Apotheken aus aller Welt, 478: Leiden, Niederlande

Sowie ein Foto von der Centraal Apotheek in Leiden, Südholland. Ich war noch in keiner der Apotheken drin, aber im vorbeigehen (zu einer anderen Tageszeit) konnte ich sehen, dass die Apothekenkunden in Leiden scheinbar eine Nummer ziehen und warten bis sie aufgerufen werden. Während die Kunden warten sitzen sie auf den bereits gestellten Stühlen an der Wand und vor dem Fenster. Von der Situation habe ich besser kein Foto gemacht, weil die Leute in einer sehr hell erleuchteten Apotheke am frühen Winternachmittag  sehr gut zu erkennen waren und vermutlich nicht jeder sich im kranken oder verletzten Zustand im Internet wiederfinden möchte.

Kim

leiden-centraal-apotheek

vom Patientengeheimnis und ungeduldigen Kunden

Eine unserer Stammkundinnen kommt mit einem neuen Rezept.

Sie empfängt mich mit den Worten „Ich bin so froh, dass sie hier sind.“

Nachdem ich es abgegeben habe, erzählt sie mir etwas von ihrer Situation. Ihre Mutter ist gerade aus dem Spital entlassen worden. Jetzt ist sie zwar zuhause, aber sie wissen noch nicht, wie lange und wie sie das alleine schaffen sollen. Sie wird mehr Unterstützung brauchen und … vielleicht einen Pflegeplatz.

Das ist jetzt wirklich nicht ein Gespräch, das man guten Gewissens beschleunigen kann. Und es waren auch wirklich nur ein paar Minuten.

Hinter ihr warteten 2 Personen – wir haben in der Mittagszeit auch reduziertes Personal.

Als die 2. Person bei mir drankommt, fährt sie mich an: „Was hat da so lange gedauert?!, Immerhin war das nur ein einzelnes Medikament, das sie bekommen hat! Das war extrem unhöflich– und schlechter Service – mich danach einfach so lange warten zu lassen!“

Weil ich (so gerne ich das hier wollte) unmöglich sagen kann „was“ da so lange gedauert hat, habe ich mich auf ein – „Jeder hat das Recht beraten zu werden“ beschränkt … und das  „auch unhöfliche Leute“ gerade noch runtergeschluckt.

Was hättet ihr getan?

Irgendetwas mit … T?

Ein Typ kommt in die Apotheke (man bemerke: diesmal ‚Typ‘ ohne Anführungszeichen), jung, lässig angezogen – und er hängt am Natel.

Er stoppt seine Konversation lange genug um mir zu erklären, dass er für das Kind seiner Freundin Medikamente abholen soll, die bereitliegen.

Typ: „Der Nachnahme fängt mit T an — und dann irgendetwas spanisches.“

Er war sehr enttäuscht und irgendwie ärgerlich, dass das nicht reichte und ich ihm erkläre, dass er die Freundin anrufen soll, um genauere Informationen zu bekommen.

Er tat das dann gezwungenermassen und bekam mit der richtigen Info so die Medikamente vom Rezept.

Es stellte sich aber heraus … der Nachname fing gar nicht mit einem T an. Was zu … ziemlich heftigen Diskussionen führte schon am Telefon. Was man – da die Diskussion in der Apotheke stattfand- ziemlich gut mitbekam.

Ich weiss nicht, wie lange er danach noch ihr Freund gewesen ist.

Informiert und immunisiert – Apotheker pro Impfen

Danke an die Seite für Impfen für diesen professionell überarbeiteten Beitrag! (Endlich einmal ein Blogeintrag mit wissenschaftlichen Fussnoten :-) )
proImpfen

Impfgegner argumentieren sehr häufig damit, dass Menschen mit einem höheren Bildungsgrad seltener sich und ihre Kinder impfen ließen.[1] „Wer weiß, impft nicht“ wird oft gesagt.[2]

In unserer Serie „Informiert und Immunisiert“ wollen wir Euch u.a. Menschen mit höherem Bildungsgrad als die Durchschnittsbevölkerung und ihre Einstellung zu Impfungen vorstellen. Eltern, die ihre Kinder impfen lassen, sind also mitnichten uninformiert oder ungebildet.

Heute stellen wir Euch die Apothekerin und Bloggerin Pharmama aus der Schweiz vor.

=== Beruflicher Werdegang ===
Pharmama wurde 1973 in der Schweiz geboren und wuchs dort auch auf. Nach dem Abschluss ihrer Schule in der nördlichen Schweiz, nahm sie ein Studium der Pharmazie auf und schloss dieses als eidg. dipl. Apothekerin so um die Jahrtausendwende ab. Seither arbeitet sie in einer öffentlichen Apotheke – in leitender Position. Pharmama ist seit 10 Jahren verheiratet und Mutter eines Kindes im Schulalter.[3]

=== www.pharmama.ch ===
Pharmama begann 2008 ein Blog zu betreiben, welches ihr unter https://pharmama.ch/ erreichen könnt. Hier bloggt sie über den Alltag eines Apothekers in Anekdoten und alles was sie so interessiert und ihren Lesern mitteilen möchte. Ihr Blog ist so erfolgreich, dass sogar ein Verlag an sie herantrat, um sie für ein Buch zu gewinnen.[4] Dem Kinderdok des Blogs „Kids and me 2.0“ hat’s jedenfalls gefallen[5] und uns auch.

