlossen hat .. und klopft dann an der Türe.

Der Scherzkeks: Keine Preisetikette auf dem Produkt? Es muss gratis sein. Darf es sonst noch etwas sein? Schönes Wetter ! …

Der Versicherungsproblematiker: Hat eine neue Versicherung seit Anfangs Jahr und bringt die Karte nicht mit.  Dann versteht er nicht, warum wir das ohne Versicherungsnachweis nicht der neuen Kasse verrechnen können und will nicht verstehen, dass er es auch auf die althergebrachte Weise machen kann: selber zahlen und einschicken. Ist ja auch eine Frechheit von uns, so was zu verlangen!

Der Nervösling: Check das Patientendossier, alles was er bisher hatte ist Stilnox, Xanax, Temesta etc. (also Beruhigungsmittel mit Abhängigkeitspotential). Er springt praktisch von einem Fuss auf den anderen, während er ein weiteres „Notfallrezept“ von einem weiteren Arzt abliefert. Und vorher hat er natürlich versucht, das ohne Rezept bei uns zu bekommen.

Der Bis-zum-letzten-Moment-Aufschieber: gibt mir ein Rezept, das typisch ist für einen Besuch im Notfall des Spitals: Schmerzmittel, Antibiotikum,  (kann aber auch ein Blutdruckmittel sein) … nur dass das Rezept schon etwa 3 Wochen alt ist. Dann sagt er mir, er braucht es gleich und ich soll mich beeilen – er muss danach zum Arzt. Wahrscheinlich zur Nachkontrolle.

Der Exhibitionist – er / sie ist oft älter, nutzt jede Gelegenheit Haut zu zeigen und ist da sehr unempfindlich, ob noch andere Kunden mitbekommen, dass „Sie“ eine Pilzinfektion unter dem Busen hat (Schauen sie sich das an! – T-Shirt hoch) oder „Er“ einen Pickel auf dem Hintern (Na, so! – Hose runter).  Bevorzugte Opfer sind jeweils vom anderen Geschlecht, aber wir nehmen was da ist. Wir haben ein Beratungszimmer für so etwas.

Die „nur schnell eine Frage“ Person – die ungeniert ein Beratungsgespräch unterbricht um schnell eine Frage zu stellen … und dann Minutenlang irgendetwas erzählt, während der aktuelle Kunde daneben anfängt langsam zu kochen und sich nicht davon abhalten lässt.

Der Telepath – gibt einen Bruchteil der Info über das, was er will (Produkt oder Beratung) und erwartet dann, dass man selber den Rest herausfindet. Leider fehlte das Fach Gedankenlesen bei meiner Ausbildung …

Der absichtlich Schwerhörige: Er stellt Fragen – im normalfall intelligente und freundliche Fragen. Aber wenn man antwortet, unterbricht er einen, nur um dieselben Fragen ein paar Minuten darauf wieder zu stellen.

Der Idiot savant: er weiss nichts über das Produkt, das er gerne hätte, bis zu dem Moment, wo du ihm etwas zeigst oder auch erklärst, dass es das nicht gibt. Dann ist er auf einmal Experte und sicher, dass das, was du ihm zeigst nicht das ist, was er wollte oder dass es das Produkt so auch wirklich gibt.

Der französische Duscher – überdeckt wahrscheinlich damit seinen Körpergeruch und die Tatsache, dass er entweder keine Dusche hat – oder nicht weiss, wie man eine benutzt. Benutzt dafür Parfüm in Mengen, die jeden im Laden nach frischer Luft japsen lassen.

Der Telefon-Shopper: Nicht der Kunde, der anruft und per Telefon alles vorbestellt, zum abholen, sondern der, der mit dem Telefon am Ohr durch den Laden wandert während er Instruktionen erhält, was er jetzt kaufen soll. Meist männlich – am Telefon die Frau/Freundin. Einfacher wäre es uns zu fragen (denn selbst vom Zuhören wissen wir eigentlich schon, was sie will) , aber … nein.

Der Aberichbrauchdas – Dieser Kunde wird, wenn man ihn mit der Tatsache konfrontiert, dass etwas nicht an Lager / nicht lieferbar / nicht existent ist – automatisch antworten mit: Aber ich brauch das! Und dann erwarten, dass es automatisch erscheint. Wenn nicht, wiederholen wir es einfach ein paar Mal. Vielleicht denkt er, dass wenn er nur den richtigen Tonfall trifft es magisch erscheint?

