Ich sehe gar nicht ein, warum ich damit zum Arzt muss …

Besten Dank an Sascha für seinen Gastbeitrag:

Mal ein deutsches Beispiel zum Thema: „Kunden, die nicht zuhören“

Ein Patient kommt in die Apotheke mit einer alten, verschmierten Medizinflasche und hält es mir vor die Nase: Ich gehe ein Stück zurück und lese das Etikett. Prednisolon, Clioquinol, Grundlage

Patient: „Ich möchte genau das noch einmal haben.“

Ich: „Ja, das kann ich Ihnen leider so nicht herstellen, da Prednisolon in Deutschland verschreibungspflichtig ist.“

Patient: „Aber ich bin privatversichert – ich bezahle es ja sowieso selber.“

Ich: „Das macht keinen Unterschied … solange mir kein Rezept von einem Arzt vorliegt, kann ich Ihnen das nicht noch mal herstellen. Gehen Sie bitte zum Arzt und lassen sich ein Privatrezept darüber ausstellen.“

Patient: „Das macht für mich keinen Sinn: Ich hole mir einen Zettel und dann muss ichs ja doch selber bezahlen. Füllen sie’s doch jetzt einfach so ab und ich bezahls…“

(Hmmm…wie kann ich das ihm noch genauer sagen?)

„Es gibt Substanzen in Deutschland, die nur auf ärztliche Verordnung abgegeben werden dürfen, ganz egal ob der Patient es selbst bezahlt oder die Kasse. Und ihre Rezeptur fällt unter diese Reglementierung.“

Nachdem er es immernoch nicht begriffen hatte, fing ich an mit den Begriffen frei verkäuflich, apothekenpflichtig und verschreibungspflichtig zu argumentieren – erfolglos. Er erörterte weiterhin, dass er es sinnlos findet, als PRIVATPATIENT zum Arzt zu gehen (er hielt sich eindeutig für privilegiert :) ). Unter lautem Schimpfen verließ er nach gefühlten 10 min die Apotheke …

Tja, was soll man da machen – manche Leute verstehens einfach nicht :)

Die Argumentation kenne ich. Ersatzweise bei uns noch: „ich sehe gar nicht ein, warum ich dafür zum Arzt muss – der verlangt immer etwas für das Rezept-ausstellen!“

Ja, das ist ja auch seine Arbeit.

5 Sterne Dienstleistung (Rerun)

(Dieser Post ist eine Wiederholung vom Mai 2008.)

Ich hatte letzthin eine alte Kundin (im Sinne von: ältere Dame und seit Jahren bei uns), die am Morgen telefonierte, um zu fragen, ob das Rezept, dass sie beim Doktor bestellt hat schon angekommen ist. Ist es nicht.

Weil sie eher schlecht zu Fuss ist, bringen wir ihr normalerweise die Medikamente vorbei. In diesem Fall Voltaren und Omezol (ein Mittel gegen Magenübersäuerung und das Generikum von Antra).

Ich sollte an dieser Stelle erwähnen, dass sie eine sehr nette Person ist, aber nicht gerade die unkomplizierteste.

Heute dachte ich, wäre es eine relativ einfache Sache. Warte, bis der Arzt das Rezept schickt (faxt), Rezept ausführen, Medikamente bringen.

Ich hatte mich getäuscht.

Bis zur Auslieferung lief es wie ich es mir vorgestellt hatte, dann bekomme ich ein Telefon von unserem Lehrling, der die Medikamente bringt: „Sie sagt, das sei das falsche Medikament“.

Ich sage: „Aber es ist genau das, was sie heute morgen telefonisch bestellt hat und genau das, was der Arzt aufgeschrieben hat – und genau das, was sie schon ein paar Mal vorher gehabt hat; wieso soll das jetzt auf einmal nicht mehr richtig sein?“.

Ich habe dann nochmal mit ihr geredet und dabei ist herausgekommen, dass sie, als sie letzhin wegen einer kleineren Operation im Spital war, anders aussehende Magentabletten bekommen hat. Sie meinte, mit den Omezol, die sie von uns bekommt, hat sie trotzdem Magenprobleme, aber mit den Omezol, die sie im Spital bekommen hat  -keine. Sie hat mit ihrer Tochter diskutiert (ich liebe es, wenn sie denken, sie bekommen von einem Familienmitglied oder Nachbarn kompetentere Info als von den Spezialisten = uns), jedenfalls hat die gemeint, es läge an den Hilfsstoffen. Es gibt nämlich verschiedene Omezol (Firma Mepha, Sandoz, Helvepharm, … alle machen Generika von Antra) und sie verträgt halt „unseres“ nicht, aber das vom Spital ist viel besser. Eventuell sei es ja das Original gewesen?