=== Impfeinstellung ===
Pharmama hat sich in ihrem Blog auch zum Impfen geäußert.[6] Dank ihrer medizinischen Ausbildung erhielt Pharmama Einblick in die Folgen von Krankheiten – auf die Einzelperson und auf die Bevölkerung. Der Impfmüdigkeit und einer ‚zurück zu den natürlichen Wurzeln Bewegung‘ ist es anzurechnen, dass sie in ihrem Arbeitsalltag immer häufiger Kunden mit in Vergessenheit geratenen Erkrankungen zu sehen bekommt. Sie empfindet den Anblick eines an Keuchhusten leidenden Kleinkindes, das nach Atem ringt, als traurig, noch trauriger macht sie das Wissen um die Dauer des vermeidbaren Leidens.[7]

In einem Blog-Beitrag sagt Pharmama der Herdenimmunität adieu und erklärt, dass Impfungen ein Opfer ihres Erfolges sind.[8] Sie gibt zu Bedenken, dass Impfungen mehr als nur eine individuelle Entscheidung darstellen. Auch wenn die Krankheiten hierzulande möglicherweise recht gut zu behandeln sind (dank moderner Medizin und ausgebautem Gesundheitswesen), so reicht ein einzelner empfänglicher Überträger aus, um z.B. Masern in Gebiete zu tragen, die nicht den hervorragenden Standard der Industrienationen haben und können dort zu einem Ausbruchsgeschehen mit vielen Opfern führen.

Dass diese Bedenken berechtigt sind, sieht man an dem Masernausbruch 2009 in Bulgarien mit ca. 24.000 Erkrankten und 24 Todesfällen, der aus Hamburg importiert wurde.[9][10] Noch höhere Letalität findet sich beim Masernausbruch in Vietnam mit aktuell ca. 8.500 Erkrankten und knapp 120 Toten, zum Großteil Kindern.[11] Auch auf den Philippinen grassieren die Masern. In den ersten 6 Wochen starben 23 Menschen auf ca. 3.500 laborbestätigte Fälle.[12] Die aktuellen Zahlen dürften um ein Vielfaches höher sein. Die Philippinen drängen alle Bürger sich kostenfrei gegen Masern impfen zu lassen. Auch Vietnam bietet im Zuge des Ausbruchsgeschehen kostenfreie Impfungen für Kinder unter 6 Jahren an.[13] Diese Fall- und Opferzahlen könnten bei Überfüllung der Krankenhäuser im Rahmen von Epidemiegeschehen durchaus auch in Europa Realität werden, wenn die Herdenimmunität prävakzinale Prozentwerte erreicht. Wer das nicht glaubt, lasse bitte das EHEC-Ausbruchsgeschehen Revue passieren. Die Kapazitäten der Intensivstationen waren erschöpft.[14]

Pharmama kommt aus einer reisefreudigen Familie, ihr Blog belegt das sehr gut. Sie kann sich dieser Verantwortung auch für andere nicht entziehen, nicht für Mitbürger in Entwicklungsländern, nicht für nicht-impfbare Mitbürger der Industrienationen. Sie sagt:

„Ich will das für dich nicht. Und für mein Kind auch nicht – darum ist Junior geimpft. Darum bin ich geimpft.“[8]

In Anbetracht dieser Argumentation ist Pharmamas Empfehlung eindeutig:

„Und darum empfehle ich allen, sich zu impfen.“

So sieht’s aus. Wer weiß, impft!

Das Blog:
http://www.pharmama.ch/

Facebook-Fanpage ihres Blogs:
https://www.facebook.com/pages/Pharmama/123436366498

Quellen:
[1] Fritz Loindl, Vater von 5 ungeimpften Kindern und Elektronik und
Elektromaschinenbau-Meister: „Alle Eltern die ihre Kinder nicht impfen lassen, sind top informiert. Das ergab eine Studie an einer Neugeborenen-Abteilung in einer israelischen Klinik.“ (z.B. hier:https://www.youtube.com/watch?v=T67GSx3m2f8 Min 44:10)
[2] Fritz Roithinger, Landarbeiter und späterer Doktor der Medizin: „“Es gibt keine Entscheidung für das Impfen, denn Entscheidungen setzen Wissen voraus, und wer weiß, impft nicht!“ (z.B. hier: http://www.donotlink.com/eec)
[3] https://pharmama.ch/impressum/
[4] https://pharmama.ch/das-buch/
[5] http://kinderdoc.wordpress.com/2013/09/20/pille-heute-mal-in-grun/
[6] https://pharmama.ch/?s=Impfen&submit=Suchen
[7] Persönliche Kommunikation
[8] https://pharmama.ch/2012/06/25/tschuss-herdenimmunitat/
[9]http://www.psiram.com/ge/index.php/Masernausbrüche_an_Waldorfschulen#Deutschland_2
[10]http://scienceblogs.de/bloodnacid/2012/05/09/impft-eure-kinder-die-masern-sind-zuruck/
[11] https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=743000422400272&id=504832609550389
[12] http://nec.doh.gov.ph/images/MEASLES2014/
[13] http://www.vir.com.vn/news/en/society/vietnams-capital-offers-free-measles-vaccination-to-kids-aged-6-or-under.html
[14]http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/verdauung/ehec-epidemie-deutschland-infiziert-europa_aid_634154.html