Der Spekulierer – er ist offenbar in der Lage verschiedene Zeitlinien in der Zukunft zu sehen – und will auf alle vorbereitet sein. Er startet eine Menge Sätze mit: „Aber, was, wenn…?“ – und beendet sie mit der gerade aktuellen Vision. Angefangen mit der noch wahrscheinlichsten Variante, ist es gut, ihm nicht all zu sehr zu widersprechen, da sonst die Visionen immer abstruser werden … (Aber was, wenn ich mich auf die Blisterpackung setze und ein paar Tabletten herausgedrückt werden und mein Hund sie findet und isst …)

Der Info-Shopper: der Kunde (bei uns meist weiblich), der der Drogistin ein Ohr abkaut über ein neu herausgekommenes Produkt / Pflegelinie … .. und mit der Info dann in den Import Shop oder Discounter geht um es dort zu kaufen.

Der „Es-ist-nicht-für-mich“ Shopper – und der die Aussage verwendet wie einen Schild als Grund für alles, das er nicht kauft. (Auch wenn keine Ausrede nötig wäre).

Der Ein-Wort-Shopper – es scheint, dass er nie gelernt hat ganze Sätze zu äussern. In der Apotheke kommuniziert er in ein-Wort-sätzen wie „Aspirin“, „Karte!“, „Sack!“ – seltsamerweise fehlt oft „Danke“ in seinem Wortschatz

Mir fallen noch ein paar mehr ein .. wie den zeithabenden Schwatzer, die Geruchsbelästigung, den Verehrer-Kunden, den durch-den-Laden-Fragen-Schreier, den …

aber vielleicht könnt Ihr den Typen für mich definieren … oder es fallen Euch noch ein paar ein?

Wink mit dem Zaun

2 ältere Frauen laufen am Samstag 2 Minuten vor Ladenschluss ein. Um die Zeit ist es nur noch eine Drogistin und ich, die im Laden sind.

Frau 1: „Oh, schliessen sie schon?“

Drogistin: „Ja, Samstags schliessen wir um 6 Uhr“

Frau 2: (in unecht freundlichen Ton): „Oooh, entschuldigen Sie, dass wir sie aufhalten,, wir sind einfach etwas spät dran … es ist Samstag – warum schliessen die Läden da auch so früh? Sie sollten wirklich länger offen sein.“

Drogistin (davon ziemlich unberührt): „Naja, es ist Samstag … und es gibt eine Menge Leute,  die Samstag abend ausgehen und etwas unternehmen wollen. So wie ich. Darum bin ich auch froh, wenn wir rechtzeitig schliessen können …!“

Das war ein in meinen Augen ziemlich deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl … vielleicht grad dem ganzen Zaun?

Frau 2 kichert – sie denkt wohl das sei ein Witz.

Nein, nein – meine Drogistin meint das so!

Zumindest bei Frau 1 ist das angekommen, so dass sie sich bemüht den Einkauf kürzer zu halten – naja, kürzer als von Frau 2 wohl ursprünglich gedacht. Für die komplette Duftberatung wollen sie dann ein anderes Mal wieder kommen. (Bitte nicht am nächsten Samstag um 5 vor Ladenschluss …)

Massnahmen gegen Diebstahl

Auch bei uns in der Apotheke – speziell der Drogerieabteilung hat die Ware die Tendenz einfach zu „verschwinden“. In den Apothekenschubladen ist das weniger der Fall … aber auch das kam schon vor.

Jedenfalls haben wir inzwischen die verschiedensten Massnahmen in Anwendung, um die Verluste zu minimieren.

Früher hatten wir noch Kosmetiksteller vor der Türe, aber spätestens seit dem Typen, der seine Sporttasche da drunter stellte und mit ein paar Armwischen das ganze Gestell in seine Tasche räumte, war klar, dass das keine gute Idee mehr ist. Der Typ wurde übrigens von einem Kunden, der das beobachtet hat und laut schrie unterbrochen und musste letztlich ohne Beute fliehen. Und ohne Sporttasche. :)

Und in der Parfumabteilung stehen auch praktisch nur noch Leerpackungen und Tester.

Die Gillette Rasierklingen habe ich auch in die Schubladen geräumt und ein Schild aufgehängt, dass wir sie noch haben – man frage bitte danach. Seitdem haben wir zumindest da kaum noch Verluste .. und ich habe schon ein paar enttäuschte „Kunden“ (Anführungszeichen mit Absicht) wieder den Laden verlassen sehen, nachdem sie gemerkt haben, dass die nicht mehr in Griffweite sind. Viel weniger verkauft haben wir darum nicht. Also bleiben sie in den Schubladen. (Wieso sind die Leute gerade hinter den Dingern her?)

Leider kann man noch so schauen, es kommt immer wieder etwas weg. Manchmal ist es fast nicht zu glauben, wer da alles klaut.

Letzthin hatten wir eine 50% Schütte mit Kosmetikartikeln, die ausser Handel gehen nahe dem Eingang. Meine Drogistin hat beobachtet, wie eine junge, gut gekleidete Frau sich die Sachen anschaute … und dann ein Maskara in der Hand versteckt nach draussen nahm.