Hmmm. Es kann schon sein, dass sie auf einen Hilfsstoff seltsam reagiert, aber der beschriebene Effekt scheint mir doch etwas unglaublich. Trotzdem schlage ich ihr vor, ausfindig zu machen, was genau sie im Spital bekommen hat, und ihr das zu besorgen.

Wer schon einmal etwas vom Spital wollte, weiss was das bedeutet: Telefonieren, herumgereicht werden, ständig die Frage wiederholen und gelegentlich herausgeworfen zu werden vom Telefonsystem, worauf das Ganze wieder von vorne anfängt.

Endlich in der richtigen Abteilung bekomme ich die gewünschte Info: Sie hat gar kein Omezol bekommen, sondern Pantozol! (Auch ein Magenmittel).

Das ist allerdings auch ein anderer Inhaltsstoff und eine andere Dosierung, also muss ich noch dem Arzt anrufen und ihm die ganze Sache erklären und ihn bitten, ein neues Rezept auszustellen.  Was er dann auch tut.

Nun muss ich nur noch einmal den Lehrling schicken, damit er die Medikamente austauscht ( Pantozol hin, Omezol zurück).

Und das alles gratis! Sind wir nicht super?

In (Land in Afrika/Asien) bekomme ich das günstiger!

„Ich kaufe mein Malaria-medikament in Afrika (oder Asien), da bekomme ich es viel billiger.“

Wer Reiseberatung macht in der Apotheke hat das so oder ähnlich sicher auch schon gehört.

Bisher habe ich den Leuten davon abgeraten – nicht nur, dass an die 40% der in manchen afrikanischen und asiatischen Ländern erhältlichen Medikamente gefälscht sind (und so ziemlich alles enthalten können), gibt es offenbar auch ein Problem mit den regulär hergestellten Medikamenten.

So schreibt die DAZ (deutsche Apotheker Zeitung), dass 10% der von der WHO zugelassenen Antimalaria-Medikamente nicht die geforderte Menge an Wirkstoff enthalten.

Bei einer Vielzahl der minderwertigen Produkte handele es sich nicht schlicht um Fälschungen, so die Autoren der Studie; vielmehr seien mangelhafte Produktionsprozesse für die Qualitätsmängel verantwortlich, Sie sprechen sich daher für Arzneimittel-Kontrollen auch in ärmeren Nationen aus …

Das Problem betrifft nicht nur Malaria Medikamente (wo es offensichtlich schon für erste Resistenzen verantwortlich ist) sondern auch Medikamente zur Tuberkulose-Therapie und anderen bakteriellen Infektionen.

In die Studie wurden Arzneimittel aus Afrika, Brasilien, Russland, China, Indien und Thailand sowie der Türkei einbezogen die vor Ort in Apotheken bezogen wurden.

Ich weiss aus eigener Erfahrung vom Reisen, dass die Medikamente in diesen Ländern oft sehr viel günstiger sind. Aber ich nehme die wichtigen von zu Hause mit – da bin ich, was Qualität und Wirkung angeht zumindest sicher.

Auf dünnem Eis

… bewegt sich in meinen Augen momentan die Migros hier.

Gestern war ich einkaufen und dabei wird man gelegentlich mit Werbung beschallt. Im Moment für Früchte und Gemüse – und wie gesund das ist. Dagegen ist gar nichts einzuwenden, aber wie sie es machen, *da* musste ich doch aufhorchen:

„… kaufen Sie jetzt Zitronen, sie enthalten viel Vitamin C, stärken die Immunabwehr und senken das Fieber!“

Vollbremsung meinerseits, ungläubiger Blick auf den Lautsprecher über mir. Erst mal: seit wann senkt Vitamin C das Fieber? Zweitens: das ist eine Heilanpreisung … dürfen die das überhaupt? Auch wenn sie hier ganz offensichtlich keine Medikamente sondern Lebensmittel anpreisen.

Wenn ich dasselbe bei mir in der Apotheke oder Drogerie machen würde – zwar mit Nahrungsergänzungsmitteln, aber das halte ich für Vergleichbar, dann stände innert kürzester Zeit der Kantonschemiker und der Kantonsapotheker im Laden und ich hätte diverse rechtliche Konsequenzen zu tragen.

Aber das mit den Zitronen war nicht das einzige. Das nächste was ich hörte waren glaub für Kohl?

…hilft das Cholesterin zu senken und kurbelt die Fettverbrennung an!“

Aaargh!

Nichts wie raus hier.