Sie lief ihr hinterher und fragte: „Kann ich ihnen mit unserem Maskara helfen?“ 

Worauf die Frau ziemlich rot anlief und meinte „Oh, habe ich ganz vergessen, dass ich das noch in der Hand habe …“

Ja. Sicher. Darum haben sie auch so gut geschaut, wo wir stehen, bevor sie es mitnahmen.

Sollte man die auch anzeigen?

Habt ihr auch schon einen Diebstahl beobachtet? Wie reagiert ihr da? Als Ladenbesitzer oder als Kunde.

Sind sie zu stark …

irgendwo gelesen:

1989 nahm die Supermarkt- (und Apotheken-) Kette Walmart in den USA die Mundspülung Listerine aus den Regalen, nachdem eine Frau behauptet hat, sie habe sich damit den Mund verbrannt. Nachdem man sie getestet hat, hat man sie wieder zurückgestellt. Es hat sich herausgestellt, dass das der normale Geschmack von Listerine ist.

:-)

Erinnert irgendwie an die Fishermans Friend Werbung, nicht?

Ich muss zugeben, dass ich weder Fishermans Friend noch Listerine sehr mag. Mir sind die auch zu scharf. Scharfes Essen mag ich zwar, aber nicht Menthol-scharfe Sachen. … Nicht dass ich deshalb einen Produkterückruf auslösen würde.

Es gibt übrigens demnächst eine neue Listerine Mundspülung, speziell für jene, denen das andere zu scharf ist. Meine Pharmaassistentin hat sie getestet. Sie meint: „brennt genauso.“

Lehm … woher?

Kunde: „Haben Sie Anliker Lehm?“

Ich schaue nach, sehe aber, dass wir das nicht mehr führen.

Pharmama: „Leider nicht mehr, aber …“

Kunde: (vorwurfsvoll): „Sie sind jetzt schon die Dritte Drogerie, die das nicht hat!!“

Pharmama:  „Das kann ich mir gut vorstellen, das braucht man heute nicht mehr so häufig, weil es wirksamere und besser anzuwendende Dinge gibt …“

Kunde: „grmpf“

Pharmama: (ok, ich habe verstanden, sie wollen unbedingt das) „…. Ich kann es ihnen, wenn das hilft auf heute Mittag 4 Uhr bestellen.“

Kunde: „Ja …. (überlegt) ok.“

Ich gebe alles in den Computer ein, schreibe den Bestellzettel: „Das macht dann 19 Franken.“

Kunde: „Muss ich das jetzt schon bezahlen?“

Pharmama:  „Ja.“ (die Erfahrung zeigt uns, dass es dann auch wirklich abgeholt wird)

Kunde: „Aber: ist es dann ganz sicher auch hier?“

Pharmama: „Ja, nach 4 Uhr ist es hier“ (wir haben die Möglichkeit auch gleich per Computer abzufragen, ob es kommt)

Kunde: zahlt, grummelt aber immer noch.

Das ist genau der Typ Kunde, der das erst grossartig bestellt … um dann nie mehr von sich hören lässt, worauf wir das Produkt mit Verlust wieder zurückschicken dürfen ….

Das ist etwas, was ich mich letzthin gefragt habe, als ich an der Baustelle vorbeigekommen bin. Anliker ist auch der Name eines Baugeschäftes. Die … heben auch Gruben aus. Woher kommt der Lehm nochmal? Neee (denke ich) … Oder?

Ich verbuche das mal unter „Man kann es ja versuchen …“

Ich glaube ich erwähnte schon mal, dass es in der Apotheke und der Drogerie Muster gibt, ja?

Und dass die Muster gedacht sind zum ausprobieren für (potentielle) Kunden.

Aber …. was soll ich von folgendem mail halten, das wir bekommen haben? :

Ich suche nach neuen Kosmetikprodukten speziell für trockene und eher empfindliche Haut.
Haben Sie davon eventuell ein Müsterli?
Danke!
Freundliche Grüsse von Frau M. in Weitwegvonhier.

Versteht mich jetzt nicht falsch: ich gebe Muster gerne ab. Aber … die Frau wohnt fast 100 km weiter weg, war gewiss noch nie bei uns in der Apotheke oder Drogerie und will, dass wir ihr Müsterli schicken. Per Post (wie auch anders) was uns 7 Franken Porto kostet. Sie hat sicher ein paar Apotheken oder Drogerien bei sich in der Nähe (sie wohnt nicht auf einer einsamen Insel oder einer Oase in der Wüste) die sie fragen kann. Und andere Kosmetikprodukte als andere Läden haben wir auch nicht.

Was mich darauf bringt … wir sind sicher nicht die einzigen, die diese Anfrage bekommen haben -oder?